Was kostet der Euro?

Gestern habe ich den Vortrag „Was kostet der Euro?“ mit ausführlicher Diskussion beim Liberalen Club Dortmund gehalten (siehe ‚Weiter mit einer Ankündigung‘). Bei der Recherche ist mir aufgefallen, dass es kaum Antworten auf diese naheliegende Frage gibt. Im Folgenden stelle ich meine gestern vorgestellten Zahlen zur Diskussion. Vielleicht schreibe ich auch noch einmal einen kleinen (populär)wissenschaftlichen Text dazu mit Quellenangaben etc. Für Hinweise auf belastbare Daten und Quellen wäre ich dankbar.

In US-Dollar kostet der Euro 1,05, in Schweizer Franken 1,07. Der fixierte Umtauschkurs 1999 bei Einführung des Euro (das Bargeld kam erst 2002) war 1,96 DM. Damals kostete ein US-Dollar 1,68 DM, heute wären es umgerechnet 1,84 DM. Dabei wäre die DM in den vergangenen fast 18 Jahren ziemlich sicher gestiegen statt gefallen. Da der Euro frei gehandelt wird, dürfte sein Außenwert einigermaßen fair sein, doch für Deutschland ist er schätzungsweise 30 Prozent zu niedrig und für andere Euro-Länder entsprechend zu hoch.

2015 lagen die deutschen Exporte bei 1.196 Milliarden Euro und die Importe bei 948 Milliarden Euro, was einem Exportüberschuss von 248 Milliarden Euro entspricht bei einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 3.027 Milliarden Euro. Bei einem zu niedrig bewerteten Euro bekommt man weniger Geld für die ausgeführten Güter, kann aber auch mehr ausführen, was die Wirtschaft belebt und Arbeitsplätze schafft. Die eigentlichen Kosten fallen bei den Importen an, da man weniger reale Gegenleistungen fürs Geld bekommt. Bei Importen im Wert von 948 Milliarden Euro entspricht das bei einer Unterbewertung von 30 Prozent immerhin 284 Milliarden Euro – pro Jahr.

Noch gravierender ist die verminderte jährliche Wachstumsrate des BIP. Diese liegt seit 1999 bei durchschnittlich 1,3 Prozent (mit einem starken Einbruch 2009 um 5,6 Prozent, der nicht am Euro lag). In den 1990er Jahren, als die Kosten der Wiedervereinigung zu schultern waren, lag die Wachstumsrate noch bei 1,6 Prozent und in den 1980er Jahren in der alten Bundesrepublik Deutschland bei 2,6 Prozent, also doppelt so hoch wie seit der Euro-Einführung. Der Unterschied mag nicht so groß erscheinen, doch über die Zeit kumuliert er sich. Hätte die Wachstumsrate ohne Euro bei 2,6 Prozent gelegen, wäre das BIP inzwischen 700 Milliarden Euro höher mit weiter zunehmender Tendenz. Selbst bei einem Wachstum von 1,6 Prozent wie in den 90ern statt 1,3 Prozent seither wäre das deutsche BIP jetzt 140 Milliarden Euro höher. In den meisten anderen Euro-Ländern ist das Wachstum übrigens noch stärker zurückgegangen bzw. in Italien fast ganz ausgeblieben, so dass man dort fast zwei Jahrzehnte wirtschaftlich komplett verloren hat. Im Rest der EU ohne Euro war das Wachstum hingegen höher.

Im Vergleich dazu fällt die potentielle Haftung für den Euro eher weniger ins Gewicht. Deutschland haftet mit 211 Milliarden Euro für den EFSF und mit 190 Milliarden Euro für den ESM, wobei letzterer mit einem zustimmenden Wort von Herrn Schäuble nahezu beliebig ausgedehnt werden könnte. Außerdem könnten Deutschland auch die ganzen 700 Milliarden Euro des ESM auf die Füße fallen, wenn die meisten anderen Länder zahlungsunfähig oder -unwillig werden. Deutschland hat direkt 80 Milliarden Euro an Griechenland-Krediten gegeben, die nahezu sicher größtenteils ausfallen dürften. Deutschland haftet mit gut einem Viertel für die EZB, deren Bilanzsumme im September bei 1.236 Milliarden Euro lag (bei Eigenkapital von 10 Milliarden Euro). Das ganze Eurosystem einschließlich der nationalen Notenbanken kam auf eine Bilanzsumme von 5.977 Milliarden Euro. Darin versteckt sind auch positive Target-Salden von 708 Milliarden Euro, die der Bundesbank von der EZB bzw. indirekt von anderen Notenbanken geschuldet werden. Diese Art von Krediten kann grundsätzlich grenzenlos steigen, wie auch die Anleihenkäufe und andere Maßnahmen der EZB das Haftungsrisiko ständig erhöhen.

33 Gedanken zu „Was kostet der Euro?

  1. Sie beschreiben die Wachstumsrate des BIP vor der Wiedervereinigung und nach der Wiedervereinigung.
    Liegt das niedrige Wachstum wirklich nur am für Deutschland zu niedrig bewerteten Euro oder verstärken sich die beiden Faktoren der heute noch spürbaren Folgen der Wiedervereinigung und des zu niedrig bewerteten Euro gegenseitig?

    • Eine zu niedrig bewertete Währung sollte eigentlich zum Wachstum beitragen, zumindest in der Währung. Dass dies in Deutschland nicht der Fall ist, zeigt die tiefen Probleme der Eurozone. So ist der Export in andere Euro-Länder eingebrochen. Außerdem wird in Deutschland zu wenig investiert, sondern viel Kapital exportiert (als Gegenposition zum Exportüberschuss) und zugleich schlecht angelegt. Schließlich war am Anfang der Euro für Deutschland eher zu hoch und galt Deutschland als kranker Mann Europas.

      Die Wiedervereinigung verursacht immer noch Kosten. Wenn man von Frau Merkel selbst absieht, dürften diese jedoch heute weniger ins Gewicht fallen als in den 90er Jahren.

      • Der Wert des Euros müsste bezogen auf die deutsche Wirtschaftskraft bei etwa 1,60 Euro/Dollar liegen. Kann man in etwa einschätzen, wenn man den Anteil des deutschen Euro-BIP in Vergleich zur den anderen Wirtschaften setzt und davon ausgeht, dass der Durchschnittswert des jetzigen Euro die Durchschnittswirtschaftskraft der Euroländer zeigt.

        Im Prinzip hat dadurch Deutschland einen Außenhandelskaufkraftverlust von ca. 50%, bezogen auf dem Binnenkaufkraftverlust macht das immer noch in etwa 30% aus, da sich die Produktionskosten durch die Importe/Halbfabrikate verteuern.

        Wenn man das über die Jahre ermittelt entgeht dem Staat dadruch über eine Billionen an Einkommen. Und wenn man die Kaufkraft im Verhältnis zum Wachstum setzt, ca. 9 Mill Arbeitsplätze. (Grob ermittelt, da die Reinvestitionen zusätzlich für Dynamik sorgen)

        Jeder Cent, der abgewertet wird, kostet dem Staat mehr durch den Kaufkraftverlust, als der (fiktive) Zugewinn durch die Exporte.

        Fakt ist, Unsere Außenhandelswirtschaft und damit deren Arbeitsplätze beruhen nur auf die Eurosubventionen, die uns die schwachen Länder bescheren. Man muss nicht mehr um Wettbewerbsfähigkeit kämpfen, dass erledigt der billige Euro.

        Bisher …, denn trotz der Eurosubventionen hatten wir im letzten Quartel Wachstumsstillstand. Was dagegen in den letzten Jahren massiv angestiegen ist, sind die Sozialkosten.

        Man sollte sich mal die Frage stellen, warum Draghi so handeln muss, wie er handelt. Dann kommt man von allein darauf.

      • So ganz klar sind mir Ihre Berechnungen nicht. Meinen Sie, dass für Deutschland ein Euro 1,60 US-Dollar wert sein müsste (Sie schreiben umgekehrt „1,60 Euro/Dollar“)? Wie kommen Sie dann aber auf einen Kaufkraftverlust von 50 Prozent oder auch nur 30 Prozent? Wie wollen Sie außerdem den Wert einer Währung aus der Höhe des BIP berechnen? Wieso gehen Arbeitsplätze dadurch verloren, dass eine Währung zu niedrig bewertet wird? Schließlich sollte man Staat und Volkswirtschaft nicht gleichsetzen. Der Bundeshaushalt gewinnt, solange die Kredite nicht ausfallen, aber die Privathaushalte verlieren mehr.

      • Ja das ist richtig. Der faire Wert wäre 1,60 Euro zum Dollar.

        In der Stärke einer Währung spiegelt sich i.R. die Wirtschaftskraft wieder. Der jetzige Wert ergibt sich aus den Durchschnitt der schwachen und starken Euro-Länder. Würde sich der Euro auflösen, würden einige Länder aufwerten, andere abwerten. Wie stark, das ergibt sich aus der Wirtschaftskraft der jeweiligen Länder. Der Anteil der Stärke ergibt sich aus dem jeweiligen Anteil aus dem Gesamt Euro-BIP. (Wäre z.B. der Pro-Kopf-Anteil von Italien höher als Deutschland, würde Italien stärker aufwerten)
        Auf einem ähnlichen Wert kamen die BD vor einigen Jahren. Auch meine Analyse ist schon zwei Jahre alt und da das eh grobe Berechnungen sind, auch egal.

        Bei der Annahme dass der faire Wert des Euros analog Deutschen Wirtschaftskraft bei 1,60 Euro/Dollar liegen muss, haben wir einen Außenhandelskaufkraftverlust von ca. 50%.
        So bezahlen wir z.B. für Gas/Öl auf der Basis von 1,06 statt 1,60. (als in etwa 50% mehr)

        Da wird z.B. Öl/Gas und alle anderen Importprodukte mehr bezahlen, und Öl/Gas zur Herstellung aller aller Produkte benötigt wird, diese Produkte sich dadurch verteuern, sinkt damit gleichzeitig der Warenkorb zu realen Wirtschaftskraft.

        Ein sinkender Warenkorb, bedeutet weniger Umsatz, weniger Umsatz bedeutet weniger Arbeitsplätze. (Auch die Investitionen werden weniger, weil ein Unternehmen nicht in sinkende Kaufkraft investiert. (Das ist ja auch der Grund, warum trotz Null-Zinspolitik und extensiver Geldmengenerweiterung kaum Arbeitsplätze geschaffen werden.)

        Die Kaufkraft im Binnenmarkt sinkt durch die BilligWährung, bzw. durch die verteuerten Importe.

        Hätte wir nicht den Euro, wäre quasi die Kaufraft höher. Höhere Kaufkraft bedeutet einen größeren Warenkorb und damit eine größere Nachfrage. Eine größere Nachfrage erzwingt Investitionen, Betriebserweiterungen, Umsatzvergrößerungen einhergehend mit Schaffung von Arbeitsplätzen. Jeder zusätzliche Arbeitsplatz bedeutet allein ca. 8.000 (Euro) Steuereinnahmen
        Jeder zusätzliche Arbeitsplatz bedeutet Entlastung des Sozialsystems.

        Deutschland ist durch seine starke Währung und trotz mehrfacher Aufwertungen stark geworden.

      • Das ist wirklich wirr. „1,60 Euro zum Dollar“ bzw. „1,60 Euro/Dollar“ würde bedeuten, dass der Euro kräftig ab-, nicht aufwerten müsste. Meinen Sie nicht vielleicht doch umgekehrt, dass man in Deutschland für einen Euro 1,60 Dollar erhalten sollte?

        Der Wert einer Währung ergibt sich weder aus dem BIP insgesamt noch dem BIP pro Kopf. Das sieht man schon daran, dass man bei einer Währung nominal einfach ein paar Nullen anhängen oder streichen könnte, ohne dass sich real etwas ändert. Für die Kursentwicklung kann es hingegen relevant sein, wie sich das BIP verändert. Noch wichtiger sind allerdings Inflationsrate und Zinsen.

        Wenn eine Währung aufwertet, werden die Importe billiger. Die Menschen können sich also mehr Importgüter leisten. Zugleich werden die Exporte teurer, kaufen also Ausländer in der Regel weniger Exportgüter. Außerdem verändern sich die relativen Preise auch für Inländer. Importe werden günstiger als heimische Produkte. Das höhere Realeinkommen reizt hingegen auch die Binnennachfrage an, so dass der Gesamteffekt nicht determiniert ist.

      • Richtig, 1 Dollar entspricht den Wert 1,60 Euro. Habe mich schlecht ausgedrückt.

        Natürlich errechnet sich der Wert einer Währung aus dem BIP.
        Bsp. ob auf der Lira in der Vergangenheit 1000 oder dann 1 am darauffolgenden Tage hatte, ist doch egal, wenn die Basis zum Umrechnungskurs gleich bleibt. Am selben Tag, werten die Produkte entsprechend mit ab. Deshalb vertausendfacht sich doch nicht die Wirtschaftsstärke.
        Wenn eine Wirtschaft gegenüber der Währung zu schwach ist (z.B. weil sie an eine andere Währung gekoppelt ist), dann wird dagegen spekuliert.

        Wie ermitteln sie denn den fairen Wart einer Währung? Oder die Spekulanten, die gegen oder mit der Währung spekulieren?

        >> Wenn eine Währung aufwertet, werden die Importe billiger. Die Menschen können sich also mehr Importgüter leisten. Zugleich werden die Exporte teurer, kaufen also Ausländer in der Regel weniger Exportgüter. <<

        Könnte von Merkel kommen. 😉
        Wenn es danach ging, dann hätte Deutschland nach jeder Aufwertung zusammenbrechen müssen. Die Wirtschaft kann sich durch Produktivitätssteigerungen anpassen, der Bürger kann nur sparen.
        Die letzten Quartale hatten wir quasi einen Wachstumsstillstand und das, obwohl die schwachen Länder den Euro drücken und damit den Export subventionieren.

        Und ja, die Importe wurden auch zu DM-Zeiten immer billiger, was zu Innovationen und Investitionen führte um denen Paroli bieten zu können. Und es hatte ja auch vor der Euroeinführung gut funktioniert.

        Und ja, Inflationsrate und Zinsen sind wichtig. Diese stehe aber oft im Widerspruch zueinander und der Bundesbank hatte die schwierige Aufgabe den Ausgleich zu schaffen. Auch deshalb man um Aufwertungen nicht herum.
        Gute Wirtschaft bedeutet günstige Anleihen aber gleichzeitig feuert sie die Inflation an. Die Löhne zogen nach. Letztens habe ich gelesen, dass die Reallöhne seit 20 stagnieren. Und das trotz niedriger Zinsen.

        Ich meine, das Ergebnis der Europolitik ist doch erkennbar. Wenn man jetzt in die Schweiz schaut, scheint man die 20% Aufwertung, nach der Abkopplung zum Euro, mittlerweile überstanden und ist wieder zum Wachstum übergegangen.

      • Sie drücken es leider immer noch verkehrtherum aus. Es ist ein großer Unterschied, ob man für einen Dollar 1,60 Euro bekommt oder für einen Euro 1,60 Dollar. Im ersten Fall ist der Dollar sehr hoch bewertet, im zweiten Fall der Euro.

        Es ist richtig, dass Frau Merkel häufig ziemlich triviale Aussagen trifft. Meine von Ihnen zitierte Aussage zur Aufwertung ist fast tautologisch, aber trotzdem zum Verständnis der Zusammenhänge wichtig. Wirtschaftlich schwache Länder leiden dementsprechend unter einer zu starken Währung. Deutschland konnte die Aufwertungen hingegen gut wegstecken, weil diese doch gerade aus seiner wirtschaftlichen Stärke resultierten, zu deren weiteren Steigerung die Aufwertungen einen Anreiz gaben. Solange Deutschland hohe Exportüberschüsse erwirtschaftet, muss man sich keine Sorgen machen, dass die Währung zu stark wäre. Sollte es bei der Abschaffung des Euro kurzfristig zu überschießenden Reaktionen kommen, lässt sich die weitere Aufwertung relativ leicht stoppen.

      • Was bitte ist da falsch, wenn ich dage 1 Dollar entspricht dem Wert von 1,60 Euro?

        Aber lassen wir das.

        Diese von mir erwähnten Zahlen lassen sich relativ einfach mit Excel simulieren. Und zwar handfest.

        Ich bin zwar für die Abschaffung des Euros, aber Deutschland ist dann auf lange Zeit erledigt.

        Mal sehen wer recht hat, lassen wir uns überraschen.

      • Momentan entspricht ein US-Dollar 0,94 Euro. Um auf einen Wert von 1,60 Euro pro Dollar zu kommen, müsste der Dollar um 70 Prozent aufwerten. Wenn Sie das wirklich aussagen wollen, verstehe ich Sie überhaupt nicht. Es macht doch viel eher Sinn, dass 1,06 Dollar pro Euro für Deutschland zu wenig sind. Die Abschaffung des Euro würde Übergangsprobleme schaffen und bereits bestehende Verluste offenlegen, wäre aber langfristig für alle Länder von Vorteil, natürlich auch für Deutschland.

      • Ja, für einen Euro (auf deutsche Wirtschaftskraft bezogen) bekäme man dann Waren im Wert für 1,60 Dollar.

        Und nein. Löst sich er Euro auf, ist Deutschland im Popo. Vor einigen Jahren hatte ich eine Möglichkeit gesehen, wie man diese Problem lösen kann. Jetzt nicht mehr.

        Die Euro-Länder mittlerweile sind überschuldet und unrentabel. Die meisten gehen reihenweise Pleite.

        Die Geldmenge wächst schon jetzt schneller als die produktive Wirtschaft, aber noch hofft man, dass Draghi alles regelt und solange die Hoffnung da ist, sind die Spekulanten dabei. Doch nicht mehr lange. Es brauch nur ein Land, wie z.B. Italien oder Finnland aus dem Euro auszusteigen, oder Deutschland muss auf Grund seiner Flüchtlingspolitik massiv neue Schulden machen. (Inoffiziell macht man das jetzt schon) Dann fällt Deutschland als Garant, mit seinem ca. 35% am Euro-BIP, für eine Wirtschafterholung aus. Das Vertrauen der Marktteilnehmer im Euro ist weg. Und dann geht es ganz schnell. ca. 30% der Weltwirtschaftwährung ist in Euro angelegt, das wird man schnell umschichten wollen. Der Außenhandel wird den Euro immer weniger akzepzieren. Und die Hyperinflation ist da.

        Die Länder gehen zu ihren Nationalwährungen zurück, was aber nicht viel hilft. Durch die Hyperinflation wird die Wirtschaft stark geschädigt. Die neuen Länder-Währungen werten stark ab. Vermutlich wird überreagiert und stärker als der faire Wert abgewertet. Zwischen 30% und 50%. Das vernichtet massiv Kaufkraft (u.a. durch die wachsenden Importpreise). Der Staat nimmt weniger ein und hat höhere Kosten. Er kann seinen Verpflichtungen/Schuldendienst nicht mehr nachkommen und man geht reihenweise Pleite.

        Was bedeutet das für Deutschland. Die Neu-DM wird vom Markt auf Grund der wirtschaftlichen Vergangenheit und deren positiven Erwartungen etwas Aufwertungspotential haben.

        Aber …, Deutschland als Exportland kann seine Produkte kaum noch absetzen. Der Arbeitsmarkt bricht zusammen. Die Staatseinnahmen sinken und die Sozialkosten steigen. Das Problem ist, dass sich diese Kosten gemessen am Gesamthaushalt, schon jetzt auf ca. 50% (40%+10% Flüchtlingsanteil) summiert haben. Ergo, die Sozialleistungen schrumpfen erst auf 2/3, was den Binnenmarkt schädigt, zu weiteren Entlassungen führt und damit die Einnahmen weiter schrumpfen lässt …, und dann auf 1/3 (oder wie in Griechenland gegen Null). Auch die Neu-DM inflationiert, da die Wirtschaft zur Geldmenge sinkt. Der Kapitalmarkt wird sehr sehr teuer. Ein Ausverkauf der Wirtschaft beginnt.

        Sozialpolitisch ist das eine Katastrophe. Deutschland fällt in eine Rezession/Depression und hat keine Chance sich daraus zu erholen. Man wird natürlich den Ausländern, die ein Großteil der Sozialkosten ausmachen, die Schuld geben. Es kommt zu bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen. Wir erleben eine Mischung aus 1929 und 1933. Deutschland hat auf Jahrzehnte hinaus verspielt, zumal der Mittelstand wegbricht und die noch funktionierende Industrie abwandert.

      • Ein Euroaustritt muss keineswegs so negativ ablaufen, zumal Sie widersprüchliche Ängste formulieren. Eine gleichzeitige Auf- und Abwertung sind nicht möglich. Hyperinflation und Aufwertung sind ebenfalls nicht gleichzeitig möglich. Ich sehe viel größere Gefahren, wenn der Euro fortgesetzt wird, zumal er dann irgendwann trotzdem zerbricht, und Frau Merkel weiter regiert.

      • Noch einmal mein Kompliment.
        Ihnen ist das als Einziger von sehr Vielen aufgefallen, das es nicht 1,60 Euro/Dollar sondern 1,60 Dollar/Euro heißen müsste. ^^

    • Hier ging es allein um den Außenwert des Euro insgesamt, der auf sehr liquiden Märkten bestimmt wird. Die EZB-Politik wird dabei natürlich eingepreist, doch ebenso die Maßnahmen der FED etc. Denken Sie denn, dass der Euro insgesamt, also nicht nur für Deutschland, sondern die ganze Eurozone, zu hoch oder zu niedrig ist?

      • Er ist für Deutschland (und Nordeuropa!) zu niedrig bewertet.
        Der (reiche) Norden zahlt für den (armen) Süden (wobei der Süden so arm gar nicht ist!).
        Ich will in der Euro-Zone keinen Länderfinanzausgleich, der bereits in Deutschland total ungerecht ist, weil Empfängerländer sich Firlefanz leisten, den Geberländer längst abgeschafft haben. Jeder sollte für seine Finanzen selbst verantwortlich sein!

  2. Gut zusammengefasst, Herr Prof. Dilger. Ich will Sie ermutigen, dies noch auszubauen, wie Sie ja erwägen. Interessant wäre dort die Einwände einzubauen, den die deutsche Exportindustrie hat, weil deren „Erfolg“ auf dem künstlich schwach gehaltenen Aussenwert des Euro liegen und dann im Zweifel eines Tages durch uns alle bezahlt werden. Interessant wären neben den Salden auch die Kontobewegungen auf den Targetsalden!

    • Die Exportindustrie hat in der Tat Vorteile durch den niedrigen Euro, doch die Nachteile für die Importindustrie, Konsumenten, Arbeitnehmer, aber auch Sparer überwiegen, um gar nicht erst mit den Krisenländern in der Eurozone anzufangen. Die Targetsalden schwanken relativ stark, aber die allgemeine Tendenz geht nur in eine Richtung, nämlich nach oben.

  3. Als sekundären Kostenfaktor sollte man die Zinsverluste nicht außen vor lassen. Weil Deutschland im Euro ist, hat damit die EZB die Herrschaft über unser Geldvermögen, Um die Konkurse der EU-Südstaaten zu vermeiden, sind die Zinsen auf Null und darunter gesenkt worden. Hans-Werner Sinn berechnet in seinem neuen Buch „Der schwarze Juni“ die aufgelaufenen Zinsverluste der Anleger bis 2015 auf 326 Mrd. €. Mit weiter fallendem Zins werden die Verluste noch höher und wachsen noch schneller. Dem gegenüber steht eine Zinsersparnis bei den deutschen Staatskrediten. Das Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) beziffert sie auf rund 100 Mrd. € für die Jahre 2010 -2015 (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutschland-hat-100-milliarden-euro-durch-minizinsen-gespart-a-1047483.html). Bei der Frage nach den Kosten des Euros, muß man also immer auch fragen: Wen kostet er wieviel und wem nützt er durch die Zinseffekte.

    • Das mit den Zinsen ist relativ kompliziert. So stellt sich die Frage, ob die Zinsen ohne den Euro wirklich viel höher wären, vor allem in Deutschland. Andere entwickelte Volkswirtschaften haben ebenfalls Null- oder Negativzinsen. Insbesondere bei einer sehr harten Währungen sind die Zinsen niedriger als in Weichwährungsländern. Außerdem sind alle Zinseinnahmen für andere Wirtschaftssubjekte Zinsausgaben. Es gibt Verteilungswirkungen, allerdings sind die Kreditgeber meistens relativ wohlhabend, was allerdings für Deutschland insgesamt als Nettokreditgeber (im Gegensatz zum deutschen Staat) auch zutrifft. Ich sehe das Hauptproblem darin, dass in der Eurozone die Zinsen von Anfang an nicht mehr hinreichend differenziert waren. Die Risiken werden nicht richtig eingepreist, was zur Fehlallokation von Kapital führt. Außerdem ist der Reformdruck in den Krisenländern dadurch viel zu niedrig, was realwirtschaftlich von Nachteil ist und sich in langfristig niedrigen Wachstumsraten niederschlägt.

  4. Besonders genial wäre es ja, das Geld abzuschaffen.

    Haben ja die Anarchisten in Spanien teilweise versucht beim spanischen Bürgerkrieg. Die Anarchisten in Spanien waren ja damals ultrastark, die CNT Gewerkschaft soll 2 Millionen Mitglieder gehabt haben und nur einen bezahlten Gewerkschaftsfunktionär.
    Jaja anders als DGB oder ÖGB.

    Der Spruch von Leo Trotzki: „Anarchisten werden am liberalen Misthaufen enden“ ist heutzutage nicht so ganz klar.
    Da ja Anarchisten auf dieser Welt keine Rolle spielen, kann ja niemand über Misthaufen sprechen.

    • Die Abschaffung des Geldes würde zurück zur Tauschwirtschaft oder reiner Subsistenzwirtschaft führen. Eine moderne Wirtschaft lässt sich so nicht betreiben, wie auch etliche kommunistische Experimente empirisch mehr als deutlich gezeigt haben.

      • „kommunistische Experimente“ Nein die Kommunisten waren nie dafür das Geld abzuschaffen, zum Unterschied zu den ultraliberalen Anarchisten.

        Interessant ist ja wo Anarchismus eine Rolle gespielt hat, in der Ukraine und in Spanien, bekam man Probleme mit Kommunisten. In der Ukraine sowieso wurde von der „Roten Armee“ niedergeschlagen, aber auch in Spanien konnte man sich hinstellen als „Partei der Ordnung“ und in Barcelona gegen die Anarchisten antreten.

        Der spanische Anführer von den Anarchisten der Durutti wurde aber nicht von Kommunisten ermordet, sondern möglicherweise von den eigenen Leuten, so sind halt Liberale.

      • Anarchisten sind keine Liberalen und natürlich wollten Kommunisten das Geld abschaffen, z. B. zu Beginn der Sowjetunion oder längere Zeit in Kambodscha. Eine perfekte Planwirtschaft würde tatsächlich kein Geld erfordern, funktioniert in der Praxis aber definitiv nicht.

  5. Ergänzend frage ich, was uns der EURO denn gebracht hat bzw. bringt.
    Er war ausdrücklich von vorne herein keine wirtschaftlich-kaufmännische Währung, sondern ein politischer Preis gegen die Hegemonie der DM und von Frankreich aus eine Opfergabe für die Wiedervereinigung. Wer diese Furcht vor einem Vierten Reich nicht versteht, möge sich die Landkarte von 1941 ansehen.
    Kohl sah den EURO als Preis und Mittel, um dic europäische Einigung über eine Wirtschafts- und Sozialunion zu einer politischen Union voranzutreiben. Dies war jedenfalls das Ziel.
    Nun sehen wir, dass der EURO trotz des von Ihnen geschilderten sehr hohen Preises – noch mehr für die Südstaaten – eher spaltend auf die EU wirkt und gerade auch als politisches Projekt missraten ist.

    • Ja, der Euro ist inzwischen nicht nur wirtschaftlich und finanziell, sondern auch politisch ein Desaster, wobei die Franzosen ein typisches Eigentor geschossen haben. Krisen mögen Europa näher zusammenbringen, aber das gilt eben nicht für rein selbstverschuldete Krisen. Ich denke, dass inzwischen die Eurofans die größten Feinde Europas sind, oft ohne das zu merken.

      Vorgestern wurde ausführlich diskutiert, ob Vereinigte Staaten von Europa ein Ausweg sein könnten. Dann hätte wieder ein souveräner Staat statt einer heterogenen Staatengemeinschaft eine Währung, aber die wirtschaftlichen und politischen Kosten einer solchen Vereinigung in der gegenwärtigen Lage wären immens. Außer in Deutschland will eigentlich niemand seinen Staat aufgeben. Viele Völker umfassende Imperien werden außerdem nicht ohne Krieg und Bürgerkrieg geschmiedet. Die USA haben tatsächlich beides erlebt. Ich bin hingegen weiterhin für ein friedliches und wohlhabendes Europa der Vaterländer.

  6. Was kostet der Euro ?

    Nun,der Euro verbilligt die deutschen Exporte und verteuert die Exporte der ohnehin schon weniger wettbewersfähigen EU Länder wie Portugal,Spanien,Griechenland,Italien,…..
    Sie verschulden sich und können ihre Überschuldung kaum noch tilgen.

    Draghi setzt den Leitzins auf Null,um deren Überschuldung nicht zum umkippen zu bringen und wir bekommen auf unsere private Altersversorgung keine Zinsen mehr.

    Ich finde den Euro schon sehr teuer !

    • Der Preis für den Euro kann sehr schnell in die Höhe gehen, wenn Italien ähnlich wie Griechenland „gerettet“ werden muss. Von einem ausgeglichenen Bundeshaushalt kann dann nicht mehr die Rede sein und viele unserer Rentner werden sich in absehbarer Zukunft mit einem Sozialhilfeniveau begnügen müssen, weil für Bundeszuschüsse das Geld fehlt.

  7. Was ich noch nicht so ganz verstanden habe, ist ob der target2 Saldo zu den Euro-Kosten zählt, diese in Gänze beziffert, oder damit gar nichts zu tun hat:
    https://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Statistiken/Zeitreihen_Datenbanken/Makrooekonomische_Zeitreihen/its_details_value_node.html?tsId=BBFI1.M.N.DE.4F.S121.S1.LE.A.FA.O.F2___T2.S._T.N.N&

    Oder anders gefragt:
    Wenn Deutschland aus dem Euro ausstiege und die EZB dann sagen würde:
    „Die ca. 700 Milliarden Euro, die ihr bei uns gut habt, könnt Ihr als uneinbringliche Forderung abschreiben.“
    Oder wenn eben die Euro-zone ganz zerbricht.

    Müsste dann der deutsche Steuerzahler in der Bilanz der Bundesbank diese 700 Milliarden Euro ausgleichen, oder würden diese Forderungen einfach gestrichen, weil wir sowieso wieder eine eigene Währung, die D-Mark, hätten?

    Ich habe vor einiger Zeit mal nach Antworten dazu gesucht.
    Auf einer Seite der Bundesbank habe ich sinngemäß diese Antwort gefunden:
    Deutschland wird die Eurozone nicht verlassen.

    Leider finde ich den link nicht mehr. Vielleicht eriinnere ich mich auch falsch oder habe es nicht richtig verstanden.

    • Die Target-Salden sind zumindest eine riskante Position. Formal handelt es sich um Forderungen und Verbindlichkeiten der EZB gegenüber den nationalen Notenbanken. Also wenn z. B. Griechenland aus dem Euro ausscheiden und nichts mehr begleichen würde, dann wäre Deutschland mit seiner Quote von gut einem Viertel an diesem Ausfall beteiligt. Wenn aber sukzessive noch mehr Länder ausfallen, steigt dieser Anteil schlimmstenfalls auf 100 Prozent.

      Der deutsche Steuerzahler würde dafür aller Voraussicht nach nicht direkt aufkommen müssen, aber indirekt. Die Bundesbank fängt z. B. die Verluste auf und verrechnet dann langfristig ihre Gewinne dagegen. Die Steuerzahler könnten auch dadurch entlastet werden, dass der Euro komplett entwertet wird und Deutschland eine neue Währung ganz unabhängig davon einführt. Volkswirtschaftlich träten die Verluste dann trotzdem auf, weil die Euros im Portemonnaie und auf den Konten wertlos würden.

      • Danke für die Antwort.
        Den Verlusten der Euros im Portemonnaie und auf den Konten ständen wohl die Gewinne der Kreditnehmer durch die Geldentwertung gegenüber. Da aber viele Kreditnehmer im Ausland sitzen, und die Kreditgeber im Inland, wäre das für die deutsche Volkswirtschaft ein Verlust.
        Die volkswirtschaftlichen Gewinne des „Exportweltmeisters“ der letzten Jahre wären dann weg.

        Aber lieber einmal die ganzen Verluste sichtbar machen, als endlos zahlen und haften.

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