Ökonomenpanel zur Erbschaftsteuer

Das 8. Ökonomenpanel vom Oktober hatte die Erbschaftsteuer und ihre Reform zum Thema. „Die Erbschaftsteuer in Deutschland – Reformbedarf und Reformvorschläge“ fasst die allgemeinen Antworten zusammen. Meine eigenen lauten so:

Welcher Aussage stimmen Sie im Hinblick auf die Erbschaftsteuer zu?

Erbschaften stellen leistungsloses Einkommen dar. Sie sollten daher hoch besteuert werden.

Der Erblasser sollte frei über sein Geld verfügen können. Eine Erbschaftsteuer sollte daher nicht erhoben werden.

X Keiner der beiden Aussagen.

Und wie sicher sind Sie sich bei dieser Bewertung?

9 (0 = Sehr unsicher; 10 = Sehr sicher).

Allgemeine Reformoptionen

Nehmen Sie an, der Gesetzgeber spricht sich für eine Erbschaftsteuer aus. Welches Modell würden Sie bei gleichem Steueraufkommen bevorzugen?

Besteuerung mit gestaffelten Sätzen von bis zu 50 % und Ausnahmen für Betriebsvermögen (wie gegenwärtig).

Besteuerung aller Erbschaften (ohne Ausnahmen) mit einem einheitlichen niedrigen Satz.

[Beides nicht gewählt.]

Die Erbschaftsteuer steht in der Bundesrepublik für rund 1 % des gesamten Steueraufkommens. Würden Sie eine Steuerreform befürworten, die für ein höheres Erbschaftsteueraufkommen sorgt, wenn gleichzeitig andere Steuern gesenkt werden (bei gleichem Gesamtsteueraufkommen)?

Ja

X Nein

Weiß nicht

Ihr öffentlicher Kommentar zur Besteuerung von Erbschaften (optional):

Betriebsvermögen sollten nicht geringer besteuert werden als andere Vermögensarten, es ist höchstens eine längere Zahlungsfrist oder eine Zahlung in Anteilen vorzusehen. Dagegen ist die Steuer nach Höhe des Erbes und Verwandtschaftsgrad zu differenzieren. Über Generationen vererbte Werte sollten nicht wiederholt besteuert werden und rein nominale Wertzuwächse auch nicht.

Reformkompromiss

Wie bewerten Sie die bisherigen, vom Bundesverfassungsgericht gekippten Verschonungsregeln für Betriebsvermögen aus ökonomischer Sicht?

Nicht weitgehend genug

Angemessen

X Zu weitgehend

Weiß nicht

Die Vertreter von Bund und Ländern haben sich auf einen Kompromiss zur Reform der Erbschaftsteuer verständigt. Der Kompromiss sieht nach wie vor Verschonungsregeln für Betriebsvermögen vor, welche jedoch eingeschränkt wurden.

Wie bewerten Sie die im Kompromiss vereinbarten Verschonungsregeln für Betriebsvermögen aus ökonomischer Sicht?

Zu weitgehend

Wie stark ist den folgenden Aspekten im Reformkompromiss Rechnung getragen worden?

Sicherung von Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätzen:

Sehr schwach

Schwach

Angemessen

X Stark

Sehr stark

Weiß nicht

Steuergerechtigkeit:

Sehr schwach

Verständlichkeit des Steuersystems:

Sehr schwach

Interessen der Familienunternehmen:

Stark

Interessen des Finanzministers:

Stark

Interessen der CSU:

Sehr stark

Interessen von SPD, Grünen und der Linken:

Weiß nicht

Ihr öffentlicher Kommentar zur Reform der Erbschaftsteuer (optional):

Die Reform ist Murks und wird vielleicht wieder vom Bundesverfassungsgericht kassiert.

18 Gedanken zu „Ökonomenpanel zur Erbschaftsteuer

  1. Wie soll man Firmengebäude, Maschinen, Kunstwerke, Antiqutäten für eine gerechte Steuer bewerten?
    Bei Firmen mit allem zugehörigen Inventar ist es ja noch relativ einfach wenn man den jährlichen Gewinn bewertet. Aber der wird ja bereits besteuert. Und das daraus resultierende Einkommen der Erben unterliegt ebenfalls einer Steuer.
    Kapitalanlagen in Kunstwerke, Anitqutäten usw haben bestenfalls einen ideellen Wert wenn es dafür keine Nachfrage gibt. Eine realistische Möglichkeit wäre die Nachbesteuerung bei einem Verkauf.

  2. Wenn man die Bevölkerung eines Landes austauschen will, muß man auch dafür sorgen, daß das Eigentum zu den neuen Einwohnern migriert. Die Erbschaftssteuer ist dazu das geeignete Mittel.

    • Nein, Enteignungen wären dazu das geeignete Mittel, angefangen mit Zwangsaufnahmen in Häusern und Wohnungen, wie sie bei der ganz anders gelagerten Flüchtlingskrise nach dem Zweiten Weltkrig üblich waren. Die Erbschaftsteuer führt hingegen dazu, dass privates Vermögen vom Staat verkonsumiert wird.

      Trotzdem ist die Erbschaftstuer ein besserer Ansatzpunkt gegen unverdiente Ungleichheit als die Einkommensteuer. Denn Einkommen werden wirklich verdient, Erbschaften fallen den Erben einfach nur zu. Herr Trump hat z. B. in seinem Leben nie wirklich etwas geleistet, sondern sich nur daneben benommen und sein Erbe schlecht gemanagt.

      • Ich mag Herrn Trump auch nicht, denn er hat keinen Anstand!
        Aber ich mag Frau Clinton noch weniger, denn sie ist eine Sozialistin und Merkel-Verehrerin.
        Für vielfältige Skandale sind BEIDE einschlägig bekannt!

      • Frau Clinton ist keine Sozialistin, jedenfalls nicht im europäischen Sinne. Die Republikaner hätten einen anständigen Kandidaten gegen sie aufstellen sollen. Ein solcher hätte gute Chancen gehabt. Herr Trump verliert hingegen nicht nur die Wahl, sondern zerstört auch die Republikaner. Er steht für fast keinen ihrer bisherigen Werte. Ich hoffe, dass er sehr, sehr deutlich verliert, damit solchen Typen für Jahrzehnte diskreditiert sind. Bei einer nur knappen Niederlage werden es ganz viele wie er versuchen.

      • Parteien sind in den USA nur lose Zweckbündnisse und überhaupt nicht mit (noch) großen Mitglieder-Parteien, wie in Deutschland vergleichbar. Die Macht von Parteivorständen ist viel, viel geringer als bei uns.

        Wenn man für direkte Demokratie ist, wie wir beide, muss man auch Mehrheitsentscheidungen respektieren, die man selbst anders entscheiden würde! Herr Trump hat die Vorwahlen der Republikaner leider deutlich gewonnen, auch wenn er bisher meistens anderen Parteien angehört hat. Mit den Clintons war er lange eng befreundet. Er hat sogar für ihren Wahlkampf gespendet und die Clintons waren Gäste aus seiner Hochzeit! Im Geld-Adel kennt man sich eben.

        Frau Clinton ist in der Tat keine Sozialistin in europäischen Sinn. Aber sie ist eine Sozialisten im neuen Sinne, ähnlich der Finanzgiganten wie beispielsweise George Soros und Goldman Sachs. Die wollen die zentralistische „Eine Welt“ im Stil von New World Order, ohne Grenzen und ohne unterschiedliche Kulturen, damit man noch bessere Geschäfte machen kann, die Großen noch größer werden und die Kleinen gar nichts mehr zu sagen haben. DAS mit Marktwirtschaft NICHTS zu tun!!!

      • Im Gegensatz zu Herrn Trump akzeptiere ich Mehrheitsentscheidungen und Wahlergebnisse. Gerade weil die Parteien in den USA viel loser sind, muss sich kein eingeschriebener Republikaner genötigt fühlen, diesen offiziellen Parteikandidaten zu wählen, der nicht für die Werte der Partei oder Amerikas insgesamt steht.

        Die Verbindungen von Frau Clinton zu Investmentbanken und anderen Geldgebern sind in der Tat sehr bedenklich. Mit Sozialismus hat das aber nichts zu tun, was Sie beschreiben, eher mit dem Gegenteil. Früher sprachen Linke vom militärisch-industriellen Komplex. Zumindest die Industrie ist in den USA nicht mehr so wichtig. Wir haben jetzt eine Art Finanz-Staatskapitalismus mit den Notenbanken im Zentrum.

      • Nennen Sie es „Finanz-Staatskapitalismus„, ich nenne es „Neuen Sozialismus„, es kommt aus das Selbe heraus! Es ist gewollt, dass kleine und mittlere Unternehmen kaputt gegen und nur ein paar Multis sich den Markt aufteilen. Es ist gewollt, dass Nationalstaaten durch unkontrollierte Migration destabilisiert werden und sich auflösen, Grenzen und Kontrollen verschwinden und die Multis tun und lassen können, was sie wollen. Es ist gewollt, dass wir nicht mehr Herr über unser Geld sind, Null- und sogar Minuszinsen und Inflation die Staatsschulden schrittweise beseitigen und alles so kompliziert gemacht wird, damit wir gar nicht mehr durchblicken sollen. Ich bin KEIN Anhänger von Verschwörungstheorien! Als Freiheitlich-Konservativer und bekennender Marktwirtschaftler sind für mich der hanseatische Kaufmann und die schwäbische Hausfrau die Leitbilder und nicht unseriöse Finanzjongleure wie George Soros, Morgan Stanley und Goldman Sachs.

  3. Sie sind der erste Ökonom, der das Argument von der doppelten oder wiederholten Besteuerung verwendet. Doch der Erbe zahlt ja nun genau einmal die Steuer, der Erblasser zahlt keine Erbschaftssteuer. Und selbst wenn es eine wiederholte Steuer wäre, wäre das kein Argument. Wenn der eine (rein hypothetisch) fünfmal 3% Steuern zahlt und der andere einmal 20%, so ist nicht derjenige benachteiligt, der fünfmal Steuern bezahlen muss.

    • Mit der doppelten Besteuerung ist normalerweise gemeint, dass der Erblasser bei der Vermögensbildung bereits Einkommensteuer gezahlt hat. Den Einwand finde ich nicht stichhaltig, da das bei jeder Ausgabe gilt, nicht nur beim Vererben. Wenn ich mein versteuertes Einkommen beim Bäcker ausgebe, muss der auf seine Einnahme wieder Einkommensteuer und außerdem Umsatzsteuer etc. bezahlen.

      Mir geht es um einen anderen Aspekt, nämlich wenn der Erblasser selbst Erbe war und über viele Generationen bestehenden Familienbesitz einfach nur eine Generation weiterreicht. Hier sehe ich tatsächlich eine Mehrfachbesteuerung, bei der die Familienmitglieder nicht sonderlich viel vom Familienerbe haben, sondern vor allem für das Finanzamt arbeiten müssen, um den Familienbesitz zu erhalten. Mir ist bewusst, dass eine Reform gerade alte Vermögen entlasten würde, aber solche, die erhalten und gepflegt werden. Eine Art Konsumsteuer auf Erbschaften hätte denselben Effekt oder Steuerbefreiungen für Familienstiftungen.

      • Einen Sonderfall kann ich auch bei seit vielen Generationen bestehendem Familienbesitz nicht erkennen. Auch sonst werden ja Familiendynastien nicht als Ganzes besteuert, sondern jede Person für sich. Darum sollte auch jeder Erbe neu besteuert werden. Und wenn jemand arbeiten muss, um den Familienbesitz zu erhalten, ist das volkswirtschaftlich doch nicht das schlechteste.

      • In Familien wird nicht jede Person individuell für sich besteuert, sondern Eheleute gemeinsam. Durch die Homo-Ehe ist hier ein Präzedenzfall der Ausdehnung geschaffen worden. Z. T. werden außerdem im Ausland geschlossene Ehen von einem (meist muslimischen) Mann mit mehreren Frauen in Deutschland anerkannt, wobei ich die steuerliche Behandlung nicht kenne. Familiensplittung zwischen allen untereinander unterhaltspflichtigen Personen wäre vermutlich die fairste Lösung.

        Unabhängig davon ist die entscheidende Frage, warum Erbschaften überhaupt besteuert werden. Daraus ergibt sich dann auch die richtige steuerliche Analogie. Wenn man die Erbschaft als Gegenleistung für Wohlverhalten des Erben gegenüber dem Erblasser sieht, ist es eigentlich die Bezahlung einer Dienstleistung, die wie Einkommen besteuert werden müsste (ggf. über etliche Jahre gestreckt). Reine Vermögensgeschäfte werden hingegen meist deutlich geringer bis gar nicht besteuert. Wenn man die Abgeltungsteuer als Analogie heranzieht, ist nur der Vermögenszuwachs zu besteuern, nicht das Ursprungsvermögen, welches der Erblasser selbst erbte.

        Volkswirtschaftlich ist es schließlich nicht so klar, ob das Zerschlagen von Familienvermögen wirklich so eine gute Idee ist. Es kann Ungleichheit abbauen, nimmt aber auch Arbeits- und Sparanreize, kann produktive Unternehmen zerstören und den Zusammenhalt von Familien oder sogar den Anreiz zur Familienbildung beeinträchtigen.

  4. „Wenn ich mein versteuertes Einkommen beim Bäcker ausgebe, muss der auf seine Einnahme wieder Einkommensteuer und außerdem Umsatzsteuer etc. bezahlen.“

    Herr Dilger, bezahlt nicht der Käufer von Backwaren die Umsatzsteuer auf die Ware, für den Bäcker ist diese Steuer doch ein durchlaufender Posten, oder?

    • Der Bäcker muss die Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen. Dass er sie mir als Kunde auf die Preise aufschlägt, ändert an dem Argument nichts, dass auf mein bereits versteuertes Einkommen wieder Steuern anfallen, sobald ich es an andere weitergebe.

  5. Der Staat bzw seine Organe sind unersättliche Monster. Vergleichbar einem Krebsgeschwür. Je mehr Nahrung man ihm gibt, umso mehr wuchert er.
    Wann wird die MWST auf den privaten Gebrauchtwagenkauf eingeführt? Schließlich hat dieses Alteisen für den Käufer mehr Wert als für den Verkäufer, sonst käme der Handel gar nicht zustande.
    Ups… hoffentlich liest hier keiner vom Finanzministerium mit.

  6. Wer Steuern in Deutschland reformieren will, sollte als Erstes die kleinen und mittleren Einkommen DEUTLICH entlasten und den Fehlbetrag durch eine konsequente Verfolgung der Steuertricksereien von multinationalen Großkonzernen gegenfinanzieren.

    Der Fall „Starbucks“ ist ja stellvertretend für zahlreiche andere Multis groß durch die Presse gegangen. Über Tochterunternehmen in Steueroasen werden überhöhte Rechnungen für Warenlieferungen, Lizenzen oder Beratungskosten an Ländergesellschaften in Deutschland und anderen westlichen Hochsteuerstaaten gestellt. Damit werden dort Gewinne vermieden. Ich selbst habe 20 Jahre für ein internationales Großunternehmen als Marketingfachmann gearbeitet und die Praxis mitbekommen, wie die Gewinne durch überhöhte Rechnungen zur Hauptverwaltung in der Schweiz abflossen. Viele Multis zahlen somit fast gar keine Steuern mehr bei uns. Der „feine Super-Europäer“ Jean-Claude Juncker hat als luxemburgischer Premierminister und Finanzminister in Personalunion genau solche Modelle für Global Players eingerichtet und damit anderen EU-Staaten, auch Deutschland, massiv geschadet. Wenn der Bäcker oder der Metzger um die Ecke mehr Steuern bezahlen, als andere Unternehmen die tausendfach größer sind, haben wir eine Gerechtigkeitslücke, die geschlossen werden muss. Dafür muss man kein Sozialist sein!

    DORT muss man ansetzen und NICHT bei der Erbschaftssteuer, die wieder die Falschen trifft, z. Bsp. kleine und mittlere Familienunternehmen und schlimmstenfalls sogar Ottonormalverbraucher.

    • Das bisherige Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz war verfassungswidrig, weil gleich große Vermögen völlig ungleich besteuert wurden. Das Problem wiederholt sich jetzt in abgeschwächter Form. Dann wäre es besser, diese Steuer ganz auszusetzen wie die Vermögensteuer.

      Dass insbesondere Großkonzerne Steuerzahlungen fast ganz vermeiden können, ist tatsächlich ein Skandal, für den tatsächlich Herr Juncker eine große Mitverantwortung trägt. Er ist nämlich gar nicht der gute Europäer, wie er immer tut. In der EU gibt es viel Reformbedarf, der mit solchen Leuten aber nicht befriedigt werden kann.

      • Das Unternehmensvermögen wird aus den diskontierten künftigen Erträgen definiert. Je kleiner die Unternehmen sind, umso abhängiger sind sie von den Fähigkeiten der Erben bzw. von dem von ihnen eingesetzten Management.
        Es besteht die Fiktion, dass der Begünstigte in Zukunft mindestens die gleichen Fähigkeiten wie der Erblasser aufweist (mal diverse Wertberichtigungen und Abschläge außen vor). Das ist ein Problem.
        Einen Handlungsspielraum für Nachlasser sehe ich z.B. im rechtzeitigen Erwerb/ der Errichtung von „Absatzstätten“ in guten Lagen, um schlechtes Vermögen in gutes zu verwandeln- ebenso (überflüssige) Betriebsgrundstücke. nicht vorzeitig zu veräußern.
        Ich neige zur Anwendung einer Pauschale von 8 bis 10 % ohne Ausnahmen nach Anwendung eines Freibetrages von 400.000 € (der das nachgelassene EFH, die Eigentumswohnung abdecken sollte).

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