Erdogan gibt sich durch Ausnahmezustand diktatorische Vollmachten

Auf den gescheiterten ‚Putschversuch in der Türkei‘ folgte sogleich Präsident ‚Erdogans Putsch‘, der viel erfolgreicher ist und nun in eine neue Phase tritt. Denn der Autokrat „Erdogan verhängt Ausnahmezustand in der Türkei“, womit der ganz offiziell quasi diktatorische Vollmachten erhält (übrigens am 72. Jahrestag vom ‚Attentatsversuch vom 20. Juli 1944‘). Diese sind zwar vorerst auf drei Monate befristet, doch das ihm ohnehin ergebene Parlament kann sie verlängern oder er sie irgendwann einfach nicht mehr zurückgeben. Er ist ab sofort türkischer Diktator und wird es bleiben. Dabei hat er jetzt durchaus noch die Mehrheit des Volkes hinter sich, was für viele Diktatoren am Anfang zutrifft. Doch ihre Macht ist nicht nur rechtlich und thematisch, sondern auch zeitlich unbeschränkt, bis sie doch einem Putsch oder äußeren Feinden zum Opfer fallen.

Ganz selten geben Diktatoren die Macht von sich aus zurück, obwohl ursprünglich in der römischen Republik diktatorische Macht nur auf kurze Zeit verliehen wurde, wie es auch die türkische Verfassung vorsieht. Dieser hat Herr Erdogan aber schon zuvor gebrochen, so wie er jetzt nicht nur echte oder vermeintliche Putschisten verfolgt, sondern jeden, der ihm nicht passt. Hochschullehrer dürfen das Land nicht mehr verlassen, dafür werden ganz viele Lehrer, Richter und andere Staatsbedienstete entlassen, wenn nicht gar verhaftet.

Ich bin froh, dass ich in der Türkei keinen Lehrauftrag angenommen habe. Auch als Tourist werde ich die Türkei meiden, solange Herr Erdogan an der Macht ist, weil ich ihn nicht noch unterstützen will und selbst für ausländische Blogger inzwischen ein Risiko bestehen könnte. Gefährlich ist es auch, wie sich viele Türken hierzulande radikalisieren, in diesem Fall nicht direkt islamistisch, sondern für ihren islamistischen und vor allem nationalistischen sowie inzwischen diktatorischen Präsidenten.

35 Gedanken zu „Erdogan gibt sich durch Ausnahmezustand diktatorische Vollmachten

  1. Die Frage ist nicht, ob Sie in der Türkei gefährdet wären (das wären Sie gewiss), die Frage ist eher, ob Erdogans Arm bis nach Deutschland reicht. Ein deutsches Gericht würde Sie freilich nicht verurteilen, es ist aber durchaus denkbar, dass Erdogan Sie in die Türkei verschleppt oder zumindest seine Schlägertruppen hier illegal die Arbeit erledigen. Erdogan und seinen Schergen ist alles zuzutrauen. Unser Staat ist hingegen schwach, verweichlicht und völlig wehrlos.

    Wichtig ist, dass es an deutschen Schulen endlich keine vom türkischen Staat bezahlten Lehrer mehr gibt und alle vom türkischen Staat finanzierten Verbände (DITIB) radikal verboten werden. Es ist unerträglich, dass ein offen faschistischer Staat in Deutschland diese Rechte genießt. Hier sind doch genügend Leute in der AfD: Nehmt das in die Wahlprogramme auf und stellt es in den folgenden Wahlkämpfen in den Mittelpunkt. Das sind ganz wichtige Themen, über die geredet werden muss, an welche sich die etablierten Parteien aber nicht hintrauen. Ich bin mir sicher, es wird sich in zahlreichen Wählerstimmen äußern. Besonders in Berlin ist dieses Thema ja besonders dringend. Ich bin mir sicher, dass das auch unter Türkischstämmigen Wählerstimmen bringen würde, zumindest nicht weniger als im restlichen Stadtdurchschnitt.

    Wir befinden uns mit der Türkei längst im Krieg, dem sollten wir uns bewusst sein. Noch wird er mit anderen Mitteln und nicht mit Waffen geführt, aber selbst das kann sich ändern. Wir müssen endlich selbst in den Kriegsmodus schalten und anfangen uns zu schützen. Wir alle wissen, wie es in Deutschland 1933 angefangen hat und wir alle wissen, wie es 1945 geendet ist. Wir müssten heute schlauer sein und die entsprechenden Schlüsse daraus ziehen und jene bekämpfen, die diese Geschichte wiederholen möchten.

    • Viele Türken sind akut bedroht, ich zum Glück nicht. Selbst in der Türkei würde mir wahrscheinlich nichts passieren, doch leider ist das nicht mehr ganz sicher. Der türkische Staat wird einem relativ unwichtigen Blogger wie mir sicher nicht in Deutschland nachstellen. Dafür gibt es viel zu viele Blogger und andere Türkeikritiker hier, außerdem hat man jetzt in der Türkei ganz anderes zu tun und würde dadurch viel mehr schlechte Presse bekommen als verhindern.

      Deutschland ist zum Glück mit der Türkei nicht im Krieg, sollte aber auch keine ohnehin schändlichen Abkommen mehr mit dieser Regierung dort schließen. Es ist außerdem nötig, die Bundeswehrsoldaten sofort aus der Türkei abzuziehen.

      • Natuerlich ist nicht nie ratsam in instabile Laender mit Unruhen zu reisen.
        Interessant, dass bei Mursis-Wahl in Deutschland keine Aufregung gab. 😅

        Fuer Europa ist Tuerkei am Bosporus sehr wichtig und fuer NATO unverzichtbar. Tuerkische Politik bleibt tuerkische Innenpolitik, man kann es kritisieren aber nicht spinnen! Turkei wird mit/ohne Erdogan aber mit starkem Islam nie eine Demokratie werden. Einzige was konsequent waere ist EU- Beitritsverhandlungen zu beenden!

      • Bei der Wahl von Herrn Erdogan gab es hierzulande auch keine Aufregung, sondern erst jetzt bei seiner faktischen Abschaffung von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Die EU-Beitrittsverhandlungen machen spätestens jetzt keinen Sinn mehr, aber auch die NATO-Mitgliedschaft gehört auf den Prüfstand, da inzwischen die Türkei die kollektive Sicherheit mehr gefährden als erhöhen könnte.

      • Ich glaube, Sie sind ein wenig zu naiv. Erdogan lässt immer mehr seine Maske fallen und mehr und mehr ist ihm auch sein internationales Image egal. Er würde auch Deutsche verhaften lassen, daran habe ich gar keine Zweifel. Nach seinem Putsch noch mehr, die Mengen auf den Straßen werden ihn noch größenwahnsinniger werden lassen. Außerdem muss Erdogan ja nicht mal zwingend die Schmutzarbeit selbst erledigen, denn dafür hat er ja seinen Mob auf der Straße, der ungestraft jegliche Kritiker drangsalieren darf.

        Auch in Deutschland muss Erdogan nicht selbst aktiv werden. Es genügt, wenn einer Ihrer Studenten hier mitliest und vorher von Erdogan ideologisiert und aufgehetzt wurde. Wenn dieser meint, Ihnen eine „Lektion“ im Namen Erdogans und Allahs erteilen zu müssen, dann haben Sie schnell einen gebrochenen Arm mehr. Ihnen muss bewusst sein, dass die Mehrheit der türkischstämmigen Studenten (zumindest jene, die sich als das zu erkennen geben) Erdogan-Anhänger und damit naturgemäß nicht besonders kritikfähig und demokratisch sind.

        Und ich bezeichne das sehr wohl als Krieg, nämlich als ein Krieg der Werte und ein Krieg der Ideologien. Erdogan und seine Anhänger lassen jedenfalls keine Zweifel daran, dass sie ihre Ideologie auch nach Deutschland exportieren und etablieren wollen. Der Krieg mit Waffen steht nie am Anfang, der steht immer erst am Ende, wenn alle anderen Kriegsmittel bereits ausgereizt wurden. Faschismus muss bekämpft werden und zwar aktiv. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass ich die Erzählungen meiner Großeltern doch noch so leibhaftig „miterleben“ werde, wenn auch nur als Zuschauer. Geschichte wiederholt sich manchmal leider doch. Wir müssen unglaublich aufpassen, dass wir nicht auch noch Opfer davon werden.

      • Ich habe kaum türkischstämmige Studenten, von denen ich auch eine höhere Meinung habe als Sie. Bildung macht eben doch einen Unterschied, weshalb Herr Erdogan Akamdemiker jetzt nicht mehr ausreisen lassen will.

      • Natürlich hat Erdogan ein Problem mit Bildung, er hat als Islamist ja schließlich selbst keine höhere Bildung genossen (und möchte vermutlich auch gar keine höhere Bildung genießen, denn das könnte ja dem Koran widersprechen). Wahrscheinlich fürchtet er Intelligenz auch, weil er sich ihr unterlegen fühlt und er sie nicht kontrollieren kann. Schon die Nazis versuchten die polnische Intelligenz zu vernichten, Erdogan wird deshalb dasselbe mit der kemalistischen Intelligenz versuchen.

      • Ein Grund für seinen Rundumschlag gegen Justiz und Bildungswesen könnte sein, dass er gar nicht die Voraussetzungen für das Amt des türkischen Staatspräsidenten erfüllt, sondern bei der Angabe seines Universitätsstudiums gemogelt hat (was an den aktuellen Fall einer SPD-Politikerin erinnert, die es aber nicht bis zur Diktatorin brachte).

      • Ob Erdogan bei den Angaben zu seiner Vita alles korrekt angegeben hat oder nicht, spielt – gleichwohl es natürlich immer viel über den Charakter eines Politikers aussagt – eine eher untergeordnete Rolle.

        Auch in Deutschland gab und gibt es reihenweise Politiker in hohen Ämtern, die gerade mal einen Hauptschulabschluss geschafft haben, oft nicht einmal eine abgeschlossene Berufsausbildung nachweisen können, aber mit Doktortitel „honoris causa“ dekoriert sind und teilweise sogar als Hochschulprofessoren tätig wurden (denken Sie nur an Joschka Fischer, Claudia Roth, Norbert Blüm oder Lothar Späth) …

  2. Egal was sich der ‚demokratisch gewählte‘ aber faktische Sultan und Tyrann Recep Tayyip Erdoğan herausnimmt – seine NATO-Verbündeten in der EU werden in Nibelungentreue zu ihm stehen. Das weiß Erdoğan nur all zu genau und daran ändern auch ein paar pro forma in Richtung Bosporus geworfene Wattebäuschchen wie Angela Merkels Pseudokritik der letzten Tage nichts.

    Hier zeigt sich einmal mehr eine der düsteren Schattenseiten der ‚Nordatlantischen Vertrags-Organisation‘, die alles Mögliche aber weiß Gott kein „Verteidigungsbündnis“ ist.

  3. Deutschland muss das Ziel verfolgen, dass die Türkei nicht Richtung Syrien, bzw. Irak destabilisiert wird. Jetzt werden auch einige Zujubler Erdogans („Demokratie und Rechtsstaat“) nachdenklich werden.
    Die einzige Macht in der Türkei, welche die Prinzipien des Rechtsstaates westlicher Prägung gelernt hat, ist das kemalistisch geprägte Militär, dessen Generäle zum großen Teil auch in Westpoint ausgebildet sind. Leider Gottes haben diese Herren eine bedenkliche Neigung zu autoritärer Diktatur, haben jedoch mehrmals die Türkei vor einem Rückfall in den Islam bewahrt. Das ist eben der wesentliche Widerspruch in der heutigen Türkei: Atatürk selbst war ein absoluter Gegner des Islam; ist sogar an den Folgen übermäßigen Whiskygenusses verstorben. Er äußerte sich äußerst despektierlich über den gesamten Islam, den er für die Rückständigkeit der Türkisch-Arabischen Welt verantwortlich machte.
    Offensichtlich hat Erdogan jetzt die EU Mitgliedschaft weitgehend abgeschrieben und versucht sich an der Reanimation des Osmanischen Reiches. Nun ist das türkische Sprachgebiet das größte zusammenhängende auf der Erde; die Turkvölker erstrecken sich ausgerechnet an der Südfront der Sowjetunion bis hin nach Nepal.
    Deshalb sollten wir Deutschen Allles vermeiden, was die Türkei destabilisiert, die sich ja im Bereich Kurdistans bereits im heißen Bürgerkrieg befindet; ein kleiner Kipppunkt könnte zu einem Staatszerfall à la Syrien führen.
    Zusätzlich bedenklich ist, dass auf dem Stützpunkt Incirlik 50 amerikanische Wasserstoffbomben vom Typ B 61 lagern, hier wurde der Chef, General Wan, ohne Unmstände als Mitverschwörer verhaftet und die Strom- und Wasserversorgung kurzerhand abgestellt. General Wan hatte vorher bei den amerikanischen Offizieren um Asyl nachgesucht, dies wurde ihm verweigert (sic!)
    Insgesamt bewahrheitet sich der Spruch Winston Churchills, dass die Amerikaner außenpolitisch alles richtig machen, aber vorher alle falschen Möglichkeiten verwirklicht haben.

    Deutschland scheint auch mit der Verurteilung eines Mannes auf dem Weg Erdogans zu sein, dieser Mann hatte Frau Kraft die Intelligenz eines Toastbrotes zugeschrieben. Toastbrote sollte man jedoch nicht diskriminieren. Denn in ihrer Art, wenn sie morgens mit Marmelade bestrichen und verzehrt werden, sind sie auch im Sinne des Zen vollkommen, da Herstellung und Endschicksal absolut kongruent sind.
    Die Dünnhäutigkeit unserer Staatsführer weist aber schon in die Richtung der Provinz Allemanja des Großosmanischen Reiches. Auf jeden Fall muss vermieden werden, dass Deutschland einen türkischen Bürgerkrieg importiert!

  4. Mittlerweile muß man schon von Massensäuberungen sprechen (über 50.000 Suspendierungen in Verwaltung, Militär, Universitäten etc.). Das sieht für mich jetzt auch wie ein Staatsstreich von oben aus. Am Ende könnte die Umwandlung der Türkei in eine Islamische Republik stehen, zumindest in der Lite-Version.

    Zu befürchten ist, daß sich jetzt viele Deutsch-Türken einen deutschen Pass abholen, ihre Gegengesellschaften hier noch tiefer verankern und unverdrossen ihren orientalischen Händeln nachgehen. Einen subkutanen Stellvertreterkrieg zwischen Türken und Kurden, Islamisten und Säkularen usw. kann sich Deutschland aber jetzt weniger denn je leisten.

    Zusätzlich könnte es zu einer veritablen Fluchtbewegung aus der Türkei in die bestehenden türkisch-kurdischen Kolonien kommen (Deutschland, Österreich, Holland, auch Frankreich), die die bereits bestehenden Spannungen mit der einheimischen Bevölkerung verstärkt. Alleine in Kurdistan sind durch den wiederaufgeflammten Bürgerkrieg hunderttausende Menschen obdachlos geworden. Bei Wegfall der Visumspflicht werden sich viele Kurden auf den Weg nach Deutschland machen, selbst wenn die Türkei im Gegenzug als sicheres Herkunftsland eingestuft wird.

    Positiv ist dagegen, daß Erdogans radikale Vorgehensweise die EU zu einer endgültigen Positionierung in der Beitrittsfrage zwingen könnte. Da diese aber durch Merkels kurzsichtige Politik mittlerweile untrennbar mit dem Grenzschutz verflochten ist, könnte es zu einem Wiederanstieg der Flüchtlingszahlen kommen, was wiederum Merkels halbdemokratische Regierung unter Druck setzen würde.

    Der Versuch, den EU-Grenzschutz nach römischem Vorbild an Satellitenstaaten an der Peripherie zu delegieren anstatt sich wie echte Nationalstaaten selbst darum zu kümmern, steht also kurz vor dem Scheitern. Die EU-Politik entzieht sich in Rekordschnelle selbst den Boden unter den Füßen und erzeugt mit ihrer Unfähigkeit, Krisen zu meistern, das spannungsgeladene Umfeld, das für einen grundlegenden Kurswechsel in Westeuropa nötig ist.

    • Kommt es zur Massenflucht aus der Türkei, dann ist Merkel endgültig erledigt. Das würde sie politisch nicht überleben, denn dann reden wir nicht von Tausenden, sondern von Millionen, die in Deutschland stranden. Die Frage ist allerdings, ob Erdogan diese Menschen überhaupt außer Landes lässt. Das könnte nur gelingen, wenn tatsächlich die Visa-Freiheit kommt.

      Merkel hat sich auf einen Deal mit einem Menschen eingelassen, von dem jeder wusste, dass er alles ist, aber sicherlich nicht vertrauenswürdig. Deshalb fallen die Entwicklungen in der Türkei auch negativ auf sie zurück. Egal was in der Türkei passiert, sie muss dafür Verantwortung übernehmen.

      Da ich mir von Merkel keine geeigneten Maßnahmen erwarte, werden uns alleine die europäischen Nachbarn retten können. Die osteuropäischen Staaten wissen ohnehin, welche Stunde geschlagen hat. Aber auch Frankreich fährt, geprägt durch die schrecklichen Terrorerfahrungen, mehr und mehr einen Kurs der Vernunft. Besonders Österreich ist dort Vorreiter, die mit dem ausgezeichneten Außenminister Kurz eine Hoffnung für Europa darstellen. Im Idealfall gewinnt im Herbst (der Türkei-Putsch wird ihm mächtig Auftrieb geben) nicht nur Hofer die Präsidentenneuwahl, sondern es gibt auch noch Nationalratsneuwahlen, wo sich die FPÖ, obwohl als stärkste Kraft, sich auf Kurz als Kanzler einlässt. Mit der FPÖ statt der SPÖ hätte er auch den entsprechenden Rückhalt Grenzen aufzubauen und Widerstände gegen eine Vernunftspolitik einzureißen.

      • „Wer sich in der türkischen Innenpolitik engagieren will, dem steht es frei, unser Land zu verlassen“, sagte der Minister in einem Telefoninterview aus Washington.

        Der auch für Integrationsfragen zuständige ÖVP-Politiker bekräftigte seine Erwartung, dass türkischstämmige Menschen „loyal gegenüber Österreich“ agieren. „Wer Konflikte hereinträgt, beeinflusst das Zusammenleben negativ.“ Mit Blick auf die vom FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidaten Nobert Hofer losgetretene Diskussion über türkisch-österreichische Doppelstaatsbürger betonte der Außenminister, die Gesetzeslage sei diesbezüglich „ganz klar“: „Wer die türkische Staatsbürgerschaft annimmt, verliert die österreichische.“

        ——–

        Solche Worte würde ich gerne nicht nur aus Österreich, sondern auch aus Deutschland hören. Aber Angela Merkel ist dafür selbstverständlich zu feige.

      • @Peter Burger
        Sebastian Kurz als österreichischer Bundeskanzler?
        Ist er dafür nicht etwas zu jung (29)?

  5. Der Staatsstreich, der gerade ausgeführt wird, wird wahrscheinlich zu einer Auswanderungswelle in der Türkei führen. Als die Mullahs in Teheran die Macht übernahmen, führte dies auch zu einer Auswanderungswelle, gerade von den Gebildeten Bürgern. Viele kluge Leute, die sich hier auch integriert haben. Wenn Erdogan die volle Macht hat, wird er Stück für Stück die reste Laizismus beseitigen. Bin gespannt, wann die Kopftuchpflicht (als Symbol für fundamentalistischen Islam) wie im Iran, der auch mal westlich orientiert war, kommt. Viele europäisch orientierte junge Leute werden das Weite suchen und Verwandte im Ausland besuchen. Von dieser Auswanderungswelle könnten wir wahrscheinlich profitieren. Im Gegensatz zu der Einwanderungswelle des vergangenen Jahres dürfte diesmal das Bildungsniveau deutlich höher liegen.
    Es dürfte interessant sein, wie die Türkei einen Abgang vieler kluger Leute verkraftet und wie es sich auf die Gesellschaft auswirkt.

    • Das ist richtig. Es wird sich Intelligenz zu uns aufmachen, das ist sicherlich trotz aller Traurigkeit ein kleiner Trost. Vor allem junge Frauen dürften das Weite suchen. Allerdings stellt sich die Frage, ob diese Menschen Deutschland noch als Ziel ansehen, schließlich haben wir erst letztes Jahr 1 Million größtenteils archaisch geprägte Muslime aufgenommen. Vom Regen in die Traufe möchte sicherlich niemand. Ich würde deshalb als junge Türkin die USA, insofern möglich, Deutschland gegenüber bevorzugen.

      • Aufgrund der verwandschaftlichen Verhältnisse werden erstmal Deutschland, Österreich und die Niederlande die Anlaufstationen sein. USA hängt davon ab, wie die Wahl ausgeht. Als Muslim würde ich nicht zu einem Präsidenten Trump gehen. Am angenehmsten dürfte Österreich sein. Ausländische Finanzierung von Dachverbänden ist dort verboten. Der sich hervorragend präsentierende Außen- und Integrationsminister Kurz hat den türkischen Botschafter einbestellt, um die Beeinflussung der Türkei auf die Pro-Erdogan-Demonstranten zu klären. In Österreich ist man not amused über diese Demos. In Österreich scheint man interesse an einer säkularen Ordnung zu haben.

      • Ich lebe seit mehr als zehn Jahren in Österreich. Der Anteil der Türken beträgt in meinem Bundesland etwa 11%. Probleme wie man sie aus deutschen Großstädten mit Türken kennt, kommen hier nicht vor. Die Türken sind deutlich besser integriert und leben nicht so sehr in einer Parallelwelt wie es sich in Deutschland beobachten lässt.

      • Warten Sie mal ab, wenn der Bevölkerungsanteil der Türken und anderer Einwanderer das Niveau einer Sperrminorität oder relativen oder absoluten Mehrheit erreicht hat. Dann werden SIE sich integrieren müssen.

        Ich habe selbst in Wien gelebt und das Lebensgefühl außerhalb des ersten Bezirks ist als Deutschsprachiger eher ein exterritoriales. U6 gilt unter der Hand schon als „Kopftuchlinie“. Ein Bereicherungsgefühl wollte sich bei mir nicht einstellen, hatte ich mich doch auf mein Geschichtsbuch verlassen, demnach die Türken 1683 eigentlich abgeschlagen wurden.

        Weniger als die Hälfte der Wiener Bevölkerung sind noch ethnische Österreicher. Jenseits von Oper und Kaffeehauskultur hat Wien nicht mehr viel mit Wien zu tun. London(istan) läßt grüßen.

        Die linksgrüne Wahlklientel, die derlei Entfremdungsgefühle stets als „Rassismus“ stigmatisieren will, lebt ausweislich der Wahlergebnisse konzentriert in Josefstadt (8.Bezirk). Dort theoretisiert sie gerne über Vielfalt, hat aber selbst wenig um sich herum. Also dieselbe Heuchelei wie überall.

      • Der echte gehobene Wiener Bildungsbürger lebt im 19. Bezirk und nicht in der Josefstadt!

  6. Aussetzung der Menschenrechtskonvention, das ist jetzt die Absicht von Erdogan. Hoffentlich weiß er, dass Artikel 2, 3, 4 und 7 von der Aussetzung ausgenommen sind. Sind jetzt Urlauber in Gefahr? Muss unsere Regierung jetzt nicht eine Warnung herausgeben?

      • Das Auswärtige Amt sagte, dass man immer seinen Pass dabei haben sollte. Also keine echte Warnung jetzt für Touristen. Die Angelegenheit wird dadurch abgeschwächt, weil Frankreich ja auch den Ausnahmezustand ausgerufen hatte, aber es war in Frankreich doch keine Aussetzung der Menschenrechtskonvention.

      • Na das ist ja wohl noch ein gewaltiger Unterschied, lieber Herr Krebs!

        Die Türkei erinnert dieser Tage zunehmend an „nine-eleven“ 1973. Das war der Tag an dem Augusto Pinochet sich in Chile an die Macht geputscht hat. Damals verschwanden auch Zehntausende auf Nimmerwiedersehen. Einige davon in der unter deutscher Leitung stehenden „Colonia Dignidad“ (sehenswerter Kino-Thriller hierzu: http://www.coloniadignidad.de/), sogar mit Unterstützung der deutschen Botschaft … klingelt es jetzt?

        Glauben Sie ernsthaft, dass eine von Zonen-Angie (CDU) regierte Bundesrepublik Deutschland zu weniger Zusammenarbeit mit „lupenreinen Demokraten“ wie Pinochet oder Erdogan neigt, als eine einst von den ebenso „lupenreinen Sozialisten“ Willy Brandt und Helmut Schmidt regierte Bundesrepublik Deutschland?

  7. Eine Erdogan Psychose?
    Vor ein Paar Monaten wurde ein russ. Kampfflugzeug im Grenzgebiet abgeschissen. In Blogs brach fast Panik aus, ein Krieg war im Gespraech. Vor kurzer Zeit entschuldigte sich Erdogan und jetzt vertragen sich beide Fuehrer wieder. Auch Israel fuehrt Arbeitsgespraeche mit beiden Seiten.
    Ueber was fuer einen Krieg und Szenarien wird hier fabuliert?
    Ein blutiger Krieg ist seit Jahren in Syrien! Auch in Ukraine, Libyen, Mali, Sudan……

    Schon vergessen, wie viele Terroranschlaege es in der Tuerkei vor dem „Putsch“ gab? Wenn es jetzt in der Tuerkei weniger Demokratie aber mehr Stabilitaet gibt koennen wir nur profitieren. Wir sollen uns weniger mit Genozid und Herreros befassen und mehr Realpolitik machen. Wir haben ganz andere massive Probleme, regen uns aber mit Vorliebe ueber Rechtspopulisten, Orban, Polen und Erdogan und lassen Frau Merkel freie Hand uns zu betruegen!

    • Wie kommen Sie darauf, dass die Türkei jetzt stabiler würde? Sie hängt jetzt von der Willkür eines Mannes ab und kann sich durchaus noch wie Syrien oder Persien entwickeln. Frau Merkel handelt auch willkürlich, aber unterliegt zum Glück noch deutlich mehr Restriktionen. Sollte sie jedoch ebenfalls massenhaft Richter verhaften und Wissenschaftlern die Ausreise verbieten wollen, werde ich genau deshalb ausreisen. Von daher sollten wir uns auch nicht zu sehr über Flüchtlinge aufregen, denn wir oder unsere Kinder könnten durchaus noch selbst welche werden.

      • Eine Diktatur kann durchaus stabiler als eine ratlose Demokratie sein. Mubarak war eine stabile Diktatur ueber Jahrzehnte. Demokratisch gewaehlte Mursi war ein Risiko und fuehrte zu Instabilitaet.
        Wie koennen wir Prognosen machen, dass Erdogan eine schreckliche Diktatur fuer Tuerken wird oder, dass Brexit ein Misserfolg wird? Es sind keine vernuenftige und ernstzunehmende Prognosen!

        Vergessen wir nich, Kemal Pascha war eine Demokratie aber mit eiserner Hand regiert und durchgesetzt. Anderes waere es auch nicht morglich gewesen. Eine westliche Demokratie haete auch heute in der Tuerkei keine Chance!

      • Wir wissen nicht, was passieren wird, können aber sehen was, gerade passiert, und das ist nichts Gutes in der Türkei. Eine Diktatur kann stabil sein, aber der Übergang zur Diktatur ist mit Instabilität verbunden (zur Demokratie allerdings auch).

      • Es ist zu erwarten, dass die Türkei weniger laizistisch wird, sondern sich mehr am islamischen Recht orientiert. Gesellschaftlich würde ich das, was gerade in der Türkei passiert, eher mit dem Wandel im Iran vergleichen. Unter dem Schah gab es auch sehr starke westliche Einflüsse, die dann brutal zurückgedrängt wurden. So extrem wie im Iran ist es nicht zu erwarten, aber im geringeren Umfang schon.

  8. Auch ich werde nicht mehr in moslemische Länder reisen und rede es auch Leuten die ich kenne schlecht. Vor Jahren war ich mal im Rahmen eines Thailand-Urlaubes kurz im moslemischen Norden Malaysias. Dort ist Lachen, Singen und Tanzen verboten. Wir werden in der Welt mehr Frieden haben, wenn wir unter uns und die strenggläubigen Moslems unter sich bleiben!

  9. Pingback: Erdogan will Teile von Griechenland, Irak und Syrien | Alexander Dilger

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