Minizinsen und Inflation

Heute haben unsere Kinder Sparkonto-Auszüge erhalten. Sophia bekam gerade einmal 10 Cent Zinsen für 2016, wovon auch noch 3 Cent als Kapitalertragsteuer abgezogen wurden. Fabian hat schon etwas mehr auf dem Konto, wofür er 30 Cent abzüglich 8 Cent Steuern bekam.

Während die Zinsen im Promillebereich verharren, hat die Inflationsrate in Deutschland einen ordentlichen Sprung nach oben gemacht. Im November lag die Preissteigerungsrate noch bei 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, im Dezember waren es dann 1,7 Prozent (siehe „Inflationszahlen entfachen Streit über Niedrigzins-Idee“).

Man schiebt das jetzt auf den steigenden Ölpreis, um an der Politik der EZB nichts ändern zu müssen. Dabei hinderte zuvor der fallende Ölpreis nicht daran, vor Deflation zu warnen, um die Minizinsen und massiven Anleihenaufkäufe zu rechtfertigen. Tatsächlich ist es jedoch umgekehrt, dass fallende Ölpreise (bzw. allgemeiner Importpreise) für eine Volkswirtschaft eher einen Vorteil als ein Problem darstellen, während Inflation durch steigende Ölpreise die Verbraucher nicht weniger schädigt als steigende Preise für heimische Produkte.

Der beste Inflationsschutz ist übrigens die Geldanlage in realen Werten. Meine Kinder haben wie ich das meiste Geld nicht auf dem Sparkonto, sondern im Aktiendepot. Kurzfristig mag das riskanter sein, doch langfristig ist die Rendite dort sowohl höher als auch sicherer.

15 Gedanken zu „Minizinsen und Inflation

  1. Die EZB definiert Preisstabilität bei einer gewünschten Inflation von 2%. Ich sehe das anders und finde Inflation immer schlecht. Ihre Meinung, Herr Dilger, als Fachmann würde mich da interessieren.

    Sie haben sich auch als Aktienfan geoutet. Auch da wäre es interessant, etwas über ihre Strategie zu erfahren. Man kann immer etwas dazu lernen!

    • In ‚Preisniveaustabilität und Inflationsziel‘ begründen ich, warum eine geringe Inflation besser ist als gar keine oder sogar Deflation. ‚Deflation ist nicht gut‘, doch ‚Deflation muss nicht schlimm sein‘ unter bestimmten Umständen wie sinkenden Ölpreisen.

      Meine Anlagestrategie besteht aus Diversifikation und grundsätzlich langem Halten (mit Ausnahmen, z. B. wenn VW-Aktien an einem Tag auf 1.000 Euro zugehen). So habe ich mein eigenes Depot vor allem aus steuerlichen Gründen seit Ende 2008 nicht mehr umgeschichtet.

      • Also Aktien-Einzelwerte, keine Aktienfonds?
        Meiden Sie Aktienfonds, weil Ihnen die Nebenkosten zu hoch sind?

      • Aktienfonds haben Nebenkosten, je nach Ausgestaltung auch eine im Schnitt schlechtere Performance als der Index bzw. eine diversifizierte Mischung, ein Emittentenrisiko und einen weniger liquiden Markt. Sie sind eigentlich nur für Kleinanleger interessant, die nicht genug anlegen, um hinreichend mit Einzelwerten diversifizieren zu können.

  2. Wenn man mittelfristig einen großen Knall am Aktienmarkt erwartet, sollte man jedoch die Finger von Aktien lassen.

    • Das hängt von den Alternativen ab. Wenn die Zinsen irgendwann wieder steigen, werden die Aktienkurse voraussichtlich sinken, aber die Anleihenkurse und Immobilienpreise noch mehr. Inflation bedroht stärker den Wert von Bargeld und Anleihen als Aktien und Immobilien.

      • Wer einen Knall erwartet, der sollte in der Tat kurzfristig aus Aktien raus und vorübergehend umschichten, in diesem Falle vor allem in Gold. Nach dem Absturz kann man dann wieder in Aktien einsteigen.

        Ein solches aktives Asset Management verlangt aber auch große Kenntnisse. Für den Kleinanleger ist eine diversifizierte Haltestrategie mit gelegentlich diskretionären Ausnahmen sicherlich eine gute Handlungsanweisung.

  3. Wieso verwenden Sie ein Portfolio aus Einzelwerten – statt aus stark diversifizierten, passiven Index ETF?

    So müssen Sie den Index nicht schlagen und können sich entspannt zurücklehnen. Kosten sind für solche passiven ETFs extrem gering. Der Standardvorschlag ist dabei ein 70/30 Portfolio aus Welt/EM-ETFs.

    Traditionelle „aktive“ Fonds sind tatsächlich häufig viel zu teuer mit laufenden Kosten und 5 % AA.

    Aber Einzelwerte verlangen ein konstantes Informieren über die Gesamtwirtschaft und insbesondere die einzelnen Unternehmen. Darauf zu wetten, dass sich bestimmte Einzelunternehmen gut oder dem Index entsprechend entwickeln, stellt ein großes Risiko dar. (VW mal als Paradebeispiel – aber sicher nicht als einziges Beispiel)

    • Einzelwerte können steuerliche Vorteile haben und vor allem entfällt jedes Emittentenrisiko eines zwischengeschalteten Fonds. Wenn man genügend Einzelwerte hat, muss man auf die einzelnen Aktien gerade nicht mehr achten. Das macht ein passiver ETF doch auch nicht. Richtig ist, dass ich den Index nicht genau abbilde, was aber kein Nachteil sein muss.

      • Ich kenne ihr Portfolio nicht, jedoch ist es schwer eine auch nur annähernd gute Diversifikation zu erreichen wie das ein weltweiter Index-ETF kann. Wir reden hier von 1600 Unternehmen. Das ist für den normalen Privatanleger nicht zu erreichen. Will man es doch erreichen – muss man sich fragen, wieso man nicht gleich auf einen ETF setzt, der das gleiche tut.

        Man kann natürlich auch mit Einzelwerten diversifizieren. Jedoch ist hier das Risiko, aber auch der Aufwand vergleichsweise riesig. (insbesondere bei der Auswahl – macht man hier etwas falsch, kann das einem die gesamte Portfolio-Performance kosten)

        Der allgemeine Konsens und der Rat in den einschlägigen Foren (Wertpapier-forum z.B.) ist, dass eine Investition in passive Index-ETFs empfohlen wird. (Anlagehorizont: 10+ Jahre)
        Grund ist hier vor allem die sehr große Diversifikation bei sehr kleinen Kosten (< 0,5 %) und kein AA. Das ist in der Form für Kleinanleger ( < 1 Mio) schlicht nicht anders zu erreichen.

        Welche Steuervorteile bieten Aktien im Gegensatz zu ETFs? Es gibt sicher steuerhässliche ETFs, aber die meisten großen weltweiten/EM-ETFs sind steuereinfach. Informationen dazu sind reichlich verfügbar.

        Das Emittentenrisiko ist nur sehr marginal vorhanden. Bis maximal 10 % des Fondsvermögens und dazu noch äußerst unwahrscheinlich – zumindest bei den großen ETFs.
        http://www.gevestor.de/news/etfs-wirklich-ohne-emittentenrisiko-47957.html

        PS: In den letzten 8 Jahren ist vermutlich jedes Depot stark gewachsen. Probleme offenbaren sich erst mit der nächsten Kurskorrektur. Ich denke, dass so einige Einzelwertdepots das große Erwachen erleben werden.

      • Bereits mit 30 Einzelwerten lässt sich eine ziemlich gute Diversifikation hinbekommen (ich habe deutlich mehr). Mit 1.600 Werten könnte sie natürlich noch besser sein, doch der Zusatznutzen (geringeres Risiko bei gleicher Rendite im Erwartungswert) wird immer geringer und rechtfertigt sicher keinen Renditeverlust von einem halben Prozentpunkt pro Jahr. Trotzdem sollten gerade unerfahrene Kleinanleger lieber ETFs kaufen als Einzelwerte oder gar keine Aktien. Das Sparbuch ist eine denkbar schlechte Form der langfristigen Geldanlage.
        Steuerlich fallen mir vor allem zwei Vorteile von Einzelwerten ein. Erstens habe ich meine Aktien noch vor 2009 gekauft, also abgeltungsteuerfrei. Wenn ich sie jetzt in ETFs umschichten würde, käme eine zusätzliche Steuerlast von 25 Prozent auf alle zukünftigen Kursgewinne auf mich zu. Wenn ich jetzt ETFs nachkaufen würde, würde ich auch partiell meine Einzelwerte nachkaufen, während einige internationale Aktien meine Gesamtdiversifikation (bzw. die meiner Familie) stärker erhöhen. Zweitens können meine Kinder den Körperschaftsteueranteil ihrer Dividenden zurückerstattet bekommen, was bei ETFs meines Wissens nach nicht möglich ist.

      • Ich antworte mal hier, da man scheinbar nicht tiefer im Thread kommentieren kann.

        Insbesondere der Vorteil der Abgeltungssteuer – in ihrem Fall – sind natürlich verständlich. Da würde ich auch nicht mehr umschichten wollen.
        Eventuell aber dann Neuanlagen in ETFs investieren? In der Regel ist die Gesamtkostenquote bei weltweiten ETFs übrigens bei ca. 0,2 %. Speziellere ETFs sind teurer. Der Kauf ist beim richtigen Broker im Sparplan (Flatex) oder bei 500+ Euro (ING Diba) komplett kostenlos.

        Der Punkt mit der gleichen Rendite ist die große Frage bei selbsterstellten Portfolios. Haben Sie Vergleiche zum Index gezogen und gesehen, dass sich ihr Portfolio seit Beginn gleich oder besser als ein entsprechender Index entwickelt? Viele Anleger von Einzelwertdepots scheuen den Aufwand für einen solchen Vergleich – der ist aber natürlich denkbar wichtig.

      • Der genaue Renditevergleich ist schwierig, aber aus rein theoretischen Gründen auch nicht sonderlich wichtig. Denn bei der Diversifikation geht es überhaupt nicht darum, die Rendite zu steigern, sondern das Risiko zu senken (dessen richtige Messung natürlich noch viel schwieriger ist). Wenn ich nur einen wachstumsstarken Wert kaufen würde, wäre die Rendite im Erwartungswert und damit wahrscheinlich auch in der Realisation höher als von jedem breit gestreuten Fonds, aber ich hätte das Risiko einer schlechter als erwarteten Performance bis hin zum Totalverlust.

      • Ein Renditevergleich macht bei komplett verschiedenen Risiken wenig Sinn; das stimmt.

        Es ist aber so, dass – wie Sie ja auch schon zugegeben haben – ETFs eine deutlich höhere Diversifikation bieten als das ein Einzeldepot schaffen kann. Ein Vergleich der Renditen und der Volatilitäten ergibt von daher sicher Sinn.
        Insbesondere da hier ja zwei sehr (theoretisch) gleiche Anlagestrategien verglichen werden sollen:

        Langfristiges, passives und diversifiziertes Anlegen.

        Ein Renditevergleich ist da schon angebracht – allein um den Mehraufwand und die Kaufkosten der Anlage zu rechtfertigen.
        Sie führen zwar theoretische Annahmen an, jedoch sollte sich das auch langfristig zeigen: Nämlich deutlich stärkere Schwankungen, aber am Ende eine höhere Rendite. Man kann das Szenario für verschiedene Betrachtungszeiträume durchspielen und erhält verschiedene Ergebnisse. Aber man sollte sich schon klar machen ob das eigene Depot in einem solchen Vergleich standhält oder (mit historischen Daten) standgehalten hätte.(d.h. bessere oder gleiche Rendite wie der Index nach 20 Jahren+ in der Mehrzahl der Betrachtungszeiträume).

        Vielleicht eine Frage noch: Anhand welcher konkreten Kriterien haben Sie denn überhaupt über ihre Depotzusammensetzung bestimmt?

        Aber in einem Punkt waren wir uns ja einig: Wer möglichst einfach langfristig anlegen will, sollte in stark diversifizierte ETFs investieren.

      • Eine oberflächliche Überschlagsrechnung zeigt, dass ich zumindest renditemäßig nicht so schlecht investiert habe. Mein Portfolio ist seit Anfang 2009 nahezu verändert (einige Geldentnahmen fehlen, würden also zu einer noch etwas höheren Rendite führen). Es ist heute 144 Prozent mehr wert, was knapp 11,8 Prozent Rendite pro Jahr entspricht. Der DAX stieg in derselben Zeit um 139 Prozent bzw. 11,5 Prozent pro Jahr.

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