Diskussionspapier zu bedingten Aktiengeschäften

Es gibt ein neues Diskussionspapier von mir in der Reihe meines Instituts für Organisationsökonomik mit dem Titel „Bedingte Aktiengeschäfte“. Es geht um Geschäfte, die nur bei Eintritt einer Bedingung durchgeführt werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Aktienoptionen wird vorher kein Optionspreis bezahlt und bezieht sich die Bedingungen nicht auf einen zukünftigen Aktienkurs, sondern Entscheidungsalternativen des Unternehmens, die sich auf diese Weise marktmäßig bewerten lassen. Dadurch sind bessere Entscheidungen möglich und kann sich jeder gegen aus seiner Sicht falsche Entscheidungen absichern.

5 Gedanken zu „Diskussionspapier zu bedingten Aktiengeschäften

  1. Theoretisch abstrakt ist diese Idee tatsächlich interessant,
    ich zweifele aber an der Durchsetzbarkeit und praktischen
    Machbarkeit.

    1) dürfte die Finanzindustrie kein Interesse daran besitzen,
    da möglicherweise das für sie höchst lukrative Geschäft
    mit den von ihnen emittierten Optionen einbrechen würde.
    Ihnen verbliebe dabei nur die klassische Aktien-An-/
    Verkaufsprovision, während ansonsten die noch üblicher-
    weise eingebauten Optionsprämien noch zusätzlich winken.

    2) Der Aufwand mit der Abbildung aller tatsächlich
    entscheidungsrelevanten Bedingungen ist sehr groß.
    Bei z.B. 7 Vorständen und 13 von den Aktionären zu
    wählenden Aufsichtsräten müßten 2*7+2*13=40
    unterschiedliche WPKN für die entsprechende Aktie
    zusätzlich ausgeben werden.
    Der tatsächliche Handel in diesen neu zu schaffenden
    Segmenten wäre jeweils sehr dünn, so daß die
    Verwaltungskosten möglicherweise den Wert der
    Arbitrage übersteigen.

    3) deutsche AGs würden gegenüber AGs anderer Länder
    zukünftig mit einem ordentlichen Abschlag gehandelt
    werden.
    Dies deshalb, weil bei deutschen AGs die Aktionäre
    keinen Einfluß auf die Risiken ausüben könnten,
    die bei Einsetzung von schlechten Arbeitnehmervertretern
    im Aufsichtsrat entstehen.

    4) Grundlage für die Wahl oder Ablehnung eines Vorstands
    ist für die Aktionäre i.d.R. der Geschäftsbericht.
    Hier fehlt es regelmäßig an der Transparenz, welcher
    Vorstand für welche (Fehl-)Entscheidung verantwortlich ist.

    So könnte man möglicherweise dem Personal-Vorstand
    einen – im Vergleich zu einer Peer-Group – zu hohen
    Personalaufwand anlasten.
    Tatsächlich aber liegt der Grund für hierfür darin,
    daß der Produktionsvorstand einen zu hohen Personalbedarf
    angemeldet hat.
    Die Zahlen, die man aber üblicherweise mit dem Produktions-
    vorstand verbindet – Umsatentwicklung und Materialaufwand
    sehen optisch sehr schön aus.
    Folge: der falsche Vorstand wird entlassen.

  2. Ich denke, wenn man wirklich etwas an der AG-Kultur in
    Deutschland verbessern wollte,
    so wäre bereits sehr viel erreicht wenn

    1) die AN-Vertreter nicht mehr bei der Stellenbesetzung
    des Personalvorstands ein Einflußrecht hätten.

    Der Personalvorstand muß im Sinne des Unternehmens
    und der Aktionäre die Tarifverhandlungen gegenüber
    den Gewerkschaften führen.
    Dies kann er aber nicht mit der notwendigen Unabhän-
    gigkeit, wenn seine Position selbst von der Gewerkschaft
    abhängt.

    2) die AN-Vertreter keinen Einfluß mehr auf die Gewinn-
    verwendung hätten.
    „Vorstand und Aufsichtsrat schlagen eine Dividende in
    Höhe von X vor….“
    Der Gewinn steht den Aktionären zu, es allein ihre
    Entscheidung, ob er im Unternehmen verbleibt, oder
    ausgeschüttet wird.
    Der Aktionär besitzt schließlich auf der HV auch kein
    Vorschlagsrecht, ob der Arbeitnehmer seinen Lohn
    versaufen, für schnelle Autos ausgeben oder sparen
    sollte.

    3) die AN-Vertreter bei den Verhandlungen über
    Vorstandbezüge außen vor blieben.
    Die Vorstände stellen keine Arbeitnehmer im Sinne
    des Gesetzes dar, es ist allein Sache der Aktionäre,
    wieviel Geld sie in einen Vorstand investieren wollen.

    • Gesetzlich ist nur geregelt, dass bei großen Aktiengesellschaften ein Arbeitnehmervertreter im Vorstand sein muss. Häufig wird er dann Personalvorstand, das ist aber nicht zwingend. Für z. B. den Finanzvorstand fehlen wohl häufig die Kenntnisse. Wenn das Verhältnis schlecht ist, kann er auch Vorstandsmitglied ohne Geschäftsbereich werden.

      Die Arbeitnehmervertreter können stets überstimmt werden, dafür müssen sich aber alle Aktionärsvertreter einig sein. Da sehe ich das eigentliche Problem: Wirklich offene Diskussionen und Abstimmungen im Aufsichtsrat sind kaum noch möglich, dort kommt es vor allem auf Loyalität an, während die eigentlichen Entscheidungen vorab im Hinterzimmer getroffen werden. Deshalb könnte es tatsächlich auch im Sinne der Arbeitnehmer sein, wenn ihre Vertreter nicht mehr die Hälfte der Aufsichtsratsmitglieder stellen würden, dafür aber wirklich etwas zu sagen hätten. Besondere Probleme gibt es bei Konzernen mit Staatseinfluss wie VW, weil die Staatsvertreter eher mit den Arbeitnehmervertretern gegen die übrigen Eigentümer (und Kunden etc.) stimmen.

  3. Ja, wir brauchen eine Diskussion darüber, wie Normalbürger das Risiko bei einer Investition in Aktionen überschauen können. Es kommt darauf an, dass wir in Deutschland zu einer Aktien-Kultur kommen, nachdem Sparbuch, Festgeld und Staatanleihen für die nächsten Jahrzehnte (!) ausscheiden. Wir brauchen ganz neue Modelle für Lebensversicherungen, Betriebsrenten, WEG-Rücklagen und Bausparverträge, um Aktien nach strengen Kriterien beimischen zu können. ALLES muss auf den Prüfstand!

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