Augustputsch in Moskau vor 25 Jahren

Vor 25 Jahren begann der Augustputsch in Moskau (siehe „Der verdrängte Staatsstreich“), während der Präsident der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, auf der Krim unter Hausarrest gestellt wurde. Das gab dem Präsidenten der Russischen Teilrepublik, Boris Jelzin, die Gelegenheit, sich mutig gegen die Putschisten und für die Demokratie zu profilieren. Zwei Tage später war der Putsch von kommunistischen Funktionären und Militärs dann auch schon wieder vorbei. Ihr Ziel, die Sowjetunion zu erhalten, erreichten sie gerade nicht (wie auch der ‚Putschversuch in der Türkei‘ scheiterte und zum genauen Gegenteil des Intendierten führte), sondern beschleunigten ihren Zerfall, der Ende 1991 offiziell vollzogen wurde. Allerdings verlor Herr Gorbatschow dadurch seine Ämter, doch Herr Jelzin wurde russischer Präsident. In dieser Rolle machte er eine weit weniger glückliche Figur als in der Abwehr des Putsches.

13 Gedanken zu „Augustputsch in Moskau vor 25 Jahren

  1. Was Putschisten nicht erreicht haben schaffte Putin spaeter! Richtung ist vorgegeben und es geht Rueckwaerts! Eine marode, stagnierende Wirtschaft gekoppelt mit Korruption und Rechtslosigkeit wird nicht in der Lage sein sinnlose Eroberungskriege lange auszuhalten und gleichzeitig Wohlstand zu entwickeln. Schon die Lebenserwartung der Buerger ist im Vergleich zu Demokratien vernichtend kuerzer! Wer als Erklaerung fuer alles Geduld der Bevoelkerung benutzt liegt falsch. 100 Jahre kommunistischen Terror und Indoktrinierung zerren an Kraeften aber es gibt noch Millionen unbekannte, unbeugsame Muetter, Politkovskajas, Estemirovnas, Magnitskis, Nemtsovs uvm.! Europa darf sich nicht einem Putin beugen sondern muss russische Zivilgesellschaft ermutigen und unterstuetzen!

  2. Gut, dass die UdSSR zerfallen ist.
    Die EU wird das gleiche Schicksal ereilen,
    denn zentralistische Superstaaten funktionieren nicht!

  3. Ich lese in diesem Blog dann und wann, schreibe jetzt aber erstmalig.
    Aus Ihrem Kommentar
    „… erreichten sie gerade nicht (wie auch der ‚Putschversuch in der Türkei‘ scheiterte und zum genauen Gegenteil des Intendierten führte), sondern beschleunigten ihren Zerfall,…“
    entnehme ich, daß Sie die Möglichkeit einer morphologischen Geschichtsbetrachtung durchaus in Erwägung ziehen.
    In diesem Fall geht es ja formal um das Beziehungskonstrukt Aktion -> Reaktion -> Reaktion scheitert -> sowohl Reaktion als auch Aktion werden durch eine überschießende Aktion ersetzt.

    Vielleicht wäre auf dieser Grundlage mal ein theoretisches Spiel interessant, bezüglich (des auch Ihren Blog mittlerweile beherrschenden Themas) „offene Grenzen“.

    Indem man mit dem Leser einfach mal Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten
    systematisch durchspielt, könnte für alle Seiten ein Erkenntnisgewinn entstehen.

    Beispiel:
    Fall a) Aktion („Refugees welcome“) -> Reaktion bleibt aus -> Refugees sind tatsächlich willkommen

    Fall b) Aktion („Refugees welcome“) -> Reaktion erfolgt
    ba) endogen (z.B. verstärkte AfD-Wahl)
    baa) Reaktion scheitert (AfD kann oder will sich nicht durchsetzen) -> Resultat Fall a möglicherweise ebenfalls überschießend
    bab) Reaktion erfolgreich (z.B. Bundeskanzler Höcke) -> ????
    bb) exogene Reaktion (z.B. Widerstand aus Ungarn)
    bba) exogene Reaktion erfolgreich -> ????
    bbb) exogene Reaktion scheitert -> ????

    usw. usw.

    • Diese Art der Geschichtsbetrachtung würde ich eher als dialektisch statt morphologisch bezeichnen. Auf viele Aktionen gibt es Reaktionen, wobei sich am Ende eine Seite durchsetzen kann, häufig aber ein ganz anderes Ereignis eintritt. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, ist in vielen Fällen wahr.

      Offene Grenzen sind ein wichtiges Thema und nehmen deshalb auch in diesem Blog einigen Raum ein, sind aber kein „beherrschende[s] Thema“. So fragte erst gestern umgekehrt Herr de Grisogono, ob ich die Themen „entpolitisieren“ würde, was ich ebenfalls verneinte. In der Sache, wenn auch nicht in ihren Aussagen, ist doch selbst Frau Merkel längst zurückgerudert.

  4. „In der Sache, wenn auch nicht in ihren Aussagen, ist doch selbst Frau Merkel längst zurückgerudert.“
    Gut – wenn Sie das so sehen, macht meine „Spielanregung“ natürlich gar keinen Sinn.
    Ihre Antwort verwundert mich aber, da sie impliziert, daß die Flüchtlingskrise damit inzwischen überstanden sei. Mein Eindruck ist: der Höhepunkt steht noch vor uns.

  5. Die „übliche schlechte Politik“ sehe ich zwar auch, aber daneben eine weitere Zuspitzung. Hier sei die Verfolgung von „Hate Speech“ genannt, welche Herr Maas mit Hilfe seiner EU-Lakaien auch auf die gesamte EU übertragen möchte. Unheil dann auch dem, der z. B. in Malta zukünftig Frau Merkel kritisiert. Und damit sind wir wieder beim Thema des Artikels: Haben wir bereits die Reaktion (z.B. Brexit, Zunahme der Eurokritiker) hinter uns, und erleben derzeit den Sieg der Aktion überschießend (Hate-Speech-Verbot europaweit), oder aber ist die Reaktion noch nicht wirklich angelaufen.

    • Die Zusammenarbeit des Bundesjustizministers mit Linksextremisten zum Zwecke der Zensur ist ein Skandal, den man aber auch nicht überbewerten sollte. Das Flüchtlingsthema wird wieder hochkochen, sobald die nächste Flüchtlingswelle kommt, sei es absichtlich durch Herrn Erdogan verursacht oder exogen. Die Bundesregierung will uns offensichtlich nicht mehr beschützen, sondern auf Notvorräte verweisen und Terroranschläge als gottgegeben hinstellen. Diese Aktion ist schon schlimm, aber die Reaktion kann furchtbar sein.

  6. Gefahr sehe ich in der EU-weiten Ausdehnung des Merkelschen Unfehlbarkeitsanspruchs.
    Wieweit sich auf Dauer die übrigen EU-Staaten sich Eingriffe in ihre Länderverfassungen
    gefallen lassen, wird man sich fragen müssen.
    Viktor Orban sprach bereits vom „deutschen Moralimperialismus“.

    Meine Frage ist – und das war einer der Gründe für den „Spielvorschlag“ – kommen da
    noch Dinge auf uns Deutsche zu (von denen wir noch nichts ahnen) – die dann aber
    aufgrund der Merkelschen Bevormundungspolitik in der Flüchtlingsfrage – eine
    scharfe exogene Reaktion der übrigen Europäer auslösen?

    Das deckt sich dann in etwa mit Ihrer Aussage:
    „Diese Aktion ist schon schlimm, aber die Reaktion kann furchtbar sein.“

    • Die anderen EU-Länder lassen sich doch gar nichts gefallen. Deutschland darf zahlen und Flüchtlinge aufnehmen, aber kann keinen anderen dazu zwingen. Ausgerechnet Frau Merkel mag sich deshalb moralisch überlegen fühlen, doch tatsächlich richtet sie großen Schaden an. Der Brexit geht auf ihr Konto. Sollte der FN ihretwegen gewinnen, dann war es das mit der EU.

      • „Der Brexit geht auf ihr Konto. Sollte der FN ihretwegen gewinnen, dann war es das mit der EU.“
        Der Ball liegt nun eigentlich bei den CDU-Mitgliedern. Wenn diese nicht begreifen wollen, dass ihre Über-Kanzlerin enormen Schaden anrichtet und sie, wie beim Karlsruher Parteitag letzten Dezember geschehen, weiterhin mit frenetischer Begeisterung unterstützen, wird dies den Niedergang der Christdemokraten bedeuten, selbst wenn Frau Merkel noch weitere 4 Jahre im Amt bleiben sollte. Die Bevölkerung scheint in der Diskussion wichtiger Gesellschaftsfragen bereits weiter zu sein als die noch starke Volkspartei. Welche Parteien neben der AfD vom Versagen der politischen Mitte – neben der CDU ist auch die SPD betroffen – bei der nächsten Bundestagswahl profitieren werden, ist noch unklar. Vermutlich wird die FDP ebenfalls ein Comeback feiern.

  7. Nein, hier muß ich jetzt ausnahmsweise ganz entschieden widersprechen.
    Deutschland übt über seine politischen Stiftungen massive Einflußnahme
    im europäischen Ausland aus. Zum Beispiel werden Studienstipendien
    an deutsche „Flüchtlingsaktivisten“ in Osteuropa gewährt.
    Diese organisieren in den Gastländern regelmäßig Demonstrationen
    „Refugees welcome in Poland/Lithuania etc.“, um
    die resistenten osteuropäischen Völker weichzukochen.
    Mittlerweile spricht es sich herum, daß es überwiegend keine Einheimischen
    bei diesen Demonstrationen sind, sondern „Entsendete“ aus Deutschland.
    Was dies für das Ansehen Deutschlands bedeutet, dürfte klar sein.

    • Bitte brechen Sie Ihre Zeilen nicht mehr hart um (anfangs habe ich es herausgenommen).

      Mir scheint das nicht wirklich bedeutend zu sein und z. B. weder quantitativ noch qualitativ an die türkischen Pro-Erdogan-Demos in Deutschland heranzureichen. Für einen Stimmungsumschwung kann es natürlich trotzdem sorgen, allerdings nicht in die intendierte Richtung, sondern gegen Deutschland.

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