Niederlande lassen Euroausstieg offiziell untersuchen

Die „Holländer stellen den Euro in Frage“. Auf Antrag der Christdemokraten wurde vom Parlament einstimmig eine offizielle Untersuchungskommission eingesetzt, die klären soll, ob die Niederlande überhaupt aus der Eurozone austreten dürfen, wie das gegebenenfalls ginge und ob es sinnvoll wäre. Man stelle sich das in Deutschland vor!

Dabei sind die Antworten eigentlich ziemlich einfach: Natürlich darf jedes Land die Eurozone verlassen. Das ist nicht explizit geregelt, doch durch einen Austritt aus der EU ginge es auf jeden Fall, die fehlende Regelung beim Verbleib in der EU ist kein Verbot und die Regeln lassen sich ändern oder auch, wie schon so oft, einfach brechen. Für den Austritt gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Für ein recht kleines und wohlhabendes Land ist es besonders einfach. Konkret würde ich neue Gulden als Parallelwährung empfehlen. Alte Verbindlichkeiten bleiben in Euro bestehen, für zukünftige Verträge darf man wählen, wobei sich dann viele für tendenziell stärkere Gulden entscheiden dürften, aber niemand das müsste. Die Niederländer hätten einfach eine Wahlmöglichkeit mehr, wobei auch Ausländer Geschäfte in Gulden abschließen könnten. Ob für tendenziell stärkere Gulden die Zinsen steigen würden, wage ich stark zu bezweifeln, aber sinnvoll wäre ein solcher Ausstieg in jedem Fall. Sollte der Euro später ganz verschwinden, wäre das auch kein ernsthaftes Problem mehr.

Ein erfolgreicher Präzendenzfall würde außerdem dazu führen, dass viel mehr Länder darüber nachdenken würden. Je früher und geordneter der Ausstieg aus dem Euro stattfindet, desto besser. Nach den Wahlen im März dürften viele holländische Politiker zwar zurückrudern, doch das Parlament dürfte dann insgesamt eher noch eurokritischer sein und die Untersuchungskommission ihre Arbeit tun lassen. Die Diskussion ist jedenfalls nötig und gute Argumente lassen sich dann nicht beliebig leugnen. Am besten wäre ein Volksentscheid zu dieser wichtigen Frage.

37 Gedanken zu „Niederlande lassen Euroausstieg offiziell untersuchen

  1. Ihr Vorschlag, die alte Währung (Gulden) als neue Parallelwährung einzuführen, gefällt mir gut! Ich habe mich bisher mit einer Abschaffung des Euro schwer getan, weil ich große Verwerfungen für eine schwierige Übergangszeit befürchtet habe. Mit zwei Währungen nebeneinander regelt der Markt die Bewertung.

    In Lateinamerika ist in vielen Staaten die einheimische Währung mehr oder weniger Spielgeld. Der US $ fungiert dort als stabile Zweitwährung, gerade bei größeren Anschaffungen (KFZ, Immobilien, ….).

    • Ja, wobei eine Rückabwicklung der gesamten Eurozone viel besser wäre. Die Niederlande hätten von einem einsamen Ausstieg, dem keiner folgt, nicht so richtig viel, weil sie eine eher kleine Handelsnation sind, die stark an Deutschland hängt. Für Großbritannien wäre der Brexit auch weniger schlimm, wenn die ganze EU zerfiele (oder sich zumindest öffnen würde) und Platz für mehr statt weniger Freihandel sowie bessere Bündnisse machen würde.

      • Die Niederländer könnten sich ja fortan am US-Dollar orientieren. Durch Shell sind sie ohnehin stark am Ölgeschäft beteiligt.

        Die Briten können ganz locker auf die EU pfeifen – ihr sehr viel größerer Binnenmarkt ist ohnehin der Commonwealth of Nations.

      • Großbritannien treibt viel mehr Handel mit der EU als mit dem Commonwealth, die Niederlande ohnehin. Für beide ist Deutschland der wichtigste Handelspartner.

      • Ja, das ist der IST-Zustand. Zum Commonwealth gehören aber auch die Bevölkerungsriesen Indien, Nigeria, Bangladesch und Pakistan. Gleichwohl deren Kaufkraft nicht mit der von EU-Staaten vergleichbar ist, darf nicht unterschätzt werden, dass es sich dabei allesamt nicht nur um noch völlig ungesättigte Märkte handelt, sondern auch um Staaten mit extrem billigen Arbeitskräften. Die Kolonialzeit läßt grüßen!

        Auch die ehemalige Kolonialmacht Niederlande unterhält nach wie vor – ähnlich wie GB zum Commonwealth – exzellente Handelsbeziehungen zu ihren ehemaligen Kolonien.

        In einer zunehmend globalisierten Welt wird sich dieser Wettbewerbsvorteil für die ehemaligen Kolonialmächte künftig deutlich bemerkbar machen.

  2. Ich denke,Europa braucht einen neuen Anlauf.
    Die Richtung war gut,aber das Tempo zu schnell.

    Mit der Merkel Keule der Alternativlosigkeit wächst es sicher nicht zusammen.
    Eher im Gegenteil,alle springen ab,wenn sie es können.

    • Sie brauchen sich doch nur die zunehmend verbitterte Mimik der Staatsratsvorsitzenden und ihres Finanzstatthalters auf Pressefotos der zurückliegenden zwei Jahre anzusehen. Da wird schnell klar, dass die Beiden mit ihrer Weisheit am Ende sind. Den richtigen Zeitpunkt zum Rücktritt auf dem Höhepunkt der Macht haben Merkel und Schäuble jedenfalls verpasst.

  3. „Parallelwährung“ erschien auch mir als geniale Lösung für einen Euro-Austritt, als ich den nachstehend verlinkten Blogpost zu schreiben anfing.

    Musste mich dann aber, beim detaillierten Durchdenken der Problematik, schmerzlich von dieser tollen Idee trennen: https://beltwild.blogspot.de/2016/07/deutschland-darf-nicht-aus-dem-euro.html

    (Vgl. auch meine weitere Untersuchung i. S. „Parallelwährung“, in diesem Falle zu dem von Friedrich August von Hayek vorgeschlagenen Konkurrenzwährungssystem: https://beltwild.blogspot.de/2017/02/nobelpreis-schutzt-vor-torheit-nicht.html)

    • Die Ausführungen in Ihrem Blog finde ich regelmäßig zu lang und relativ chaotisch (wahrscheinlich weil Ihnen so viel einfällt, was Sie alles loswerden wollen, statt sich jeweils auf eine Sache zu konzentrieren). Sie können dort natürlich machen, was Sie wollen, sollten hier jedoch mehr auf den Punkt kommen und Ihre zentralen Argumente kurz skizzieren.

      Wenn ich das beim Überfliegen richtig verstanden habe, gehen Sie davon aus, dass die Parallelwährungen einen festen Wechselkurs hätten. Das halte ich zumindest anfangs für keine gute Idee. Im Übrigen wird eine stärkere Währung, die regelmäßig aufwertet und mit weniger Inflation verbunden ist, einen niedrigeren Zins aufweisen müssen als eine schwächere Währung. Es ist also unseriös, gleichzeitig eine starke DM und einen hohen Zins zu fordern. Die Bundesbank könnte es dann höchstens der EZB unmöglich machen, ihre Niedrigzinspolitik durchzuhalten.

      • Ich denke, das Kernproblem ist:

        – Wenn man eine „gleitende“ Umstellung von Euro auf NDM ermöglichen will, muss die BuBa unbegrenzt umtauschen.
        – Das könnte sie zwar zu ihren Kursen tun.
        – Aber wenn sie die zu ungünstig ansetzt, wird es mangels Nachfrage nicht zu einer Umstellung kommen.
        – Setzt sie die Kurse neutral (oder gar zu günstig) an, dann werden ihr sehr viele Euronen angeboten. Sie wäre dann nicht Herrin ihrer Geldschöpfung, sondern insoweit faktisch nur ein Schwänzchen der EZB.
        – Wenn sie die DM jedoch nicht knapp halten kann, verlieren sie an Attraktivität bzw. haben sie keinen Konkurrenzvorteil mehr gegenüber den Produkten aus der Druckerpresse von Don Draghi. 🙂

      • Die Bundesbank (oder niederländische Notenbank) sollte gar keinen Kurs setzen. Das macht die Schweizerische Nationalbank auch nicht mehr. Sie könnte z. B. Geldwertstabilität in Deutschland anstreben. Der Kurs zum Euro wie auch zum Dollar etc. ergibt sich dann endogen.

  4. Wie ich jetzt sehe, hatten wir das Thema schon früher diskutiert: https://alexanderdilger.wordpress.com/2013/08/30/workshop-zu-parallelwahrungen/

    [Längeres, in Teilen ohnehin wiederholtes Zitat von mir gelöscht, um von insgesamt 982 Wörtern auf unter 500, das Limit hier, zu kommen, AD.]
    1) „es ist am plausibelsten, dass die Bundesbank eine neue Mark unabhängig herausgibt und die EZB weiterhin eigenständig den Euro.
    – Davon gehen auch meine Überlegungen aus.
    2) „Es gibt dann keine anderen Probleme als im Verhältnis zu weiteren Währungen wie dem US-Dollar oder britischen Pfund“
    – Schön wär’s! Die BuBa muss keine USD eintauschen, wenn sie nicht will. Euros dagegen schon: Wie sonst soll das mit dem Umstieg klappen? Wenn etwa laufende Verträge (z. B. Löhne) auf DM umgestellt werden, das Unternehmen jedoch (jedenfalls zunächst) vorwiegend Euro einnimmt? Wenn es nicht umwechseln kann, kann es seine vertragliche Verpflichtung nicht erfüllen. Wenn es nur zu Mondkursen (d. h. zu Kursen, die allein durch DM-Knappheit bedingt sind und keinen Bezug mehr zu den Kaufkraftrelationen haben) eintauschen kann, geht es pleite.
    3) „Auch in diesen Währungen können heute schon Geschäfte einschließlich Kreditgeschäften hierzulande abgeschlossen werden“
    – Sicher. Aber weder kann man damit IN DER BREITE bezahlen, noch seine Steuern entrichten. Bedeutet: Nationale Währungsräume sind natürlich nicht „luftdicht“ gegen andere abgeschlossen (und heute weit weniger als früher). Trotzdem bilden sie immer noch relativ einheitliche und abgegrenzte Systeme, die, in Maßen, auch von der jeweiligen Zentralbank steuerbar sind. In einem echten Parallelwährungssystem ist das anders: Dort kann jede Währung die andere(n) VOLLSTÄNDIG substituieren. Und auf jeden Fall entfaltet sich dort die Wirkung kommunizierender Röhren weit über jenes Maß hinaus, das es zwischen Auslands- und Binnenwährung im Zeitalter des liberalisierten Kapitalverkehrs ohnehin gibt.
    ——————————————————
    Zu Ihrem aktuellen Kommentar:
    1) „Sie [die BuBa] könnte z. B. Geldwertstabilität in Deutschland anstreben.“
    – Eben das kann sie nicht – vgl. Ziff. B 6 ff. in meinem Blott https://beltwild.blogspot.de/2016/07/deutschland-darf-nicht-aus-dem-euro.html.
    [Längeres Zitat aus Ihrem Blog gelöscht, AD.]
    Ihr obiger Vergleich mit der SNB (post Festkurspolitik) trägt also nicht. Eine größere Analogie besteht zur (mittlerweile aufgegebenen) SNB-Fixkurspolitik. Aber bei dieser hatte sie (logischere Weise) die Geldmenge nicht unter Kontrolle.
    2) „Der Kurs zum Euro wie auch zum Dollar etc. ergibt sich dann endogen.“
    – Für die Schweizer Franken gibt es einen echten Markt, wo sich Angebot und Nachfrage gegenüberstehen. Die SNB steht dort am Spielfeldrand und kann nach Belieben auf der einen oder anderen Seite eingreifen („dirty floating“ – macht sie vermutlich auch). Für die NDM gäbe es ohne die BuBa allenfalls einen „hinkenden“ Markt mit einer gewaltigen (teilweise zweifellos auch rein spekulativen) Nachfrage nach NDM, aber einem extrem geringen Angebot (seine NDM wechselt nur der in Euro ein, der zur Vertragserfüllung unbedingt Eronen braucht).
    Weitere Modellüberlegungen habe ich nicht mehr angestellt, sondern unter Ziff. 7 geschrieben:
    [Längeres Zitat aus Ihrem Blog gelöscht, AD.]
    Jedenfalls sollte deutlich geworden sein, dass die Sache mit den Parallelwährungen keineswegs so einfach und „selbstlaufend“ ist, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat. Weil sich hier zwei NOTWENDIGE Zielsetzungen gegenseitig aushebeln:
    – Jederzeitige Verfügbarkeit jeder gewünschten DM-Menge, und das zu Kursen, die den Wirtschaftssubjekten einen Umstieg sowohl schmackhaft machen als auch ermöglichen (sonst gehen sie pleite, wenn sie ihre Einnahmen in € und ihre Verpflichtungen in NDM haben)
    – Geldpolitische Souveränität der BuBa.

    • Die zwei von Ihnen formulierten Zielsetzungen sind tatsächlich miteinander inkompatibel. Doch die erste Zielsetzung halte ich nicht für notwendig, nicht einmal für ein sinnvolles Ziel. Die Bundesbank muss nicht und soll auch nicht DM in beliebiger Menge zu einem festen Kurs gegen Euro tauschen. In gewisser Weise hätte man sonst gar keine Parallelwährung, sondern bliebe die Bundesbank Teil der EZB. Schon jetzt sind doch in Deutschland ausgegebene Euromünzen und -scheine als solche zu erkennen. Sie haben aber denselben Wert wie alle anderen und können stets beliebig zum Kurs 1:1 getauscht werden.

      Natürlich muss die Bundesbank den Wirtschaftsteilnehmern DM zur Verfügung stellen. Doch sie könnte wieder eine eigene Geldpolitik verfolgen, statt sklavisch der EZB zu folgen. Was spricht gegen das Ziel der Geldwertstabilität in Deutschland? Aktuell liegt hierzulande die Inflationsrate über der Zielrate von (knapp unter) zwei Prozent. Die Bundesbank würde dann weniger Geld in die Märkte pumpen und bei akut drohender Deflation wieder mehr.

  5. „… die erste Zielsetzung halte ich nicht für notwendig, nicht einmal für ein sinnvolles Ziel. Die Bundesbank muss nicht und soll auch nicht DM in beliebiger Menge zu einem festen Kurs gegen Euro tauschen.“
    Zum FESTkurs habe ich nicht gesagt. Wohl aber zu einem Kurs, der den Umstieg für diejenigen, die (zumindest anfänglich) Einnahmen vorwiegend in € haben und sich darauf einlassen, Verpflichtungen in NDM einzugehen (z. B. Lohnzahlungen; aber auch der Staat, wenn er seine Leistungen in NDM erbringt) nicht zu einem unkalkulierbaren und letztlich ruinösen Abenteuer macht.
    Und auf jeden Fall müsste die BuBa jede angebotene Menge an Euronen einwechseln.

    „In gewisser Weise hätte man sonst gar keine Parallelwährung, sondern bliebe die Bundesbank Teil der EZB.“
    Richtig: Exakt das ist das Problem, das sich m. E. in einem Parallelwährungsregime nicht lösen lässt.

    „Natürlich muss die Bundesbank den Wirtschaftsteilnehmern DM zur Verfügung stellen.“
    Eben! Und zwar durch Umtausch von € und in jeder ihr angebotenen Menge. Den Wechselkurs kann sie nur theoretisch beliebig festlegen; praktisch muss sie auf die Belange der Geldverwender und das Ziel eines gleitenden Umstiegs Rücksicht nehmen.

    „Doch sie könnte wieder eine eigene Geldpolitik verfolgen, statt sklavisch der EZB zu folgen.“
    Nein, kann sie nicht. Weil ihre „Geldschöpfung“ durch Umtausch erfolgt, nicht durch Kreditgewährung. (D. h. die BuBa würde überhaupt keine Geldschöpfung betreiben!) Warum sollten die Wirtschaftssubjekte Kredite in einer voraussichtlich aufwertenden Währung nachfragen, für die sie zudem höhere Zinsen zahlen müssten?

    „Was spricht gegen das Ziel der Geldwertstabilität in Deutschland?“
    Gegen eine solche ZIELSETZUNG spricht gar nichts. Aber leider spricht alles gegen die Annahme, dass die BuBa in einem echten Parallelwährungsregime eine geldpolitische Souveränität gewinnen und somit das Ziel erreichen könnte. Wie ich in meiner Analyse des Hayekschen Konkurrenzwährungssystems https://beltwild.blogspot.de/2017/02/nobelpreis-schutzt-vor-torheit-nicht.html demonstriert habe, wirkt die Summe der Parallelwährungen als einheitliche Geldmenge (also je nachdem tendenziell inflationär oder deflationär). Im vorliegenden Falle würde die Geldmenge sogar von der EZB allein bestimmt werden, weil die BuBa ihr eigenes Geld mutmaßlich nur im Tauschwege „schöpfen“ könnte (mangels Kreditnachfrage). Aber ein Tausch beeinflusst die „Systemgeldmenge“ (Summe aus € + NDM) überhaupt nicht.

    „Die Bundesbank würde dann weniger Geld in die Märkte pumpen und bei akut drohender Deflation wieder mehr.“
    Das „pumpen“, also die Geldschöpfung, funktioniert im Normalfall größtenteils durch Kreditvergabe. Im Parallelwährungsregime wäre die NDM für Kreditnehmer jedoch inattraktiv. Die würden Kredite in € aufnehmen, und das Geld in NDM umtauschen. Damit wäre die BuBa zu einer rein passiven Rolle verurteilt. Natürlich könnte sie prohibitive Umtauschkurse festsetzen. Das jedoch widerspräche dem Ziel (jedenfalls der Analyse in meinem Blogpost), gleitend aus dem Euro auszusteigen und zu nationaler Währungssouveränität zurückzukehren: Es würde die Verwendung von NDM inattraktiv und unkalkulierbar machen.

    Ein anderes mögliches Hindernis für einen gleitenden Umstieg könnte sein, dass für die Banken die Annahme von NDM-Einlagen voraussichtlich ein Verlustgeschäft wäre: Weil es wahrscheinlich keine Kreditnachfrage in dieser Währung gäbe (s. o.). Die Banken würden also NDM-Einlagen vielleicht nur zu Negativzinsen akzeptieren und/oder hohe Gebühren für ihre Dienstleistungen im Geldverkehr verlangen.

    • Wir kommen in der Diskussion nicht weiter, weil Sie einfach behaupten, die Bundesbank müsse mit einer neuen DM als Parallelwährung eine Art Wechselstelle für die EZB bleiben. Wenn das so wäre, könnte man sich die Parallelwährung in der Tat sparen. So ist es aber nicht. Vielleicht kann ich Sie mit der folgenden Argumentation überzeugen:

      Stellen Sie sich vor, Deutschland tritt ganz aus der Eurozone aus. Geben Sie zu, dass die Bundesbank zumindest dann eine eigenständige Geldpolitik betreiben könnte? Wenn nein, dann wird die Diskussion schwierig. Alle Währungen der Welt sind miteinander verbunden und jede Notenbank muss berücksichtigen, was die anderen tun, aber das ist in der übrigen Politik entsprechend. Souveränität sollte nicht mit Autarkie oder gar Autismus verwechselt werden.

      Wenn Sie es zugeben, dann stellen Sie sich vor, dass die Bundesbank diese eigenständige Geldpolitik wie bei einem kompletten Euroausstieg betreibt. Der einzige Unterschied bei einer Parallelwährung ist, dass man alle Rechnungen etc. zugleich auch in Euro zum tagesaktuellen Kurs begleichen darf. Es ist wie auf einem internationalen Flughafen, wo man auch mit mehreren Währungen bezahlen kann. Das hat mit der Geldpolitik der jeweiligen Notenbanken nichts zu tun.

      Die Bundesbank muss auch nicht beliebig viele DM drucken, um alle Euro der EZB zu absorbieren. Wenn die EZB mehr Euro druckt, steigen eben die Preise in Euro. Eine der Geldwertstabilität verpflichtete Bundesbank dürfte dann gerade nicht gleichziehen. Wenn die Bundesbank dagegen zu wenig DM bereitstellen würde, gäbe es in DM Deflation, weshalb sie beim Ziel der Geldwertstabilität gegensteuern und wieder mehr DM in den Markt geben müsste.

  6. Wir kommen m. E. deshalb nicht weiter, weil Sie auf einer weitgehend begrifflichen Ebene argumentieren – und dabei unbewusst Zusammenhänge, die (nur) für (bis zu einem gewissen Grade) abgeschottete Währungsräume gelten, kurzerhand auf ein Parallelwährungssystem übertragen.
    Wo sie jedoch nicht gelten: Dort sind sozusagen alle Schotten rausgenommen; alles Wasser, egal, wie es beschaffen und durch welches Loch es eingedrungen ist (am Heck Süßwasser vom Fluss, am Bug das Salzwasser des Meeres 🙂 ), schwappt ungehindert im gesamten Schiffsbauch umher und vermischt sich zu einer ununterscheidbaren Brühe! 🙂

    Während ich die Sache „zu Fuß“ angehe, d. h. die Zusammenhänge konkret in Modellen durchdenke. Ich setze mich also gewissermaßen ans Schachbrett und lasse die Figuren das tun, wie sie sich nach meiner Meinung nach auch real tun würden. (Was meine Texte natürlich länger werden lässt. 🙂 )

    „… weil Sie einfach behaupten, die Bundesbank müsse mit einer neuen DM als Parallelwährung eine Art Wechselstelle für die EZB bleiben.“
    Vom Inhalt her haben Sie mein Analyseergebnis korrekt dargestellt. Falsch ist freilich, dass ich das „einfach behaupten“ würde. Vielmehr entwickele ich diesen ökonomischen Sachzwang logisch in meinen Denkmodellen.
    Möglich ist natürlich, dass meine Modelle falsch konstruiert sind, Annahmen nicht plausibel oder Schlussfolgerungen nicht folgerichtig sind. Das müsste man ggf. im Detail abklären. Aber eine rein begrifflich-abstrakt geführte „Beweisführung“ ist mit einer modellhaften Analyse schlechterdings nicht ebenenkompatibel.

    „Stellen Sie sich vor, Deutschland tritt ganz aus der Eurozone aus. Geben Sie zu, dass die Bundesbank zumindest dann eine eigenständige Geldpolitik betreiben könnte?“
    Selbstverständlich: In meinem Blogpost geht es ja explizit um die Frage, ob Deutschland „sanft“ aus dem Euro „rausgleiten“ kann (mittels Parallwährung), oder nicht. Anfänglich war ich hellauf begeistert von der Parallelwährungsidee: Stein der Weisen, Vermeidung von disruptiven Entwicklungen.
    Aber dann habe ich diese Situation modellhaft durchgespielt. Und kam zu dem Schluss, dass es eben nicht funktionieren kann. Weil in einem solchen System die BuBa in der Tat dazu verdammt wäre, „eine Art Wechselstelle für die EZB [zu] bleiben.“

    „Wenn Sie es zugeben, dann stellen Sie sich vor, dass die Bundesbank diese eigenständige Geldpolitik wie bei einem kompletten Euroausstieg betreibt. Der einzige Unterschied bei einer Parallelwährung ist, dass man alle Rechnungen etc. zugleich auch in Euro zum tagesaktuellen Kurs begleichen darf. Es ist wie auf einem internationalen Flughafen, wo man auch mit mehreren Währungen bezahlen kann. Das hat mit der Geldpolitik der jeweiligen Notenbanken nichts zu tun.“
    Sorry, aber das modellieren Sie definitiv zu simpel: Sie greifen einen winzigen Ausschnitt aus dem Gesamtszenario heraus, der den problemlosen Betrieb eines Parallelwährungssystems zu bestätigen scheint. Quasi i. S. v. „Aldi schafft neue Ladenkassen an, die auf Knopfdruck NDM-Preise in Euro umrechnen“. Aber das ist doch nicht entfernt das Wesentliche für eine „Machbarkeitsstudie“ zu Parallelwährungssystemen!

    Der Knackpunkt sind hier die längerfristigen Verbindlichkeiten und die Dauerschulden. Der Staat muss festlegen, welche Währung er für Steuerschulden akzeptiert und in welcher Währung er Leistungen auszahlt. Mietverträge, Arbeitsverträge usw. müssen auf eine konkrete Währung lauten (zumindest als Basiswährung; die Zahlung selber könnte man alternativ auch in der anderen Währung zulassen – zu einem festzulegenden Stichtagskurs).
    [368 von 869 Wörtern abgeschnitten, AD.]

    • Bitte achten Sie auf das Limit von 500 Wörtern bei Kommentaren. Es ist auch nicht günstig, zu viele Aspekte auf einmal zu diskutieren.

      Verschiedene Analyseebenen müssen doch zueinander passen. Dabei fängt man zweckmäßigerweise auf der höchsten Ebene an und geht je nach Bedarf auf Details ein. Ihr detaillierter Ansatz kann doch meinen gar nicht widerlegen, weil Sie höchstens zeigen können, dass in Ihrem Modell unter den ganz speziellen Annahmen, die ich gar nicht treffe, sondern z. T. sogar begründet kritisiere, eine Parallelwährung nicht funktioniert. Sie behaupten aber viel mehr, nämlich dass Parallelwährungen grundsätzlich nicht funktionieren können (jedenfalls nicht im Zusammenhang mit der Eurozone). Dazu müssten Sie aber alle Denkmöglichkeiten durchspielen, während ich nur ein Szenario aufzeigen muss, wo sie doch funktionieren. Ich bestreite doch gar nicht, dass eine Parallelwährung scheitern kann, z. B. wenn sich die Bundesbank total dämlich verhält, wie Sie es annehmen.

      Die totale Vermischung der Parallelwährungen findet z. B. nur unter Ihrer Annahme statt, dass die Bundesbank immer beliebige Mengen von Euro gegen DM umtauscht. Diese Annahme reicht aber bereits aus, um die ganze Parallelwährung sinnlos zu machen. Darin sind wir uns einig, nicht aber in der Notwendigkeit dieser Annahme, die Sie nicht gezeigt haben. Die Bundesbank kann sich doch einfach anders verhalten und sollte das auch tun.

      Dagegen bin ich nicht der Auffassung, dass der Staat festlegen muss oder auch nur kann, in welcher Währung er Steuerschulden akzeptiert. Er muss das in beiden Parallelwährungen tun, andernfalls handelt es sich gar nicht um Parallelwährungen, sondern um eine Landes- und eine Fremdwährung, die ggf. für das Land trotzdem bedeutend ist. Verträge, egal ob kurz- oder langfristig, müssen natürlich auf eine Währung lauten, können dann aber auch in der anderen bezahlt werden. Momentan lauten alle Dauerschuldverhältnisse auf Euro, doch der Staat könnte z. B. die Bezahlung des öffentlichen Dienstes auf DM umstellen.

  7. „… dass in Ihrem Modell unter den ganz speziellen Annahmen, die ich gar nicht treffe ….. eine Parallelwährung nicht funktioniert.“

    „Nicht funktioniert“ ist viel zu unspezifisch, um Gegenstand einer sinnvollen Untersuchung zu sein. Mit der BuBa als „Wechselstube“ für Euronen kann man selbstverständlich ein Parallelwährungssystem betreiben. Vielleicht auch mit „gleichwertigen“ Währungen.
    Probleme gibt es, wenn man eine „schlechtere“ mit einer „besseren“ koppelt.
    Entsprechend „scheitert“ die Parallelwährung auch nicht unbedingt: Sie erfüllt lediglich nicht unsere Erwartung, als attraktives Vehikel für einen Euro-Ausstieg zu funktionieren.

    Denn in dieser Hinsicht machen Sie (real) exakt dieselben Annahme wie ich (hypothetisch) in meiner Analyse (bzw. hatte ich in meinem Blott genau dieselben Annahmen – freilich hypothetisch – gemacht wie jetzt Sie das real tun):
    „Für den Austritt ….. würde ich neue Gulden als Parallelwährung empfehlen. ….. Ob für tendenziell stärkere Gulden die Zinsen steigen würden, wage ich stark zu bezweifeln, aber sinnvoll wäre ein solcher Ausstieg in jedem Fall.“
    Sie erwarten (und erhoffen), dass sich sukzessive immer mehr Menschen für Transaktionen in Gulden statt in Euro entscheiden würden. Dafür muss der Gulden anfänglich nur gefühlt besser (kaufkraftstabiler) sein; auf Dauer aber auch real. Die resultierende Aufwertung gegen den Euro würden die Nutzer antizipieren und sich folglich nicht in Gulden verschulden.
    Dass unsere Verhaltenserwartungen in diesem Punkt differieren (Sie gehen von Kreditaufnahmen in Gulden aus) tangiert nicht die Identität unserer Rahmenbedingungen (Basisszenarien).
    ———————–
    „Die totale Vermischung der Parallelwährungen findet z. B. nur unter Ihrer Annahme statt, dass die Bundesbank immer beliebige Mengen von Euro gegen DM umtauscht. ….. Die Bundesbank kann sich doch einfach anders verhalten und sollte das auch tun.“

    Aldi hat Euro eingenommen, muss aber an Lieferanten und Arbeitnehmer NDM bezahlen. Wenn die BuBa nicht umtauscht, muss das Unternehmen sich am freien Markt NDM beschaffen. Evtl. ist das gar nicht oder nur zu Mondkursen möglich. Auch bei einer Alternativerfüllung in Euro (bei kurzfristigen Kursschwankungen ohnehin extrem problematisch, weil einer der beiden Vertragspartner immer den Kürzeren zieht!) würde ggf. eben die Umrechnung zu „Mondkursen“ erfolgen. Mit Regeln zur Alternativerfüllung kann also eine „Machbarkeitsstudie“ nicht enden. Und die Einbeziehung des Kursrisikos rückt automatisch die BuBa in den Fokus.

    Weiterhin: Ohne Geldschöpfung keine Geldpolitik. Wer im Parallelwährungssystem Geld durch Umtausch emittiert, schöpft nun einmal kein Geld. Über die Wahrscheinlichkeit von Kreditaufnahmen in Gulden kann man natürlich diskutieren.
    ————————-
    „Dagegen bin ich nicht der Auffassung, dass der Staat festlegen muss ….., in welcher Währung er Steuerschulden akzeptiert.“
    Sagte ich doch (wohl im weggekürzten Teil): Der Staat KANN beide Währungen für Steuerzahlungen zulassen. Aber dann müsste er eine Basiswährung aussuchen, und die Erfüllung in der anderen Währung zum jeweiligen Kurs erfolgen.
    Allerdings trägt er dann das Kursrisiko für die Zeitspanne vom Geldeingang bis er selbst umtauscht. Zudem träfe die Nachfrage auf einen ggf. engen oder ausgetrockneten Markt (woher sollen die NDM denn kommen, wenn keine NDM-Kredite nachgefragt werden???). Wenn die BuBa dann nicht eingreift …….

    • Eine genau gleichartige Parallelwährung, z. B. ein Euro immer genau eine DM, ist nicht wirklich eine Parallelwährung, sondern faktisch eine gemeinsame Währung (so wie es jetzt auch Euromünzen und -scheine aus Deutschland und Griechenland gibt).

      Was Sie nicht verstehen, ist das von mir schon mehrfach geäußerte Faktum, dass die stärkere, aufwertende Währung natürlich nicht den höheren, sondern den niedrigeren Zins hätte. Andernfalls gibt es eine Arbitragemöglichkeit, die höchstens durch verbliebene Kursänderungsrisiken beschränkt würde. Von daher ist es auch nicht richtig, dass niemand in der stärkeren Währung Kredite aufnehmen würde, sondern die Zinsdifferenz gleicht genau die erwartete Kursänderung aus.

      Das Problem, in unterschiedlichen Währung einzukaufen und zu verkaufen, hat doch jeder Importeur und Exporteur (aus der Eurozone heraus). Nicht zuletzt deshalb glaube ich, dass ein Parallelwährungssystem langfristig nicht stabil ist, sondern die Marktakteure zunehmend nur noch eine Währung verwenden werden. Das ist aber nicht schlimm, wenn es eigentlich um eine abgefederte Auflösung der Eurozone geht. Außerdem könnte der Euro für Touristen und Im- wie Exporteure dauerhaft interessant bleiben.

      Vertragspartner müssen eine Basiswährung für ihre Geschäfte aussuchen, der Fiskus muss das nicht. Einnahmen in Euro könnten in Euro und solche in DM in DM besteuert werden, wobei die tatsächliche Zahlung durch Umrechnung in nur einer Währung nach Wahl des Steuerpflichtigen erfolgen kann.

      Wer schließlich in DM bezahlen muss und keine hat, würde natürlich DM nachfragen und gegebenenfalls auch einen Kredit in DM aufnehmen. Dass der Geld- und Kreditmarkt ganz austrocknen, ist also nicht zu erwarten.

  8. Aber tatsächlich spricht schon eine einfach Überlegung dafür, dass KEIN Parallelwährungssystem über längere Zeit funktionieren würde. Denn

    – entweder sind die Währungen ungleich: Dann wird sich die bessere durchsetzen. (Eben das erhoffen – bzw. für mich: erhofften – wir uns ja gegen den Euro!)

    – oder sie sind gleichwertig: Warum sollen sich die Nutzer dann mit zwei oder mehr Währungen herumschlagen?

    • Die Währungen sind ungleich. Ich erwarte auch, dass sich dann langfristig jeweils eine durchsetzen wird, zumindest für die meisten inländischen Geschäfte. Das muss jedoch nicht die bessere im Sinne von stärkere sein. In Griechenland könnte es durchaus sinnvoll sein, die meisten Geschäfte in einer neuen Drachme abzuwickeln, die schwächer als der Euro wäre und regelmäßig abwerten würde.

  9. „Was Sie nicht verstehen, ist das von mir schon mehrfach geäußerte Faktum, dass die stärkere, aufwertende Währung natürlich nicht den höheren, sondern den niedrigeren Zins hätte.“

    Hier arbeiten wir wohl mit unterschiedlichen Verursachungsvorstellungen (Kausalitätsproblem).
    Eine Währung ist ja nicht per se stark oder schwach; das richtet sich im allgemeinen nach Angebot und Nachfrage – im Verhältnis zur Konkurrenzwährung.
    Wer die eigene Währung stark halten will, muss sie im Verhältnis zur anderen verknappen: Und das erreicht Geldpolitik typischer Weise durch höhere Zinsen, welche die Kreditnachfrage eindämmen.
    Deswegen halte ich es keineswegs für „natürlich“, dass die NDM zum niedrigeren Zins verliehen würden; ich erwarte im Gegenteil, dass die BuBa einen höheren Zins als die EZB verlangen würde (bzw., vom Ziel einer Hartwährung her definiert: verlangen müsste).

    Rein theoretisch wäre es freilich auch denkbar, dass die BuBa den Zins deshalb niedriger halten kann als die EZB, weil die AufwertungsERWARTUNGEN des Publikums die NDM-Kreditnachfrage bremsen.
    Letztlich müsste die Verlockung des niedrigen Zinses durch die Abschreckung der Aufwertungserwartung so haarfein ausbalanciert sein, dass die Kreditnehmer exakt die richtige – knappe aber nicht zu knappe – NDM-Kreditmenge nachfragen, um eine sanfte aber kontinuierliche Aufwärtsbewegung zu generieren.

    Mit derartigen Überlegungen unterstellt man jedoch Feinststeuerungsmöglichkeiten (und eine gottähnliche Weisheit), wie sie real keine ZB hat. Und man verliert sich in extrem windigen Zonen des Nicht-Rationalen: Wo plötzlich irgendwelche Ereignisse das Marktsentiment kippen lassen könnten und dann alles Räsonnieren und Feinsteuern für die Katz gewesen wäre.

    Im Grunde würde man damit die Argumentation auch um 180° umkehren:
    – Von der Herleitung der individuellen Handlungen aus „objektiven“ Marktkausalitäten (das Handeln der Wirtschaftssubjekte wird durch „globale“ ökonomische Fakten gesteuert oder „Der Markt als Subjekt“)
    – Zu einer Herleitung des Marktgeschehens aus individuellen Handlungen aufgrund subjektiver Befindlichkeiten (das auf „Sentiment“ beruhende Handeln der Wirtschaftssubjekte steuert die „globalen“ ökonomischen Fakten oder „Der Markt als bloßes Objekt“.)
    [Fällt mir schwer, das wirklich griffig zu formulieren; vielleicht ist es dennoch verständlich.]
    ———————–
    „Wer schließlich in DM bezahlen muss und keine hat, würde natürlich DM nachfragen und gegebenenfalls auch einen Kredit in DM aufnehmen.“

    Wenn jemand Euro hat, warum sollte der einen Kredit in DM aufnehmen? Klar: Sofern er die benötigten DM nicht im Tauschwege erlangen kann, könnte er dazu gezwungen sein. Nur würde das kaum die Akzeptanz dieses Systems fördern. Und könnte ihm zusätzlich zur Zinsbelastung u. U. gewaltige Kursverluste bescheren. Nicht gerade eine reibungslos funktionierende Wirtschaft.

    • Bei Arbitrageargumenten geht es überhaupt nicht um Kausalität. Arbitragemöglichkeiten, wie auch immer sie entstanden sind, erlauben beliebig hohe Gewinne, weshalb sie mehr und mehr genutzt werden, bis sie verschwinden. Also wenn eine Zentralbank tatsächlich sowohl einen hohen Zins als auch eine starke, steigende Währung erzwingt, fließt immer mehr Kapital ins Land, bis die Realwirtschaft völlig ruiniert und ein weiterer Kursanstieg nicht mehr glaubwürdig sind.

      Marktgleichgewichte brauchen auch keine allwissenden Akteure, die sie genau austarieren, sondern stellen sich von selbst ein bzw. durch das individuelle Verhalten vieler Marktakteure. Das ist kein Zufall, sondern sie sind so definiert. Individuelles Abweichen lohnt nicht. Wenn sich viele anders verhalten, ergibt sich ein anderes Gleichgewicht.

  10. „Bei Arbitrageargumenten geht es überhaupt nicht um Kausalität.“

    Den Arbitrageuren nicht. Aber wer die Arbitrage verhindern will, muss die Kausalzusammenhänge studieren. Ohnehin ging es sowohl bei mir als auch bei Ihnen nicht um eine Studie vergangener Geschehnisse, sondern um ein „Systemdesign“ mit einem konkreten Ziel: Euroausstieg via Parallelwährung implementieren. Wir wollten den Markt nicht beobachten, sondern (freventlich 🙂 ) dran rumfummeln.
    Mithin stellt sich die Frage, wie man die Marktteilnehmer zum Umsteigen motiviert: Dafür müsste man denen eine Währung anbieten, die besser ist als der Euro.
    Besser heißt kaufkraftstabiler und das wiederum heißt: tendenziell aufwertend.
    Dafür müsste man, wenn man einen temporär denkbaren Einfluss von Erwartungen (DM-Nostalgie) mal ausblendet, die neue Währung knapp halten. Und folglich die Kreditzinsen höher als die konkurrierende(n) Emissionsbank(en) im System.
    Dann aber verfängt man sich in derselben Widersprüchlichkeit, die sich auch bei Hayek zeigt und deren Schlusssatz (nach Durchführung der o. a. Operationen) man so formulieren kann:
    „Um (im Konkurrenzwährungssystem) möglichst viele Nutzer zu gewinnen, muss (darf) eine Emissionsbank möglichst wenig Geld emittieren.“
    ———————————
    „….. wenn eine Zentralbank tatsächlich sowohl einen hohen Zins als auch eine starke, steigende Währung erzwingt, fließt immer mehr Kapital ins Land, bis die Realwirtschaft völlig ruiniert [ist]“

    a) Das fließt auch schon dann, wenn nur einer der Faktoren wirksam ist: Relativ hohe Zinsen ODER Aufwertung(serwartung). (Schweiz!) In der Kombination natürlich noch schneller.

    b) „hohen Zins“: „Den“ Zins gibt es nicht, sondern Kreditzinsen und Anlagezinsen. Wenn die BuBa DM-Kredite relativ zu Euro-Krediten unattraktiver macht (höhere Zinsen) und es keine Kreditnachfrage gibt, haben die Banken auch kein Interesse an DM-Einlagen und würden sie folglich nicht verzinsen.

    c) „fließt Kapital ins Land“: Vorliegend geht es zwar nur um innersystemische Verschiebungen; die Systemgeldmenge ändert sich nicht. Allerdings würden Euro-Besitzer ihr Geld massenhaft in NDM umtauschen wollen. Dann kommt die BuBa in jene Bredouille, die ich bereits oben mehrfach beschrieben habe:
    – Akkommodiert sie, steigt ihre Geldmenge. Tendenzielle Folge: Abwertung.
    – Tut sie es nicht, ruiniert sie diejenigen Wirtschaftssubjekte, die Verbindlichkeiten (stärker) in NDM haben, aber Einnahmen (stärker) in Euro. (Das Parallelwährungs-Äquivalent zu Ihrer o. a. Beschreibung für separate Währungsräume „bis die Realwirtschaft völlig ruiniert [ist]“.)
    ————————————-
    „Marktgleichgewichte brauchen auch keine allwissenden Akteure ….. Wenn sich viele anders verhalten, ergibt sich ein anderes Gleichgewicht.“

    Sicher. Indes wollten wir nicht irgendein Gleichgewicht als Selbstzweck; wir wollten eine Entwicklung anstoßen, die weg vom Euro und zurück zur nationalen Währung führt. Und um das nicht disruptiv zu gestalten, haben wir uns den Weg über eine Parallelwährung ausgedacht.
    Doch wenn ich solche Ideen aushecke, dann sehe ich mich auch in der Pflicht, sie im Denkmodell so gut ich kann auf Realisierbarkeit zu testen. Dabei misstraue ich vor allem den eigenen Heureka-Gefühlen (Heilsprediger und Jahrmarktschreier i. S. Geldsystem gibt es schließlich genug: https://beltwild.blogspot.de/2014/12/hat-autor-nicht-auch-grips-beineben.html).

    Doch unter den Sonnenstrahlen dieser (selbst-)kritischen Detailprüfung ist mir meine ganze großartige Skipiste vom Euro zur NDM leider weggeschmolzen. 🙂

    • Sie haben sich das unrichtig überlegt. Die DM wäre wegen der deutschen Wirtschaftskraft und Exportüberschüsse stärker als der Euro. Dazu muss nicht mit höheren Zinsen angereizt werden, sondern wegen ihrer Stärke sollten die Zinsen niedriger sein. Etwas komplizierter wird es nur dadurch, dass die EZB schon Negativzinsen setzt. Die Bundesbank würde diese vermutlich nicht unterbieten wollen, sondern durch eigene Nullzinsen die EZB zu höheren Zinsen zwingen. Wenn die EZB es bei niedrigeren Zinsen belässt, gäbe es eine große Kapitalflucht, starke Abwertung und hohe Inflation beim Euro.

      Sie hatten Ihre Überlegungen mit einem Schachspiel verglichen. Das sollte man aber gegen echte Gegner spielen. Sie sehen sozusagen ein paar schlechte Züge von Schwarz (Parallelwährung) vor und behaupten dann, dass Weiß immer gewinnen würde. Bitte zeigen Sie auf, woran mein Vorschlag einer eigenen Geldpolitik der Bundesbank mit dem Ziel der Geldwertstabilität für die DM bei niedrigeren Zinsen als für den schwächeren Euro scheitern würde.

  11. „Die DM wäre wegen der deutschen Wirtschaftskraft und Exportüberschüsse stärker als der Euro.“

    Sie lächeln über den Dilettanten der glaubt, seine Erkenntnishütte Stein auf Stein aufmauern zu müssen. Und machen sich anheischig, das Ganze billiger als Plattenbau hochzuziehen: Mit vorgefertigten Wissensmodulen aus der Separatwährungswelt. Anderes als allgemeine Marktgesetze lassen sich jedoch spezielle Beobachtungen aus einer Volkswirtschaft mit eigener Währung nicht einfach einer VoWi mit Parallelwährung aufstülpen, die in einer Währungsgemeinschaft drinsteckt.
    Schon gar nicht gilt sie für den Anfangszustand, wo die eigene Währung noch kaum verbreitet ist.
    Im Gegenteil wäre gerade die starke Exportorientierung dieser Wirtschaft ein Hindernis für die Rückkehr zur eigenen Währung. Die Exporteure florieren mit einem (sogar intern!) unterbewerteten Euro („DEuro“) und wären die letzten, welche die nationale Währung übernehmen würden.
    —————————————-
    „Dazu muss nicht mit höheren Zinsen angereizt werden, sondern wegen ihrer Stärke sollten die Zinsen niedriger sein.“

    Da haben wir wieder das Kausalitäten- bzw. das Henne-Ei-Problem. Währungsstärke hat ZWEI Dimensionen:
    – Kaufkraftstabilität und
    – Wechselkurse.
    Die Kaufkraftentwicklung entfaltet sich mit der Zeit; der Wechselkurs wirkt über Angebot und Nachfrage sofort.
    Ich denke, anfänglich würde es einen spekulativen Hype um die NDM geben, den die BuBa im Interesse der Realwirtschaft abbremsen müsste. Fraglich ist, wie lange die Aufwertungserwartungen vorhalten würden und wie es danach weitergeht. Früher oder später müsste die BuBa „liefern“, d. h. die „erinnerungsgeleitete“ Begeisterung der Geldnutzer müsste durch reale markttechnische Unterschiede unterfüttert werden. Die können m. E. aber nur bei einer (gewissen) Trennung der Währungsräume länger durchgehalten werden.

    Das Niedrigzinsszenario hatte ich sogar, wie ich jetzt sehe, selber in meinem Blott https://beltwild.blogspot.de/2016/07/deutschland-darf-nicht-aus-dem-euro.html erörtert:
    „Schließlich könnten die Banken für €-Kredite auch besonders hohe Zinsen verlangen (als Prämie für das Kursrisiko, zusätzlich zu den regulären Kreditzinsen).“
    Aber ich war skeptisch:
    „Nur gibt es in der Realität Umstände, welche die möglichen Gegenmaßnahmen der (inländischen) Banken wiederum konterkarieren würden: Ausländische Banken könnten Kredite nämlich in Euro ausreichen, sich jedoch weigern, Einlagen in DM zu akzeptieren.“ [Für die deutschen Banken hatte ich an eine Annahmepflicht von NDM-Einlagen gedacht.]
    Letztlich kam ich zu dem Schluss
    „….. vermute ich, dass BuBa-Zinsen für NDM-Kredite (zumindest etwas) höher angesetzt werden müssten als jene der EZB. Denn die NDM könnte sich wahrscheinlich nur dadurch als Parallelwährung etablieren, dass sie von den Marktteilnehmern im Verhältnis zum Euro als wertvoller eingeschätzt würde. Dafür müsste die Geldversorgung mit dieser Währung aber knapper gehalten werden, und das lässt sich (wenn man keine – problematischen – Mengenbegrenzung einführen will), nur über höhere Kreditzinsen erreichen.“

    Dass Geld knapp gehalten werden muss, um gut zu sein, ist übrigens auch Hayeks Annahme für sein Konkurrenzwährungssystem. (Seine „Denationalisation of Money“ habe ich allerdings erst hinterher gelesen.)
    Jedenfalls: Relativ größere Knappheit führt im Prinzip zu beidem: Kaufkraftstabilität UND (letztlich: dadurch) Aufwertung. Bzw. umgekehrt müsste ein größeres Angebot einer Währung nach allgemeinen Marktgesetzen eigentlich Inflation und Abwertung nach sich ziehen.

    • Ich argumentiere nicht gerne mit fachlicher Autorität, weil es eigentlich immer um die Sachargumente gehen sollte. Es ist dennoch so, dass ich ein professioneller Wirtschaftswissenschaftler bin und Sie ein reiner Laie. Von daher ist es schon sehr gewagt von Ihnen, den Verweis auf logische zwingende Standardargumente (Arbitragefreiheit, Internationaler Fisher-Effekt) als „billiger als Plattenbau“ abzutun. Entweder setzen Sie sich damit ernsthaft auseinander oder Sie verzichten auf echte Erkenntnisse.

      Selbst wenn es überhaupt keine aktuellen Unterschiede zwischen Euro und neuer DM gäbe (fester Umtauschkurs von 1:1), wäre die DM beliebter, weil sie größere Aufwertungschancen bei einem möglichen Zerbrechen der Kursbindung beinhaltet. Entweder gäbe es deshalb schon vorher niedrigere Zinsen für die DM oder sie verdrängt den Euro (nahezu) vollständig.

      • Meine Aussage zu „vorgefertigten Wissensmodulen“ hatte ich konkret auf Ihre Annahme bezogen, dass die deutsche Wirtschafts- und Exportstärke der DM nicht nur im Separatwährungssystem stark macht, sondern auch im Parallelwährungssystem. Ob das selbst für ein entwickeltes Parallelwährungssystem gilt, bezweifle ich, habe ich aber nicht weiter untersucht.
        Für das Anfangsstadium, wo die neue Konkurrenzwährung noch kaum verbreitet ist, kann sie aber nicht zutreffen.
        ————————
        Der Internationalen Fisher-Effekt war mir in der Tat bislang kein Begriff. Beim raschen Überschauen der Definitionen im Internet sticht mir diese https://www.bezahlen.de/lexikon/fisher-paritaet_3099.html ins Auge.
        Dort heißt es:
        „Die Grundlage für die Fisher-Parität sind restriktive Annahmen. Nach dem Fisher-Effekt sind die realen Zinsen über eine bestimmte Zeit gleich, und der Zinsunterschied zwischen zwei Staaten entspricht dem Unterschied in den erwarteten Inflationsraten.“
        Volkswirtschaften in Separatwährungssystemen können selbstverständlich unterschiedliche Inflationsraten haben. Aber ob das bei Währungen in einem Parallelwährungssystem überhaupt möglich ist: Das ist eben die Frage. (Dass hier auf „Erwartungen“ abgestellt wird, ändert nichts: Diese müssen sich irgendwann bestätigen, um fortzuwirken.)

        In der Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Fisher-Effekt) lese ich:
        „Diese Gleichung impliziert ferner, dass Währungen mit höheren (erwarteten) Inflationsraten ein höheres Zinsniveau haben sollten. Abweichungen können begründet sein durch:
        Nicht vollständig integrierte Kapitalmärkte (Realertragsraten stimmen nicht überein).
        Politische Risiken.
        Währungsrisiken.
        Andere Gründe.“
        Mit anderen Worten: Kann eintreten – oder auch nicht. Es gibt jede Menge denkbarer Störfaktoren. Manipulationen durch die Zentralbanken und Spekulation gehören sicherlich dazu.
        ————————
        Zur Arbitrage hatten Sie oben gesagt:
        „Was Sie nicht verstehen, ist, ….. dass die stärkere, aufwertende Währung natürlich nicht den höheren, sondern den niedrigeren Zins hätte. Andernfalls gibt es eine Arbitragemöglichkeit, die höchstens durch verbliebene Kursänderungsrisiken beschränkt würde. Von daher ist es auch nicht richtig, dass niemand in der stärkeren Währung Kredite aufnehmen würde, sondern die Zinsdifferenz gleicht genau die erwartete Kursänderung aus.“

        Das verstehe ich durchaus. Setzt aber, wie gesagt, voraus, dass die Aufwertungswährung ihre Stärke aus anderen Faktoren als einer Knapphaltung (via „Teuerhaltung“) herleiten kann.
        Das mag für die NDM bei Einführung so sein. Aber der Faktor „gute Erinnerungen“ wird nicht auf Dauer vorhalten. Welche objektiven Umstände sollten dann tendenziell aufwertungswirksam sein? Die Exportstärke zumindest so lange nicht, wie die Exporteure noch den Euro verwenden.
        ———————
        DM beliebter wg. größerer Aufwertungschancen:
        Bei den Geldbesitzern (und Spekulanten) ja; bei den Kreditnehmern (ohne „Zinskompensation“) eher nicht.
        „….. gäbe es deshalb schon vorher niedrigere Zinsen“: Das ist plausibel. (Vom Problem Null- oder Negativzins abgesehen.) Wegen der anderenfalls geringeren Kreditnachfrage müsste das so sein. Und ebenso, um (Langfrist-)Spekulanten tendenziell abzuschrecken.
        Aber irgendwann würden sich (bei Kursflexibilität) höherer Wechselkurs und Aufwertungserwartungen austarieren.

      • Sie scheinen zu denken, dass es hier um zwei Parallelwährungen für nur ein Land ginge. Tatsächlich ist es aber so, dass dem Euro, der in der ganzen Eurozone gilt, in einem Land eine nationale Währung hinzugefügt werden soll. Wollen Sie bestreiten, dass Deutschland oder die Niederlande wirtschaftlich stärker sind als Griechenland oder Italien? Bei rein nationalen Währungen würden erstere auf- und letztere abwerten. Warum soll das nicht im Verhältnis zu einer Gemeinschaftswährung gelten, die ungefähr den Durchschnitt der Gemeinschaft abbildet? Selbst wenn es sonst keinen Unterschied gäbe, wäre doch einfach eine solche DM eine bessere Versicherung gegen das völlige Auseinanderbrechen der Eurozone als der Euro. Wenn sich Bundesbank und EZB jeweils um stabile Preise bemühen, dann werden sie wegen der unterschiedlichen Gebiete trotzdem eine unterschiedliche Geldpolitik betreiben. Denn natürlich ist die Inflationsrate in Deutschland eine andere als in der Eurozone insgesamt, was sich dann direkt auf DM und Euro auswirken würde. Die deutsche Exportstärke treibt den Wert der DM auch dann, wenn die Exporteure nur Euro oder sogar Dollar verwenden.

        Bei restriktiven Modellannahmen ist zu bedenken, dass nur unter ihnen gezeigt wurde, dass die Folgerungen zwingend eintreten. Das heißt aber nicht, dass bei gelockerten bzw. anderen Annahmen die Folgerungen nicht ebenso eintreten könnten (das ist nur nicht gezeigt worden). Im konkreten Fall sind die Arbitrageargumente im gleichen Land eher noch stärker als über Ländergrenzen hinweg, da es sich um denselben Kapital-, Güter- und auch Arbeitsmarkt handelt.

        „Aber irgendwann würden sich (bei Kursflexibilität) höherer Wechselkurs und Aufwertungserwartungen austarieren.“ Ja, und zwar über den Zins.

  12. „Etwas komplizierter wird es nur dadurch, dass die EZB schon Negativzinsen setzt. Die Bundesbank würde diese vermutlich nicht unterbieten wollen, sondern durch eigene Nullzinsen die EZB zu höheren Zinsen zwingen. Wenn die EZB es bei niedrigeren Zinsen belässt, gäbe es eine große Kapitalflucht, starke Abwertung und hohe Inflation beim Euro.“

    Um das System für die Nutzer überhaupt akzeptabel zu machen bzw. zu halten müsste die BuBa zwei Bedingungen dauerhaft durchhalten (können):
    – Wer Euro hat, muss diese in NDM umtauschen können. Niemand hätte Verständnis dafür, wenn er in dieser Lage zur Erfüllung seiner NDM-Verbindlichkeiten einen Kredit aufnehmen müsste.
    – Die Kursentwicklung zum Euro [und zu Fremdwährungen, die ich bislang komplett ausgeblendet hatte] darf nicht erratisch verlaufen.

    Dafür müsste sie
    – den Spekulanten ein Schnippchen schlagen können
    – ohne die Bedürfnisse der Realwirtschaft zu vernachlässigen.
    Das ist schon im Separatwährungssystem schwierig (SNB!); bei Parallelwährung m. E. unmöglich.
    Jedenfalls: So hoch kann die EZB die Zinsen gar nicht setzen, um KURZFRISTIGEN Aufwertungsspekulationen bei der NDM entgegenzuwirken.

    Wahrscheinlich ist das Thema „Zinsdifferenz“ ohnehin weitaus komplexer, als wir uns momentan vorstellen. Vor allem dürfte die Annahme einer „Relativitätskonstanz“ von BuBa/EZB höher/niedriger unterkomplex sein. Aufwertungserwartungen würden enttäuscht / übertrieben bzw. Aufwertungstendenzen irgendwann (für eine gewisse Zeit) auslaufen. Dadurch würde es phasenweise zu Umschwüngen kommen; speziell die Anfangszeit wäre äußerst kritisch.
    Generell müsste man mit einer extremen Instabilität für dieses System rechnen. Welcher die BuBa gegensteuern müsste. In der wirklichen Welt würde man in kürzester Frist einen bürokratischen Rattenschwanz von Kapitalkontrollen erleben, weil „der Markt“ die Dinge keineswegs so richten würde und könnte, wie wir sie gerne hätten: zum Wohle der Realwirtschaft und gegen die Spekulanten.

    Überhaupt, Thema EZB-Negativ- oder Nullzinsen: Die setzen der BuBa eine Untergrenze, die sie kaum unterschreiten kann.
    Mit dem von Ihnen allgemein vermuteten Wirkmechanismus haben sie allerdings nichts zu tun; in dieser Hinsicht müssten die Zinsen der „Abwertungswährung“ immer diejenigen der „Aufwertungskonkurrenz“ übersteigen.
    Das unterstellt allerdings, dass diese Tendenzen den Währungen unabhängig vom Zinsniveau (und von der Angebotsmenge) irgendwie endogen sind. Aber wodurch??? Das Argument „Exportüberschüsse“ greift jedenfalls nicht – vgl. Vorkommentar.

    Jedenfalls gibt es mehr Komplikationspotential für Parallelwährungen, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt.
    Insofern bin ich froh, dass Sie den Niederlanden dieses Experiment anempfehlen: Das erspart uns das m. E. sicher zu erwartende Scheitern. 😉

    • „Wer Euro hat, muss diese in NDM umtauschen können.“ Ja, aber auf dem Markt (mit der Bundesbank als einem großen Marktakteur), nicht bei der Bundesbank zu einem festgelegten Kurs. Ansonsten setzen Sie wieder direkt als Annahme das, was das Parallelwährungssystem scheitern lässt bzw. sinnlos macht.

      „Die Kursentwicklung zum Euro [und zu Fremdwährungen, die ich bislang komplett ausgeblendet hatte] darf nicht erratisch verlaufen.“ Das tut sie auch nicht, wenn die Zentralbanken jeweils Geldwertstabilität anstreben, selbst wenn sie diese nicht genau gleich verstehen (zumal die EZB die gesamte Eurozone im Blick haben muss). Wenn Sie hingegen annehmen, dass ein fester Wechselkurs garantiert werden muss, gilt dasselbe wie beim letzten Punkt.

      Zu hohe Aufwertungen kann eine Zentralbank immer verhindern, indem sie eigenes Geld auf den Markt wirft. EZB und Bundesbank zusammen könnten dementsprechend sowohl unerwünschte Auf- wie Abwertungen immer verhindern.

      Bei strengen Kapitalkontrollen gelten die meisten meiner bisherigen Argumente nicht, aber gerade diese sind doch innerhalb eines Landes (oder auch der EU insgesamt) kaum möglich und wünschenswert.

      Die deutsche Regierung wäre doch die letzte, die eine Parallelwährung einführen würde, doch in den Niederlanden denkt man jetzt ernsthaft darüber nach, was ich begrüße.

      • „nicht bei der Bundesbank zu einem festgelegten Kurs“
        Natürlich nicht zum Fixkurs. Aber, wie gesagt: Allzu erratisch dürfen die Kurse sich nicht bewegen, sonst verlieren die Akteure in der Realwirtschaft Geld und das System seine Akzeptanz.

        „wenn die Zentralbanken jeweils Geldwertstabilität anstreben“
        Da beißt sich die Katze m. E. wieder in den Schwanz. Denn um kaufkraftstabil(er) zu sein, muss rein von den Marktgesetzen her gedacht das Geld knapp(er) gehalten werden (USA: Fed unter Paul Volcker!). Zwischen unterschiedlichen Volkswirtschaften mit eigenen Währungen läuft es anscheinend anders; da spielt die Stabilitätskultur wohl eine große, vielleicht entscheidende Rolle. (Ist ja selbst jetzt noch so, innerhalb der EWU.) Aber wenn eine VoWi in ein Währungssystem eingebettet ist, kann sich eine evtl. eigene Konkurrenzwährung m. E. nicht dauerhaft einen eigenen „Preisraum“ schaffen.

        „Zu hohe Aufwertungen kann eine Zentralbank immer verhindern, indem sie eigenes Geld auf den Markt wirft.“
        Das ist klar; aber hier kommt eine potentielle Differenz zwischen Kaufkraftparitäten und Wechselkursen ins Spiel: Wenn eine Zentralbank zwecks Wechselkurssenkung eigenes Geld (durch Umtausch) schöpft, riskiert sie auf längere Sicht Preissteigerungen. (Eben deshalb hat die SNB ja vermutlich die Verteidigung eines Fixkurses aufgegeben.)

      • Sie scheinen zu glauben, dass es bei wachsender Geldmenge zu Inflation kommt, während eine neue DM zumindest anfangs wachsen muss, um überhaupt bedeutsam zu werden. Die Inflation hängt aber nicht nur von der Geldmenge ab, sondern auch von der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und vor allem der realen Menge an Gütern und Dienstleistungen, die mit dem Geld gekauft werden. Schon bei einer normalen Währung droht Deflation, wenn die Realwirtschaft wächst und die Geldmenge nicht. Im Falle einer Parallelwährung kommt hinzu, dass sich diese zu Lasten der anderen Parallelwährung verbreiten kann. Momentan wird gar nichts mit DM bezahlt, anfangs wäre es eine kleine Menge, die dann stark steigen dürfte. Nur wenn die Menge an DM deutlich schneller wächst, kommt es zu Inflation, während der Euro selbst bei unveränderter Geldmenge inflationäre Tendenzen zeigen könnte, wenn er in Deutschland weniger eingesetzt wird.

  13. „Nur wenn die Menge an DM deutlich schneller wächst, kommt es zu Inflation, während der Euro selbst bei unveränderter Geldmenge inflationäre Tendenzen zeigen könnte, wenn er in Deutschland weniger eingesetzt wird.“
    Ich denke, die Menge an NDM würde vor allem durch Umwechseln von Euro anwachsen. Aus Sicht der EZB wären die Euronen in Umlauf, das wäre aber kaufkraftunschädlich, weil sie tatsächlich bei der BuBa im Tresor lägen.
    Andererseits würden die (spekulativ) eingewechselten NDM wohl auch eher auf Sparkonten ruhen und nicht gleich in Umlauf kommen. Das könnte sich ändern, wenn die Spekulanten satte Gewinne gemacht haben.
    ————————-
    Es kann aber sein, dass ich die Bedeutung der Geldpolitik im vorliegenden Zusammenhang generell überschätze.
    Wahrscheinlich ist es eher die Stabilitätskultur, die die Teuerung in D. (sogar jetzt im Euro) niedriger hält als anderswo.
    Wenn das so ist, mag es sein, dass eine NDM-Parallelwährung tatsächlich kaufkraftstabiler wäre.
    (Trotzdem wäre es mir lieber, wenn ein anderes Land mit dem Experiment voranginge – also z. B. NL. 🙂 )
    ———————————-
    Weiß momentan nicht, inwiefern das für die vorliegende Debatte eine Rolle spielen könnte. Aber durch diese Diskussion fällt mir auf, dass Währungsstärke zweifach verstanden werden kann:
    – Bezogen auf einen ZeitPUNKT wäre es eine gegenüber dem Umtauschkurs höhere Kaufkraft. (Z. B. Kaufkraft pari, Wechselkurs jedoch 110 Euronen für 100 Euro).
    – Bezogen auf einen ZeitRAUM wäre es eine geringere Inflationsrate der starken Währung.

    • Zumindest momentan ist doch die Inflation in Deutschland höher als im Rest der Eurozone.

      Die Stärke einer Währung ist zeitraumbezogen. Rein numerische Unterschiede sind irrelevant, also z. B. ob Euro und neue DM anfangs 1:1 gegeneinander getauscht werden, wieder 1:1,95583, 1:100 oder 100:1. Die Stärke würde ich auch eher am steigenden Wechselkurs festmachen als an niedrigerer Inflation, wenngleich da ein Zusammenhang besteht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s