Erstmals Aufsichtsratsvorsitzender abgewählt

Gestern fand vielleicht nicht „Die Revolution für deutsche Aktiengesellschaften“ statt, aber doch ein denkwürdiges Ereignis zur Verbesserung der Corporate Governance in diesem Land. „Erstmals schafften es Aktionäre in Deutschland, den Aufsichtsratsvorsitzenden einer großen Publikumsgesellschaft abzuwählen“, und zwar gegen den Willen des Aufsichtsrats und in einer offenen Abstimmung ohne dominierenden Mehrheitsaktionär.

Beim Pharmakonzern Stada, der mit einem Jahresumsatz von gut zwei Milliarden Euro im M-DAX vertreten ist und neben Generika u. a. Grippostad-C, Ladival und Mobilat herstellt, wurde der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Martin Abend abgewählt, nachdem der schlecht kontrollierte Vorstandsvorsitzende Hartmut Retzlaff schon vorher aufgegeben hatte (aber seine Rückkehr anbot, was nun obsolet ist). Doch seine Hauptgegner von der Investmentgesellschaft Active Ownership Partners (AOC) konnten sich auch nicht vollständig durchsetzen, sondern nur einen eigenen Vertreter in den neunköpfigen Aufsichtsrat (inklusive drei Arbeitnehmervertretern) entsenden, den früheren Novartis-Manager Eric Cornut, während aus dem bisherigen Aufsichtsrat allein Carl Ferdinand Oetker verbleibt. Er wurde direkt nach der Hauptversammlung heute ganz früh vom Ausichtsrat zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt.

Der eigentliche Erfolg ist jedoch, dass eine echte Wahl möglich war. Vielleicht hätte ich mich diesmal gegen meine Gewohnheit doch daran beteiligen sollen als Stimmrechtsvertreter für meine Tochter, der ich einige Stada-Aktien kaufte. Aber faktisch macht man als einzelner Kleinaktionär nie einen Unterschied, selbst in solch einer (viel zu) seltenen und spannenden Situation nicht. Ob das Unternehmen jetzt tatsächlich besser geführt oder gewinnbringend zerschlagen wird, wird sich zeigen.

3 Gedanken zu „Erstmals Aufsichtsratsvorsitzender abgewählt

  1. Ich schätze mal, sie sind bei 30 Euro eingestiegen, wenn es für ihre Tochter war. Jetzt sind wir bei 48 Euro, wäre ein Gewinn von ca 60%. Sie haben ja langfristig angelegt, so, wie für Fabian auch. Die Meldungen kamen ja alle gestern, damit der Anleger nicht mehr reagieren konnte. Jetzt werden Gewinnmitnahmen erwartet. Was mich stört ist, dass Stada die letzen 15 Monate keinerlei Meldungen herausgebracht hat, ein Zeichen, dass der Aufsichtsrat schon zu diesem Zeitpunkt zerstritten war. Ich meine, sie sollten bei 48 verkaufen und der Dinge harren. Vielleicht gibt es ja dann wieder gute Einstiegschancen. Experten gibt es nur bei …. ALFA.

    • Der Kauf erfolgte erst deutlich nach der Geburt zu einem höheren Kurs, so dass der bisherige Kursgewinn kleiner ist. Unabhängig davon plane ich keinen Verkauf, der ebenso wie ein späterer Rückkauf Gebühren verursacht, sondern lasse die Aktien einfach liegen.

      Eine AG kann nicht über Ereignisse berichten, die noch nicht passiert sind. Bei Stada war nicht der Aufsichtsrat zerstritten, sondern machten Aktionäre gegen diesen mobil. Eine Partei braucht schließlich nicht nur politische, sondern auch fachliche Experten, aber nicht für eigene Aktienspekulation.

  2. Die gesetzlichen Einflussmöglichkeiten von Aktionären bei AGs, insbesondere auch von Kleinaktionären, sind deutlich zu verbessern. Nicht nur die Politik, sondern auch die börsennotierten Unternehmen brauchen mehr Demokratie! Die Eigentümer der Gesellschaftsanteile müssen maßgebliche Entscheidungen der Geschäftspolitik bestimmen dürfen. Der Austausch eines Vorstandes oder eines Aussichtsrates sollte Normalität sein. Auch die den Vorstandsetagen der großen Konzerne hat sich ähnlich wie in der Politik eine selbstgefällige und nichtsnutzige Kaste gebildet, denen viel zu wenig auf die Finger gekuckt wird.

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