Palmer und fehlende Toleranz

Tübingens grüner Oberbürgermeister „Boris Palmer fordert Toleranz für die AfD“. Doch bei vielen, nicht nur Grünen und Linken, sondern auch Anhängern von CDU und selbst der sich früher einmal liberal nennenden FDP hat man keine Toleranz, weder mit der AfD noch Herrn Palmer oder auch mir. Am meisten Empörung erregt die Unterscheidung von „Rassismus und Alltagsrassismus“ durch Herrn Palmer. Dabei wird übersehen, welches Beispiel er für Alltagsrassismus anführt. Ihm wurde dessen Förderung vorgeworfen, weil er als Tübinger Oberbürgermeister nicht gegen einen Bäcker vorging, der „Tübinger Mohrenköpfle“ verkaufte.

Nun bin ich kein Tübinger, vermute jedoch stark, dass es sich um eine alte Bezeichnung handelt, die früher wie „Negerkuss“ von niemandem für rassistisch oder alltagsrassistisch gehalten wurde. Wenn es sich jedoch um reine Sprachverbote aus angeblicher politischer Korrektheit handelt, dann geht es gar nicht um Rassismus oder Alltagsrassismus, sondern um unsere Freiheit und die deutsche Sprache. Sehr bedenklich ist auch die Empörung von Grünen darüber, dass Herr Palmer fordert, „gewaltbereite Syrer in ihr Heimatland abzuschieben“. Wer im Gastland Gewalt anwendet oder predigt, verwirkt damit sein Gast- und selbst Asylrecht. Dagegen wird jetzt Herrn Palmer unterstellt, er würde Gewalt gegen Ausländer vielleicht gar nicht ablehnen (s. u.).

Im Folgenden gebe ich ein paar Kommentare von mir selbst zu diesem Thema bei Facebook wieder. Vermutlich kann nicht jeder das lesen und es ist unklar, ob ich dann andere, nicht prominente Diskussionsteilnehmer namentlich zitieren darf. Doch es wird vielleicht trotzdem deutlich, wie intolerant die Stimmung ist. An anderer Stelle auf der Seite wird das Verbot der AfD gefordert und wird sie als „Faschistische Partei“ bezeichnet. Vielleicht sollte ich nicht mehr auf dieser Seite oder überhaupt nicht mehr bei Facebook diskutieren, denn das ‚Niveau bei Facebook sinkt‘ und sinkt. Aber es zeigt auch die Zerrissenheit unserer Gesellschaft und die Hetze, die es eben nicht nur bei AfD-Anhängern gibt, sondern auch und gerade bei ihren Gegnern.

Ist „Tübinger Mohrenköpfle“ überhaupt (alltags)rassistisch oder geht es hier nicht um politisch überkorrekte Sprachpolizei?

Ich bin nicht aus Tübingen, aber Mohrenköpfle scheint ein alter Begriff zu sein, der erst seit einigen Jahren von bestimmten Kreisen als inkorrekt angesehen wird. Dasselbe gilt für Negerküsse. Es verrohen also gar nicht die Menschen und die Sprache, sondern Sie halten jetzt für roh und rassistisch, was es nie war.

Herr Palmer wird auch von Ihnen dafür kritisiert, dass er einem Bäcker die Verwendung einer zumindest früher ganz normalen Bezeichnung nicht mit staatlicher Zwangsgewalt verbietet.

Vielleicht habe ich Sie falsch verstanden. Ihr Eingangssatz hier ist „Alltagsrassismus ist die Basis von Rassisten.“ Das Beispiel von Herrn Palmer für Alltagsrassismus ist dieser Mohrenköpfle-Streit. Gewalt gegen Ausländer etc. lehnt er sicher wie Sie und ich ab.

Was sollen solche Unterstellungen, ein demokratisch gewählter Bürgermeister könnte für illegale Gewalt sein? Was meinen Sie denn mit Alltagsrassismus, wenn es Ihnen gar nicht wie Herrn Palmer in dem Artikel um Mohrenköpfle geht?

Ja, Ihre Worte sind schwer zu verstehen. In Ihrem vorletzten Kommentar unterstellen Sie, dass Herr Palmer für Gewalt gegen Ausländer sein könnte, weil er dazu nichts gesagt hat, so dass ich nur spekulieren würde, dass er dagegen ist. Dabei ist völlig selbstverständlich, dass alle zivilisierten Menschen dagegen sind, ohne dass sie das dauernd sagen müssen. Im Übrigen habe ich den Artikel gelesen und Ihnen genau deshalb eine Frage gestellt, die Sie nicht beantwortet haben.

Texte müssen immer interpretiert werden. Sie halten es explizit für möglich, dass Herr Palmer für Gewalt gegen Ausländer sein könnte. Wenn er Meinungsfreiheit ebenso eng auslegen würde wie Sie, könnte er Sie dafür verklagen.

Entscheidend ist, was mit Alltagsrassismus gemeint ist. Herr Palmer gibt nur das Beispiel mit den Mohrenköpfle, Sie haben bislang überhaupt kein Beispiel benannt, obwohl ich Sie danach gefragt habe.

Woher wissen Sie, dass ich etwas hineinfantasieren, wenn Sie nicht interpretieren? Tatsache ist, dass Sie Herrn Palmer unterstellen, er könne für Gewalt gegen Ausländer sein, während Sie kein Beispiel für Alltagsrassismus benennen.

Sie haben offensichtlich Schreib- und Leseprobleme. Sie haben nicht geschrieben, dass Herr Palmer für Gewalt gegen Ausländer sei, sondern dass Sie nicht wissen, ob er es ist oder nicht: „Ich weiß nicht, ob Herr Palmer Gewalt gegen Ausländer ablehnt.“

18 Gedanken zu „Palmer und fehlende Toleranz

  1. Die Grünen sind heute das, was 68 die alten konservativen Eliten waren. Illiberal und verknöchert – kurzum: Sie müssen weg.

    Boris Palmer ist eine tolle Persönlichkeit und wohl der einzige Grüne, den ich wählen würde. Auch wenn wohl viele politische Positionen zwischen uns stehen, sein Politikstil und seine Persönlichkeit ist außerordentlich und selten in der modernen Politik. Alleine das hat Unterstützung verdient.

    Übrigens kann ich bestätigen, dass Mohrenkopf der traditionelle Begriff für „Negerkuss“ oder „Schokokuss“ in Schwaben ist. „Köpfle“ ist dann lediglich noch eine Verniedlichung. Ich habe mehr als 20 Jahre gebraucht, um erstmals auf die unterstellten Assoziation zu kommen. Ich bin vom Sprachgebrauch Mohrenkopf jedoch nicht abgewichen.

    • „Mohr im Hemd“ ist lecker. Könnte man ja auch sagen, das ist rassistisch, weil das ausdrücken soll, dass Mohren normalerweise kein Hemd tragen.

      “ Der „Mohr im Hemd“ ist eine typische Süßspeise der Wiener Küche. Dahinter verbirgt sich ein kleiner, dunkler Gugelhupf, der mit heißer Schokoladensoße übergossen und mit Schlagobers (Sahne) garniert wird.“
      https://www.wien.info/de/einkaufen-essen-trinken/wiener-kueche/rezepte/mohr-im-hemd
      Bald wird man Zigeunerschnitzel auch nicht mehr bestellen dürfen.

      Interessant bis halblustig ist ja die Debatte ob man Neger noch sagen darf oder nicht.
      Das war vor 2 Jahren bei der FPÖ witzig:
      “ FPÖ-Abgeordneter: „Ein Neger ist ein Neger“………Schmid definiert weiter: „Ein Neger ist ein Neger, da kann er nichts dafür. Da gibt’s hellere und dunklere.“ In seinem Hotel sitze an der Rezeption auch einer: „Ich kenne keine andere Bezeichnung dafür. Wie soll ich ihn sonst nennen?“
      http://derstandard.at/1395364746521/Ein-Neger-ist-ein-Neger

      Gibt es so eine Diskussion bei der AfD eigentlich auch, oder sind die alle ganz brav und sagen immer „schwarzer Mitbürger“.

      • So sieht es der Duden:
        http://www.duden.de/rechtschreibung/Neger

        Besonders bemrkenswert an der Diskussion um diesen Begriff finde ich, dass die Bezeichnung „Neger“ als diskriminierend wahrgenommen wird, die bedeutungsgleiche Bezeichnung „Schwarzer“ hingegen nicht.

      • @ Stefan König
        Bei mir heißen Negerküsse immer noch Negerküsse und nicht Schaumzuckerformlinge. Wer sich daran stört, der sollte sich in Therapie begeben. Ich glaube auch nicht, dass das Wort Neger, im Gegensatz zu dem hier verlinkten Duden, im öffentlichen Sprachgebrauch von einer Mehrheit der Bevölkerung als stark diskriminierend angesehen wird. Ist es nicht vielmehr eine Minderheit rot-grüner Klageweiber, die mit ihrem reflexartig, hysterischen Geschrei einem ganzen Sprachraum ihre verschrobene Vorstellung aufzwingen will, Sprache müsse „politisch korrekt“ sein? Und wer darf für sich die Deutungshoheit darüber beanspruchen, was korrekt ist und was nicht? Wer beleidigen und diskriminieren will, kann dies mit einer Vielzahl von Worten tun. Das darf kein Grund sein, erhebliche Sprachbestandteile mit langer Tradition einfach verbieten zu wollen. Neger war und ist ein Sprachgebrauch mit langer Tradition und keinesfalls per se negativ, siehe ältere Dudenauflagen, etwa ab 15. Auflage rückwärts.
        Der nächste konsequente Schritt zur ideologischen Umerziehung wäre dann, diese Bücher zu verbrennen, damit nicht etwa Zeitgenossen, die es genau wissen wollen, auf die Idee kommen, darin zu blättern. Man könnte nachlesen, wie normal die Welt war, bevor die ideologischen Nachkommen von Rudi Dutschke und Daniel Cohn-Bendit die Deutungs- und Beurteilungshoheit einfach, wie selbstverständlich, an sich gerissen haben. Von jedem durchschnittlich begabten Menschen kann man Fähigkeit und Bereitschaft zur Differenzierung erwarten, ob Worte in beleidigender Absicht geäußert werden oder nicht. Wer aber aus politischem Kalkül nicht differenzieren will, dem steht die Gerichtsbarkeit über ein so wertvolles Kulturgut wie Sprache, einfach nicht zu.
        Herr Palmer scheint ein Ausnahme-Grüner zu sein, der in diese Partei nicht so recht hineinpasst. Oder er ist als Erstes Schwabe, als Zweites nochmal Schwabe und das Grüne kommt erst danach. Der süddeutsche Menschenschlag lässt sich das Maul nicht so leicht verbieten wie der preussische Unterthan. „Der wack`re Palmer forcht‘ sich nit, ging seines Weges Schritt vor Schritt.“ ( Ludwig Uhland, leicht modifiziert ) Hoffentlich bleibt das so.

      • @Rolf Werle

        Süddeutsche und Preußen sind eben genau nicht „EIN Volk“ …

  2. Man merkt, nicht erst jetzt, wohin Indoktrinierung und Sozialismus in Deutschland fuehren! Durch Internet hat man jetzt die Moeglichkeit viele „Mitbuerger“ besser kennen zu lernen als es einem lieb ist. Ich bin ueberzeugt, dass diese Gruppe besonderes Gruene und AfD Anhaenger anzieht aber nicht nur. Mob war nie tolerant, besonderes wenn umerzogen und politisch geschult.

    • Von welcher „Gruppe“ sprechen Sie? Was haben Grüne und AfD denn gemeinsam? Vielleicht ein Fehler Ihres Übersetzungsautomaten?

  3. @Michael Meister
    „Besonders bemerkenswert an der Diskussion um diesen Begriff finde ich, dass die Bezeichnung „Neger“ als diskriminierend wahrgenommen wird, die bedeutungsgleiche Bezeichnung „Schwarzer“ hingegen nicht.“

    Neger stammt aus dem lateinischen „negro“ und bedeuted nichts andres wie schwarz. Das zeigt doch wie bildungsresistent unsere Sprachpolizisten der neuen Weltordnung sind.

    • Genau so ist es. Eine Diskussion um derartige Begriffe überhaupt zu führen, ist lächerlich durch und durch.

    • „Neger stammt aus dem lateinischen „negro“ und bedeuted nichts andres wie schwarz. Das zeigt doch wie bildungsresistent unsere Sprachpolizisten der neuen Weltordnung sind.“

      Herr Meister – bildungsresistent – „negro“ aus dem Lateinischen? … 🙂 – kennen Sie den Glaskasten, aus dem man besser keine Steine wirft … ?

      • Das lateinische Wort für schwarz ist niger, über das französische Wort nègre wurde daraus Neger. Mohr ist ein älteres deutsches Wort, welches zuerst die Einwohner Mauretaniens bezeichnete und dann alle dunkelhäutigen Menschen.

      • Das Zitat stammt nicht von mir, sondern von Herrn Estermeier.

        Aber ob „negro“ nun (richtigerweise) Spanisch oder Latein ist, kann an sich auch dahin gestellt bleiben. Der Ursprung ist auf jeden Fall das lateinische „niger“ (schwarz). Daher dürfte die Bedeutung unstrittig sein, egal über welchen Weg der Begriff „Neger“ eingedeutscht wurde.

  4. Lohnt sich die Auseinandersetzung mit solchen Meinungen aus der – vorwiegend – links-grünen Szene ? Ich halte das für reine Zeitverschwendung- man wird niemanden überzeugen, allenfalls mit Themen-Verdrängung bekämpfen (also nicht noch mit Diskussionen aufwerten).
    Ich weise an dieser Stelle auf einen bemerkenswerten Beitrag von Edith Sitzmann – grüne Finanzministerin, Manne Lucha – grüner Sozialminister – unter dem Titel „Vermögensteuer trifft das wirtschaftliche Rückgrat“ in der FAZ vom 8.11.16 hin, hinter dem man nicht im Einzelnen stehen muss, der aber interessante Gesichtspunkte aufweist.

  5. @Michael Meister: „Süddeutsche und Preußen“
    Ironischerweise liegt die Keimzelle des Preussentums ausgerechnet in einer romantischen Höhenburg in der Nähe von Hechingen. Ist das Preussentum vielleicht die Steigerung schwäbischer Ur-Tugenden?

  6. Alltagsrassismus“ ist auch so ein grässliches, neudeutsches Kunstwort aus dem Mund der neuen linken Sprachpolizei. Es geht dabei um nichts anderes als um Rede- und Denkverbote.

    Echter Rassismus ist mir fremd! Ich habe die ganze Welt bereist und Freunde unter verschiedensten Rassen, Kulturen und Religionen gefunden. Ja, es gibt Unterschiede! Und genau diese Unterschiede machen die Vielfalt aus! Gleichheit dagegen wäre nicht nur langweilig, sondern gefährlich!

    Ich lasse mir niemals den Mund verbieten! Daher rede ich auch selbstverständlich von „Negern“ (lat. „negro“ für schwarz). Das kann keine Beleidigung sein, sonst müsste „Weißer“ auch eine Beleidigung sein! Der Begriff „Mohren“ leitet sich vom lat. „moros“ ab und bezeichnet die dunkelhäutigen (moslemischen) Mauren.

    Einen Neger mit Schokolade zu vergleichen kann schon gar keine Beleidigung sein, denn Schokolade ist etwas Leckeres, wie mir einmal ein schwarzer amerikanischer Soldat selbst gesagt hat.

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