Piraten vor 10 Jahren gegründet

Heute vor 10 Jahren wurde die Piratenpartei Deutschland in Berlin gegründet nach dem Vorbild der schwedischen Piratpartiet. Sie nahm erstmals 2008 an der Landtagswahl in Hessen teil und erreichte dort 3 Promille der Stimmen. Bei der Bundestagswahl 2009 bekam sie 2 Prozent der Zweitstimmen. Sie zog in etliche Kommunalvertretungen ohne Prozenthürde ein. Ihren größten Erfolg hatte sie bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin am 18. September 2011 mit 8,9 Prozent. In der Folge zog sie auch in die Landtage des Saarlands, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen ein. Bei der „Sonntagsfrage“ hinsichtlich der Bundestagswahl kam sie im Frühjahr 2012 auf bis zu 13 Prozent. Dieser Wert fiel gegen Ende 2012 wieder unter 5 Prozent und sie zogen in keinen Landtag mehr ein. Bei der Bundestagswahl 2013 erreichten die Piraten 2,2 Prozent. Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern letzten Sonntag kamen sie auf 6 Promille.

Ihr Aufstieg zeigt das große Interesse an einer neuen Partei in Deutschland. Ihr nachfolgender Niedergang hatte mehrere Ursachen, demonstriert aber auch die Schwierigkeiten, eine neue Partei über den Anfangserfolg hinaus dauerhaft zu etablieren. So gab es viel Streit, nicht nur inhaltlich, sondern vor allem auch persönlicher und unproduktiver Art. Es fehlte an klaren Lösungsvorschläge selbst zum Kernthema Internet, welches für sich allein wohl auch nicht wichtig genug ist, um eine hinreichend große Partei dauerhaft zu rechtfertigen. Die Idee der „Liquid Democracy“ wurde nicht einmal in der eigenen Partei richtig umgesetzt. Der Überraschungserfolg 2011 führt außerdem zu einer schnellen Vervielfachung der Zahl der Mitglieder, worauf die Partei schlecht vorbereitet war. Neben vielen Glücksrittern kamen auch Extremisten von rechts und vor allem links. Schließlich verdrängte die AfD die Piraten aus den Schlagzeilen.

4 Gedanken zu „Piraten vor 10 Jahren gegründet

  1. Die größte Stärke der Piraten war gleichzeitig auch ihre größte Schwäche. Die Verpackung war einfach genial. Piratenpartei – darauf muss man erst mal kommen. da fühlte man sich gleich 10 Jahre jünger wenn man dort sein Kreuz macht. Die richtige Marke zu richtigen Zeitpunkt. Aber die Verpackung war eben so perfekt dass sich niemand getraut bzw. gemüßigt gefühlt hat, sie mit Inhalt zu füllen. Denn man wollte sich ja nicht den Spaß über inhaltlichen Hickhack verderben. Im Grunde hat den Piraten eine Erfurter Resolution bzw. ein Weckruf gefehlt.
    Es gibt übrigens einen Piraten-Bürgermeister: in der tschechischen Stadt Marienbad (Mariánské Lázně):
    https://de.wikipedia.org/wiki/%C4%8Cesk%C3%A1_pir%C3%A1tsk%C3%A1_strana

  2. Ich war einer der ganz frühen Unterstützter der Piratenpartei und zwar zu einem Zeitpunkt, als sie noch nicht Linksextremisten zum Opfer fiel. Anfangs gab es da Leute aller politischen Weltanschauungen, erst nach und nach wurden nur noch linke Ansichten akzeptiert. Die grandiosen Wahlerfolge verstärkten dies, weil Horden von Antifa-Anhänger angespült wurden. Für mich war die Piratenpartei ein Signal gegen die korrumpierte Politik da oben, gegen verkalkte Ansichten zum Internet und bereits damals hetzende Medien (ich erinnere mich an Frontal21- und Panoramaberichte, die gegen „Killerspiele“ agitierten, mit dreisten Lügen gespickt waren und mich als damaligen Counter-Strike-Spieler entzürnten. „Reschke-Fernsehen“ gab es auch schon damals und zu anderen Themen.

    Anders als die AfD hatte die Piratenpartei aber keine gemeinsame Weltanschauung oder war zumindest nicht gegen eine bestimmte Weltanschauung verbündet. Das Wählerreservoir so internetaffiner Menschen, die dieses Thema auch als das beherrschende Thema zur jeweiligen Zeit ansehen, ist beschränkt und reicht schlicht nicht für 5 Prozent. Weil die Partei mit dieser Ausrichtung aber auch keinem Wähler weh tat, war sie ideal als Protestpartei und die kurzfristigen Wahlerfolge beeindruckend für eine echte Ein-Themen-Partei.

    Die Unzufriedenheit damals war bereits groß, heute ist sie noch größer. Die AfD war jedoch nie lediglich Mittel zum Protest, sondern die AfD steht (und stand von Beginn an) für eine andere Weltanschauung. Sie steht nicht nur für Protest, sie steht für andere Inhalte. Sie steht für eine andere Sprache und für eine weltweit beobachtbare Bewegung. Die AfD taugt deshalb weniger als einfache Stimme des Protestes, weil sie zu sehr polarisiert und sich ausschließlich Feinde im Establishment gemacht hat. Die AfD wird deshalb vielleicht weniger rapide emporsteigen als die Piratenpartei, dafür aber auch langsamer verglühen. Die AfD hat anders als die Piratenpartei kein Problem der Inhalte, diese sind größtenteils schon jetzt mehrheitsfähig in der Bevölkerung. Sie hat ein Problem mit ihrem Image, das anders als bei der Piratenpartei nicht nur chaotisch, sondern vor allem ekelhaft besetzt ist.

    Manchem Beobachter der grün-linken Mainstreammedien kommt auch schon, dass das Gerede vom wirtschaftlich abgehängten AfD-Wähler nur beschränkt zutrifft. Sie sprechen von einem Kulturkampf, von kulturell Abgehängten. Abgehängt mache ich mir zwar nicht zu eigen, aber immerhin erkennen sie, dass ihre Art anderen Menschen das Leben vorzuschreiben das ist, was die AfD stark macht. Dieser Kampf für die Freiheit, die Freiheit über das eigene Wort, die Freiheit über die eigene Weltanschauung und mittlerweile beinahe die Freiheit der eigenen Gedanken wird weitergehen. Ob die AfD-Vertreter im Einzelfall dafür die richtigen Garanten sind, lassen wir mal außen vor. Ich sehe sie vielmehr als Wählerbewegung, die sich nicht mehr den Mund verbieten lassen möchte.

  3. Am Anfang haben die Piraten in der Tat einen Teil der Unzufriedenen aufgefangen. Ich ging davon aus, dass eine libertäre Richtung eingeschlagen wird. Dann aber wurde die neue Partei in der Tat von Extremisten geentert, wobei Linksradikale die Oberhand gewonnen haben. Heute arbeiten Piraten mit Linken und Grünen deckungsgleich zusammen. Daher sind die Piraten überflüssig.

  4. Die Piratenpartei habe ich nie als etwas anderes als „Grüne mit Internetanschluß“ wahrgenommen. Recht bald wurde ihre Außendarstellung durch intellektuell unterwältigende, massenmordverherrlichende Linksextreme bestimmt (z.B. Anne Helm, Mercedes K. Reichstein). Ich werde sie aber als 4,9 %-Gruppierung vermissen, die den anderen deutschlandhassenden Parteien Stimmen abgenommen hat.

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