Theresa May gewinnt kampflos

Die ‚Briten stimmen für Brexit‘ am 23. Juni 2016. Am nächsten Tag kündigte David Cameron seinen Rücktritt für Oktober an. Am 30. Juni verzichtete Boris Johnson, führender Brexit-Befürworter der Tories, auf seine Nachfolgepläne, wohl weil ihm sein bisheriger Verbündeter Michael Gove in den Rücken fiel (siehe ‚Königsmord zeigt Willen zur Macht‘). Letzterer wurde dann mit zwei weiteren der fünf Kandidaten von den Abgeordneten der Tories aussortiert. Heute ging dann alles ganz schnell, als auch Andrea Leadsom als letzte verbliebene Gegenkandidatin verzichtete, was eine Abstimmung der Parteimitglieder erübrigt: „Theresa May löst am Mittwoch Premier Cameron ab“. Sie war wie ich eigentlich gegen den Brexit, akzeptiert jetzt aber das Ergebnis des Referendums und will den bestmöglichen EU-Austritt aushandeln. Dafür wünsche ich ihr, Großbritannien und ganz Europa viel Erfolg.

12 Gedanken zu „Theresa May gewinnt kampflos

  1. Ich habe das Gefühl, daß Juncker das Ende der Verhandlungen nicht mehr im Amt erleben wird.

    Bei Merkel würde ich es mir wünschen.

    Beiden fällt die Griechenland-Misere noch heuer auf die Füße, da Athen natürlich wieder nicht liefern kann.

    Parallel dazu geht der Migrantenansturm weiter.

    Der Spielraum für kurzfristige Notlösungen a la Merkel wird immer kleiner, während der Druck an der Wahlurne immer größer wird.

    Die EU hat das Entscheidungsfenster verpaßt. Es gibt kaum noch Puffer und was jetzt an Krise kommt, schlägt immer direkter auf die Grundfesten der EU durch.

    Der allerschlimmste Fall wäre aber, wenn Großbritannien nach dem EU-Austritt prosperieren würde. Dann hätte die Idee des Superstaats fertig.

    • Großbritannien hat wirtschaftliche Nachteile durch den EU-Austritt, kann aber natürlich trotzdem prosperieren, vor allem relativ zu den Euroländern, die durch den Euro gravierende wirtschaftliche Nachteile haben. Wohl das Schlimmste an der EU und ihrem „Spitzenpersonal“ ist, dass sie an ihren schlimmsten Fehlern um jeden Preis festhalten wollen, selbst wenn diese Fehler völlig offensichtlich geworden sind.

      • Mich erinnert dieser Starrsinn immer mehr an die sozialistischen Betonköpfe der Wendezeit.

      • Die Eurokraten könnte auch ein ähnliches Schicksal erwarten, nämlich der unblutige Zerfall ihrer Organisation und der Verlust ihrer Macht.

    • Je länger sich das Procedere des Brexit hinzieht, desto besser.
      Um so mehr werden Lügner wie Juncker, Versager wie Schulz, Trickser wie Draghi und Autokraten wie Merkel entlarvt. Wir werden sie stürzen sehen!!!

  2. Gb wird jetzt in andere Verhandlungspositionen kommen, z.B mit den Amerikanern. Gleichzeitig wird GB das Verbindungsglied zwischen Europa und den US werden, wenn die TTIP Verhandlungen scheitern sollen. Ich sehe paradisische Zustände auf GB zukommen.

    • Das ist zu optimistisch. Die Verhandlungsposition der Briten wird schwächer, nicht nur gegenüber den USA, sondern auch der EU und sonstigen Staaten. Doch es ist ein interessanter Testfall, ob nicht inzwischen die Nachteile der EU ihre Vorteile überwiegen.

  3. Sehr interessant ist, dass die alte Klassenstruktur Großbritanniens unbeschadet weiter geht, meines Erachtens eine der Mitursachen für den Niedergang des Gesamtsystems. Wie der Guardian mitteilt, ist Theresa May ihrem Ehemann in der Tat in einem Oxforder Debattierclub von Benazir Bhutto, der späteren Premierministerin Pakistans, vorgestellt worden.
    Wie Sie sehen bleibt man im Empire unter sich.
    Tatsächlich ist einer der entscheidenden Faktoren für den Brexit der Widerwille der Briten, die sozusagen glorreiche Vergangenheit aufzugeben. Wie mir persönlich ein 96-jähriger Veteran (Chelsea Veteran) mitteilte, der ein „Battle of Britain Pilot“ war, ( höher können sie in England nicht steigen): „We did not fight the battle of Britain to be governed from Brussels.“
    Die Briten haben unterschwellig auch das Gefühl, wie heute in der New York Times steht, dass es sich bei der EU um eine Art „Trojanisches Pferd“ der Deutschen handelt, quasi ein Viertes Reich. Paradoxer Weise müsste dies bei manchem AFD Anhänger eigentlich Wohlbehagen auslösen (Englands last Gasp of empire; http://www.nytimes.com/2016/07/13/opinion/englands-last-gasp-of-empire.html).
    Natürlich ist der Austritt aus der EU zunächst für England wohl von wirtschaftlichem Nachteil, dies sieht man ja auch an dem Abstimmungsverhalten der verschiedenen Generationen, wo die ältere Generation der Glorie des Empires nachtrauert, die jüngere Generation aber die Chancen eines vereinten Europas nutzen möchte.
    Womöglich haben beide Seiten hier Unrecht.
    Boris Johnson hatte ohne Details angedeutet, dass Großbritannien evtl. Kleinengland, dennoch eine glänzende wirtschaftliche Zukunft haben möchte, da der Sozialstaat bereits von Maggie Thatcher weitgehend zurück gestutzt wurde und Kleinengland zum Steuerparadies mutieren könnte. Dies ist im Zeitalter einer Nichtlokalisierbarkeit von Unternehmungen und Dienstleistungen möglicherweise ein entscheidender Vorteil, es wird in der City davon gesprochen, dass England die neue Schweiz werden könnte; durch das Fehlverhalten der Schweizer Regierung und Banken ist ja der spezifische Vorteil und das Geschäftsmodell der Schweiz verspielt worden, die Stelle ist vakant.
    Bedenken Sie, dass wenn wir etwa zwanzig Jahre in die Zukunft sehen, wo Deutschland womöglich die Provinz Alemagna des Großosmanischen Reiches ist, mit visumfreien Türken und Eingemeindung weiterer Staaten, wie Georgien,der Wohlstand sich sehr weit aus der EU hinaus verschoben haben wird. Möglicherweise ist der Austritt Großbritanniens die Rettung Englands in letzter Sekunde.
    In Ergänzung meines Vorschreibens bezüglich Brexit und Nordirland verweise ich auf den Artikel von „Brexit und Irish Unity“ von Gerry Adams ebenfalls in der New York Times von heute (http://www.nytimes.com/2016/07/12/opinion/brexit-and-irish-unity.html?_r=0), in dem ausdrücklich drinsteht, dass die Europäische Konvention der Menschenrechte eine zentrale Komponente des Good Friday Agreements ist, und das gerade Theresa May will, dass sich Großbritannien aus dieser Abmachung zurück zieht!
    Herr Adams besteht auch in der vierten Säule darauf, dass hier eine Volksabstimmung in Gesamtirland über irische Einheit durchgeführt werden muss, wie dies bereits im Good Friday Agreement niedergelegt ist!

    • Frau May ist hinsichtlich der Menschenrechtskonvention bereits zurückgerudert, die ohnehin nicht direkt mit der EU zu tun hat.

      Interessanter finde ich die Frage, ob die EU nicht in der Tat ein deutsches Herrschaftsinstrument in Europa (geworden) ist. Die einfachen Bundesbürger haben allerdings nichts davon, sondern müssen dafür bezahlen, insbesondere da die Machtausübung nicht mehr über Waffen, sondern Geld erfolgt. Für die Regierenden ist es so jedoch besonders angenehm. Außerdem erklärt es, warum Großbritannien als weiterer Nettozahler mit viel weniger Einfluss zuerst austritt und nicht ein Nettoempfänger.

    • Ein “ Trojaner“? Die Gedanke finde ich nicht abwaegig. Dabei geht es nicht um ein Viertes Reich sindern eher um eine neue „Komintern“. Schon 1944 sangen die siegreichen kommunistischen Partisanen, „Amerika und England werden proletarische Laender!“ Heute schein eher, es geht um Deutschland!

  4. Theresa May ist PM und Boris Johnson Foreign Secretary geworden! Und sie werden sich von Clowns aus Bruessel und Berlin nicht beeindrucken und beeilen lassen.

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