Beim Polit-Café des Gymnasiums Nottuln zu Robotern

Nächsten Donnerstag, am 8. Dezember 2016, bin ich beim Polit-Café des Gymnasiums Nottuln bei einer Diskussion zum Thema „Mensch vs. Roboter: Wer gewinnt den Kampf um Arbeit?“ (siehe Facebook). Meine Kernthese wird sein, dass es ‚Andere statt keine Arbeit durch Roboter‘ geben wird (siehe auch ‚Demographie und steigende Produktivität‘). Ich bin gespannt, ob ich diese Einsicht vermitteln kann.

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15 Gedanken zu „Beim Polit-Café des Gymnasiums Nottuln zu Robotern

    • Technik dient doch dem Menschen. Maschinen und nun auch Roboter nehmen uns die Arbeit ab. Das ist insgesamt von Vorteil, auch wenn es im Einzelfall für direkt Betroffene auch Nachteile geben kann.

  1. „Andere Arbeit“ wird doch nur für einen Teil der Arbeitnehmer zutreffen.

    Schon heute ist es ein Problem, freigestellte Arbeitnehmer in neue Arbeit zu vermitteln.
    Aktuelles Beispiel: die ehemaligen Opel Mitarbeiter aus Bochum.
    Gerade einmal 900 von ehemals 2.600 Arbeitnehmern haben einen neuen Arbeitsplatz gefunden. 700 haben sich in die, oftmals vorgezogene, Rente verabschiedet.

    1.000 ehemalige Mitarbeiter sind auch zwei Jahre nach Schließung des Werkes immer noch arbeitslos.
    Trotz bester Betreuung durch eine sog. Auffanggesellschaft, die alle Möglichkeiten der Fortbildungen, Umschulungen, Kontakten etc. geboten hat, war es diesen ehemaligen Arbeitnehmern bisher nicht möglich einen neuen Arbeitsplatz zu finden.

    • Schauen Sie sich die Entwicklung an. Es gibt heute mehr Arbeitsplätze in Deutschland als je zuvor. Von den Arbeitsplätzen vor 100 Jahren, vor allem in der Landwirtschaft, sind fast keine mehr übrig, sondern es sind ganz neue und viel besser bezahlte Berufe entstanden, die man sich vor 100 Jahren noch gar nicht hätte vorstellen können.

      Opel in Bochum ist doch gerade kein Beispiel für Arbeitsplatzvernichtung durch Roboter. Mehr Roboter dort hätten vielleicht das Werk und einen Teil der Arbeitsplätze erhalten.

      • Wenn Arbeitsplätze wegfallen, gleichgültig ob durch Roboter, KI oder Werksschließungen geht man in der Theorie davon aus, dass alle Arbeitnehmer durch Fort- und Weiterbildung oder Umschulung einen neuen, anderen Arbeitsplatz finden.

        Die Realität für viele ist jedoch eine andere.

      • Die Lösung kann entweder mehr oder weniger Sozialstaat sein. Man kann betriebsbedingte Entlassungen wegen Rationalisierungen oder auch internationaler Konkurrenz sozial abfedern (sollte aber personen- und verhaltensbedingte Entlassungen davon ausnehmen) oder umgekehrt den Druck auf die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz durch nur geringe Sozialleistungen erhöhen. Volkswirtschaftlich nachteilig ist es jedoch, wegen möglicher Arbeitsplatzverluste auf Produktivitätssteigerungen und Freihandel zu verzichten, die im Saldo eine größere Wirtschaftsleistung und auch mehr Arbeitsplätze schaffen, insbesondere in Deutschland.

      • Es gibt da aber einen gewaltigen Unterschied. Bisher war es so, das die Technik die Produktivität erhöhte und die Produkte billiger machte. Gleichzeitig wuchs global die Kaufkraft, die wir als Exportnation abschöpfen.

        Die jetzige KI ersetzt Arbeitskräfte im Binnenmarkt. Diese freiwerdenden Kräfte, wie in der Logistik, im autonomen KFZ-Bereich oder im Büro sind nicht so einfach zu ersetzen. Die Industrie, die entsteht nimmt nur einen Bruchteil der freigesetzten Arbeitskräfte auf.

        oder
        https://www.heise.de/newsticker/meldung/Angeblich-massive-Jobverluste-durch-Digitalisierung-und-Automatisierung-3301229.html

        Schon jetzt kann man sich einen Roboter kaufen, der 2000 von Spitzenköchen nachprogrammierten Rezepten, perfekt nachkochen kann. Was mir pers. ja ganz gut gefällt. ^^

      • Es hat sich nichts daran geändert, dass die Technik die Produktivität erhöht und damit die Produkte einschließlich Dienstleistungen billiger macht. Natürlich fallen zukünftig nicht mehr die Arbeitsplätze weg, die schon in der Vergangenheit ersetzt wurden, sondern andere. Dafür entstehen an wieder anderer, vielleicht jetzt noch gar nicht vorhersehbarer Stelle neue Möglichkeiten zu bezahlter Arbeit. Dabei geht auch in Deutschland der Trend von der Industrie zu den Dienstleistungen. Gerade im Handwerk sehe ich als Hausbesitzer einen riesigen ungedeckten Bedarf. Im Grunde handelt es sich dabei um ganz alte Berufe, die aber natürlich auch mit der Zeit gehen und neue Technik anwenden müssen.

  2. Bei allen Verdrängunsängsten, muss bedacht werden, dass der Ersatz geistiger Tätigkeiten durch Maschinen neu ist. Bei der ersten Industriuellen Revolution handelte es sich im Wesentlichen um den Ersatz menschlicher Muskelkraft durch Dampfmaschinen; übrigens viel früher als gedacht. Das erste Patent für eine dampfgetriebene Maschine (mit allerdings mieserablem Wirkumgsgrad), dem Miners‘ Friend, stammt von 1698.
    Andererseits werden die KI’s sicherlich mit genetisch optimierten Menschen konkurrieren müssen. Idiots Savants, mit denen früher Logarithmentafeln berechnet wurden, können mit bis zu zehnstelligen Zahlen in kürzerer Zeit rechnen, als die Eingabe in einen Computer erfordert.
    Alle Mittel zur genetischen optimierung des Menschen, die extrauterine Zeugung und z.B. CRISP-Technologie stehen bereit. Dies mag unserem Menschenbild widersprechen, wird aber sicherlich irgendwo auf der Welt verwirklicht werden.
    Zunächst wird es aber sicher zu einer Kooperation von biologischen Menschen und KI’s kommen, wobei wohl zunächst höhere geistige Leistungen betroffen sein werden; für einen Computer ist z.B. das Sortieren ungeordneter Wäsche eine außerordentlich schwierige Rechenaufgabe, die aber jeder analphabetischer Migrant in wenigen Minuten erlernt. Sogenannte höhere Leistungen wie Interpretationen von Röntgen- und Kernspinbildern fallen bereits jetzt den Rechnern erschreckend leicht, sodass bereits bei den Geräten der nächsten Generation mit zumindest einer automatisierten Teilbefundung zu rechnen ist.
    Auf Dauer bin ich nicht sehr sicher, dass der Durchschnittsmensch eine sinnvolle und produktive Tätigkeit in der Cyberwelt sowie im Bereich genetisch optimierter Menschen wird halten können (siehe „Friday“ von Robert A. Heinlein).

    • Die genetische Veränderung von Menschen ist ein anderes Thema. Wenn plötzlich ein größerer Teil der Menschheit fünfmal so schlau wäre, dann könnte man mit heutiger Durchschnittsintelligenz kaum noch dagegen konkurrieren. Interessant ist allerdings die Frage, warum die Evolution nicht bereits jetzt zu deutlich intelligenteren Menschen geführt hat bzw. ob ab einem gewissen Punkt höhere Intelligenz nicht auch Nachteile hat.

      Wenn Computer fünfmal so schlau sind wie normale Menschen, ist das jedoch wirtschaftlich für die meisten Menschen eher von Vorteil als von Nachteil, so wie auch kräftigere Maschinen menschliche Arbeit nicht überflüssig, sondern produktiver gemacht haben. Das gilt insbesondere dann, wenn die Computer und Roboter in einigen Bereichen viel besser sind (je nach Aufgabe sind Computer doch heute schon tausendmal schneller und genauer) und in anderen schlechter. Wie zwischen Menschen und Nationen wird es dann Arbeitsteilung geben und sich jeder auf seine komparativen Vorteile spezialisieren.

  3. auch wenn es nicht unbedingt weniger Arbeitsplätze gibt so wird doch deutlich weniger gearbeitet als früher. Durch lange Ausbildung und Studium auf der einen und Rente auf der andern Seite ist die Zeit im Leben in der man arbeitet viel kürzer. Und in diesem Lebensabschnitt wird auch deutliche weniger gearbeitet (37,5 std Woche, Urlaub, Elternzeit usw.). Die Frage ist ob nicht irgendwann so wenig bezahlte Arbeit benötigt wird, dass sie sich nicht mehr sinnvoll in klassische Arbeitsplätze einteilen lassen.

    Außerdem sind die übriggebliebene Bedürfnisse immer weniger elementar und daher ist die Frage berechtigt ob bei fortlaufender Effizienzsteigerung die Nachfrage wirklich weiterhin Schritt halten kann. Wieviele Autos, Fernseher oder Kaffees soll der Verbrauchern denn noch haben wollen?

    Und selbst wenn übersteigt der materielle Verbrauch ja bei weitem das was die Erde nachhaltig leisten kann. Ein immer mehr Verbrauchen kann auch deshalb schon keine tragfähige Strategie zur Erhaltung der Arbeitsplätze sein.

    • Geringere Arbeitszeiten sind doch eine vernünftige Reaktion bei steigendem Wohlstand. Wir wollen nicht nur mehr materielle Güter und immaterielle Dienstleistungen, sondern auch mehr Freizeit. Die klassischen Arbeitsplätze sind vor allem deshalb in Gefahr, weil sie mit Abgaben und Regulierung überlastet werden.

      Es ist doch gut, wenn die elementaren Bedürfnisse in unserer Gesellschaft für jeden relativ leicht befriedigt werden können. Früher wurde der Großteil der Einkommen für Nahrung ausgegeben. Wer hatte vor 100 Jahren ein Auto? Fernseher, Computer und Smartphones gab es noch gar nicht. Der Energieeinsatz pro Euro Wertschöpfung wird immer geringer, zumal sich diese immer mehr auf Dienstleistungen verlagert.

      • Beides ist vernünftig und gut, keine Frage.

        Ich wollte darauf hinweisen das durch technischen Fortschritt die Arbeit eben doch weniger geworden ist und nicht einfach durch andere Arbeit ersetzt wurde. Sondern z.B. durch mehr Freizeit. Die Frage ist ob das so weitergehen wird und kann?

        Und der zweite Punkt war das die unbefriedigten Bedürfnisse weniger und weniger elementar werden. Der Nachfragedruck nach mehr oder anderen Dingen also geringer wird.
        Auch hier wieder die Frage ob wirklich weiterhin die nun effizient befriedigten Bedürfnisse durch andere ersetzt werden?

        Und zu guter Letzt ist für die Nachhaltigkeit im großen Maßstab nicht der Ressourceneinsatz per Euro entscheidend sonder der totalverbrauch in Relation zu den Reserven bzw. erneuerbaren Quellen.

      • Es wird weniger gearbeitet, aber das ist doch auch eine Frage des Preises bzw. Lohnes. In weiten Teilen der Welt oder hier vor hundert Jahren verdien(t)en viele Menschen weniger in der Woche als den aktuellen Mindestlohn pro Stunde. Bei niedrigeren Löhnen wäre auf jeden Fall die Arbeitsnachfrage größer und vermutlich auch das Arbeitsangebot.

        Es ist nicht zu sehen, dass die Menschen keine Bedürfnisse mehr hätten, wenn der akute Hunger gestillt ist. Durch das Bedürfnis nach mehr Freizeit bei steigendem Wohlstand muss es durch steigende Produktivität auch nicht zu unfreiwilliger Arbeitslosigkeit kommen. Eine sinnvolle Theorie fehlender Nachfrage setzt deshalb nicht bei den Konsum-, sondern den Investitionsgütern an. Wenn die Wirtschaftssubjekte insgesamt mehr sparen als investieren wollen, kann das zu Problemen führen.

        Zumindest in entwickelten Ländern kann trotz steigender Wirtschaftsleistung auch der gesamte materielle Ressourceneinsatz rückläufig sein. Punktuelle Beschränkungen bringen allerdings wenig oder können an anderer Stelle sogar zu einem größeren Ressourcenverbrauch führen. Ökonomisch und ökologisch am besten wäre eine vernünftige Bepreisung der Ressourcen einschließlich produzierten Schadstoffe.

  4. Normen im Arbeits- und Tarifrecht, im Sozialrecht haben dazu geführt, dass private Nachfrage nach Dienstleistungen immer schlechter erfüllt wird. Parallel zu Produktivitätssteigerungen und Arbeitskräfte-Allokation ist ein Umdenken in der Gesellschaft hinsichtlich dieser Normen erforderlich. Hier kommt den Liberal-Konservativen eine besondere Bedeutung zu. Die großen Parteien neigen zu Syndikalismus, der Diejenigen begünstigen soll, die im Wirtschaftssystem integriert sind, und damit zugleich Zutrittsbarrieren errichtet.

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