Gabriel verzichtet, um zu bleiben

Monatelang hat er erklärt, der Zeitplan müsse genau eingehalten werden, nun platzt er fünf Tage zu früh damit heraus: „Sigmar Gabriel verzichtet auf Kanzlerkandidatur“ und SPD-Vorsitz, die beide Martin Schulz übernehmen soll, der laut Umfragen zwar auch keine Chancen gegen Angela Merkel hat, aber nicht ganz so deutlich zurückfällt. Das liegt paradoxerweise daran, dass Herr Schulz deutlicher linker ist als Sigmar Gabriel und damit auch etwas linker als die Kanzlerin, so dass er ihr ein paar Stimmen von sehr linken Wählern abnehmen kann, während Herr Gabriel keine bürgerlichen oder gar rechten Wähler zu begeistern wusste.

Tatsächlich geht es aber gar nicht darum, dass nun Herr Schulz gegen Frau Merkel verlieren darf, sondern dass Herr Gabriel die Große Koalition fortsetzen will, und zwar als Außenminister und wohl auch weiterhin als Vizekanzler sowie als nicht scheiternder Kanzlerkandidat über die nächste Bundestagswahl hinaus. Wenn es dann für eine Große Koalition mangels Größe nicht mehr reichen sollte, steht auch schon die FDP für eine Deutschland-Koalition bereit, was sie gestern durch ihre Unterstützung des SPD-Kandidaten Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsident bekundete (siehe „Christian Lindner: FDP unterstützt Steinmeier als Bundespräsidenten“).

58 Gedanken zu „Gabriel verzichtet, um zu bleiben

  1. Red Nose Würselen als Kanzlerkandidat und Parteichef der SPD?
    Die AfD freut´s, denn jetzt müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn sie bei der bevorstehenden Bundestagswahl nicht wenigstens zweitstärkste Kraft wird. 🙂

    • Wenn Sie sich da mal nicht täuschen, Herr Meister !
      Bei der immer bedrohlicher werdenden politischen Großwetterlage werden sich die Wähler vermutlich wieder mehr um die Traditionsparteien scharen. Koblenz hat mir persönlich Zukunftsvertrauen nicht eingeflößt. Mal sehen, was das Frühjahr an Flüchtlingsproblemen bringt . . .

  2. Egal ob Schulz oder Gabriel: BEIDE sind so schwache Typen, dass sie in keinem Unternehmen die Chance hätten, auch nur Abteilungsleiter zu werden! Merkel muss leider keine Angst haben. Unter den Blinden ist der Einäugige König……

      • Die Antwort ist denkbar einfach:
        Kaum jemand, der wirklich etwas auf dem Kasten hat, ist bereit, sich den Intrigen und Schlammschlachten einer Parteikarriere auszusetzen, um vielleicht irgendwann einmal ein mittelmäßig vergütetes Abgeordnetenmandat zu erringen, mit dem er bei Abstimmungen auch noch dem Fraktionszwang unterliegt.

      • @ Michael Meister
        Genau so ist es! Mein früherer Mentor, Verkaufsdirektor eines großen Vertriebsunternehmens, war ein redegewandter, supergescheiter Mann und ein Diplomat vom Scheitel bis zur Sohle. Irgendwann habe ich ihn einmal gefragt, warum er nicht in die Politik ginge. Sie wollen doch wohl bestimmt nicht, dass mein Einkommen um 75% gekürzt wird und ich mich jeden Tag mit Idioten herumärgern muss, hat er mir geantwortet…..

      • Ich kenne mehrere Leistungsträger, die 2013 allein deshalb nicht für die AfD antreten wollten, weil der finanzielle Verlust für sie zu groß geworden wäre. Es gab aber auch andere Fälle, z. B. ältere Personen, die schon genug verdient haben und jetzt der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen, oder leitende Angestellte und Beamte im öffentlichen Dienst, die sich finanziell zwar nicht wesentlich verbessert, aber auch nicht groß verschlechtert hätten.

        Doch die, für die ein Landtags- oder gar Bundestagsmandat einem Lottogewinn entspricht, kämpfen mit viel härteren Bandagen und größerer Ausdauer. Entsprechend sammeln sich jetzt die gescheiterten Existenzen bei der AfD, während die etablierten Parteien von Parteikarrieristen beherrscht werden, die keinen Beruf außerhalb kennen und können.

      • Der Deutsche Bundestag hat ca. 600 Abgeordnete. Wenn die AfD nur 10% holt, sind das 60 Mandate, bei 15% schon 90. Ich hoffe sehr, dass „saubere“ Kandidaten aufgestellt werden, denn bei Bundestagswahlen wird genauer hingeschaut als bei Landtagswahlen! Und der gesamte Wahlkampf, nicht nur von der AfD, könnte weit unter der Gürtellinie verlaufen.

        Ich empfehle der AfD dringend Seminare für alle Kandidaten und Spitzenfunktionäre! Die freie Rede, auch vor der Kamera, kann man üben. Mit geschliffener Rhetorik und guter Körpersprache wird man genauso wenig geboren, wie mit guten Manieren. Das kann man alles lernen! Professionalisierung heißt das Zauberwort!

      • Keine Angst, die Schulungen laufen längst (jedenfalls in Bayern). Nichtsdestotrotz wird wohl der eine oder andere Blender auf einem aussichtsreichen Listenplatz landen. Das ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass über viele Kandidaten die gut reden können sonst kaum etwas bekannt ist.

  3. Lieber Herr Dilger, Ihre Grundannahme, dass Frau Merkel kaum wegzubekommen wäre, ist falsch. Am Ende des Jahres 2017 wird sie nicht mehr Kanzlerin sein, da bin ich mir sehr sicher

      • Ich denke zum einen, dass Schulz recht viele Stimmen von der CDU zurückholt. Rechts von Merkel steht die AfD bereit, so dass Merkel in die Zange genommen wird. Zum anderen aber darf man auch psychologische Aspekte nicht übersehen. Frau Merkel ist schon lange im Amt, länger als die meisten ihrer Kollegen. Die Menschen sehen sich heute Gesichter recht schnell satt. Ständig muss was neues her. Irgendwann, und das kann sehr schnell kommen, wird man es einfach satt haben, jeden Abend Frau Merkel in den Nachrichten zu sehen.
        Zudem: Ich mag Schulz genau so wenig wie Merkel. Allerdings redet er nicht so phrasenhaft wie Merkel. Einfache und unplotische Menschen verstehen seine aussagen eher als die Merkels. Außerdem wird die SPD ganz sicher nicht mehr in eine große Koalition gehen, weil sie erfahren hat, dass es ihr als Partei schadet. Somit bleibt Merkel nur schwarz/grün, wofür es aber nicht reichen wird. Ob die FDP dann beispringt, wage ich zu bezweifeln. Dort hat man die Lehren aus dem Bundestagsrauswurf verstanden und wird sicher nicht einer Kanzlerin beispringen, die ihren Zenit deutlich überschritten hat und heute bereits eher wie ein relikt aus einer anderen politischen Zeit wirkt.
        Zu guter letzt muss man auch sehen, dass die CDU-MdBs nervös werden. Zumindest die, die sich ihrer Wiederwahl nicht sicher sein können. Je mehr die CDU in Umfragen schwächelt, umso mehr werden diese MdBs Druck machen. Hier geht es schlicht um Existenzen, und dann können die Leute sehr bissig werden.
        Für das wahrscheinlichste szenario halt ich, dass die CDU ein ergebnis um die 30%, vllt weniger, einfährt und Merkel dann keine regierungsfähige Mehrheit zusammen bekommt.

      • Die Bundeskanzlerin wird nicht direkt gewählt und die CDU bleibt sicher stärkste Partei. Vor der Wahl wird es dort sicher keinen Aufstand geben und nach einem Wahlerfolg auch nicht, selbst wenn dieser sehr gering ausfällt. Die SPD tut doch gerade alles, um die Große Koalition fortzusetzen. Doch auch sonst kann die CDU mit allen anderen Parteien koalieren, wenn man von der AfD, aus der es aber inzwischen auch schon Tolerierungssignale gab, und Die Linke absieht.

      • Merkel wird Kanzlerin bleiben, selbst mit unter 30 Prozent. Merkel kann nur aus den eigenen Reihen gestürzt werden und die haben die Gelegenheit dazu längst verpasst. Das ist eine traurige Realität, mit der wird uns abfinden müssen. Da Schulz allerdings kein Fortschritt wäre, ist das ziemlich egal. Er ist höchstens ehrlicher in seinen ideologischen Überzeugungen.

      • Natürlich wäre Herr Schulz ein Fortschritt, da er erstens weniger Macht hätte, zweitens bislang nicht zu solchen Alleingängen neigt und drittens 2021 wieder abgewählt werden könnte. Mit Frau Merkel stehen wir 2021 vor noch schlimmeren Problemen als heute.

      • Die politische Vita von Schulz ist ein einziges Desaster. Als Bürgermeister von Würselen hat er gigantische Schulden hinterlassen und als EU-Parlamentspräsident Europa mehr gespalten, als je einer vor ihm.

        Trotzdem könnte Schulz Merkel gefährlich werden, da Merkel ihren Zenit in der Tat überschritten hat und Schulz, der kein Amt in der Regierung bekleidet, Merkel besser attackieren kann. Mit einer gut gemachten Kampagne könnte ihn eine Ampel aus SPD, FDP und Grünen ins Kanzleramt bringen.

        Dann wäre Merkel Geschichte und die Union könnte sich in der Opposition neu aufstellen. In jedem Fall muss es leider erst schlechter werden, bevor es besser wird!

      • Das wird aber sehr schwierig. Schneidet Schulz gut ab, dann sind für die Grünen nicht mehr als 9 Prozent drin. Selbst 30 Prozent der SPD würden dann nochmal rund 9 Prozent der FDP erfordern. Da müsste schon sehr viel zusammenkommen, damit es dafür reicht. Und falls die FDP freiwillig mit Roth und Stegner koaliert, dann kann mir auch nicht mehr helfen. Dann kann sie alle Leihstimmen von der Union auf Ewigkeit vergessen. Dann ist sie nicht nur in der Realität, sondern auch in den Köpfen der Wählern eine linksliberale Partei.

        Die jetzige Koalition wird bleiben, es sei denn CSU und Grüne lassen sich auf Schwarz-Gelb-Grün ein. Das würde der noch viel weltfremdere Fundiflügel aber schon zu verhindern wissen.

      • @ Peter Burger
        Die FDP geht mit jedem ins Bett! Aktuelles Beispiel gewünscht? Nach der Landtagswahl letztes Jahr in Rheinland-Pfalz ist die FDP eine Koalition mit SPD und Grünen (!) eingegangen, nachdem sie zuvor fünf Jahre gar nicht im Landtag vertreten war und im Wahlkampf diese Koalition ausdrücklich ausgeschlossen hatte. Die Futtertröge der Macht sind ja so verführerisch.

        Die FDP ist eine politische Hure!

      • Stand heute INSA 7.2. hätte Herr Sodenkamp den richtigen Riecher!Das zeigt zum einen die massive Ablehnung Merkels durch die Wähler, wenn selbst ein Schulz an ihr vorbei ziehen könnte. Und zweitens, dass die AfD suboptimal aufgestellt ist: Statt selber massiv von „Merkel muss weg“ zu profitieren, verharrt sie bei nur noch bei 12%. Eine Orientierung an Rechtsaußen ist ebenso schädlich wie ein schlichtes Opportunistennetzwerk mit Politikerkarriere lediglich als Geschäftsmodell.

      • Ja, Red Nose Würselen (Martin Schulz) erlebt gerade den reinsten Umfrage-Hype. Aber traue keiner Umfrage, die Du nicht selbst in Auftrag gegeben hast …

      • Immerhin hat die AfD keinen Stimmen an die SPD verloren. Die FDP übrigens auch nicht, was zeigt, dass Herr Schulz keine bürgerlichen Wähler anspricht, sondern linke Wähler für die SPD zurückgewinnt. Die Strategie von Frau Merkel, immer weiter ins linke Lager einzudringen, kommt damit wohl zu ihrem Ende, zumal ihr sonst weitere Verluste an die AfD drohen. Von daher hat die AfD durchaus eine Funktion, auch wenn sie nicht direkt Frau Merkel ablösen kann. Am besten wäre es, wenn Frau Merkel doch noch von sich aus aufgibt. Sonst ist Herr Schulz das kleinere Übel, weil es dann wenigstens 2021 wieder eine echte Wahl gibt.

      • Herr Schulz ist kein guter Kandidat und der aktuelle Hype wird sicher enden. Trotzdem ist er das kleinere Übel gegenüber Frau Merkel. Nur wenn das den Wählern hinreichend bewusst ist, lässt sie sich verhindern.

      • Das sehe ich zwar auch so, aber Schulz kann über so vieles stolpern. Denken Sie nur an die 365 (!) x 304,- € p.d. = 110.960 € p.a., die er sich jahrelang als steuerfreie Aufwandspauschale für Phantom-Sitzungen des EU-Parlaments nebenbei eingestrichen hat. So etwas kommt bei den Wählern draußen in der realen Welt überhaupt nicht gut an …

        Dass Merkel weg muss, ist den meisten Menschen aber auch bewusst. Auch dass Grüne und FDP kaum noch über 6 bis 7 Prozent hinaus kommen, zeigt deutlich, dass sie nicht mehr als „Alternative“ gesehen werden.

        Mich würde daher nicht überraschen, wenn AfD und LINKE bei der anstehenden Bundestagswahl zusammen mehr Stimmen auf sich vereinen als CDU/CSU/SPD/Grüne/FDP. Das Klima dafür ist vorhanden.

        Quoten-Wette gefällig? 😉
        Oder warten wir noch ein wenig ab?

      • Natürlich werden Union, SPD, Grüne und FDP zusammen viel mehr Stimmen haben als AfD und Linke. Da gehe ich jede Wette ein. Interessant würde es, wenn die „Große“ Koalition keine Mehrheit mehr hätte oder die SPD die Union überholt. Ein sehr polarisierter Wahlkampf zwischen Union und SPD könnte auch noch dazu führen, dass beide Seiten keine Große Koalition mehr wollen, selbst wenn es keine andere Konstellation mehr gibt. Neuwahlen fänden dann hoffentlich ohne Frau Merkel statt.

        Wie schreibt Roland Tichy so schön in „Schulz – oder der fast unvermeidliche Sieger“:

        Aber Martin Schulz ist nicht wegen Martin Schulz gefährlich.
        Die Schwäche von Angela Merkel ist Angela Merkel.
        Die Stärke von Schulz ist Merkel.

      • Im Moment ist alles offen.

        Meiner Meinung nach ist es noch viel zu früh, um die Chancen irgendwelcher neuer Konstellationen einschätzen zu können. Eine Wette auf neue Koalitionen wäre also hoch spekulativ.

        ABER: Möglich ist alles.

        Zum Kaputtlachen indes finde ich diesen Hinweis der Redaktion von t-online:
        „Hinweis: Dem Geschäftsführer des Markt- und Sozialforschungsinstituts INSA-Consulere, Hermann Binkert, wird von Beobachtern eine große Nähe zur Partei Alternative für Deutschland (AfD) nachgesagt. Nach Informationen des Magazins „Der Spiegel“ lieferte das Binkert-Unternehmen DO Dientsleistungsoffice im Jahr 2014 Leistungen für die AfD-Franktion im Thüringer Landtag. Binkert soll in der „Huffington Post“ „mehrere positiv klingende Artikel über die AfD“ verfasst haben, schreibt der „Spiegel“. “
        Quelle: http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/umfragen/id_80286484/umfrage-spd-ueberholt-mit-martin-schulz-die-union.html

        Als ob die anderen Umfrageinstitute Garanten der Neutralität wären. *lol*

      • Der Ausgang Kommunalwahl in der österreichischen Universitätsstadt Graz zeigt deutlich, dass ganz LINKE durchaus das Potential haben, den Sozialdemokraten zumnidest in akademisch geprägten urbanen Regionen das Wasser abzugraben: http://wahl17.graz.at/ergebnisse/gr60101.html
        Und am Land spielt die Sozialdemokratie ohnehin keine erwähnenswerte Rolle mehr. Das sehen sie deutlich an ihren letzten Wahlergebnissen bzw. Umfragewerten in Baden-Württemberg und Bayern. Die SPD ist eine potentielle 10%-Partei, Schulz hin oder her.

  4. Martin Schulz steht für Brüsseler Bürokratie und abgehobenes Establishment. Er will ein bisschen auf Trump machen und für den kleinen Mann kämpfen. Gegen das Establishment! Er will aber mehr Europa, obwohl die Mehrheit dagegen ist. Er hat sich ebenso hinter Merkel gestellt, als die Grenzen geöffnet wurden. Wenn er von links kommt, dann hat er die Unterstützung von Frau Hendriks, Herrn Stegner und Frau Schwesig. Mit diesen Politikern aus Lala-Land wird er keine Arbeiter gewinnen, eher sogar noch an die AfD verlieren.
    Wenn man geschickt ist, wird man die EU-Kritiker hinter sich versammeln können. Denn jetzt stehen bei beiden Parteien Politiker an der Spitze, die das Gesicht der EU-Krise sind. Dafür muss die AFD aber Herrn Hecke einen Maulkorb verpassen.

    • Ich teile Ihre Auffassung. Mit dieser SPD-Personalentscheidung ist die Bahn frei dafür, dass die AfD wenigstens zweitstärkste Kraft wird – vorausgesetzt der (in wessen Auftrag auch immer handelnde) professionelle Agent provocateur Björn Höcke verhagelt der AfD nicht noch die Bundestagswahl.

      • Schulz ist sicherlich ein Wahlkampfhelfer für die AfD, d.h. er mobilisiert die eigenen Reihen und verscheucht noch die letzten traditionellen Arbeiterwähler zur AfD.

        Allerdings kann es durchaus sein, dass Schulz der SPD hilft. Er könnte einige Stimmen im linken Lager abgreifen und auch jene, die zwischen linkem Lager und Merkel-CDU schwanken, kann er durchaus ansprechen. Er könnte also durchaus die eigenen Reihen schließen und so die 25 Prozent erreichen.

        Deshalb wird die AfD wohl eher weniger an der SPD vorbeiziehen, auch wenn sie absolut von ihm profitieren dürfte.

        Allerdings wird die CDU mit Sicherheit die unehrliche „Deutschland-First-Karte“ spielen und Schulz als zu europafreundlichen Gesellen darstellen, der die Interessen Deutschlands vernachlässigt. Ich fürchte, sie werden damit Erfolg haben. Denn der normale Wähler versteht gar nicht, dass Euro-Bonds und gemeinsame Einlagensicherung indirekt über Umwege eigentlich längst Realität sind .

      • Abwarten … es ist noch zu früh für eine genaue Einschätzung aller Schulz-Effekte. Aber eines ist sicher: Der AfD hilft Martin Schulz.

  5. Schulz erinnert mich an Scharping. Und ähnlich schwach wird er sein.

    Die Kritik an der „Politikerauslese“ teile ich nicht.

    Erstens gab und gibt es durchaus Typen in der deutschen Politik – und das in allen Parteien. Schmidt, Baum, Fischer, Strauß … eine Systemfrage scheint es mir nicht zu sein. Zumal auch Unternehmenslenker nicht immer die hellsten Sterne sind.

    Zweitens habe ich lieber Phlegmatiker an den Schalthebeln als die ganz großen Macher. Varoufakis, Berlusconi, Trump – die Big Daddys machen immer mehr kaputt als sie nützen.
    Im Idealfall stellte jemand kurz die Hebel auf vernünftig und dann ließe man die Schulzes dieser Welt ein bisschen Demokratie spielen.

    • “Erstens gab und gibt es durchaus Typen in der deutschen Politik – und das in allen Parteien. Schmidt, Baum, Fischer, Strauß … eine Systemfrage scheint es mir nicht zu sein. Zumal auch Unternehmenslenker nicht immer die hellsten Sterne sind.“

      Im Gegensatz zu Politikern baden richtige Unternehmer (ich meine nicht die angestellten „Unternehmenslenker“) aber die Folgen Ihres Handelns selbst aus. Politiker haften für ihr Handeln und Tun nie, Nieten in Nadelstreifen so gut wie nie.

    • Politiker, die nichts tun, machen wenigstens nichts falsch. Doch leider hat sich Frau Merkel von einer sehr passiven Politikerin nach Kohls Vorbild in die Frau mit den verrücktesten politischen Ideen Deutschlands oder gar der Welt verwandelt. Jetzt sind ganz viele Weichen falsch gestellt. Leider ist keiner zu sehen, der das korrigieren könnte.

      • auch wenn ich eigentlich nicht gerne wette: ja ich nehme an (mir ist ja bekannt, dass sie gerne wetten).
        da ich gerade sehe, dass meine formulierung oben missverständlich war, hier noch mal in reinschrift: ich wette, dass der bundeskanzler am 31.12.2017 entweder martin schulz (spd) ist oder dass das amt durch eine person aus cdu / csu besetzt wird, wobei diese person dann jedoch nicht frau merkel ist.
        sie gewinnen, wenn frau merkel am jahresultimo noch immer kanzlerin ist 😉

        und keine sorge: ich wähle nicht den teuersten champagner aus *grins*

      • Okay, die Wette gilt. (Spannender finde ich übrigens die gleiche Wette, wenn der Stichtag auf den 31.12.2021 verschoben wird.)

      • Solange wird selbst Frau Merkel sich nicht halten können. Aber welche ernsthafte Strategie gibt es denn, um sie wenigstens 2021 endlich abwählen zu können?

      • Da die CDU Frau Merkel als „alternativlos“ erachtet, wird man sie dort sicher gerne lebenslang weiterregieren lassen.

  6. Ich nenne das eine gelungene Arbeitsteilung: Merkel treibt die ?DU-Wähler zur AfD und Schulz die verbliebenen SPD-Wähler.
    Während Frau Merkel die Mutter der AfD ist, ist die SPD ihre Amme.

  7. Immerhin ist es wahrscheinlicher, dass Martin Schulz Bundeskanzler wird als dass Berlusconi wieder italischer Regierungschef wird.
    Das war damals ein Klassiker:
    „Auf diese Kritik reagierte Berlusconi dann mit den Worten (nach einer dpa-Übersetzung aus dem Italienischen):
    „Herr Schulz, ich weiß, dass ein Produzent in Italien gerade einen Film über die Konzentrationslager der Nazis dreht. Ich werde Sie für die Rolle des Kapo vorschlagen. Sie wären perfekt.“
    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wie-berlusconi-schulz-beleidigte-ich-schlage-sie-fuer-die-rolle-des-lagerfuehrers-vor/14887340.html
    Es gibt halt so Pointen, die man nicht mehr vergessen kann.

    Das hat der Schulz aufgetrumpft:

    • Diese Beschimpfung war seine große Qualifikation, Europaparlamentspräsident zu werden. Vorher war dieser Mann doch eine völlig unbekannte Nummer. Berlusconi wirkt lange nach, jetzt auch in die Bundespolitik.

  8. Bei Beschimpfungen war der Jörg Haider Weltklasse. Nur ein paar Beispiele:
    Zum Chirac „Westentaschen-Napoleon“, zu Joschka Fischer „Terrorist im Nadelstreifanzug“ usw

    Nur wie der Haider den tschechischen Zeman verspottet hat „Schnapsnase“ ( na gut der trinkt bekanntlich nicht nur Milch), haut der Zeman sofort zurück „Atombombe auf zwei Beinen“

  9. Schäfer Gümbel hatte letzte Woche einen Präsidiumsbeschluss verkündet, dass die SPD bis auf Weiteres auf eine Vermögenssteuer verzichtet.
    Herr Spitzenkandidat Schulz verkündet heute Abend ein diffenrenziertes Modell zur Vermögensbesteuerung für kleine, mittlere und große Vermögen:
    Martin Schulz will sehr große Vermögen in Deutschland stärker besteuern. „Riesenvermögen“ müssten höher belastet werden als kleine und mittlere, sagte Schulz in Berlin.
    Spricht für sich, „höher als …“

      • Dass die SPD dieses Klassenkampfgeschwafel aus der Zeit der Dampflokomotiven immer noch anwendet, zeugt nicht gerade von geistiger Größe ihrer Akteure. Erinnert irgendwie an „und täglich grüßt das Murmeltier“ als Ultra-ultra-Langversion.

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