Stiglitz erwartet Euroaustritt wegen italienischer Einsicht

Ein Star-Ökonom erwartet den Euro-Austritt Italiens“, nämlich Nobelpreisträger Joseph Stiglitz. Eigentlich ist er ein Linker, jedenfalls für amerikanische Verhältnisse, der den Euro am liebsten retten würde, und zwar durch „Solidarität“, also noch viel höhere Zahlungen vermeintlich reicher Länder im Norden an angeblich arme Länder im Süden, selbst wenn die Privatvermögen dort höher sind und die Einkommen die im Osten immer noch übersteigen. Doch im Gegensatz zu unseren Politikern blendet er die Realität nicht völlig aus, sondern sieht die realen Probleme wie steigende Arbeitslosigkeit, schrumpfende Wirtschaftskraft und immer mehr faule Kredite.

„‚Den Italienern wird gerade klar, dass Italien im Euro nicht funktioniert.'“ Diese Einsicht hat lange gedauert, aber sie kommt besser spät als nie. „Deutschland habe beispielsweise schon akzeptiert, dass Griechenland die Euro-Zone verlassen wird. In der Vergangenheit hatte Stiglitz bereits Portugal und Griechenland geraten, aus der Euro-Zone auszutreten.“ Sehr wichtig ist auch folgende Erkenntnis:

„Die Krise begann in den USA, aber die Wirtschaft dort erholt sich wieder, während die Euro-Zone vor sich hindümpelt“, sagt der Ökonom, der in der Vergangenheit Chefökonom der Weltbank war. Beide Wirtschaftsräume seien ähnlich aufgestellt, verfügten über ähnliches Humankapital, ähnliche Bodenschätze und ähnliche Institutionen. „Der große Unterschied“, sagt Stiglitz, „ist der Euro.“

Dafür haben die USA den Dollar, der jedoch besser funktioniert, weil die USA ein großer Staat mit einer Volkswirtschaft sind statt völlig heterogene Einzelstaaten mit unterschiedlichen Völkern und Wirtschaftsentwicklungen. Die von Herrn Stiglitz geforderte „Solidarität“ könnte hingegen nur ein gemeinsamer Staat erzwingen, den außerhalb Deutschlands kein Europäer will. Der Euro hat auch nicht dazu geführt, dass die Europäer sich enger verbunden fühlen, sondern neben den wirtschaftlichen Nachteilen vor allem Zwietracht gebracht. Frau Merkel hat diese mit ihrer Flüchtlingspolitik weiter verstärkt und bereits Großbritannien zum Brexit getrieben. Ich bin gespannt, welches Land wann zuerst aus der Eurozone ausscheidet. Dass das passieren wird, halte ich mit dem Nobelpreisträger für sicher.

9 Gedanken zu „Stiglitz erwartet Euroaustritt wegen italienischer Einsicht

  1. Das mag langfristig so sein; auf mittlere Sicht profitieren Italien und Frankreich von den Niedrig-Zinsen der EZB und der Gelddruckerei der Notenbanken in besonderem Maße. Außerdem wird über die Bankenunion und z.B. die EU- Arbeitslosenversicherung versucht, deutsches Vermögen zu sozialisieren. Es ist ja auch nicht so sehr der starke EURO, der zur Deindustrialisierung in Italien und Frankreich führt, sondern es sind die Strukturen auf dem Arbeitsmarkt, in Justiz und Steuerrecht. Italien und Frankreich können – wie Deutschland – Produkte erzeugen, die sich über das Kriterium „Qualität“ verkaufen lassen. Das ist entscheidender als ein Außenwert einer Lira. Der Grundgedanke ist wohl der, dass der Anpassungsdruck aus nationalen Währungen auf die Strukturen wirkt- genau dafür ist in den Südländern kein Politiker zu haben. Stattdessen versucht es z.B. Renzi mit Reförmchen. Die Zeit für Struktur-Verbesserungen läuft Europa davon. Eine Neuordnung der europäischen Währungen würde wohl von Deutschland angestoßen werden müssen – etwa in Form einer neuen Währungsschlange.

    • Innerhalb der Eurozone sind die niedrigen Zinsen und Anleihenkäufe durch die EZB für die Südländer einschließlich Frankreich günstig. Trotzdem schadet ihnen (und uns) der Euro viel mehr, als er nutzt, gerade weil sie nicht zu wirtschaftlich sinnvollen Reformen gezwungen werden, aber auch nicht durch Abwertung ihre Löhne und Preise kompetitiv halten können. In der Eurozone gibt es massive Ungleichgewichte ohne geregelten Ausgleichsmechanismus, weshalb die EZB eingesprungen ist. Deutschland wird mit Frau Merkel an der Spitze überhaupt nichts Positives bewirken, sondern alles immer noch schlimmer machen.

      Die Frage ist, welches Land demokratisch und mutig genug ist. Die Briten werden sogar aus der EU austreten, die Griechen aber nicht aus der Eurozone, obwohl sie eine Regierung gegen den anhaltenden Kurs wählten und einem Volksentscheid gegen die Eurorettungspolitik mit großer Mehrheit zustimmten.

  2. Die Italiener hatten das Problem, das Silvio Berlusconi 17 Jahre damit beschäftigt war, sich vor der Staatsanwaltschaft zu schützen, anstatt das Land auf ein Wirtschaftssystem vorzubereiten, das es für die Euro-Regularien braucht. Wenn in Frankreich Le Pen gewählt wird, wird es sicherlich auch dort zur Euro-, wenn nicht gar zur EU-Mitgliedschaft Diskussionen geben.
    Aus deutscher Sicht fände ich ein kleines Eurogebiet der Nordstaaten nicht schlecht. Eine massive Aufwertung der Währung kann man mittelfristig verkraften. Die Schweiz ist ja auch nicht vor die Hunde gegangen, obwohl es viele mit Schadenfreude vorhergesehen haben.. Außerdem wären wir wieder gezwungen uns zu hinterfragen. Die teure Währung D-Mark hat uns immer gezwungen, bei Innovationen vorne zu sein. Jetzt setzen wir Fett an. Die Wirtschaft brummt, weil wir von vergangenen Resourcen leben, die unsere anderen Euro-Länder nicht haben. Der schwache Euro spielt uns dann in die Hände . Aber wir riskieren alles. Das Bildungsniveau wird systematisch zerstört. Die grün angehauchte Politik fördert eher Jobs für Sozialpädagogen als für Ingenieure. „Dem deutschen Ingenieur ist nichts zu schwör“ wird es wohl in mittlerer Zukunft nicht mehr geben. Anstatt Reserven für die Penions- und Renterwelle und damit auch erhöhten Krankenkosten ab 2030 zurückzulegen, werden uns durch Mindestrente ab 63 (ein Geschenk an die Mehrheit der SPD Mitglieder, die sich zufällig in diesem Alter befinden) und Mütterrente hohe Folgekosten für die Zukunft aufgebührdet. Die Energiepolitik führt dazu, dass in energieintensiven Betrieben vornehmlich nur noch Erstzinvestiionen gemacht werden. Neuinvestitionen werden im Ausland getätigt. Dabei war die Stärke Deutschlands während der Finanzkrise, dass der deutsche Staat auf einer starken industriellen und einer starken Deinstleistungssäule steht. Wenn die Steuergelder wieder hart erarbeitet werden müssen und nicht aufgrund eines wirtschaftlichen Schiefstandes innerhalb der Euro-zone erschlichen werden, dann wird ers auch wieder zu einer weitbllickenden Politik kommen müssen. Nicht umsonst haben die Schweizer in einer Volksbefragung eine Erhöhung der Rente abgelehnt.

  3. Sie und Prof. Stiglitz sind naiv und glauben zu sehr an die Vernunft der Menschen. Der Euro wird bleiben und die EZB hat alle Mittel dazu. Im schlimmsten Falle führt die EZB uns in die Hyperinflation, der Euro bliebe trotzdem. Wir haben es schlicht mit einer uneinsichtigen, verbohrten und verkalkten Elite zu tun, die für Argumente nicht zugänglich ist. Die Kirche wollte auch nicht akzeptieren, dass die Erde rund ist. Erst wenn die Bürger mit absoluter Mehrheit diesem Missstand ein Ende bereiten und sich ihre Freiheit zurückholen ist ein Ende des Euros denkbar. In GB waren die Menschen mutig genug, hoffentlich werden sie es auch in den anderen Staaten Europas sein.

    Was allerdings richtig ist: Der Aufstand der Bürger wird niemals aus Deutschland kommen und Italien dürfte die wahrscheinlichste Variante sein. Wenn man sieht, dass aber selbst die Griechen sich für eine Verlängerung ihrer Tragödie entschieden haben, dann habe ich da nur wenig Hoffnung.

    • Wir Ökonomen sind nicht naiv und glauben auch nicht, obwohl es schön wäre, dass sich immer die Vernunft durchsetzt. Was sich aber immer durchsetzt, ist die Realität. Die Erde ist und war rund, auch wenn die Kirche das nicht akzeptieren wollte, und der Euro ist objektiv ein Desaster, selbst wenn unsere Politiker das Gegenteil erzählen. Die EZB kann den Zerfall der Eurozone aufhalten, aber nicht verhindern. Die Kosten werden mit jedem Tag größer.

      • Bei dem Galilei-Prozess ging es nicht um die Kugelform der Erde. Die Weltumsegelungen (Magellan) lagen schon fast ein Jahrhundert zurück. 1616 ging es vielmehr darum, ob die Erde sich um die Sonne dreht oder umgekehrt.
        Diesen Beweis konnte Galileo nicht führen; der erste experimentelle Beweis des heliozentrischenWeltbildes war der Foucaultsche Pendelversuch 150 Jahre später.
        Hoffentlich dauert es nicht so lange mit dem „Euro-Beweis“!

      • Es ging in dem Beispiel von Peter Burger doch gar nicht um Galileo Galilei. Dass die Erde flach sei, wurde von katholischen Kirchenvertretern eher in der Antike als im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit vertreten. Dagegen hatte Galilei durchaus starke empirische Evidenz dafür, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt, insbesondere die Phasen der Venus und die Monde des Jupiters. Allerdings übernahm er nicht die richtige Auffassung seines Zeitgenossen Johannes Kepler, dass sich die Planeten auf Elipsenbahnen bewegen, was viel besser zu den Beobachtungsdaten passte.

  4. Linke wollen immer andere „beglücken“ indem Unterschiede eingeebnet werden sollen, also alle gleich gemacht werden. Geldpolitik hat auch etwas mit Mentalitäten zu tun. Als strebsam und geizig empfundene Nordeuropäer ticken da ganz anders als leichtlebigere Südländer, für die Schulden nie etwas Unanständiges waren.

    Helmut Kohl hat die Bedingungen des Euro schlecht verhandelt! Es blieb bei schwammigen Formulierungen. Keine echte Sanktionen für Defizitsünder, kein eindeutiger Verzicht auf eine Schulden- und Haftungsunion, unklares Verbot der Staatsfinanzierung. Ganz nebenbei hat Kohl uns auch Merkel eingebrockt. Franz-Josef Strauß hatte vollkommen recht: Helmut Kohl ist total unfähig!

  5. Wie lange hat doch gleich wieder die inflationäre Gelddruckerei in diversen Südländern vor dem EURO funktioniert? Ich kann mich noch gut an den 1.000 Lire Schein erinnern, der grad mal 70 Pfennig wert war. Und der 10.000er Schein hatte schon fast das Format eines A4-Blattes.
    In diesem Sinne ist auch der Gedanke an die Bargeldabschaffung zu verstehen. Eine Null im Buchungssystem läßt sich leichter und billiger anhängen, als neue Scheine zu drucken.

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