Weitere Ausschreibung wegen guter Bewerber

Meine ‚Neue Ausschreibung mit noch besseren Bedingungen‘ war endlich erfolgreich. Es gab sogar gleich drei gute Bewerber. Eine Bewerberin hat sich dann doch für eine andere, für sie besser passende Stelle entschieden. Ein Bewerber fängt vermutlich am 1. November an meinem Institut an, weil ihm noch der endgültige Studienabschluss fehlt und die Verwaltung danach noch etliche Zeit für die Formalia der Einstellung benötigt. Den dritten guten Bewerber möchte ich auch gerne beschäftigen. Es ist allerdings nicht zulässig, für eine ausgeschriebene Stelle zwei Personen einzustellen.

Die Lösung ist noch eine weitere „Stellenausschreibung“. Dabei handelt es sich vorerst nur um eine halbe Stelle (mit 2 statt 3 Semesterwochenstunden, wie dort fälschlich steht). Trotzdem will es der Zufall so, dass es bereits jetzt zwei gute Bewerbungen gibt, eine vom Bewerber der letzten Runde und eine weitere über Empfehlung. Deshalb werde ich wohl demnächst noch eine Stelle ausschreiben müssen. Es sind auch jetzt noch Bewerbungen willkommen (bitte direkt an meine dienstliche E-Mail-Adresse, da die angegebene Institutsadresse zu große Anhänge nicht unbedingt durchlässt).

Denn in Wirklichkeit sind nicht Stellen knapp, sondern gute Leute. Wenn es einmal mehr davon gibt, dann schaffe ich Stellen für sie. Umgekehrt habe ich schon nach mehreren Ausschreibungen niemanden eingestellt, wenn kein hinreichend guter Kandidat dabei war bzw. am Ende die Stelle wollte. Viele Unternehmen handeln ebenso, aber längst nicht alle, wie auch der öffentliche Dienst häufig eher irgendwie vorgegebene Stellen füllt, statt sich um hinreichend gute Kandidaten zu bemühen und die anderen stets abblitzen zu lassen. Dabei geht es gar nicht um eine objektive, für jeden Arbeitgeber gleiche Qualität der Bewerber, sondern um die optimale Passung von Stelle und Person.

7 Gedanken zu „Weitere Ausschreibung wegen guter Bewerber

  1. Glückwunsch. Sie scheinen aber eher eine Ausnahme zu sein. Normalerweise bevorzugen Professoren Kandidaten mit eigenem Stallgeruch, die sich schon während des Studiums in ihr Fahrwasser begeben haben. Quereinsteiger sind die absolute Ausnahme. Ich spreche auch aus eigener Erfahrung.

    • Ich würde auch interne Kandidaten nehmen. Der Bewerber, der jezt zuerst die volle Stelle erhält, hat in Münster studiert und dabei sogar einen Kurs bei mir belegt, obgleich ich mich nicht an ihn erinnern konnte. Über interne Kandidaten hat man mehr Informationen, trotzdem ist es immer eine Entscheidung unter Risiko oder sogar Unsicherheit. Manche Sachen lassen sich einfach nicht vorhersehen, z. B. wenn jemand nach etlichen Jahren mit praktisch schon fertiger Dissertation ohne objektiven Grund hinwirft.

    • …und viele Profs wollen Linke (vielleicht nicht immer bei den Wirtschaftswissenschaftlern, die sich noch das eigene Denken bewahrt haben, bei den Geisteswissenschaftlern aber ist das leider anders…..)!

    • Klassische Drittmittelfinanzierung von privaten Geldgebern engt eher die Flexibilität bei der Stellenbesetzung ein, weil dafür zeitnah konkrete Gegenleistungen erwartet werden. In der sicheren Grundfinanzierung vom Land sind auch nur wenige Stellen enthalten. Dafür gibt es immer mehr öffentliche Sondermittel wie z. B. die verschiedenen Hochschulpakte für die Schaffung zusätzlicher Studienplätze. Im Grunde ist das einfach Geld, aus dem man Stellen schaffen kann. Es stünde auch für andere Zwecke zur Verfügung, die aber in der Regel gar nicht teuer genug sind. Flexibilität ergibt sich auch dadurch, dass die Stellen unterschiedlichen Umfang haben und zukünftige Besetzungen vorwegnehmen können. So gehe ich davon aus, dass zwei meiner drei gegenwärtigen Mitarbeiter nächstes Jahr promoviert werden und dann anderswo viel mehr verdienen wollen.

  2. Vielleicht wäre es für Sie als strategischer Denker und Spieltheoretiker wichtig, hier eine Bewerbung von Theresa May anzufordern. – Ihre erste und unangenehmste Aufgabe ist ja das Schreiben eines Aufsatzes und zwar handschriftlich mit Unterschrift zwecks Versiegelung und Übergabe an die Kommandanten der vier britischen Atomunterseeboote.
    Diese Atomunterseeboote haben die Aufgabe, glaubhaft die britische Abschreckung zu verkörpern, indem sie jeden mit einem Nuklearschlag bedrohen, der das Vereinigte Königreich, demnächst Kleinengland, angreift.
    Diese Boote sind ursprünglich mit 16 Trident Raketen mit je 12 Sprengköpfen bewaffnet, neuerdings nur mit 8 Raketen mit einer Maximalzahl von je 5 Sprengköpfen, insgesamt 40 Sprengköpfe.
    Diese Bewaffnung stellt schon eine recht glaubwürdige Abschreckung im Sinne einer Force de frappe dar, reicht jedoch sicherlich nicht zur Führung eines Angriffskrieges, ist insofern mit einer Abschreckungspolitik kongruent, was bei größeren Atomwaffenarsenalen natürlich nicht der Fall ist.
    Der Zweck des Premieraufsatzes ist die Beratung Kommandanten des auf See befindlichen U-Bootes für den Fall, dass Großbritannien und das Oberkommando durch einen plötzlichen Atomschlag ausgelöscht werden und in Folge dessen nicht mehr erreichbar sind.
    Man weiß, dass dem Kommandanten im Wesentlichen vier Optionen offen gelassen werden:
    Sofortiger Rückschlag mit allen verfügbaren Raketen auf den Angreifer, konkret meist Sowjetunion, bzw. Russland. Die Altstrategie sah eben 192 Sprengköpfe mit ca. 400 Megatonnen Sprengleistung vor, durchaus in der Lage schwerste Schäden in Russland anzurichten. James Callaghan hat hierfür optiert.
    Die zweite Option bestand in Nichtstun und Unterstellung des Bootes unter das Kommando der USA, sofern hier noch ein Kommandostab erreichbar wäre.
    Die dritte Option war, mit dem Boot sofort abzutauchen ohne Abschuss der Raketen, und zu machen dass man nach Australien oder z.B. Costa Rica kam, ohne in Kampfhandlungen einzugreifen; die vorhandenen Nuklearwaffen sollten dann nur zur eigenen Selbstverteidigung im äußersten Notfall angewendet werden.
    Die vierte Option bestand darin, dass der Kommandant selber je nach Lage der Umstände sich eine Strategie ausdenken könnte.
    Es ist nicht ganz klar, ob die Go Codes für die Trident Raketen (aus den USA) nicht im Besitz eines US- amerikanischen Verbindungsoffiziers sind, dies hieße, dass die letzte Entscheidung über Einsatz der Atomwaffen eben nicht beim englischen Kommandeur wäre.
    Sehr interessant ist natürlich, was Sie als Spieltheoretiker für die „Richtige“ Lösung halten würden, mit Helmut Schmidt könnte man der Ansicht sein, dass bei Ausbruch eines Nuklearkrieges die Abschreckung ohnehin versagt habe, und der Abschuss zusätzlicher Nuklearwaffen den Todesstoß für die gesamte verbleibende Zivilisation liefern könnte und daher zu unterbleiben hätte.
    Andererseits, wenn die USA ihr Arsenal von über 7000 Atomsprengköpfen bereits zur Vergeltung eingesetzt haben, wäre ein Zusatzschaden durch die maximal 190 englischen Sprengköpfe wohl kaum nachweisbar, andererseits aber auch kaum nützlich.
    Nach meiner Meinung wäre die in den meisten Fällen beste Strategie z.B. Costa Rica anzulaufen und dort den Strom des Atomreaktors der ja jahrzehntelang zur Verfügung steht, als Tauschware für ein Aufenthaltsrecht auszuhandeln. So könnte wenigstens ein Teil der Zivilisation auf diesem Planeten überleben.
    Nebenher: war Herr Prof. Raiffa (siehe verlinkte Todesanzeige aus der NYT) auch auf Ihrem Fachgebiet im Wesentlichen tätig?
    http://www.nytimes.com/2016/07/14/business/howard-raiffa-mathematician-who-studied-decision-making-dies-at-92.html?_r=0

    • Frau May hat jetzt einen wichtigeren Job. Vielleicht sollte ich mich umgekehrt bei ihr bewerben, da Großbritannien jetzt ganz viele Verhandlungsexperten insbesondere im wirtschaftlichen Bereich braucht. Es ist eben nicht nur der Brexit mit der EU zu verhandeln, sondern auch ganz viele Handelsabkommen mit weiteren Ländern müssen neu verhandelt werden.

      Wenn tatsächlich die USA die ganze Zeit über die britischen Atomwaffen verfügen sollten, dann sind sie nur ein teures Mittel, um dem wichtigsten Verbündeten zu gefallen. Ansonsten können sie die Abschreckung vor einem Angriff auf Großbritannien verstärken. Denn es ist eben nicht klar, was die USA wirklich tun, wenn Europa angegriffen werden sollte. Wenn auch nicht klar ist, was die Briten unabhängig davon tun, ist die Abschreckung größer. Wenn man hingegen schon vorher erklärt, dass man sicher keinen atomaren Gegenschlag ausführen will, dann gibt es gar keine Abschreckung und kann man die Dinger gleich verschrotten.

      Von Howard Raiffa kenne ich sein Buch mit Duncan Luce: „Games and Decisions: Introduction and Critical Survey“. Es ist sehr gut, aber von 1957 und schon etwas veraltet.

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