Ökonomenpanel zur Altersvorsorge und Rentenreform

Die 5. Runde vom Ökonomenpanel hatte die Altersvorsorge und Reform der gesetzlichen Rentenversicherung zum Thema. Meine Antworten lauteten (für die allgemeinen Befragungsergebnisse siehe „Altersvorsorge und Gesetzliche Rentenversicherung – nachhaltig aufgestellt?“):

Das gegenwärtige gesetzliche Rentensystem ist nachhaltig aufgestellt, um auch langfristig eine zum Leben angemessene Rente zu garantieren.

Stimme überhaupt nicht zu

Sicherheit bei der Bewertung: 8 (0 = Sehr unsicher, 10 = Sehr sicher)

Welche Mittel wären Ihrer Meinung nach zur langfristigen Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung geeignet? (Mehrfachnennungen sind möglich)

Späterer Renteneintritt; Geringeres Rentenniveau
Nicht genannt: Höhere Rentenbeiträge; Höhere Steuerzuschüsse; Einbeziehung Selbständiger/Beamter; Andere

Die Einführung der Rente ab 63 Jahren ohne Abschläge nach 45 Jahren Beitragszahlung war ein wirtschaftspolitischer Fehler.

Stimme voll und ganz zu

Sicherheit: 9

Die Einführung der Mütterrente war ein wirtschaftspolitischer Fehler.

Teils-teils

Sicherheit: 7

Inwiefern sollte das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67 Jahre verändert werden?

Das Renteneintrittsalter sollte erhöht werden, und zwar auf: dynamisch
Nicht gewählte Alternativen: 65 und 67

Eine zusätzliche private oder betriebliche Altersvorsorge sollte für jeden zur Pflicht werden.

Stimme eher nicht zu

Sicher: 8

Die Anzahl der Kinder sollte stärker bei der Höhe der Rente berücksichtigt werden.

Stimme eher zu

Sicher: 8

Manchmal besteht ein Konflikt zwischen zwei erwünschten gesellschaftlichen Zielen, da sie sich im Widerspruch zueinander befinden können. Bitte wählen Sie, welches Ziel Sie in den folgenden Abwägungsbeispielen favorisieren.

4. Punkt (1. Rente- und Pflegeausgaben, 5. Bildungsausgaben)
4. Punkt (1. Rente- und Pflegeausgaben, 5. Familienförderung)
1. Punkt (1. Rente- und Pflegeausgaben, 5. Ausgaben zur Unterbringung und  Integration von Asylbewerbern)
4. Punkt (1. Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung sollten unabhängig von der Beitragsleistung sein, 5. Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung sollen an die Beitragsleistung gebunden sein)

Ihr öffentlicher Kommentar zur Rente (optional):

Eine Grundsicherung im Alter unabhängig von Beitragszahlungen wäre für mich nicht mehr die gesetzliche Rentenversicherung. Ein solcher Systemwechsel ist überlegenswert, doch der Übergang wäre langwierig und teuer.

9 Gedanken zu „Ökonomenpanel zur Altersvorsorge und Rentenreform

  1. Ihr Vorschlag zur langfristigen Finanzierung ist hinsichtlich der Selbständigen etwas überraschend. Es gibt ja schon in der deutschen privaten Krankenversicherung Alarmmeldungen zu Beitragsrückständen in dieser Gruppe. Interessant sind die Erfahrungen aus Österreich. Zwei Kassen sind für die Pflichtversicherung hier einschlägig- einmal die FSVG für die Freiberufler (in Deutschland teilweise durch berufsständische Regelungen präsent) und eben die GSVG für andere Selbständige und Unternehmer. Hierzu führt Michael Christl, der Rentenfachmann der Denkfabrik Agenda Austria in Wien aus: „Auch die Einbeziehung von Selbständigen in die Pflichtversicherung halte nicht, was sie verspreche: Da sie viele Kleingewerbetreibende, Niedrigverdiener, unregelmäßig Tätige und verdeckt Arbeitslose erfasse, sei der Deckungsgrad gering und erfordere hohe staatliche Zuschüsse http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/was-wird-aus-der-rente/altersvorsorge-gefaehrliches-rentenvorbild-oesterreich-14187715.html.“
    In Österreich scheint zudem die umfassende Versicherungspflicht zu einer im europäischen Vergleich unterdurchschnittlichen privaten Vorsorge geführt zu haben.

    • Die Selbständigen möchte ich doch gerade nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen, weil das keines ihrer Probleme löst, sondern für kurzfristig, während die Babyboomer noch arbeiten, etwas mehr Beiträge langfristig die bestehenden Probleme noch verschärft.

  2. Mit Sun Zu muss man als erstes die Lage kennen.
    Es ist nahezu self evidend dass bei steigender Lebenserwartung die konventionellen Alterssicherungssysteme samt und sonders bei einem Rentenalter von 65 nicht werden funktionieren können; ein neugeborenes Mädchen unserer Zeit hat mit 50% eine Lebenserwartung von 100 Jahren .
    Dazu gibt es praktisch keine belastbare Statistik über die tatsächlichen Alterseinkommen; vor einigen Jahren hatte die SPD Sozialministerin Schmidt in NRW aufgrund freiwilliger Befragungen eruiert, dass viele – auch sogenannte Zwergrentner – erhebliche Nebeneinkünfte aus Beamtenpensionen, Vermietung, Verpachtung, Vermögen etc. haben, so dass nur eine sehr kleine Zahl in der Bevölkerung auf die Niedriegstrenten der Rentenversicherung angewiesen ist, hier steht auch die sogenannte Grundsicherung für wirklich arme Leute zur Verfügung, die immerhin einen minimalen Lebensunterhalt ermöglicht.
    Zur Klärung der Lage vor Einleitung von Maßnahmen wäre es daher sehr zweckmäßig, empirisch zu erforschen, wie nun die Zusammensetzung der Alterseinkommen tatsächlich aussieht, inklusive die Verteilung derselben. Dass es problematische Gruppen gibt, wird meinerseits nicht bestritten. Man denke nur an die spät zugewanderten Flüchtlinge die praktisch keine nennenswerte Erwerbstätigkeit oder Einzahlung werden machen können.
    Aus diesem Grunde schlage ich als Diskussionsgrundlage ein dreigeteiltes Modell vor.
    Die erste Säule sollte aus einer steuerfinanzierten Grundrente bestehen, die für alle gilt. Ihre Höhe sollte knapp über der jetzigen Grundversorgung liegen. Finanzierbar wäre dies, indem man den bisherigen Zuschuss zur Rentenversicherung umwandelt, der Beitrag zu den bestehenden Versorgungseinrichtungen könnte natürlich so ermäßigt werden, weil ja ein großer Teil der Rente dann eben aus Steuermitteln bezahlt wird d.h., man könnte ganz konkret den Rentenversicherungsbeitrag deutlich absenken!
    Als zweite Säule lassen wir die bisherigen Rentenversicherungen bzw. Versorgungswerke mit reduziertem Beitrag weiter bestehen, wobei natürlich der Beitrag sinkt (z.B. von 19% auf 12% des Bruttolohns), da die Grundversorgung aus Steuermitteln geleistet wird. Die Höhe dieser Rente wäre beitragsabhängig.
    Als dritte Säule sollte man steuerbegünstigtes Sparen einführen, ich schlage hierzu die Regelung nach § 401 (k) des amerikanischen Einkommenssteuerrechts vor, wobei ein Altersvorsorgekonto eingerichtet wird, wo die Einzahlungen bis 5% des Bruttoeinkommens von der Steuer absetzbar sind; die Früchte sind ebenfalls steuerfrei, sofern sie vor Rentenbeginn nicht angegriffen werden.
    Daneben könnte man auch den alten Steuerfreibetrag reanimieren, der zeitweise ja bei 6000DM=3000€ pro Jahr je Ehegatten lag; dies allein würde schon eine dritte Säule finanzierbar machen.
    Durch die Umschichtung der Beiträge und die Umschichtung der Steuermittel könnte man einen relativ kurzen Zeitraum für die Umstellung erreichen. Realistisch ist aber, dass bei einer Lebenserwartung von um die 90 Jahre die absolute Kaufkrafthöhe dieser Renten nicht den Heutigen entsprechen wird, allerdings einen gewissen maßvollen Lebensstandard werden abdecken können.
    Es sollte auch stets bedacht werden, dass in Zukunft die Menschen auch Geld für die Ausbildung ihrer Kinder wie in den angelsächsischen Ländern werden zurücklegen müssen, d.h. der zukünftige Konsum wird so doll nicht sein.

    • Die gesetzliche Rente wird bereits heute zu mehr als einem Drittel aus Steuermitteln subventioniert. Und zwar in erster Linie aus Steuermitteln, die einst als so genannte „Ökosteuer“ eingeführt wurden und an der Tankstelle erhoben werden, um damit die Renten von Ostrentnern zu finanzieren, die selbst nie in das Rentensystem einbezahlt haben.

      Das richtig Asoziale an dieser Form der Quersubventionierung ist aber, dass vor allem selbständige Vielfahrer an der Tankstelle mit 64,9 ct je Liter Benzin für ein Rentensystem zur Kasse gebeten werden, von dem sie selbst keinen Euro Rente erhalten werden. Enteignungsorientierter Umverteilungssozialismus pur eben.

      • Um eine Ratio in die Diskussion zu bringen, sollte man bedenken dass wir in den westlichen Gesellschaften grundsätzlich nicht bereit sind, Menschen die Folgen mangelnder Voraussicht tragen zu lassen und daher bei mangelnder Vorsorge eben die Grundsicherung durch den Staat, sprich durch den Steuerzahler, hier über Sozialhilfe, d.h. über die Etats der Städte und Gemeinde einspringen muss.
        Prof. Stockmann, der letzte Finanzminister Ronald Reagans, später Lehrstuhlinhaber am Princeton Institute for Advanced Studies hat vorgeschlagen, zur Rationalisierung der Debatte den künftigen Rentnern genau vorzurechnen, wieviel Geld sie eingezahlt haben. Dieser Betrag sei dann mit einem vernünftigen Betrag von sagen wir 3% pro Jahr zu verzinsen, so dass eine Gesamteinzahlungssumme herauskommt.
        Dies würde bei einem US-Amerikanischen Durchschnittsrentner einer Rentenbezugsdauer von etwa 12 Jahren entsprechen (social security)
        Da weitaus die Meisten mehrere Jahre länger leben, muss die Ergänzungssumme dann logischerweise irgendwo anders her also, durch Abgaben anderer Leute aufgebracht werden.
        Insofern ist das Rentenversicherungssystem in den allermeisten Ländern des Westens ein zusätzlicher Umverteilungsmechanismus und nicht eine bloße „Rentenversicherung“.
        Vor einigen Jahren gab es einen Beitrag in Phoenix über das Versicherungssystem der Öffentlich Rechtlich Bediensteten im Staat Alabama, Hauptstadt Montgomery. Der Leiter dieser Renteneinrichtung ist ein Deutscher (!), Finanzwissenschaftler der zweimal promoviert ist. Er hat folgende Ratschläge an die Deutschen:
        1.Get the politics out
        2.Sagte er ganz klar, dass eine Rentenversicherung in der Lage sein muss, über Jahrzehnte hinweg eine Mindestrente zu prognostizieren, von der ein Einzahler im Alter Leben können muss; evtl. höhere Auszahlungen sind dann lediglich erfreulich, aber nicht das Ziel. Daneben sei die Rentenversicherung ein finanzmathematisches Problem und keine Umverteilungseinrichtung. Er wies darauf hin, dass die von ihm geleitete Einrichtung einem neu eintretenden 18 Jährigen die Mindestrente in etwa fünf Jahrzehnten genau vorher berechnen kann, ihre Kaufkraft zu dem Zeitpunkt natürlich nicht. An dem Tag, an dem die Sendung aufgezeichnet wurde, entließ er gerade einen früheren Polizeichef in die Berentung, dessen Rente lag um 20% über seinen bisherigen Bezügen als Polizeichef.
        Immer wieder wird in Deutschland das Schweizer Modell empfohlen, die sogenannte AHV (Alters- und Hinterbliebenenversorgung).Leben sie wie ich zeitweise in der Schweiz, so wissen sie das die Schweiz eher keine Steuerhölle aber nach Aussage der Schweizer eine AHV Hölle ist. Der Beitrag zur AHV ist nämlich nicht gedeckelt, wohl aber die von ihr zu erzielende erste Rentensäule; als übel beleumundeter Besserverdiener zahlt man also sehr viel mehr ein, als man und die Hinterbliebenen jemals herausbekommen werden. Dies dient der Subventionierung der Niedrigzahler und ist eigentlich nur eine zusätzliche progrediente Zusatzsteuer.
        Trotz all dieser Manipulationen macht die AHV in diesem Jahr ein Defizit von einer Milliarde Schweizer Franken, bei der Bevölkerungszahl der Bundesrepublik entspräche dieses Defizit 9 Milliarden Euro (pro Jahr!). Natürlich würden Herrn Draghi und Herrn Schäuble derartige Zahlen wenig imponieren, zeigt aber das der Stein der Weisen so nicht gefunden werden kann. Man wird sich damit abfinden müssen, dass eine Apanage über einen 25 jährigen Lebensabend für alle eben in bequemer Höhe nicht zu finanzieren ist.

      • @Gunther G. Konorza

        Der finanzmathematische Ansatz wäre grundsätzlich richtig, wenn es sich um Eigenvorsorge handeln würde. In Deutschland wird aber selbst 45 Jahre nach dem Eintritt des Pillenknicks immer noch auf einen „Generationenvertrag“ gesetzt, der eine Tannenbaum-förmige Alterspyramide bedingt. das ist nur mit Dummheit, Lug und Trug zu erklären und nicht mit seriöser Finanz- oder Versicherungsmathematik.

  3. Bei allem Respekt.

    Die Antworten waren typischer liberaler Schwachsinn.

    Geld ist mehr als genug da und immer weniger erwirtschaften immer mehr Geld,was die Alterspyramide betrifft.

    Problematisch sind lediglich die Milliarden,die mit Anlauf aus dem Fenster geworfen werden und typisches liberales Fressnapfdenken – “ Ich sehe nicht ein für andere Steuern zu bezahlen.“

    Das ist das Problem und nichts anderes.

    • Kann es sein, dass Sie gar nicht wissen, wie die gesetzliche Rentenversicherung funktioniert? Vielleicht präferieren Sie eine staatliche Altersvorsorge rein aus Steuermitteln, doch danach wurde nicht direkt gefragt.

  4. Die Fachkräfte für Sozialbetrug, sexuelle Belästigung, Gewalt und Kriminalität die auf Einladung unserer Bundeskanzlerin nach Deutschland gekommen sind, werden jedenfalls für unsere Altersvorsorge nicht aufkommen…..

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