Berlin wählt sechs Parteien ins Abgeordnetenhaus

Bei der heutigen Landtagswahl in Berlin wurden sechs Parteien ins Abgeordnetenhaus gewählt (die Ergebnisse finden Sie hier). Die SPD gibt sich als Wahlsieger aus, weil sie wieder die relativ stärkste Partei geworden ist. Tatsächlich hat sie jedoch von den im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien am stärksten verloren, und zwar 6,7 Prozentpunkte, sowie ihr historisch schlechtestes Ergebnis mit 21,6 Prozent erzielt. Auch die CDU hat jetzt ihr schlechtestes Ergebnis aller Zeiten mit 17,6 Prozent, 5,7 Prozentpunkte weniger als 2011 (während sie 1999 noch auf 40,8 Prozent kam). Schon allein rechnerisch lässt sich die „Große Koalition“ der früheren Volksparteien nicht mehr fortsetzen, die ohnehin nicht mehr groß wäre. Berlin führt vor, was jetzt auch bundesweit zu erwarten ist, nämlich ein Sechs-Parteien-System, in dem Zweierkoalitionen kaum noch möglich sind.

Auf den dritten Platz kommt Die Linke mit 15,6 Prozent und einem Zuwachs von 3,9 Prozentpunkten. Die Grünen verlieren 2,4 Prozentpunkte auf 15,2 Prozent. Die AfD zieht aus dem Stand mit 14,2 Prozent ins Abgeordnetenhaus ein und gewinnt sogar fünf Direktmandate. Der FDP gelingt der Wiedereinzug mit 6,7 Prozent nach zuletzt nur 1,8 Prozent.

Die tatsächlich größten Wahlverlierer sind die Piraten, die 7,2 Prozentpunkte verlieren und mit 1,7 Prozent keine Rolle mehr spielen. Vor ihnen liegen noch Die PARTEI mit 2 Prozent und die Tierschutzpartei mit 1,9 Prozent. ALFA kommt hingegen nur auf 4 Promille. Alle Parteien unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde kommen zusammen auf 7,4 Prozent. Die Wahlbeteiligung ist von 60,2 Prozent auf 66,9 Prozent gestiegen.

Nahezu sicher ist eine rot-rot-grüne Koalition, die Berlin eher noch schlechter als bisher regieren wird. Vielleicht will die SPD damit auch ein Zeichen für den Bund setzen, wo es dafür jedoch keine Mehrheit geben dürfte. Frau Merkel hat wieder einmal der CDU massiv geschadet, wird aber nahezu sicher Bundeskanzlerin bleiben, wenn sie denn ihren Amtseid brechen und Deutschland weiteren Schaden zufügen möchte.

44 Gedanken zu „Berlin wählt sechs Parteien ins Abgeordnetenhaus

  1. Die größte Überraschung dieser Wahl ist für mich das Erstarken der FDP. Damit hätte ich nicht wirklich gerechnet. Die CDU arbeitet jetzt am „Projekt 18“ …

    • Wer die CDU nicht mehr wählen kann, aber Angst vor der AfD hat, wählt die FDP. Es war ein schwerer strategischer Fehler der AfD noch unter Bernd Lucke, der FDP nicht mehr die Wähler abjagen zu wollen. Sie wird jetzt überleben und hat langfristig sogar wieder bessere Chancen als die AfD. Leider sehe ich unter Christian Lindner keinerlei echte Einsicht in vergangene Fehler. Wahlversprechen gelten weiterhin nur bis zur Wahl, wie zuletzt in Rheinland-Pfalz zu besichtigen war.

      • 2013 haben wir doch gesehen, wie die AfD mit seriöseren Positionen und Kandidaten vor allem der FDP Stimmen abgenommen hat. Jetzt holt sie weiter rechts mehr Stimmen, doch sie wandelt nahe am Abgrund und hat die FDP gerettet.

      • Für mich war die FDP jahrzehntelang die einzige wählbare Option in Deutschland. Doch spätestens mit Philipp Rösler hat sich die FDP ins Aus katapultiert und ich wüsste beim besten Willen nicht, wofür sie unter Christian Lindner noch steht. Ein abgefahrener Autoreifen hat heutzutage mehr Profil.

      • Der FDP hampelt überall an der 5 % – Hürde herum. Sie wird nur als Notlösung gewählt. Selbst die eigenen Leute laufen der Partei weg.

        Die Piraten haben ihren Wählerauftrag nie verstanden. Sie haben sich mehr oder weniger unbewusst als Liberale angeboten und zerschellen jetzt als Sozialisten an der Die Linke.

        Frau Weisband, die letzte erfolgreiche Repräsentantin der Die Piraten, ist ein exemplarisches Beispiel. Erschien sie damals als liberaler Leuchtturm, so zeigt der Blick auf ihre Homepage, dass sie eine typische Linke ist, die sich auf Staatskosten durchfüttert und glaubt, das könnten alle machen.

        Mit dem desaströsen Abschneiden der ALFA hätte die Partei intern Konsequenzen ziehen müssen, denn die meisten BuVo-Mitglieder sind ja aus diesem Bundesland. Sie haben sich bei der Gründung die Posten unter den Nagel gerissen. Aber hier verhält es sich wie mit Merkel: Gerissen werden sich die Posten an Land gezogen, dann verschweißt man sich mit heißer Luft und der bestehenden Macht an dem Posten fest. Geschadet werden Partei und Land, weil das Land dringendst gute Leute in der Politik braucht. Solche Leute zerstören jedoch mit ihrer Verantwortungslosigkeit die Infrastruktur. Die nunmehr vielen negativen Vorzeichen werden es auch der ALFA-NRW unmöglich machen, einen Achtungserfolg zu erzielen, obwohl die AfD-NRW reichlich Raum lässt und die Personalien ganz ordentlich sind. Aber: Verlierer werden nun einmal nicht gewählt.

        Im Ergebnis steht fest: Zwei liberale Angebote sind inhaltlich gescheitert. Zwei konservative Parteien, die teilweise doch eindrucksvolle liberale Züge aufweisen, nämlich die CSU oder ALFA, scheitern an sich selbst, entweder weil sie es nicht schaffen, über den Tellerrand zu schauen und eine historische Chance zu ergreifen, oder weil sie an eklatanten Fehlbesetzungen scheitern.

        Die nächste NRW-Landtagswahl und Bundestagswahl wird ohne ein überzeugendes liberales Angebot stattfinden. Das ist bedauerlich.

      • @Reinhard Wilhelm

        Dass ALFA schnell fertig haben, das war doch von Anfang an sternenklar.

        Was sie über die dortigen Pöstchenjäger (nicht nur aus Berlin) schreiben, war doch schon genau das Problem mit genau denselben Leuten, als diese noch in der AfD waren.

        Nicht traurig sein. Um „ALFA“ ist es nicht schade. Da verpasst das Land nichts, wenn diese Witzpartei aus abgehalfterten Z-Karrieristen von CDU und CSU wieder von der Bildfläche verschwindet.

      • Die Frage ist, ob man an diese Wähler 2017 überhaupt noch gelangen kann, selbst mit einem Kurswechsel. Das Image als unanständige Partei hat man bereits und ob 1 Jahr als Änderung dafür ausreicht, ist fraglich.

        Wenn die FDP in einigen Bezirken auf mehr als 15 Prozent kommt und die CDU gleichzeitig 10 Prozentpunkte verliert, dann muss die Wut auf die CDU grenzenlos sein. Die CDU ist den Kern der Merkel-Anhänger zusammengeschrumpft. Hätte sie Anstand, dann müsste sie gehen.

        Dennoch ist der konservative Berliner Westen auch eher ein schwieriges Pflaster für die AfD. In B-W, wo der Arbeiteranteil deutlich höher ist, sind auch im Westen hohe Ergebnisse möglich, wie die 17 Prozent in jüngsten Umfragen zeigen.

      • Die AfD könnte sich durchaus wieder breiter aufstellen zur Bundestagswahl. Es kommt „nur“ auf den politischen Willen an (wie auch bei der Union und Deutschland insgesamt). Noch wichtiger als das Wahlprogramm wird die Kandidatenaufstellung sein. Die NRW-Landesliste zur Landtagswahl macht da allerdings wenig Mut. Leider ist das Reservoir an gescheiterten Existenzen noch längst nicht erschöpft.

        Meine Vorschläge zu einem ‚Wahlverband‘ oder ‚Wahlverein als ganz andere Partei‘ etc. sind übrigens durchaus als Anregungen an die AfD gemeint, wenn sie wirklich eine Alternative zu den etablierten Parteien sein will. Eine erfolgreiche Neugründung halte ich zumindest 2017 für aussichtslos. Dementsprechend sollten auch die vernünftigen ALFA-Mitglieder den richtigen Schluss aus den krachenden Wahlniederlagen ziehen.

      • Wir haben in unserem AfD-Kreisverband dazu aufgerufen, dass sich auch geeignete parteilose Interessenten um das Direktmandat für die Bundestagswahl 2018 bewerben können und ich hoffe sehr, dass unser Beispiel auch andernorts Schule macht.

      • Rein rechtlich dürfen parteilose Bewerber ohnehin kandidieren, doch der erklärte Wille, sie bei hinreichender Kompetenz ernsthaft zu berücksichtigen, ist gut. Es sollten stets die bestmöglichen Kandidaten nominiert werden, allerdings nicht nur als aussichtslose Direktkandidaten, sondern auch auf den Listen.

      • Der Landesparteitag der AfD Bayern hat sinnvollerweise beschlossen, zuerst die Direktkandidaten aufzustellen und erst danach die Landesliste. Damit soll vermieden werden, dass auch im Bundestagswahlkampf 2017 Direktkandidaten einen ausichtslosen Wahlkampf führen, während den Wählern weitgehend unbekannte Listenkandidaten mit aussichtsreichen Listenplätzen, aber ohne Wahlkreis, quasi im Schlafwagen in den Bundestag einfahren, wie es 2013 beinahe der Fall gewesen wäre. Damals (2013) sind von den ersten zehn Listenkandidaten gerade mal vier auch als Direktkandidaten angetreten. Die meisten der anderen sind heute – na wo wohl? – bei „ALFA“ natürlich …

      • Das ist ganz gut, um eine lokale Vorauswahl bei den vielen Kandidaten zu treffen. Wer dann trotzdem ohne Direktmandat für die Liste kandidiert, wird das und sich erklären müssen

        Ist auch eine Urwahl des Spitzenkandidaten vorgesehen? Das ist besonders demokratisch und macht ihn bekannter.

      • Es ist noch offen, ob die AfD Bayern einen bayerischen „Spitzenkandidaten“ aufstellt oder nicht. Eigentlich ergibt sich dieser aber schon aus der Listenaufstellung selbst. Die Nr. 1 der Landesliste ist der „natürliche“ Spitzenkandidat im Land.

        Auf Bundesebene spechtet bekanntlich Frau Petry auf diese Auszeichnung, sie wird ihr aber wohl voraussichtlich zumindest von Herrn Meuthen strittig gemacht werden. Ich persönlich hielte Frau Dr. Weidel für die diesbezüglich beste Wahl. Alice Weidel hat eine sehr glaubwürdige Ausstrahlung, außerdem ist sie unverbraucht und unverbrannt.

        Vielen Dank für die Anregung mit der Urwahl. Das ist ein guter Vorschlag, den ich einbringen werde, zumal er ja auch zum Versprechen direkter Demokratie am besten passt.

      • In Ostdeutschland hat die AfD durchaus die Chance auf Direktmandate. Allerdings werden das auch die Regionen sein, die sich am ehesten einem vernünftigen externen Kandidaten widersetzen würden.

      • Es spricht nichts gegen parteiinterne Kandidaten, wenn diese beim Wähler am besten ankommen. Das Problem der etablierten Parteien und inzwischen auch schon der AfD ist jedoch, dass eigentlich nur noch Parteimitglieder nach rein parteiinternen Gesichtspunkten berücksichtigt werden. Dabei ist es noch nicht einmal am schlimmsten, wenn der größte Plakatekleber belohnt wird, der immerhin etwas geleistet hat, auch wenn es mit der Parlamentsarbeit in keinem direkten Zusammenhang steht. Es drohen jedoch reines Gekungel, das Belohnen von personenbezogener Loyalität, Art und Dauer der Zugehörigkeit statt Kompetenz und Leistung. Schlimmstenfalls werden Personen gerade deshalb nominiert, weil sie schlechter sind als andere und deshalb z. B. keine innerparteiliche Konkurrenz darstellen.

    • Die CDU-Mitglieder sind wahrscheinlich noch immer elektrisiert vom Karlsruher Parteitag im letzten Dezember. Sie wollen den Eisberg nicht sehen, auf den Frau Merkel ihr Schiff zusteuert und tanzen noch fröhlich zur Musik der Bordkapelle.

  2. Ich bin wirklich gespannt, wie Merkels Handtaschenträger das berliner Ergebnis soweit schönreden werden, daß das alles nichts mit Merkel tu tun hat.

    Jetzt wird es Zeit für die CSU, den Kampf gegen Merkel bundesweit zu führen. Dafür würde ich meine ALFA-Mitgliedschaft jederzeit sausen lassen.

  3. Sehr interessant übrigens, dass die Demoskopen die gestiegene Wahlbeteiligung, also die Mobilisierung der Nichtwähler für den Ausgang der beiden letzten Landtagswahlen ausmachen (http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_79033186/berlin-wahl-2016-afd-wurde-von-maennern-arbeitern-und-arbeitslosen-gewaehlt.html). CDU und SPD werden sich ziemlich warm anziehen müssen, wenn es der AfD gelingt, das verbleibende Drittel wahlberechtigter Nichtwähler zu mobilisieren …

  4. Als die 11,5 Prozent für die AfD kamen, da war ich schon ein wenig enttäuscht, mit 14,2 kann man hingegen sicherlich gut leben. Allerdings gibt das Ergebnis dennoch zu denken. Die CDU ist regelrecht abgestürzt, im Westen in einigen Bezirke um mehr als 10 Prozent. Gewonnen hat diese Stimmen allerdings die FDP, die unter Lindner leider unwählbar geworden ist. Es wären daher sicherlich auch 17 Prozent drin gewesen, wenn das Image etwas besser wäre. Da muss man dringend ansetzen, wenn man Volkspartei werden will. In Kreuzberg wird für die AfD nie was zu holen sein, aber die Stimmen der FDP als Ersatz-CDU muss ihr Ziel sein.

    Sehr überrascht hat mich das gute Ergebnis der Linken. Klar kamen da einige Stimmen der Piraten, aber sie hat dennoch weit weniger Stimmen an die AfD verloren als bei früheren Wahlen. Ich hätte nicht gedacht, dass sie mit so einer blinden Flüchtlingspolitik und Weltverbesserermentalität punkten kann, aber offensichtlich hat man ihr in der Mietfrage etwas zugetraut.

    Wichtig ist auch die Niederlage der Grünen, die trotz Verfall der Piraten verloren haben. Die Grünen haben ihr Zenit mit diesem Kurs längst erreicht.

    Die Niederlage der CDU ist zumindest krachend und Schwarz-Grün wird unmöglich sein, solange Leute zur AfD und FDP wechseln und das ist immerhin ein wichtiger Punkt. Momentan rechne ich 2017 deshalb mit Jamaika, befürchte aber, dass die FDP ihre Wähler in einer solchen Koalition einmal mehr verraten wird.

  5. Die AfD ist schuld am Wiedererstarken der FDP, macht letztlich denselben Fehler wie die Union, mit der Konsequenz einer weiteren Zersplitterung des „bürgerlichen“ Lagers, was Frau Merkel nützt, die sowohl inhaltlich wie machtstrategisch weit ins linke Lager hineingreift. Hätte die FDP wieder nur ihre unverbesserliche Stammklientel mobilisiert und den Rest an die AfD abgegeben wie zur letzten Europawahl, denn wäre die AfD jetzt vor der CDU und Merkel nicht mehr zu retten. Wenn die AfD, ihrem Anspruch folgend, eine (neue) Volkspartei zu sein, anders als die CDU (und die SPD) die anfängliche inhaltliche und personelle Breite auch ins andere Spektrum (hier: liberale und bildungsbürgerliche SPektrum) abdecken würde (oder zumindest daran arbeiten würde), dann wäre die AfD sogar – zumindest in Berlin – stärkste Partei geworden und Gabriel hätte Merkel direkt folgen müssen. So wie es momentan läuft, baut die AfD leider keine Substanz auf, um auch in der Zeit nach der Flüchtlingskrisen-Welle nachhaltig Erfolg zu haben, sich neue Wähler/Mitgliederschichten (und ihrer Potentiale) zu erschließen und zu einer Wiederbelebung des politischen und parteilichen Systems beizutragen. Eine Klientelpartei für Protest oder die kleinen Leute wird nicht über 15-25% kommen und damit die Sklerose des bisherigen Systems letztlich nicht überwinden – es wird dann nur verhärtetere Fronten geben (von daher schon etwas „belebtere“ Demokratie), aber eine Zusammenarbeit über diese hinweg, um die großen Probleme umfassend zu analysieren, Lösungsansätze zu erarbeiten und diese mehrheitsfähig zu kommunizieren, wird damit sogar noch schwieriger.

      • Die Zeit wird knapp. Wenn Frau Merkel 2017 Kanzlerin bleibt, dann wird alles noch viel schlimmer. Um sie 2021 abzulösen, braucht man hingegen die AfD gar nicht.

      • Gut möglich, dass Merkel selbst dann Kanzlerin bleibt, wenn es der AfD gelingen sollte CDU und SPD zu überholen (was ich für 2017 zumindest bis jetzt nicht sehe). Dieser ferngesteuerte Hosenanzug klebt doch wie mit Pattex fixiert am Kanzlersessel.

    • Es ist schon wichtig, dass die AfD die Sprache der Menschen spricht, sonst sind die ganzen Arbeiter schnell wieder weg. Aber das darf nicht komplett auf Kosten der Seriosität gehen. Man muss die Mechanismen der Medien kennen und darf nicht über jedes Stöckchen springen, das einem hingehalten wird. Was Frauke Petry da jüngst ritt? Dem Wähler ist doch völlig egal, ob er völkisch sagen darf oder nicht, dem meisten Wähler ist auch dessen Bedeutung und Historie unwichtig und unbekannt. Die AfD muss sich um die wichtigen Themen kümmern und darf sich nicht in eine sinnlose und überflüssige Begriffsdefinition verzetteln. Natürlich wirkt das beim Wähler dann so, dass es sich bei der AfD um eine unverbesserliche Partei Ewiggestriger handelt.

      • Den meisten aktuellen und vor allem potentiellen AfD-Wählern geht es nicht um „völkisch“ oder Schießbefehle, sondern um konkrete Lösungen für ihre realen Probleme. Eine viel breiter aufgestellte AfD könnte diese eher benennen oder mit Koalitionsperspektive sogar tatsächlich umsetzen. Jetzt besteht die Gefahr, dass die AfD bei der Bundestagswahl Frau Merkel stärker statt schwächer macht, weil erstere nicht koalitionsfähig ist und letztere in jeder denkbaren Koalition als Kanzlerin auftaucht.

      • Bis zur Bundestagswahl ist es noch ein gutes Jahr. Da fließt noch viel Wasser die Spree hinab und Deutschland wird noch viele Überraschungen erleben. Vielleicht gibt es weitere EU-Austritte (Ungarn, Finnaland und Österreich sind auf jeden Fall potentielle Kandidaten). Vielleicht kommen noch mehr schwarze „Siedler“, vor allem solche, mit denen Italien nicht mehr fertig wird. Vielleicht zerbricht auch der Euro. Wer weiß das schon?

      • Das Problem an einer Mehrthemenpartei ist die Wirtschaftspolitik. In Westdeutschland kann man leicht wirtschaftsliberal agieren, auch der fleißige Arbeiter in B-W hat am Stammtisch keine guten Wörter für Hartz-4-Mentalität übrig. Die Regionen in Ostdeutschland mit Direktmandaten sehen da schon anders aus. Dieser inhaltliche Widerspruch muss erst überwunden werden.

      • Eine breit aufgestellte Partei muss nicht jeden Widerspruch völlig auflösen. In den neuen Bundesländern hat man eben z. T. andere Ansichten und auch objektiv andere Interessen als in den alten.

        Trotzdem sollten die Gegensätze nicht zu groß werden und ist ein gemeinsamer Nenner zu suchen. Der FDP-Spruch „Leistung muss sich wieder lohnen“ wurde vielleicht zu einseitig interpretiert, trifft aber den Punkt, insbesondere wenn man ihn mit „fordern und fördern“ kombiniert. Der Staat sollte nicht Nichtstun fördern, sondern ehrliche Arbeit, die auch nicht so produktiven Personen einschließlich Flüchtlingen möglich ist.

      • Es ist eben nicht gelungen, die 17 Mio. Armutsflüchtlinge aus der ehemaligen DDR wirklich zu integrieren. Wer von ihnen konnte, hat längst „rübergemacht“ und der Rest ist schon von seiner Einstellung her kaum zu mehr zu gebrauchen als der größte Teil der neuen „Siedler“, die zu über 80% nicht einmal einen Schulabschluss haben. Von „blühenden Landschaften“ ist auch im Jahre 27 der „Deutschen Einheit“ in den neuen Bundesländern nicht viel zu sehen. Eher von einem Windpark Ost.

      • Ich sehe das ja ähnlich. Ein wirtschaftsliberale Politik, die Arbeit schafft und auch die Arbeitsanreize verbessert (Hinzuverdienstmöglichkeiten verbessert, etc.) und Sozialleistungen sinnvoll einsetzt (Bafög verbessern, vor allem Leistungen für Familien verbessern), anstatt eine grundsätzliche Alimentierungsmentalität fördert, ist eigentlich ideal für die Fleißigen im Osten, die eher in bescheidenen Verhältnissen leben. Aber nicht jeder hat die entsprechenden Kenntnisse und fällt daher auf Klassenkampfparolen der Linken rein, die eigentlich Schaden anrichten. Und man darf natürlich auch nicht die Anzahl der Menschen, die Sozialleistungen beziehen, unendlich auf das Ausland ausdehnen. Hier hat die AfD zum Glück ein Alleinstellungsmerkmal und das werden die Wähler sicherlich weiterhin honorieren. Trotzdem fällt auf, dass es der Linkspartei dieses Mal gelungen ist, trotzdem noch sehr gut abzuschneiden, was in M-V oder S-A nicht so war.

        Klar ist, dass sich die AfD als Volkspartei aufstellen muss und nicht das Erbe der FDP antreten konnte, da hatte Gauland schon recht. Eine weitere Klientelpartei braucht niemand. Die AfD muss sich schon an der früheren CDU orientieren und den Ansatz auf die Probleme der heutigen Zeit übertragen.

      • Gerade als Volkspartei müsste sich die AfD viel breiter aufstellen. Seit 2013 hat sie sich jedoch ideologisch, thematisch und personell verengt. Damals hatte sie noch einen liberalen Flügel, heute kaum noch einen konservativen. Wenn Frau Merkel irgendwann geht und das Flüchtlingsproblem nicht mehr so akut ist, dann läuft der reine Protest ins Leere. Wofür wird die AfD dann stehen?

  6. Da jetzt schon klar ist, dass man sich über manchen Parlamentarier der AfD den Mund zerreißen wird, hier mal eine Kostprobe, was sich bei anderen Parteien so tummelt:

    „Auch eine andere Ex-Piratin hat künftig einen Platz im Abgeordnetenhaus: Die Antifa-Aktivistin, Schauspielerin und Synchronsprecherin Anne Helm zog über die Landesliste der Linken ins Parlament ein. Helm war kurzzeitig in überregionaler Berichterstattung aufgetaucht, als sie 2014 in Dresden gegen Neonazis demonstrierte. Damals posierte sie vermummt und mit nacktem Oberkörper, worauf deutlich sichtbar stand: „Thanks Bomber Harris“. Gemeint war der britische Luftwaffenbefehlshaber, der Dresden im Krieg bombardieren ließ.“
    Quelle: Spiegel-Online

    Dass man mit solchen Ansichten durchkommt, ist ebenfalls unerträglich und es ist unerklärlich, wie sich die CDU immer öfter mit der Linkspartei verbünden kann, aber in der AfD alle über einen Kamm schert, auch urbürgerliche Kandidaten wie Georg Pazderski.

    • Wenn eine angeblich neutrale Presse einschließlich öffentlich-rechtlichem Rundfunk mit Informationsauftrag die AfD stets als rechtspopulistisch bezeichnet, dann müsste sie Die Linke und auch Grünen mindestens als linkspopulistisch und z. T., z. B. Frau Helm, als linksradikal bezeichnen. Man darf auch nie vergessen, dass Die Linke Nachfolgepartei der SED ist. Dass der CDU diese inzwischen näher ist als die AfD, und zwar nicht nur in Thüringen mit Herrn Höcke, sondern auch Berlin, wo die AfD besonders bürgerlich und Die Linke besonders ideologisch und von SED-Funktionären belastet ist, unterstreicht ihre immense Linksverschiebung.

  7. Pingback: Parlamentswahl in Russland | Alexander Dilger

  8. Auch in Berlin hat die AfD reagiert und den mit unmöglichen Kommentaren aufgefallenen Angeordneten Kay Nerstheimer erst gar nicht in ihre neue Landtagsfraktion aufgenommen. Bravo! Die AfD muss sauber bleiben! Wir sind auf dem richtigen Weg!!!

  9. Pingback: CDSU und andere Parteigründungen | Alexander Dilger

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