Autogrammanfrage

Diese Woche erhielt ich eine Autogrammanfrage:

ich interessiere mich sehr für die deutsche Politik und sammle Autogramme von politischen Persönlichkeiten sowie von Wirtschaftswissenschaftlern.
Freundlich bitte ich um Übersendung einer Autogrammkarte/signierten Visitenkarte[.]

Dabei erhielt ich schon einmal vor fünf Jahren einen Autogrammwunsch und habe auf diesen schriftlich geantwortet:

Das ist tatsächlich die erste Autogrammanfrage, die ich erhalte. Eine solche Anfrage ist natür­lich schmeichelhaft, doch bin ich wirklich schon so bedeutend? Haben Sie bereits alle (zumin­dest noch lebenden deutschen) Nobelpreisträger zusammen?

Nun ist es nicht üblich, als Wissenschaftler Autogrammkarten zu verschicken. Allerdings möch­te ich diese erste Anfrage auch nicht abschlägig bescheiden. Meine Unterschrift findet sich am ehesten unter Briefen, so dass Sie mit diesem Schreiben hoffentlich zufrieden sind.

Sie sollten auch überlegen, ob Sie nicht eines Tages selbst Wissenschaftler werden wollen.

Die Idee kann ich wohl nicht wiederholen. Deshalb muss ich mich jetzt grundsätzlich entscheiden, ob ich Autogrammkarten verschicken will oder nicht. Wozu raten Sie?

15 Gedanken zu „Autogrammanfrage

  1. Vielleicht war die Anfrage nur ein Geld- Trick.

    “ Freundlich bitte ich um Übersendung einer Autogrammkarte/signierten Visitenkarte und geben Sie 100 Euro dazu“.

    Nanu warum bekommt der Herr Dilger Mails aus Nigeria.

    • Nach Geld wurde nicht gefragt und die angegebene Adresse liegt in den (nicht mehr ganz so) neuen Bundesländern. Theoretisch könnte jemand versuchen, mit meiner Unterschrift Unsinn anzustellen, doch faktisch ist das schwierig und das Risiko ist an anderen Stellen viel höher. So wurde zu AfD-Zeiten meine eingescannte Unterschrift tausendfach verschickt. Jeder Paketbote lässt sich bzw. mich jetzt auf dem Smartphone elektronisch unterschreiben und Kreditkartenbelege unterschreibe ich ständig auf Papier.

  2. Die Nigerianer haben sogar den Schachtrainer- Trick drauf.:

    “ Dear Sir,
    We need urgently a CHESS Coach/Trainer urgently to join our club (Sports Club CHESS, Benin Republic) on a 4 months contract.
    We need the Coach/Trainer to arrive immediately to sign the contract and start training our athletes if you are satisfied with our conditions and all our financial terms.
    Our Sponsors (Africa Petroleum) have agreed that we get a foreign trainer for 4 months contract-August-November 2011
    Monthly salary of Five Thousand Euros (5,000 €) x 4 months.
    Contract/Signing on Fees of Ten Thousand Euros (10,000€).
    Compensation to be paid to your club or federation for your departure Five Thousand Euros (5,000 €).
    We have 3 major competitions during the 4 months contract which include:
    Pre season training-August
    All African Games-September 2011
    West African Chess -October 2011
    Benin National Sports Games-December 2011
    We shall provide you with free accommodation, official car, medical care and bonuses if our athletes achieve the following results in these categories:
    a. Gold 1000 €
    b. Silver 700€
    c. Bronze 500€
    Holiday-2 holiday period which will consist of 2 weeks each holiday period.

    Please confirm your interest in the job and if you accept our proposal, respond with your CV and acceptance letter to: sports.club.benin@gmail.com

    Muda Lawal
    General Manager
    Sports Club CHESS, Cotonou, Republic of Benin“

    Jaja, auf so einen Blödsinn fällt doch nicht mal der Dümmste rein, außer wahrscheinlich man kommt aus B-W.

    “ In weltweit verschickten E-Mails wird permanent viel Geld versprochen, wenn die Empfänger afrikanischen Geschäftsleuten behilflich seien, riesige Erbschaften oder Erdöl-Millionen außer Landes zu schaffen — die angeschriebenen mutmaßlichen Verwandten müssen „nur“ Notar, Anwaltskosten und Steuer vorfinanzieren. Selbst ein Stadtkämmerer einer Kommune in Baden-Württemberg versuchte, die Stadtkasse mit den versprochenen Millionen aus Nigeria aufzufüllen, erinnert sich Abteilungsleiter Heusinger.“

    Naja typisch, war wenigstens nicht sein eigenes Geld, war der von der FDP.

    • Als Schachtrainer wollte mich noch keiner, aber Erbschaften oder Geldanlagen in Millionenhöhe werden mir wie wohl jedem nahezu täglich angeboten. Leider kenne ich einen traurigen Fall, wo jemand einmal angebissen hat und bei jeder weiteren Betrugsrunde fleißig bezahlt. Vermutlich hört das nie auf, sonst ließe sich danach zumindest ein Buch darüber schreiben.

  3. Ich glaube, da will Sie entweder jemand auf den Arm nehmen oder Ihre Unterschrift missbrauchen. Wenn Sie dieser Bitte nach einer Autogrammkarte nachkommen, geben Sie entweder der Nigeria-Connection Ihre Unterschrift oder sich selbst womöglich der Lächerlichkeit preis. An Ihrer Stelle würde ich auf so eine Anfrage überhaupt nicht antworten.

      • Die Nigeria-Connection lauert inzwischen überall. Selbst wenn Sie ganz harmlos irgendetwas über eBay oder eine andere Internet-Plattform inserieren oder versteigern, versuchen diese Kriminellen, sich sensible Daten zu erschleichen.

  4. Heute gibt es für fast alles Sammler. Für wirklich berühmte und in der Öffentlichkeit stehende Personen können Autogrammjäger und andere Fans schon ganz schön nervig werden. Vor Jahren habe ich auf einem Transatlantikflug einmal neben einem Amerikaner gesessen, mit dem ich mich sehr nett unterhalten habe. Ganz kurz vor dem Ausstieg hat er mich gefragt, ob ich ihn wirklich nicht kenne oder nur so tue. Es war ein berühmter Baseballspieler. Er hat es sehr genossen, dass ich ihn nicht (er-)kannte und er ganz „normal“ mit mir reden konnte.

    Wenn Sie unhöflich sind, ignorieren Sie die zweite Autogrammanfrage. Wenn Sie wieder höflich sein wollen, schreiben Sie etwas Neues oder drucken ein Foto von sich aus und unterschreiben es. Da die Anfrage höflich war, würde ich ebenso reagieren. Vielleicht schreiben Sie ja auch einmal ein Buch. Dann können Leute Ihr Buch erwerben und Sie signieren Bücher zu gewissen Anlässen.

    • Es gibt bereits zwei veröffentlichte Bücher von mir, nämlich meine Dissertations- und Habilitationsschrift, außerdem drei (mit)herausgegebene Sammelbände. Darin würde ich natürlich mit Widmung unterschreiben. Autogrammkarten habe ich nicht, bei einer unterschriebenen Visitenkarte für einen Sammler bin ich unsicher. Doch antworten werde ich auf jeden Fall.

    • “ Für wirklich berühmte und in der Öffentlichkeit stehende Personen können Autogrammjäger …“

      Was ist da ebay los, ein Jörg Haider Autogramm kostet nur 4,90 Euro.

  5. Autogrammwünsche werden meist an Sportler, Musiker, Literaten und Politiker herangetragen. An Wissenschaftler weniger. Ich habe vor und nach den Vorlesungen von Physiknobelpreisträger Rudolf Mößbauer niemanden gesehen, der einen solchen Wunsch geäußert hätte. Es kann sein, dass Fernsehen und Clips auf Streaming Portalen die Entstehung von Wissenschaftsprominenz begünstigen. Bei Harald Lesch könnte ich mir vielleicht vorstellen, dass er mit seiner Erörterung physikalischer Themen im Fernsehen eine Fan-Gemeinde erworben hat.
    Es mag sein, dass es Fans Ihres Blogs gibt. Diese können sich hier mit ihren Kommentaren beteiligen. Doch wenn Ihre zu AfD-Zeiten eingescannte Unterschrift bereits tausendfach verschickt wurde, dürfte sie auch im Internet verfügbar sein. Einen echten Bedarf, diese noch mit der gelben Post zu verschicken, sehe ich nicht. Bei lästigen Anfragen nach Autogrammwünschen würde ich die Interessenten auf Ihr Rentnerdasein in wenigen Jahrzehnten mit vermehrten Zeitscheiben für Nebensächliches vertrösten.

  6. Einmal fuer immer hoeflich erklaeren, dass es aus Ihrer Sicht keinen Grund gibt Autogramme zu verteilen!

      • Sie täuschen sich. Ich habe immer schon die Themen gemischt, wie Sie an den Kategorien sehen können. Alternativ müsste ich mindestens drei Blogs betreiben für Politik, Privates und Wissenschaft. Außerdem möchte ich nicht immer wieder sehr Ähnliches schreiben und diskutieren. Euro- und Flüchtlingskrise bleiben z. B. sehr wichtig, aber sie wurden hier auch schon ausführlich behandelt.

  7. Aus meiner Zeit als MdL kann ich Ihnen sagen, dass es tatsächlich solche Anfragen gibt. In keinem Fall steckte eine betrügerische Absicht dahinter. Da seit meiner aktiven Zeit schon wieder einige Jahre vergangen sind, mag man natürlich alles mögliche argwöhnen in einer scheinbar immer übler werdenden Welt. Ich würde aber gleichwohl vom immer noch wahrscheinlichsten Fall ausgehen: Dass nämlich jemand einfach Spaß daran hat, Autogrammkarten zu sammeln. Daher mein Rat: Nett zurückschreiben und sich freuen, dass es auch noch Menschen gibt, die ohne böse Absichten einfach Dinge tun, die ihnen Spaß machen.

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