Putschversuch in der Türkei

Es gibt einen „Putschversuch in der Türkei – Lage unklar“. Das ist eine schlechte Nachricht, mit der wohl kaum jemand gerechnet hat. Früher gab es zahlreiche Militärputsche in der Türkei, doch diese Phase schien überwunden und die türkische Demokratie eher durch die Regierung und insbesondere Präsident Recep Tayyip Erdogan gefährdet. Sollte der Putschversuch noch scheitern, dürfte diese Gefahr deutlich wachsen. Von daher wäre es besser gewesen, ohne Putsch an der friedlichen und demokratischen Ablösung dieses Autokraten zu arbeiten. In der gegenwärtigen Lage ist es wohl am besten, wenn seine unblutige Absetzung gelingt und dann bald Neuwahlen durchgeführt werden.

70 Gedanken zu „Putschversuch in der Türkei

  1. Eine demokratische Ablösung einer Diktatur ist unmöglich, dieser Gedanke ist naiv.

    Ich glaube aber an eine Show Erdogans. Er inszeniert einen Putsch und nutzt die Gelegenheit, um seinen diktatorischen Staat noch weiter auszubauen und die eigene Bevölkerung noch ungehemmter drangsalieren zu können.

    Ein erfolgreicher Putsch wäre allerdings eine Rettung in letzter Not – für die Türkei und für die restliche Welt. Es wäre ein gutes Ende eines Tages, der so traurig begonnen hat.

    Man kann nur hoffen, dass es nun friedlich bleibt, keine Schüsse fallen und es keine Inszenierung war und die Türkei die Chance bekommt, auf mittlere Sicht wieder zur Demokratie zurückzukehren.

      • CNN Türk wird nicht besetzt und das soll ein ernsthafter Putsch sein? Erdogan kann dort seine Anhänger auf die Straße bringen und einen „Volksaufstand“ inszenieren. Eine bessere „Legitimation“ für seine Politik könnte Erdogan doch nicht bekommen. Alles passt zu einer Inszenierung, Erdogan hat jedes Interesse daran und es würde perfekt zu seiner bisherigen Politik passen.

        Erdogan hatte das Militär doch längst unter Kontrolle, als ob da noch ein Putschversuch möglich wäre. Es ist ja auch nicht so, dass Erdogan auch sonst nicht genügend Anhänger hätte und durchaus fanatische. Die Voraussetzungen für einen Putsch sind doch desolat. Nein, das ist eine perfekte Inszenierung und Erdogan ausnahmsweise mal ein großartiger Spieler.

      • Eine Inszenierung sähe anders aus, zumal die Ereignisse zu demütigend für Herrn Erdogan sind. Allerdings war es ein schwerer Fehler der Putschisten, seine Verhaftung nicht sicherzustellen.

      • Erdogan ist (fast) ein Diktator. Er wird an Verfolgungswahn leiden und das Militär nicht in seine Nähe gelassen haben, so dass es genügend Zeit zur Flucht gab, wo man ihn verhaften wollte. Der Putsch hätte eher Erfolg, wenn bspw. ein Schwiegersohn von ihm am Sturz beteiligt wäre, jemand aus seinen engen Umfeld.

      • Erdogan ist nur aus dem Umfeld zu stürzen. Wenn das keine Inszenierung ist, dann wird der Putsch nur gewinnen können, wenn es innere Feinde sind. Die rein säkularen Kräfte sind in der Türkei in der Minderheit. Es kann nur mit Leuten funktionieren, die zwar grundsätzlich ebenfalls sehr islamisch geprägt sind, denen aber Erdogan zu unberechenbar und zu diktatorisch wurde.

        Aber Erdogan wird um sich herum nur Freunde haben, sodass er sicher ist. Selbst viel unbeliebtere Diktatoren wie Gaddafi und Saddam konnten sich noch Monate halten. Aber CNN Türk muss man unter Kontrolle haben, sonst kann man einen Putsch gleich lassen. So wird Erdogan auf jeden Fall gewinnen und danach noch grausamer werden.

      • Es ist Erdogan auf jeden Fall zuzutrauen, dass es eine Inszenierung oder vom Geheimdienst angeleierte Aktion ist. Er möchte das Militär weiter säubern. Ich glaube nicht, dass es dem Militär Spaß macht, in Kurdistan Krieg gegen die eigene Bevölkerung zu führen. Mal schauen, wie viele Militärangehörige, die nicht am Putsch beteiligt waren, auch verhaftet werden. Es war nicht demütigend für Erdogan. Er wurde nicht verhaftet, er hat sofort durchgegriffen und kann sich wieder als starker Mann feiern lassen. Er hat jetzt eine offensichtlich Handhabe, um weiter den Staatsapparat von seinen Gegnern zu säubern. Jeder, der nicht für ihn ist, ist ein Putschist.

      • Nachdem Erdogans Ministerpräsident Yldirim schon unverhohlen die Todesstrafe für „Putschisten“ fordert (http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/krisen/id_78426274/militaerputsch-in-der-tuerkei-yildirim-droht-putschisten-mit-todesstrafe.html) ist es wohl nur noch eine Frage von Tagen, bis Systemkritiker in der Türkei kategorisch als „Terroristen“ liquidiert werden.
        Die versammelten EU-Staatsoberhäupter (http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/krisen/id_78425530/asem-gipfel-eu-stellt-sich-nach-tuerkei-putsch-hinter-erdogan.html) und Barrack Obama halten ihm aber selbstverständlich die Stange, wie jedem anderen ihner Politik nützlichem Despoten oder Diktator auch.

    • Die deutschen Bundeswehrsoldaten in der Türkei müssen SOFORT abgezogen werden, zumal KEINE Bedrohung nach NATO-Statuten besteht. Die NATO-Mitgliedschaft der Türkei muss gänzlich in Frage gestellt werden, da das Erdogan-Regime ein Aggressor ist.

      Die Beitrittsverhandlungen der Türkei zur EU sind SOFORT abzubrechen. Die Türkei darf NIEMALS EU-Mitglied werden. Eine Visa-Freiheit für Türken ist abzulehnen.

      Der „Flüchtlings-Deal“ mit der Türkei darf NICHT umgesetzt werden! Wenn die Türkei als Racheakt die Schleusen öffnet, brauchen wir einen Partner-Staat in Nahost oder Nordafrika, wo wir sichere Flüchtlingslager unter EU-Kontrolle einrichten (Algerien, Niger, Mali, Tschad, Burkina Faso, …). Dort hin kann jeder jederzeit abgeschoben werden. Den Partner-Staat unterstützen wir dann mit großzügiger Entwicklungshilfe, die wir bei weniger kooperationswilligen Staaten einsparen.

      Hört auf Angst zu haben. Wir müssen endlich damit anfangen, unsere Interessen durchzusetzen. Auch wenn sich die linkslastige Presse wegen „Rechtspopulismus“ in die Hose macht.

  2. Sie kämpfen (bspw. beim Brexit) dafür, dass man relative Mehrheiten akzeptieren soll. Bei Erdogan hoffen Sie plötzlich, dass er gestürzt wird, obwohl er eine deutliche relative Mehrheit bei einer demokratischen Wahl bekommen hat?

    • Es handelte sich in beiden Fällen um absolute Mehrheiten. Der Brexit entspricht jedoch der (ungeschriebenen) britischen Verfassung, während Herr Erdogan zunehmend die türkische Verfassung bricht, die zumindest bislang dem Präsidenten vor allem eine repräsentative Funktion zubilligt. Stellen Sie sich vor, Herr Gauck würde plötzlich als Oberregierungschef auftreten. Trotzdem habe ich den Putsch nicht befürwortet, sondern hoffe auf ein friedliches und möglichst demokratisches Ende.

      • Absolute Mehrheiten bei den abgegebenen Stimmen, lediglich relative Mehrheiten bei den Wahlberechtigten! Es wird kein „friedliches und möglichst demokratisches Ende“ geben. Die Seite, die gewinnt, wird erstmal die Demokratie weitestgehend abschaffen und sich blutig am Gegner rächen. Erdogan leidet bereits jetzt an Verfolgungswahn, so dass er wie in einer Diktatur auf allen Ebenen Säuberungen durchführen wird. Das Militär wird bei einen Sieg auch nicht zurückhaltend sein, aber wohl langfristig eher für eine demokratische Zukunft der Türkei sorgen. Leider wird wahrscheinlich Erdogan gewinnen…

      • Herr Oberregierungschef Gauck,

        ist in keiner Position tragbar. Bei Herrn Gauck muss man ja täglich damit rechnen, dass er seine Lebensabschnittsgefährtin gegen seine Ehefrau austauscht. Kennt jemand die Ehefrau?
        Sie scheinen alle vergessen zu haben, dass Herr Gauck verheiratet ist. Seine ständige Begleitung ist aber in der Bundesversammlung nicht gewählt worden. Frau Schad tut aber so. Sie Maßt sich an Deutschland zu vertreten.

        Wie tief ist Deutschland gesunken.

  3. Aus der Schweiz kommt folgende Nachricht:

    „Laut Medienberichten soll Erdogan auf dem Weg nach Deutschland sein und will Asyl! Doch dieses will ihm Merkel nicht gewähren.“

    Wenn das tatsächlich so wäre, dann gibt es 2 Dinge:

    1: Das wäre eine süße Rache von Merkel an Erdogan, da würde sich Merkel das erste Mal in mein Herz geschlossen haben.

    2: Wenn das so wäre und Erdogan gewänne, dann wäre das das Ende jeglicher Zusammenarbeit in der Flüchtlingspolitik zwischen Deutschland und der Türkei. Da könnte man sich dann schon auf den nächsten Ansturm in Griechenland gefasst machen. Das würde sich Erdogan nicht gefallen lassen. Er würde sich rächen wollen, koste es, was es wolle.

    Ich gehe allerdings mal davon aus, dass diese Meldung eine Ente ist. Das kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen.

  4. “ … mit der wohl kaum jemand gerechnet hat .. “ . Wir auch nicht, aber es gab Hinweise von Mitarbeitern in der Fabrik die seit über 1 Jahr von „kochender Stimmung “ in der Türkei sprachen.

    Grund waren und sind Hinwendung zu einem islamisch geprägten Staat, verbunden mit Einschränkungen demokratischer Errungenschaften, vornehmlich für junge Bürger / innen.

    Und natürlich kommt ein Putsch gegen einen Despoten – und das ist Erdogan unstrittig – immer wie aus heiterem Himmel.

    Ähnlich wie an der Börse, da klingelt auch keiner wenn es abwärts geht. Mag unpassender Vergleich sein, bitte wider besseren Wissens eine Alternative.

    Fakt , das ist ein harter Schlag für unsere Kollegen in der Fabrik die sich gerade auf den Weg in ihre Heimat machen wollten. Mit großer Freude.

    Was nun ?

  5. Es ist vielleicht die letzte Chance für Kemalisten Türkei als laizistischen Staat zu retten. Türkei ist konfrontiert mit verschiedenen Feinden, Islamisten, Kurden, Assad und die Sorgen der Generäle sind berechtigt.
    Putsch darf man nur anfangen wenn man bereit ist zu schießen!

      • Dass dieser „Putsch“ (so schnell) „gescheitert“ ist, spricht sowohl für Ihre These (dass Erdogan jetzt noch despotischer agieren wird) als auch für die Annahme einiger Mitdiskutanten, dass der „Putsch“ von Erdogan und seinen Anhängern selbst inszeniert wurde.

    • Sie sind ein seltsamer Mensch. Seit Monaten verteidigen Sie Erdogan, jetzt unterstützen Sie die Putschisten? Bisher waren schon Ihre Ansichten dahingehend merkwürdig, dass Sie gegen den Islam und Muslime hetzen, aber gleichzeitig Erdogan bejubeln und den Völkermord an den Armeniern leugnen. Nun wird es nochmals verwirrender. Lediglich Ihren Hass auf die Kurden haben Sie sich scheinbar bewahrt, wenn man sieht, dass sie von Ihnen neben Massenmördern wie Islamisten und Assad als Feinde der Türkei aufgezählt werden. Was hat Ihnen das Volk getan?

      • Auf Sie habe ich gewartet! Offensichtlich haben Sie Probleme Sachverhalte getrennt zu betrachten. Wenn ich so lese was Sie schreiben ueber Hetze gegen Islam und Hass gegen Kurden [rein persönlichen Angriff gelöscht, AD].

        Das Tuerken und Erdogan und Teile der Historiker Genozid mit recht nicht akzeptieren ist auch meine Meinung. Es waere nur eine Sache von Juristen und Historikern darueber eine Position zu finden. Deutschland geht es die Lage in der Tuerkei vor 100 Jahren nicht an. Es ist Teil einer linken Kampagne in Deutschland gegen imaginaere Gegner i.e. Boesewichte. Diese Aktivisten sind auch die Unterstuetzer der kommunistischen PKK und Kurden. Und es leben auch noch Tuerken in der Tuerkei! Und Tuerken sind Muslime und werden es auch bleiben! Wir sollen Tuerkei in Ruhe lassen und nicht vergessen Erdogan ist unser NATO Partner und so waeren auch die Generaele.

        Wir reden ueber Politik und Akteure nicht ueber das Volk. Laizismus in der Tuerkei war ein grosser Erfolg des Kemalismus aber mit viel Gewalt durchgesetzt. Aus dieser Sicht waere Laizismus der Putschisten (?) ein Fortschritt gegenueber Erdogan, aber mit einem Fragezeichen. Es waere dumm sich fuer die Tuerkei eine linke Demokratie nach deutschem Muster zu wuenschen.

      • Die Genozid-Diskussion hatten wir schon und Sie konnten das Vorliegen der relevanten Tatbestände nicht entkräften. Wieso sprechen Sie dem Bundestag das Recht ab, darüber wie viele andere Parlamente auch eine Aussage zu treffen, zumal auch die deutsche Geschichte betroffen ist? Die Kurden sind auch ein unterdrücktes und überwiegend muslimisches Volk, welches Sie nicht mit der PKK gleichsetzen können.

      • @Dilger 11:33

        Bei Holocaust koennen wir uns auf Genozid einigen weil die Lage uebersichtlicher und gut dokumentiert war. Bei Armeniern werden wir uns nie einigen koennen weil Sie eine politische Dogma akzeptieren ohne den breiteren historischen Kontext zu kennen und zu verstehen. Alle Verbrechen auf dem Balkan, in Anatolien und Kaukasus haben nicht singulaere Ursachen und Taeter, es waren immer mindestens zwei Volksgruppen beteiligt als Opfer und Taeter!
        Und wenn Sie noch Kurden betrachten wollen, vergessen Sie nicht, Kurden haben massiv an Massaker und Vertreibungen der Armenier, aber auch anderer Voelker mitgewirkt. Es waere pervers zu unterscheiden zwischen Voelker wie Kurden, Tuerken, Armenier oder Griechen. Tuerken sind nicht boeser oder duemmer als die anderen!

        Selbstverstaendlich sind PKK Terroristen auch Kurden, und werden von einem Teil der Kurden unterstuetzt. Dafuer leiden andere Kurden. Auf Bomben wird immer eine entsprechende Reaktion kommen. Denken wir auf Basken, Iren etc.

      • Hier sind Sie doch dogmatisch und akzeptieren keine andere Meinung. Ich komme gut damit klar, dass Sie den Völkermord an den Armeniern nicht als solchen bezeichnen wollen. Im Übrigen geht es nicht um die Verurteilung eines ganzen Volkes als Täter für alle Zeiten, sondern die richtige Einordnung einer historischen Tat bzw. einer zusammenhängenden Summe von Taten. Jeder Mord ist einer zu viel und es hat leider auch viele an Türken und Deutschen gegeben. Ebenso sind die Kurden nicht alle einfach nur Opfer oder Täter. Trotzdem kann man natürlich zwischen Völkern unterscheiden.

      • @Dilger
        Eine Diskussion mit Herrn G. zum Völkermord ist sinnlos. Er akzeptiert scheinbar nicht mal die Definition von Genozid, die in der Wissenschaft anerkannt ist. Seine Definition scheint zu sein: 1. Wenn das Volk der Täter zuvor auch mal Opfer war, können sie kein Genozid begehen. Was können die Armenier dafür, was auf den Balkan während der Befreiungskriege gegen die türkischen Besatzer passiert ist? 2. Wenn eine Minderheit vom Volk der Opfer zuvor Täter war, kann man an deren Volk kein Genozid begehen. Es ist in Ordnung, ein ganzes Volk in Sippenhaft zu nehmen, wie es in Diktaturen üblich ist? Ein Genozid wird durch Sippenhaft gerechtfertigt/entschuldigt…ein Teil war zuvor Täter, also dürfen wir uns bspw. aus angeblicher Notwehr am ganzen Volk rächen?
        Wer nicht seine Ansichten teilt, ist immer ein Linker, der zu dumm ist, die Wahrheit zu erkennen…oder von den Linken manipuliert, weil zu dumm, die Wahrheit zu erkennen: „weil Sie eine politische [linke] Dogma akzeptieren ohne den breiteren historischen Kontext zu kennen und zu verstehen.“ Schätzungsweise unter 10 % aller Historiker außerhalb der Türkei leugnen den Völkermord. Über 90 % der Historiker sind also zu dumm, die Wahrheit zu erkennen, Ideologen, böse Linke, wenn es für sie ein Völkermord an den Armeniern gab? Ich kann nur wiederholen, dass er nicht für ALFA spricht…er ist der Sarrazin der Partei. Soweit ich gehört habe, haben sich Mitglieder schon beim Vorstand wegen seinen Ausschluss erkundigt, da er zur Wahl der AfD aufruft…

      • Es gibt eine völkerrechtliche Definition von Völkermord, auf die ich Herrn de Grisogono auch schon hingewiesen habe. Diese Definition hat natürlich etwas Normatives, doch das Subsumieren eines historischen Ereignisses darunter ist eine reine Faktenfrage. Was Sie skizzieren, ist vielleicht tatsächlich sein persönliches Begriffsverständnis, welches jedoch weder mit dem allgemeinen Begriffsverständnis noch der Legaldefinition übereinstimmt.

      • Prof. Dilger,

        ich hoffe Sie machen sich auch Gedanken was an Unterstellungen und „hear-say“ Bullshit (@nat-lib 8:44) hier ueber andere Leser verbreitet wird? Sich ueber andere Leser zu unterhalten ist kein guter Stil. Aber es ist wirklich nicht wichtig. Ich bin ALFA Mitglied nur weil es mehrere Leuchttuerme in ALFA noch gibt. Ohne diese Leuchttuerme ist ALFA leider uninteressant. Meine Gedanken werden nie einer Partei gehoeren!

        Auch Teilnehmer des Freien AfD Forums haben sich schon vor Jahren ueber mich beschwert! 😅

      • Diese Beschimpfungen untereinander sind nicht erwünscht. Wenn Sie wollen, nehme ich den Kommentar und Ihre Antwort darauf heraus.

        Wir hatten allerdings schon einmal diskutiert, dass Sie als Parteimitglied keine parteischädigenden öffentlichen Äußerungen tätigen dürfen, wozu der Aufruf gehört, eine andere Partei zu wählen.

  6. Die Zeit für einen ernsthaften kemalistischen Putsch gegen Erdogan ist schon vor Jahren abgelaufen.

    Was da heute Nacht passiert ist, halte ich für eine Inszenierung, mit der Erdogan eine radikale Säuberung des Militärs von allen kemalistischen Kräften durchsetzen kann.

    Außerdem bietet so ein „gescheiterter“ Putsch, die Möglichkeit auch mit seinen sonstigen Gegnern ein für alle mal aufzuräumen.

    Man sollte sich sehr genau ansehen, was heute Nacht tatsächlich geschehen ist, bevor man naiv den „Sieg des türkischen Volkes“ und der Demokratie feiert.

    • Ich glaube nicht, dass es sich beim gestrigen Putsch um eine Inszenierung wie bei Hitler und den Sender Gleiwitz handelt. Allerdings wäre es möglich, dass Erdogan und der Geheimdienst von den Plan wussten, sich darauf auch vorbereitet haben, aber den Putsch für die Öffentlichkeit geschehen lassen haben, um jetzt nach der Niederschlagung Säuberungen durchführen zu können.

      • Man kann doch ganz nüchtern feststellen: Gesten gab es nur einen einzigen Gewinner: Erdogan. Alle anderen Menschen und Gruppierungen haben verloren.

        Erdogan konnte gestern gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Er kann unliebsame vermutete Gegner nun geschickt entfernen. Er kann Laizisten und Gülen-Anhänger diskreditieren und sich einmal mehr als Retter und Opfer zugleich inszenieren. Er ist nun der absolute Volkstribun, für den das Volk auf die Straße ging und sich teilweise opferte, gegen den aber leider immer wieder von inneren Feinden agitiert wird. Dieser Volkstribun braucht nun endlich auch die entsprechende Macht, der Putsch liefert den Anlass.

        Wir stellen fest: Erdogan hat ein riesengroßes Motiv für einen Putsch.

        Umgekehrt war der Putsch doch von vornherein zum Scheitern verurteilt, da:

        a) nur kleine Teile des Militärs mitmachen konnten, da Erdogan das Militär längst unterwandert hatte. Der Rückhalt eines Putsches war daher gering und die Entdeckungsgefahr riesengroß.

        b) Erdogan doch große Bevölkerungsteile, insbesondere die fanatischen, hinter sich hat. Diese würden und haben sich anders als in der Vergangenheit gegen die Putschisten stellen/gestellt. Ein erfolgreicher Putsch erforderte also zwangsläufig ein massives Blutbad, was dessen Legitimation nicht förderlich gewesen wäre.

        c) Das alles wussten die Türken. Deshalb hat sich auch selbst in der Hektik des Geschehens niemand (selbst die von Erdogan unterdrückten Gruppen) für den Putsch ausgesprochen, denn jeder ahnte, dass er scheitern würde. Die Putschisten müssen das deshalb ebenfalls gewusst haben und müssen nun mit empfindlichen Strafen rechnen.

        Deshalb komme ich zu folgendem Urteil: Ein Putschversuch, der von vornherein so chancenlos war, kann nur inszeniert sein. Erdogan kann man so nicht mehr loswerden. Eine kleine Gruppe hätte aber durchaus eine andere Chance: Ein Attentat auf Erdogan könnte wohl auch einer kleinen Gruppe eher gelingen und das System ebenfalls zum Einsturz bringen. Jeder Putsch steht und fällt mit Erdogan. Der konnte aber putzmunter Telefoninterviews geben, was ebenfalls für eine Inszenierung spricht. Diese Inszenierung war wohl auch der erste Gedanke der Erdogan-Kritiker, wie man so hört. Kein Wunder, dass die Putschisten keine spontane Unterstützung fanden

      • Es ist ein Fehlschluss, aus dem Profiteur einer Aktion auf deren Urheber zu schließen, insbesondere wenn das Profitieren davon abhängt, nicht der Urheber zu sein oder zumindest nicht als dieser zu gelten. Stellen Sie sich vor, es würde eindeutig nachgewiesen, dass der Putschversuch gar nicht echt war, sondern auf Herrn Erdogan zurückging. Außerdem war das Scheitern nicht ex ante klar. Schließlich gab es noch viel vergeblichere Versuche mit gegenläufigen Folgen, denken Sie an den Putschversuch am Ende der Sowjetunion.

  7. Die „Revolution“ in Rumänien 1989 war meines Erachten auch eine Inszenierung der Securitate, es gibt dazu ein sehr gutes und ernstzunehmendes Buch von Antonia Rados: „Die Verschwörung der Securitate – Rumäniens verratene Revolution“.

    Diese Sicht der Dinge hat sich aber nicht durchgesetzt, sondern die viel schönere Erzählung vom Sieg des Volkes und der Demokratie gegen den bösen Diktator Ceaușescu. Böse war Ceaușescu ja durchaus, nur lief da meines Erachtens alles ganz anders ab, als man heute so normalerweise vermittelt.

      • Rumaenien war vieleicht keine Inszenierung aber Securitate hat sich als Teil der Revolution ausgegeben um Einfluss zu behalten. Wie in Deutschland, gab es in Rumaenien keine echte Vergangenheitsbewaeltigung. Wer so gerne ueber Beweisse redet vergisst einfach, dass Geschichte verfaelscht wurde, bis heute. Deswegen beherschen noch heute belastete Verbrecher in vielen Staaten wieder die offentliche Meinung !

      • Wenn es irgendwo Vergangenheitsbewältigung gegeben hat, dann doch wohl in Deutschland. Man kann höchstens diskutieren, ob dabei immer die richtigen Schwerpunkte gesetzt wurden. So wurde jeder kleine IM der Stasi verfolgt, die SED ließ man jedoch viel Geld verstecken und unter immer neuen Namen sich etablieren.

      • @Dilger
        Zur DDR gab es leider nur eine sehr geringe Vergangenheitsbewältigung. Es gab einige Entlassungen und fast keine Verurteilungen. Die ehemalige Führungsschicht der DDR (Kultur, Politik, Wirtschaft) hat sich größtenteils nach der Wende ein neues (gutes) Leben aufgebaut. Ebenso gibt es bis heute fast keine Aufklärung, so dass die DDR Nostalgie sich immer mehr verbreitet. Hinzu kommen noch Ihre Schilderungen zur SED…usw. Es gab nach der DDR keine 68er Generation (von der anderen politischen Seite), die das Leben ihrer Eltern und Großeltern hinterfragt und kritisiert hat. Jetzt hat man die 68er Generation und DDR Nostalgiker, die den Sozialstaat immer weiter ausbauen wollen…und die Kinder sollen es bezahlen.

  8. Welche einschneidenden Gesetze haben Bundestag und EU-Kommission gerade auf der Agenda? Kann das bitte mal jemand überprüfen? Möglicherweise ist dieser „Putschversuch“ ja nur ein Freundschaftsdienst Erdogans für Merkel, Hollande, Juncker, Schulz und andere „aufrechte Demokraten“?

      • Ich weiß, dieser Kommentar richtete sich nicht an mich, aber trotzdem eine kleine Frage: Haben Sie gestern Abend TV geschaut? Haben Sie die Bilder live gesehen? Zuerst die verschwitzte Kommentatorin von TRT, die unter Waffenandrohung die Mitteilungen des Militärs verlesen musste? Dann der in die Ecke gedrängte Präsident, der an einem geheimen Ort nur noch per Smartphone im letzten freien „Privatfernsehen“ seine Botschaften verkünden kann und seine Bürger zum Volksaufstand aufruft? Stunden später dann friedliche Demomstranten, die verschüchterte Soldaten abführen und die Republikfeinde besiegen? Freudenselfies auf gekaperten Panzer inklusive? Daraufhin ein stolzer Präsident, der sich in Istanbul von den Massen, die ihn eben durch einen Massenversammlung in den Straßen Istanbul und Ankaras gerettet haben, feiern lässt? Wenn das keine Inszenierung war, sondern der zufällige Lauf der Dinge, dann hatte Erdogan gestern 100 Geburtstage an einem Tag. Dann war das ein Geschenk Gottes und Erdogan wird sein Glück kaum fassen können, denn jetzt hat Erdogan jeden Rückhalt in der Bevölkerung, um sich endgültig von „inneren Feinden“ trennen zu können.

      • Was spricht denn für eine Inszenierung außer dem Ausgang der Ereignisse, der letzte Nacht noch keineswegs klar war? Versetzen Sie sich einmal in die Lage ernsthafter Putschisten. Sie waren einfach zu wenige, weil das Einweihen von mehr noch Personen wohl zu gefährlich gewesen wäre, und sind gescheitert, insbesondere weil sie an Herrn Erdogan nicht herankamen. Es gibt doch genug Beispiele dafür in der Geschichte.

      • Für eine Inszenierung spricht die gigantische Entdeckungsgefahr vor dem Putsch. Das Militär war doch längst von Erdogan-Anhänger geprägt, es wurden jetzt 1700 Soldaten bereits festgenommen. Niemals im Leben bleibt das unbemerkt. Nationalliberal hat da schon auf einen interessanten Aspekt hingewiesen. Wie wäre es denn, wenn es Putschpläne gab, Erdogan davon erfuhr und er diese infiltrierte und geschickt für seine Zwecke missbrauchte. So konnte er die Situation steuern, ohne je in Gefahr zu sein. Erdogan hat beim Krieg mit den Kurden bemerkt, dass er so das Volk hinter sich bekommt. Dies konnte er so geschickt wiederholen.

      • In Putschpläne müssen doch nicht alle einfachen Soldaten eingeweiht werden, sondern nur die Offiziere, die dann wissen, wer ihnen folgen wird und wer nicht.

      • @Dilger
        Der Putsch hätte mit den Tod von Erdogan beginnen müssen, um vielleicht erfolgreich zu sein. So (erfolgreicher Putsch) oder so (gescheiterter Putsch) wären danach die Chancen gestiegen, dass die Türkei mit seinen Tod wieder demokratischer wird, da es aktuell keinen Nachfolger geben würde, der ebenso beliebt und mächtig wäre.

        Ich finde besorgniserregend, dass sich gestern in kurzer Zeit fanatische Erdogan Anhänger mit Fahnen der Türkei an verschiedenen Orten in Deutschland versammelt haben….wie es auch schon bei Putin Anhänger mit ihren russischen Fahnen vorgekommen ist, z.B. beim damaligen Vorfall, wo eine Vergewaltigung einer Russin durch Flüchtlinge behauptet wurde. Was würde passieren, wenn Deutschland mit Russland oder der Türkei mal deutliche Probleme bekommt? Es ist immer von islamistischen „Gefährdern“ die Rede: Hat Deutschland vielleicht auch türkische oder/und russische „Gefährder“, die zu Anschlägen bereit wären?

      • Es gibt Schlimmeres als Terroranschläge, z. B. einen Putsch hierzulande oder einen Bürgerkrieg. Die Bundeswehr würde nicht putschen, aber warum nicht z. B. hinreichend viele und entschlossene Türken?

      • Was außerdem für eine Inszenierung spricht? Wenn ich (mittlerweile geht es gegen 2500 Mann) zur Verfügung habe, dann sperre ich nicht ein paar Bosporusbrücken, sondern mache Erdogans Ferienhaus und ihn selbst platt. Poltitiker wie Erdogan haben eine Größe erreicht, dass man sie nur noch ablösen kann, indem man sie tötet. Erster Akt hätte das Ausschalten von Erdogan sein müssen und dafür hätte die Anzahl an Soldaten, Panzern und Kampfhubschraubern wohl locker gereicht. Der primäre Feind des Militärs war ja nicht die Bevölkerung, sondern Erdogan persönlich.

      • Vielleicht war das geplant, zumindest seine Verhaftung, ist aber gescheitert. Denken Sie an das Attentat vom 20. Juli 1944. CNN Türk würde doch auch besetzt, dann aber zurückerobert.

      • „Nun berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu, dass fünf Mitglieder des Höchstgerichts und 2745 Richter ihres Amtes enthoben wurden.“

        Also man hat ja auch nur einfach mal so eine Liste von 2745 Richter, die man schnell mal ablösen kann wegen republikfeindlichen Umtrieben. Das ist alles nur Zufall und das geht auch innerhalb weniger Stunden. Wir sitzen hier einem ganz üblen Spiel auf, das an 1933 und 1939 erinnert. Wir in Europa müssen endlich zur Vernunft kommen und diese Staatsführung außenpolitisch ächten und jegliche diplomatischen Beziehungen abbrechen und sie endlich aus der NATO entfernen. Die Staatsführung der Türkei ist nicht nur eine Gefahr für die Türkei selbst, sie wird auch noch eine Gefahr für die gesamte Menschheit werden. Es wäre an der Zeit, dass auch die USA das endlich mal erkennt und ihre Loyalität zum Irren Erdogan aufgibt.

      • Jeder weiß, dass Herr Erdogan schlimm ist und sogar mit dem IS zusammengearbeitet hat. Wer weiß, ob nicht sogar die USA den Putsch unterstützten? Doch nach dessen Scheitern müssen jetzt alle offiziell zu ihm stehen. Doch achten Sie auf die Rhetorik: Es ist viel von der türkischen Demokratie die Rede, wenig von Herrn Erdogan selbst.

      • @Dilger
        Russische/Türkische Gefährder könnten einen Putsch oder Bürgerkrieg mit Anschlägen einleiten…
        Der Putsch wurde erst vor ein paar Stunden beendet, aber es sind schon fast 3000 Richter verhaftet worden. Erdogan arbeitet seine Liste sehr schnell ab…die Demokratie wird scheinbar in der Türkei schon in ein paar Wochen endgültig nicht mehr existieren!

      • Es ist durchaus möglich, dass Herr Erdogan jetzt die Demokratie und vor allem den Rechtsstaat in der Türkei endgültig abschafft. Das würde dann einen Putsch rechtfertigen, zu dem es aber nicht mehr kommen wird, während der jetzige Putsch dazu beitrug und die Entwicklung zumindest beschleunigt hat.

        Ganz viele und schlimme Anschläge könnten zu einem Bürgerkrieg führen, aber nicht zu einem Putsch von Ausländern, der ganz überraschend erfolgen müsste, sondern höchstens zu einem durch die hiesigen Sicherheitsorgane, denen ich das aber nicht zutraue. Diese sind inzwischen zu schwach, was wiederum einen Angriff von außen begünstigt.

      • Dann schauen wir uns den Putsch (sofern es ihn den wirklich gab…) und dessen Probleme doch genauer an:

        Erstes Problem: Das Militär war gespalten und man selbst wohl nur die kleinere Gruppe . Die größere, unbeteiligte Gruppe setzt sich entweder aus Erdogan-Anhänger zusammen oder aus Verängstigten sowie Opportunisten, die schlicht auf der stärkeren Seite stehen wollen. Wenn ich den Putsch also erfolgreich durchführen möchte, dann muss ich diese auf meine Seiten bringen, weil es mir sonst an militärischer Stärke fehlt.

        Zweites Problem: Die Bevölkerung steht nicht hinter mir. Einerseits gibt es ohnehin bereits keine euphorische Stimmung bezüglich eines Putsches, weil man davon genug hat. Trotzdem gibt es ja viele Kritiker (bzw. sogar Verfolgte), die ungefähr die Hälfte der Bevölkerung ausmachen. Dass sich da gestern keinerlei, ich betone keinerlei Unterstützung für die Putschisten ergab, liegt alleine an einem Grund: Alle fürchten sich vor der Rache Erdogans. Niemand traut sich auf die Seite der Putschisten zu schlagen, weil die Rache Erdogans riesig sein wird. Dementsprechend wird Unterstützung für Putschisten erst aufkommen, wenn diese Angst weg ist und Siegesgewissheit aufkommt.

        Wie löse ich diese Probleme?
        Ich muss folgenderweise vorgehen:

        Erste Handlung des Putsches muss eine brutale und blutrünstige Hinrichtung von Erdogan sein, die daraufhin möglichst reißerisch medial verbreitet (dafür reichen heutzutage soziale Netzwerke) wird. So muss der Bevölkerung und den widerspenstigen Militärs sofort signalisiert werden, was mit Leuten passiert, die sich widersetzen.

        Außerdem muss so sofort das Machtvakuum veröffentlicht werden. Diejenigen, die entweder aus Angst, Opportunismus und Idealismus zu Erdogan halten, muss so der Anker genommen werden. Sie müssen sich nun innerhalb kürzester Zeit für eine neue Seite (wobei es eine Seite noch gar nicht wieder gibt und die sich eventuell schnell zersplittert) entscheiden und es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich dann viele den Putschisten anschließen und damit deren militärische Stärke und Bevölkerungsrückhalt steigt.

        Außerdem dient dieses Machtvakuum dazu, dass das Militär alleine bereits aus Verantwortungsbewusstsein gemeinsam agieren muss, um die staatliche Kontrolle zu wahren. Die Erdogan-Anhänger sind dann hingegen ohne Führungsfigur und orientierungslos, im besten Falle zersplittert und zerstritten.

        Erst danach muss ich anfangen, Brücken, etc. zu besetzen. Aber jeder Putsch steht und fällt mit der medial aufgebauschten Beseitigung Erdogans, schaffe ich das nicht, kann ich gleich einpacken. Die Idee, mehr oder weniger friedlich mit Panzer Brücken abzusperren, war hingegen von vornherein zum Scheitern verurteilt. Bei einem Putsch in dieser Ausgangslage muss ich den emotionalen Halt beseitigen, Schrecken für deren Anhänger verbreiten und Entschlossenheit den eigenen Anhängern signalisieren.

  9. Der 20. Juli der Türkei ist der 15. Juli.

    Die Türkei, wie sie jetzt ist, und vor allem, wie sie nach ihrer Umformung nach dem Bilde Erdogans sein wird, hat mehr Überschneidungen mit einem faschistischen als mit einem freiheitlich-demokratischen System. Von daher finde ich es unsäglich, wenn unsere Regierung davon schadroniert(e), die demokratische Ordnung müsse aufrecht erhalten werden. Natürlich hätte sich keine westliche Regierung offen hinter den Putsch gegen ein Nato-Mitglied stellen können. Aber sich so schnell wie möglich offen und mit einem begründenden Verweis auf Demokratie hinter Erdogan zu stellen, reiht sich ein die die lange Liste der Kotaus vor diesem islamistischen Autokraten. Wenn der Putsch gelungen wäre, hätte es zumindest die Chance gegeben, dass die Putschisten ihre vorgeblichen Ziele, nämlich „die verfassungsmäßige Ordnung, die Menschenrechte und die Freiheit, den Rechtsstaat und die öffentliche Sicherheit, die beschädigt worden waren, wiederherzustellen“ (zu finden bei Wikipedia) umsetzen. Ohne – und noch mehr jetzt nach dem Putsch – ist es dagegen sicher, dass diese Dinge weiter ausgehölt oder abgeschafft werden.

    Es kommt eben nicht auf formale Demokratie an – Demokratie kann zu einer DIktatur der Mehrheit werden, und wenn diese Mehrheit dann noch von illiberalen (wie zB islamistischen) Werten geprägt und geleitet ist, dann können bestimmte Ausformungen einer Militärdikatur meiner Ansicht nach unter Umständen in der Tat ein höheres Maß an Freiheitsrechten, am inhaltlich Gehalt einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung realisieren, als ein formales System. Genauso, wie die soziale Marktwirtschaft ein vielfaches des inhaltlichen Gehalts des Sozialismus realisiert hat(te) als der real vegetierende Sozialismus.

    In bestimmten historischen Situationen kann es sein, dass eine liberale Demokratie sich nicht aus sich selbst heraus retten oder wiederherstellen kann. Der Putschversuch von Stauffenberg war undemokratisch. Die Putschgedanken 1933 waren darauf ausgerichtet, eine (vorübergehende) Diktatur zur errichten, um Hitlers Machtergreifung zu neutralisieren. Und deshalb kennt auch unser Grundgesetz ja den Artikel 20. Im Geist diesen Artikels haben in meinen Augen die Putschisten in der Türkei gehandelt – und zwar legitimerweise, selbst wenn es einen ähnlichen Artikel in der türkischen Verfassung nicht gibt.

    Und wenn die Kultur einer Gesellschaft bzw. eines Staatsvolkes noch nicht die Voraussetzungen für das Bestehen einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung erfüllt (vgl. Böckenförde-Diktum), die ja auch in den funktionierenden freiheitlich-demokratischen Staaten nicht vom Himmel gefallen ist, sondern in einem langen historischen und geistesgeschichtlichen Prozess wachsen musste – wenn die Mehrheit mit ihren Rechten und Freiheiten nicht ohne äußeren Zwang so umgehen kann, dass diese auch für Minderheiten gewahrt sind – dann kann vielleicht sogar eine andere Staatsform als eine Demokratie (zumindest unseren Standards) die richtige sein. Mir scheint es zumindest kein historisches Beispiel zu geben, dass eine (zumindest ihrer Entwicklungsrichtung nach) freiheitliche Demokratie nachhaltig existierte, wenn sie nicht aus den inneren kollektiven Überzeugungen („Kultur“) gewachsen oder – unter äußerem Druck (Deutschland 1945) – daran anknüpfen konnte. Falls diese Gedanken stimmen, sind auch die Desaster des arabischen Frühlings, des Iraks oder Afghanistans wenig überraschend. Nackte geistige Resultate ohne ihr Werden sind wie Leichname [um 154 auf insgesamt 499 Wörter gekürzt, AD].

    Ich hatte mir gewünscht, dass der Putsch unblutig zum Erfolg führt. Schlimm dass das erste, und schade dass das zweite nicht eingetreten ist.

    • „Und deshalb kennt auch unser Grundgesetz ja den Artikel 20. Im Geist diesen Artikels haben in meinen Augen die Putschisten in der Türkei gehandelt – und zwar legitimerweise, selbst wenn es einen ähnlichen Artikel in der türkischen Verfassung nicht gibt.“

      Exakt so sehe ich das auch. Merkel sollte sich schämen, sich so über die Putschisten zu äußern. Natürlich kann sie in der momentanen Lage die Putschisten nicht loben. Aber generell sollte aus der politischen Klasse schon geäußert werden, dass die Putschisten absolut auf dem Boden des deutschen Grundgesetzes standen, zumindest wenn ihre Vorgaben ehrlich waren.

  10. „Eine Inszenierung ist dieser Putsch(versuch) sicher nicht, doch der Erfolg ist unsicher.“
    (Alexander Dilger)

    Nachdem sich langsam der Nebel lichtet, wird es wahrscheinlicher, dass Erdogan zumindestens zuvor von den Putsch-Plänen wusste.

    Heute wurden allein fast 3000 Richter entlassen. Woher soll das Regime Erdogan so schnell wissen, welche Richter loyal sind und welche nicht? Da gab es vorbereitete Listen. Anders kann ich mir das nicht erklären.

    • Natürlich gab es vorbereitete Listen, aber waren diese wirklich für einen Putsch vorbereitet? Ich würde vermuten, dass man ohnehin alle Richter loswerden wollte, die noch unparteiisch waren statt einseitig für den Präsidenten. Wir regen uns über Polen auf, doch die Türkei ist spätestens jetzt kein Rechtsstaat mit Gewaltenteilung mehr.

  11. Kann Deutschland jetzt noch die Visafreiheit der Türkei zusichern? Der Putsch gestern war ein Aufbäumen gegen eine islamisch orientierte Regierung. Aus diesem Grunde muss man schon die Visafreiheit ablehnen, auch wenn alle Anforderungen noch erfüllt werden.

  12. Ich hätte mir gewünscht, dass der Militärputsch Erfolg hat, damit Erdogan verschwindet. Er hat ständig versucht, das laizistische Erbe des Kemalismus zu demontieren und will aus der Türkei einen streng moslemischen Staat machen. Das türkische Militär war seit der Staatsgründung Bewahrer der kemalistischen Idee. Nach dem gescheiterten Putsch hat Erdogan nun vollkommen freie Bahn. Das entfernt ihn weiter von Europa und selbst die Grünen wollen unter ihm keinen türkischen EU-Beitritt mehr. So hat alles Schlechte auch etwas Gutes…….

    • Sogar etwas sehr Gutes. Der Grund, warum wir uns überhaupt über die Ereignisse in der Türkei so intensiv informieren und sorgen, als wären es innenpolitische Geschehnisse, die uns direkt beträfen, ist doch die starke Verflechtung zwischen Deutschland und der Türkei, insbesondere demographischer und mittlerweile auch grenzpolitischer Art. Anstatt auf das richtige Pferd in Ankara zu hoffen, das unsere eigenen Grenz- und Integrationsprobleme löst, sollten wir uns wieder unabhängiger von der Türkei machen – in beiderlei Hinsicht.

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