Draghi fünf Jahre im Amt

Vor fünf Jahren wurde Mario Draghi der dritte EZB-Präsident mit einer achtjährigen Amtszeit. Seine größte Leistung ist vielleicht die Rettung des Euro, für die er alles unternehmen wollte, wobei zumindest ich diese gar nicht als positiv ansehe. Dafür hat er Null- und Negativzinsen eingeführt und die Bilanz der EZB deutlich verlängert mit teilweise zweifelhaften Staatsanleihen und inzwischen auch Unternehmensanleihen (siehe „Fünf Jahre Draghi – eine Bilanz in Grafiken“ und „Volles Risiko und keine Freunde mehr“). Die Inflation ist trotzdem viel niedriger als sein Inflationsziel von zwei Prozent, die er als Preisstabilität erklärt. Denn seine Maßnahmen führen zwar zu Vermögensblasen, haben aber kaum Einfluss auf die Konsumgüterpreise. Sein wirkliches Ziel ist wohl ohnehin ein anderes, nämlich vor allem hochverschuldeten Ländern wie Italien zu helfen. Diese verzichten wiederum wegen der niedrigen Zinsen und garantierten Anleihenkäufe auf ernsthafte Wirtschaftsreformen.

Die Banken schränken unter Aufsicht ausgerechnet der EZB ihre Kreditvergabe ein, so dass die insgesamt verfügbare Geldmenge viel weniger steigt als die Menge an Zentralbankgeld. Zugleich sind die Rohstoff- und vor allem Rohölpreise stark gefallen, was für die europäischen Volkswirtschaften eher von Vorteil war. Wenn diese Importpreise wieder steigen oder auch nur stabnieren, wird auch die Inflation zunehmen und der wahre Test für die Politisierung der EZB und ihres Präsidenten anstehen, nämlich ob er die Zinsen dann wieder erhöht. Bei einem konjunkturellen Abschwung hat er jedenfalls kaum noch Spielraum nach unten, könnte aber zu immer ausgefalleneren und riskanteren geldpolitischen Maßnahmen greifen. Letztlich leiden nicht nur die Banken, sondern die meisten Unternehmen und Europäer unter dem Euro, der EZB und Herrn Draghi. Das ist ihm aber egal, weil er ohnehin nicht wirklich gewählt, sondern von den Regierungschefs bestimmt wurde, die vor allem politische Ziele verfolgen, wobei Herr Draghi ihnen hilft.

9 Gedanken zu „Draghi fünf Jahre im Amt

  1. Man muss Draghi verstehen. Er ist Präsident der EZB. Er ist kein Politiker, es ist nicht seine Aufgabe zu entscheiden, ob der Euro bestehen bleiben soll oder nicht. Es ist auch nicht seine Aufgabe zu entscheiden, ob der Euro eine gute oder schlechte Sache ist. Das Problem ist nur, dass er dafür Maßnahmen verwendet, die rechtswidrig sind, aber durch unsere verlogene, ideologisierte und korrumpierte Elite bis in die Gerichte gedeckt wird.

    Draghi hat getan, was er tun musste, um den Euro zu retten. Die Alternative wäre gewesen, den Euro aufzugeben, was ihm persönlich wohl viel mehr geschadet hätte. Er hätte Kritik von allen Seiten bekommen und wäre der Buhmann auf Lebzeit gewesen. Ich denke nicht, dass man ihn als Person für diese Politik verantwortlich machen sollte, sondern die Politiker, die genau diese Politik europaweit gefordert haben, auch wenn sie dies manchmal in der Öffentlichkeit leugnen (typisches Beispiel Schäuble). Die Unabhängigkeit der Zentralbank besteht eben nur auf dem Papier, der öffentliche Druck war grenzenlos. Draghi ist letztendlich eine austauschbare Figur, andere Notenbänker hätten ähnlich gehandelt. Er ist kein Erdogan, der sein Land eigenmächtig und eigensinnig an die Wand fahren kann. Er ist nur Exekutor eines sozialen Drucks.

    • Herr Draghi hätte durchaus anders handeln können und ein anderer EZB-Präsident, z. B. Axel Weber, hätte das tatsächlich getan. So gehört die Rettung des Euro bzw. das Zusammenhalten der Eurozone um jeden Preis gar nicht zum Mandat der EZB. Rechtswidrig Maßnahmen sind ihr und dem EZB-Präsidenten hingegen natürlich verboten, auch wenn EuGH und BVerfG inzwischen alles durchwinken. Das Ziel der Geldwertstabilität könnte man anders interpretieren als Inflation von zwei Prozent, insbesondere wenn vor allem Importgüterpreise fallen. Richtig ist allerdings, dass die Hauptverantwortung bei den nationalen Politikern liegt, insbesondere den deutschen, allen voran Frau Merkel und Herrn Schäuble.

      • Natürlich hätte er anders handeln können. Er wäre dann allerdings seinen Job los gewesen, seine Reputation wäre zerstört gewesen (vor allem in Italien, die ihn anfänglich für die explodierenden Zinsen verflucht hätten) und er hätte gegen den erklärten politischen Willen der gesamten Elite Europas den Euro „zerstört“. Aus persönlicher Sicht ist da sein Handeln schon zu verstehen.

        Axel Weber war ein Überzeugungstäter, er hatte in Deutschland in Bevölkerung und der Wissenschaft einen Rückhalt. Er wäre trotz politischen Drucks der Bundesregierung, deren Unterstützung für die deutschen Vertreter ja nur vorgetäuscht war, gewissermaßen als aufrechter Held in die Geschichte eingegangen.

        Ansonsten haben sie natürlich mit ihren Inhalten Recht. Trotzdem ist die Figur Draghi austauschbar. Nicht austauschbar sind hingegen die Figuren Merkel und Schäuble ohne deren Zustimmung oder besser gesagt Forcierung diese Politik unmöglich gewesen wäre.

    • Europaeische Steuerzahler, Waehler, Sparer etc. interessiert nicht was Herrn Draghi geschadet haette! Was fuer ein Gesichtspunkt ist es ueberhaupt? Mario Draghi ist ein Versager aus sicht der Buerger, und das zaehlt! Leider nur einer von vielen!

      • Herr Draghi ist der Ansicht, dass es ohne seine Maßnahmen den Bürgern der Eurozone noch viel schlechter ginge. Ich denke, dass das nicht stimmt. Doch selbst wenn es stimmt, rechtfertigt das noch keine Mandatsüberschreitungen oder gar direkte Rechtsbrüche.

      • Natürlich ist das falsch. Er hat kurzfristig Italien geholfen, aber langfristig schwer geschadet. Die Jugend in Italien ist perspektivlos, sie möchte das Land verlassen und schaut ehrfürchtig nach Deutschland (wieso auch immer). Man sollte das Land erlösen und ihm eine neue Chance geben. Das geht nur ohne Euro.

  2. Der Euro ist leider eine Fehlkonstruktion, die der Dicke aus Oggersheim schlecht verhandelt hat. Alle Bedingungen (3%-Verschuldungsgrenze, Ausschluss einer Haftungsunion, Verbot der offenen und verdeckten Staatsfinanzierung, …) sind so wachsweich und ihre Verletzung immer folgenlos. Alle Versprechungen waren Lügen, von Anfang an!

    Mit der D-Mark haben wir Deutschen eine harte Währung aufgeben müssen. Die meisten anderen EU-Staaten wollten so eine harte Währung auch gar nicht, sondern durch ständige Abwertungen die eigenen Defizite auffangen. Jetzt haben wir eine GEMEINSCHAFTSwährung und orientieren uns nicht an den Stärksten, sondern den Schwächsten der Gemeinschaft. Statt der D-Mark haben wir mit dem Euro so ein Spielgeld wie die italienische Lira bekommen. Der Italiener Draghi, der zudem das Tricksen bei den „Heuschrecken“ (Sprachgebrauch Gerhard Schröder!) gelernt hat, passt da perfekt ins Chaos.

    Merkel weg reicht nicht!
    Weg auch mit Draghi, Schulz und Juncker, der europäischen Viererbande!

    • Der Euro ist für Deutschland zu weich und zu niederig bewertet, für die Südländer einschließlich Frankreich jedoch zu hart und zu hoch bewertet. Deshalb sind alle Verlierer, wenn auch auf verschiedene Weise.

      • Stimmt! Sehr gut, weil ganz einfach erklärt!
        Es gibt leider nur wenige Wissenschaftler, die dieses Talent haben….

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