Draghis Unterstützer kritisieren ihn

„Viel Schelte für Draghi“ gab es gestern bei seinem Besuch vom Europaausschuss des Bundestages. Kritisiert wurden vor allem die Null- und Negativzinspolitik wie auch die Anleihenkäufe, die die Reformanstrengungen in den Krisenländern zum Erliegen gebracht hätten. „Draghi mischt sich in die Finanzpolitik und damit die Arbeit der Regierungen ein, obwohl er nie von Bürgern oder einem Parlament gewählt oder dazu beauftragt wurde.“

Dann stellt sich allerdings die Frage, warum der Bundestag und die Bundesregierung dabei mitmachen. Insbesondere Herr Schäuble agiert hier unglaubwürdig. „Sein Kurs habe zum Erstarken der AfD beigetragen“, gilt für ihn selbst doch mindestens so stark wie für Herrn Draghi und am meisten für Frau Merkel. Wir sollten uns allerdings auch merken, dass „einige  Volksvertreter vor allem von der SPD und den Grünen Draghi ihre Rückendeckung aussprachen“. Das gilt insbesondere auch für das Sprachrohr von Herrn Gabriel (siehe ‚Gabriel schustert Fratzscher Auftrag zu‘):

Unterstützung kam von Marcel Fratzscher, dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. „EZB Präsident Draghi hat heute den deutschen Abgeordneten gegenüber überzeugende Argumente vorgebracht, wieso nicht die expansive Geldpolitik, sondern die Politik der Mitgliedsländer  – auch der Bundesregierung –  für die Schwierigkeiten der deutschen Sparer und Finanzinstitutionen verantwortlich ist“, sagte Fratzscher.

Richtig ist, dass die Bundesregierung eine große Mitverantwortung für die Politik von Herrn Draghi hat und sich jetzt nicht glaubwürdig davon distanzieren kann. Eine andere Frage ist, was Herr Draghi als EZB-Präsident eigentlich besser machen könnte. Ich halte weiterhin den Euro selbst für das Grundübel. Wenn man diesen um jeden Preis retten will, darf man sich nicht wundern, wenn dieser Preis dann sehr hoch und immer höher ausfällt.

7 Gedanken zu „Draghis Unterstützer kritisieren ihn

  1. Das Scheingefecht um die Eurorettung ist so wenig glaubwürdig wie die Politik der Bundesregierung und der EU-Kommission insgesamt. Es ist doch sonnenklar, dass der Euro vor allem einem Ziel dient, nämlich der Zwangsvereinigung der EU-Mitglieder zu Vereinigten Staaten von Europa (VSE).

    Im Grunde lohnt es sich gar nicht, sich mit diesen Lügen um „Eurorettung“ und angeblich „systemrelevante“ Banken überhaupt noch näher zu befassen. Erschreckend ist allerdings, wie machtlos wir Bürger gegen diese Handlungen sind.

  2. Zur Einführung des Euro wurde uns schriftlich garantiert, dass eine Haftungs- und Schuldenunion AUSDRÜCKLICH ausgeschlossen ist, dass die Stabilitätskriterien VERBINDLICH sind und dass der Euro so stabil wie die D-Mark sein würde. ALLE Versprechen wurden gebrochen!

    Kein Wunder, dass man diesen Politikern KEIN WORT mehr glaubt!
    Draghi, Juncker und Schulz müssen weg, genau wie Merkel.
    Weg mit der EU-Viererbande!

    • Sie suchen die Schuldigen an der falscher Stelle zur falschen Zeit..

      Deutschland hätte den Euro gar nicht einführen dürfen, da die festgelegten Kriterien damals von Deutschland nicht erfüllt wurden.
      Jedoch wurde auch 10 Jahre nach der sog. Wiedervereinigung hierauf von der Staatengemeinschaft ein ein „Sonderbonus“ gewährt.
      Deutschland und Frankreich waren die ersten, die gegen die Kriterien verstoßen haben.

      • Fast alle Staaten der Euro-Währungsunion haben gegen die Stabilitätskriterien verstoßen. Daher konnte keiner den anderen mit Strafen drohen.
        Die gesamte Einführung des Euro ist eine Serie von Rechts- und Vertragsbrüchen, ein Betrug an uns Bürgern und ein Kunstkonstrukt, das für Staaten mit vollkommen unterschiedlicher Finanzmentalität niemals funktionieren kann. Wenn der Euro abgeschafft wird, weint kein Bürger ihm eine Träne hinterher!

      • @Melanie Kunze
        „Jedoch wurde auch 10 Jahre nach der sog. Wiedervereinigung hierauf von der Staatengemeinschaft ein ein „Sonderbonus“ gewährt.“

        Genau richtig erkannt. Und als Nächstes folgt die Vereinigung der Eurozone. Natürlich wieder gaaaaaaaaanz demokratisch und ohne die Betroffenen zu fragen. Ein einziger Irrsinn.

  3. Das Entscheidende ist doch, dass die gewählten Volksvertrteter immer weniger zu bestimmen haben. Selbst wenn der Bundestag morgen mit 80% Mehrheit beschlösse: Draghi muss weg! Er wäre immer noch in seiner Funktion. Solange er sicher stellte, dass die Deutschen für die Schulden anderen Ländern haften, werden ihn die anderen Länder nicht fallen lassen.

    Hätten wir die Vereinigten Staaten von Europa, wären die wichtigsten Parteien in allen Ländern wählbar, so wie die Demokraten und die Republikaner in den USA. Aber im Prinzip haben wir nur Regional-Parteien aber eine Zentral-Regierung. Nicht dass ich für die Vereinigten Staaten von Europa wäre, aber ein Konstrukt nach Vorbild der USA wäre demokratsicher als die EU.

    Die EU ist von Grund auf undemokratisch. Nicht der Euro, auch die EU muss weg.
    Danach, wenn die EU und die ganze Nomenklatura weg ist, könnte ein Neuanfang möglich sein.#

    • Der Bundestag wählt nicht den EZB-Präsidenten, könnte aber durchaus entscheiden, dass Deutschland die Eurozone oder die EU verlässt. Beide sind nicht sonderlich demokratisch, aber gerade Deutschland ist sehr mächtig, setzt nur diese Macht falsch ein. Wenn Euro oder EU weg sind, kommt erst einmal nichts nach.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s