Petition für Schulfach Wirtschaft

Eigentlich finde ich Seiten wie openPetition nicht wirklich empfehlenswert, weil man Petitionen auch direkt und offiziell beim Bundestag bzw. den Landtagen einreichen kann. In diesem Fall mache ich jedoch eine Ausnahme und empfehle die Petition „Schulfach Wirtschaft in allen Bundesländern“ zur Mitzeichnung, wobei sie mir selbst gleich von mehreren Kollegen empfohlen wurde. Es geht darum, Wirtschaft als eigenes Schulfach in allen Bundesländern und allgemeinbildenden Schulen zu etablieren. Denn ein Grundverständnis der Wirtschaft ist für jeden wichtig, sowohl individuell als Konsument und Teilnehmer am Arbeitsmarkt als auch gesellschaftlich sowie politisch als Staatsbürger und Wähler.

Zumindest in NRW ist Wirtschaft(swissenschaft) momentan nur eine Anteilsdisziplin neben Soziologie und Politologie im Fach Sozialwissenschaften. Das bedeutet, dass nicht nur die Schüler wenig über Wirtschaft lernen, sondern auch die (angehenden) Lehrer, woran ich selbst mit einem noch kleineren, nämlich dem betriebswirtschaftlichen Anteil der Lehre in Münster beteiligt bin. Meiner Erfahrung nach kann (zu) geringes Lernen über so ein komplexes und ideologisch umkämpftes Thema wie Wirtschaft allerdings mehr schaden als nutzen. Denn wer definitiv nichts zu einer Sache gelernt hat, maßt sich in der Regel dazu kein Wissen an, während eine zu oberflächliche oder auch fachfremde Auseinandersetzung mit wirtschaftlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Zusammenhängen häufig nur un- bis antiökonomische Vorurteile bestätigt. Nach einem umfangreichen Studium werden die grundlegenden Zusammenhänge hingegen meistens verstanden. Es droht dann eher die umgekehrte Gefahr, dass der Blick auf die Wirtschaft zu einseitig und unkritisch wird, wogegen dann weitere Studien und eigene Forschung z. B. im Rahmen eines Promotionsverfahrens helfen.

17 Gedanken zu „Petition für Schulfach Wirtschaft

  1. Die Forderung nach der Einführung eines Schulfaches „Wirtschaft“ wurde auf meinen Vorschlag von Prof. Schiele in die Programm-Gestaltung der Partei „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ aufgenommen. Ich rate auch dazu, hier nicht zu sehr zu relativieren und Vorbehalte zu erzeugen. Die Wirtschaftsfeindlichkeit von Links-Grün, die im Prinzip den Empfang von Staatsknete als einzig legitime Einkommensquelle definiert, gefährdet den Standort Deutschlands. Dummheit und Einfalt sind leider die besten Grundlagen für Mobilisierung.

  2. Meines Erachtens wäre es bereits ein großer Fortschritt, wenn der Mathematik-
    unterricht verbessert werden würde.

    In meinem ganzen bisherigen Leben hatte ich z. B. für Geometrie keinerlei
    praktische Verwendung und nur sehr wenig für Mengenlehre.

    Hingegen werden Zinsrechnung und Wahrscheinlichkeitsrechnung an allen
    Schulformen gar nicht oder nur stiefmütterlich behandelt.

    Diese sind auch für Erkenntnisse im Fach „Wirtschaft“ grundlegend.

    Jeder Mensch kommt mal in die Verlegenheit, entweder Geld auf dem Sparbuch
    anzulegen oder einen Kredit aufzunehmen.

    Jeder Mensch ist täglich im Alltag gezwungen, Entscheidungen zu fällen:
    entweder das Eine – oder das Andere.
    Wie wahrscheinlich ist es, das diese Entscheidung für mich gut oder schlecht ist?

    Es ist nicht zwingend mehr Mathematikunterricht erforderlich – sondern besserer.

    • Sie stellen Ihr persönliches Berufsleben in den Focus. Ein Teil Ihrer Mitschüler benötigt evtl. Geometrie in den Berufen. Schule kann nur breit gefächerte Grundlagen vermitteln.

      Die Einführung des Schulfachs Wirtschaft befürworte ich durchaus. Wie will man aber sicherstellen, dass ideologiefrei unterrichtet wird und Schüler sich ihre eigene Meinung bilden?

      Wirtschaftswissenschaften sind komplex. Was und wie will man unterrichten, wenn selbst unter Ökonomen keine Einigkeit herrscht? Gibt die persönliche Präferenz des Lehrers die Richtung vor?

      • In Schulen gibt es einen Lehrplan. Es sollten durchaus unterschiedliche Denkansätze vorgestellt werden. Ein guter Lehrer wird seine eigene Ansicht nicht verstecken, aber auch nicht deren Nachbeten verlangen.

      • @ Kunze

        Ich schreibe selten wütende Kommentare und versuche meistens auch
        gegenüber Mitkommentatoren, deren Meinung ich nicht teile, sachlich
        zu bleiben.

        Wenn ich aber eines hasse, dann sind es chronische Analphabeten, die
        meinen, andere auch noch klugscheißerisch belehren zu müssen.

        Sie haben offensichtlich meinen Beitrag weder gelesen noch verstanden.

      • Meiner Ansicht nach haben Sie den Kommentar von Frau Kunze fehlinterpretiert und sollten jetzt nicht persönlich werden. Es ist gar kein Widerspruch, dass Schulen Grundlagen und im Leben Brauchbares vermitteln.

    • Ich wuerde abraten Mathematikunterricht immer weiter an Schueler anzupassen. Klassische Mathematikunterricht wie es Schueler und spaeter Studenten fuer MINT Faecher brauchen werden, muss eine solide Basis bleiben. Das gleiche gilt fuer Deutsch, fremde Sprachen, Latein, Physik, Chemie, Geschichte.

      Oekonomie ist definitiv etwas was alle Menschen im Leben brauchen, deswegen soll man die Petition sofort unterzeichnen!

    • Der Mathematikunterricht ist wichtig, es fängt aber schon bei den Grundlagen an. Wer z. B. keine Bruchrechnung kann, kann unmöglich die Wahrscheinlichkeitsrechnung verstehen. Ebenso muss jedes Kind Lesen und Schreiben lernen, nicht aber unbedingt das Interpretieren von postmodernen Gedichten. Um Wirtschaftswissenschaften zu studieren, sind gute Mathematikkenntnisse wichtiger als Vorkenntnisse im Fach Wirtschaft. Doch wer (das) gar nicht studiert, sollte trotzdem inhaltliche Grundkenntnisse von Wirtschaft haben.

      • @ Dilger
        Genau darum geht es.
        Ohne Verständnis dafür – wie Zinskurven aussehen, was Zinseszins
        ausmacht, oder wie man eine wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung
        trifft, die an eine Eintrittswahrscheinlichkeit gekoppelt ist – kann gar
        keine tiefere Erkenntnis bezüglich der Funktionsweise der Wirtschaft
        entstehen.

        Die Lehrpläne enthielten (jedenfalls noch zu meiner Schulzeit) durchaus
        die Option Wahrscheinlichkeitsrechnung und Zinsrechnung anzubieten.

        Dennoch wurde es von kaum einer Lehrkraft unterrichtet (oft mit dem
        Hinweis „das ist lt. Lehrplan nicht vorgesehen“, was eine glatte Lüge war).

        Ich denke, daß hierbei Bequemlichkeit der Lehrer das eigentliche Motiv
        ist, und darin liegt die Wurzel des Übels.

        Ich halte ein Schulfach „Wirtschaft“ erst dann für sinnvoll, wenn dieses
        Übel abgestellt ist.

      • Die notwendigen Mathematikkenntnisse für ein Ökonomiestudium sind doch nicht all zu hoch, wenn man nicht nach ganz oben strebt. Letztendlich kommt meistens nicht viel mehr als etwas varrierte Oberstufenmathe, erst bei Masterkursen ist die Mathematik häufig anspruchsvoller. Und das ist in Deutschland so, in anderen Ländern wird im Ökonomiestudium meistens viel weniger auf Mathematik wertgelegt als in Deutschland. Wirklich weitergehende Mathematik ist häufig den Wahlkursen vorenthalten. Die Zeiten, dass Wirtschaftswissenschaftler Analysis-Vorlesungen der Mathematiker besuchen, sind doch eher vorbei.

        Der Matheunterricht in den Schulen war eigentlich nicht schlecht. Das Niveau in der Oberstufe war eigentlich deutlich höher als das Niveau der Studenten später an der Uni. Aber vielleicht hat sich das seit Grün-Rot und der totalen Abiturientenflut jetzt auch verändert.

  3. Ich persönlich wäre sehr vorsichtig mit einem Schulfach Wirtschaft. In Baden-Württemberg reicht ein Kurs in Mikro, ein Kurs in Wipo und ein Kurs in BWL um an allgemeinbildenden Gymnasien unterrichten zu dürfen. Ich muss nicht erwähnen, dass das völlig ungenügend ist und die Zusammenhänge völlig fehlen.

    Wirtschaft kam auch durchaus vor, z.B. im Gemeinschaftskundeunterricht. Ich kann mich noch gut dran erinnern, die Lehrerin eine typische massiv übergewichtigte Emanze, an einen ideologiefreien Unterricht war da nicht zu denken und verstanden hat sie obendrein ohnehin nichts, das habe ich schon als Jugendlicher bemerkt. Aber wie soll auch eine primär Sprachlehrerin den Unterschied zwischen angebotsorientierter und nachfrageorientierter Wirtschaftspolitik erklären? Wobei das Thema für Schüler ohnehin schwachsinnig ist, weil jegliche Grundlagen fehlen.

    Auch auf den beruflichen Gymnasien ist der Unterricht Schwachsinn. Da gibt es Wirtschaftsgymnasien, aber Wirtschaftsrecht oder Rechnungslegung ist nun nicht wirklich wichtig für die Allgemeinbildung, das kann auch noch in der Ausbildung oder im Studium gelernt werden. Immerhin müssen die Lehrer hierfür Wirtschaft studiert haben, wenn auch nicht auf Masterniveau (viel Pädagogikzeug kommt ja noch hinzu).

    Nein, ein Wirtschaftsunterricht darf nur von studierten Ökonomen gelehrt werden und muss sich auf grundlegende Dinge konzentrieren, die auch im alltäglichen Leben von Belang und politisch von Bedeutung sind. Die Fragen sollen also lauten: Was sind Zinsen, was ist ihre Funktion und wie gehe ich mit ihnen um? Was sind Währungen und ganz allgemein, was ist Geld? Was sind Steuern und wie funktionieren die sozialen Sicherungssysteme? Ein paar Basics in Konsumenten- und Produzententheorie sollten ebenfalls gelegt werden. Auch die grundlegende Unterscheidung von privaten und öffentlichen Gütern und die daraus resultierenden Konsequenzen sollten den Schülern nahegelegt werden. Das sind alles sehr banale Dinge, aber einfach zu erklären. Und auch verhältnismäßig ideologiefrei. Es darf auf keinen Fall über Themen wie „Globalisierung“ als Schlagwort geredet werden, denn uns muss bewusst sein, dass Lehrer für gewöhnlich grün-links-gefärbt sind.

    • Baden-Württemberg hat das Schulfach Wirtschaft gerade erst eingeführt. Wenn es von fachfremden Lehrern unterrichtet wird, ist das natürlich ein Problem. Ein Schmalspurstudium reicht dafür meiner Ansicht nach auch nicht aus, sondern es sollte als volles Schulfach studiert werden, also inzwischen (fast) ein halbes Bachelor- und Masterstudium. Ansonsten bieten sich auch Quereinsteiger an, die komplett Wirtschaft studiert haben. Ich hatte eine promovierte Wirtschafswissenschaftlerin an der Schule, über die sich ihre Kollegen aufregten, von der ich aber viel gelernt habe und ohne die ich vielleicht etwas ganz anderes studiert hätte.

      • Nein, es gab in der Oberstufe auch schon vor Jahren die Möglichkeit Wirtschaft zu belegen. Ansonsten ist es momentan kaum zu durchblicken, weil es momentan an der Uni 3 oder sogar 4 Generationen von Prüfungsordnungen zukünftiger Lehrer gibt, die sich allesamt fundamental unterscheiden. Vielleicht müssen die neuen Anfänger mehr können, aber zumindest für die höheren Semester ist es definitiv ausreichend, das weiß ich aus erster Hand.

  4. In Bayern hatten wir das Schulfach Wirtschaft in den 1970er Jahren auf dem (mathematisch-naturwissenschaftlichen) Gymnasium bereits in der Mittelstufe. Das sollte doch eigentlich auf jeder weiterführenden Schule selbstverständlich sein.

  5. Die wichtigsten Dinge für das Leben
    – der Umgang mit Zeit;
    – der Umgang mit Geld;
    – der Umgang mit sich selbst und anderen Menschen
    lernt man größtenteils leider nicht in der Schule…..

  6. Selbstverständlich sollten die Grundlagen der Wirtschaftswissenschaft in allen allgemeinbildenden Schulen unterrichtet werden, allein damit die Schüler ein grundlegendes wirtschaftspolitisches Verständnis entwickeln können.
    Man weiß buchstäblich nie, was man evtl. Jahrzehnte nach Schul- und Studienabschluss braucht; meine berufliche Entwicklung (Leiter Kernspinkurse) zeigt z.B., dass man dann plötzlich mit 50 Jahren Kenntnisse in der Nuklearphysik braucht. Wer sie nicht vom Gymnasium oder vom Physikum her mitbrachte, hatte ganz andere Schwierigkeiten, die Untersuchungsmethode zu begreifen und mit ihr zu arbeiten, als die naturwissenschaftlich Kundigen.

    Ein zweites Fach wäre ebenfalls dringend im Curriculum notwendig, nämlich das Fach Humanbiologie. In jedem Lebensalter können wir zu mehr oder weniger mündigen Patienten werden, wo wir grundlegende Tatsachen der Humanbiologie kennen und verstehen sollten.

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