Farage tritt als UKIP-Vorsitzender zurück

Erst hat Boris Johnson, führender Brexit-Befürworter bei den Tories, seine geplante Kandidatur für das Amt des Premierministers aufgegeben (siehe ‚Königsmord zeigt Willen zur Macht‘), nun gibt Nigel Farage als Vorsitzender der Brexit-Partei UKIP auf (siehe z. B. „Rücktritt vom Brexit“). Er begründete das damit, mit dem Brexit sein politisches Ziel erreicht zu haben und kein Karrierepolitiker zu sein, sondern nach seinem Land nun sein Leben zurück zu wollen.

Zahlreiche EU-Befürworter freuen sich nicht (oder höchstens heimlich) darüber, sondern meinen: „Farage drückt sich vor der Verantwortung“ (siehe auch „‚Wer sich auf Populisten verlässt, ist verlassen'“). Dabei hat er überhaupt keine Regierungsverantwortung und wird sie auch nicht bekommen. David Cameron ist zurückgetreten, weil er das Referendum verloren hat, aber was ist mit Jean-Claude Juncker oder Martin Schulz? Auch sie haben das Referendum und ganz Großbritannien für die EU verloren, tun aber so, als wäre nichts gewesen oder die Brexit-Entscheidung gar ein Votum für mehr eigene Macht (siehe „Martin Schulz fordert ‚echte europäische Regierung'“ und „Juncker will Brexit für Euro-Vollendung nutzen“).

Die Entscheidung von Nigel Farage finde ich verständlich. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, während die meisten Politiker an ihren Posten kleben, bis sie mit Schimpf und Schande verjagt werden (letztes Jahr trat er wegen schlechter Ergebnisse bei den Unterhauswahlen schon einmal zurück, ließ sich aber schnell von seiner Partei zum Weitermachen überreden). Trotzdem geht er eigentlich zu früh. Denn der Brexit ist noch nicht vollzogen und das Referendum nur ein (wichtiger) Zwischenschritt. Der Brexit kann noch ganz ausfallen (siehe ‚Fällt der Brexit aus?‘) oder zu einem Status wie dem von Norwegen führen, also zu quasi allen Pflichten der EU-Mitgliedschaft ohne Stimmrecht. Es bleibt also wichtig, Ideen für die Ausgestaltung des Brexit zu entwickeln und zu verbreiten. Herr Farage könnte dazu beitragen, aber vielleicht muss er dafür gar nicht mehr Parteichef sein.

25 Gedanken zu „Farage tritt als UKIP-Vorsitzender zurück

  1. Mich freut es, dass es wenigstens in Großbritannien noch Politiker wie Boris Johnson und Nigel Farage gibt, die nicht wie mit Pattex fixiert an ihren Stühlen kleben. Daran könnten sich kontinentaleuropäische Berufspolitiker wie Merkel, Schäuble, Gabriel, Nahles, Juncker, Schulz, Hollande usw., usf., die nie in ihrem Leben etwas anderes gemacht haben, als fürstlich auf Steuerzahlers Kosten zu leben, durchaus ein Beispiel nehmen.

  2. In der Presseschau des Deutschlandfunks wurden heute morgen einige Haßkommentare aus deutschen Zeitungen zum Rücktritt Faranges verlesen. Ich mußte das Radio angewidert ausschalten.

  3. Einerseits kann man Nigel Farange verstehen andererseits kann man ihm auch vorwerfen, sich aus der Verantwortung zu stehlen.

    Etwas zu zerstören ist einfach, etwas aufzubauen ungleich schwerer. Hier hinterlassen die Brexiteers eine Lücke.
    Was, wenn etwas aufgebaut wird, das wieder nicht deren Vorstellungen entspricht? Erneut eine Abstimmung über die Zerstörung?

    Sollte man nicht zumindest eine Vorstellung davon haben und vermitteln, was und wie man etwas Neues aufbauen möchte?

    Der Brexit ist noch nicht fix und die EU dringend reformbedürftig. Soweit d’accord.

    Verträge mit jedem einzelnen der 27 EU-Staaten auszuarbeiten würde GB wahrscheinlich auf Jahre lähmen.

  4. Es sind nur interne Gründe, warum jetzt gegen Farage so gepoltert wird. Es soll damit gezeigt werden, dass die sogeannten Populisten nur Schaumschläger sind und sich vor der Verantwortung drücken wollen. Es zielt eigentlich auf die AFD und es soll das eigene Versagen kaschiert werden.

  5. Es ist wünschenswert, dass Schottland unabhängig wird. Man darf aber nicht zu weit gehen mit der Regionalisierung. Wales sollte nicht unabhängig werden; aber mehr Autonomie bekommen. Zudem ist wünschenswert, dass Irland unabhängig wird.
    Zudem brauchen wir ein reformiertes Christentum (z. B. die Anthroposophie) oder eine andere Religion (z. B. Wicca). Immer mehr Menschen gelangen durch luzide Träume zu mystischen Erfahrungen und Wunderheilungen.

  6. Erschreckend ist, dass man Farage jetzt mit Cameron und Johnson medial die Alleinschuld am Brexit gibt. Meine persönliche Meinung ist, dass es ohne Farage in GB nie den Brexit gegeben hätte. Farage tritt jetzt in den Hintergrund, da seine Aufgabe erfüllt ist, und er sein Lebensziel erreicht hat. Er ist eigentlich das Symbol britischer Mentalität. Er ist ein Rethoriker höchster Güte, solche Leute kann man in jedem Land an einer Hand abzählen. Farage ist einer, der immer zu seinem Wort stand und dem Hinterfotzigkeit ein Fremdwort ist. Ein Mann wie Farage verläßt nun die Bühne, ich verneige mich vor ihm als Mensch. Ruhm war ihm immer einerlei und ist ihm einerlei geblieben. Ein Einzelkämpfer aller höchster Güte.

      • Der Artikel belegt Ihren Vorwurf nicht. Herr Farage war tatsächlich nicht für die Leave-Kampagne verantwortlich und solch eine Geldversprechen würde auch nicht zu ihm passen.

      • @Dilger
        Er war der Initiator des Brexit. Er hat seit Jahrzehnten dafür gekämpft und die Lügen seiner Mitkämpfer nicht berichtigt, da er natürlich wusste, dass damit ein Brexit unwahrscheinlich wird. Wer einen (moralischen) Betrug wie Farage stillschweigend unterstützt, ist für viele Menschen ebenso ein Betrüger!

      • Sind die EU-Befürworter auch für alle Lügen und Falschaussagen ihrer Seite verantwortlich? Warum wurden zweifelhafte Aussagen der Brexit-Befürworter nicht vorher widerlegt? Gerade die Briten lieben doch Fair Play statt schlechte Verlierer.

      • @Dilger
        Ja, wer für oder gegen den Brexit gekämpft hat, ist für die Aussagen von Mitkämpfern verantwortlich, wenn er sie stillschweigend geduldet und nicht berichtigt hat.

      • Sehen Sie das in anderen Fragen auch so? Berichtigen Sie täglich alles, was falsch gemeldet wird? Da haben Sie viel zu tun, selbst wenn es nur um ALFA geht. Außerdem müssen Sie sich dann alle Lügen von z. B. Herrn Juncker zurechnen lassen, der immerhin ehrlich zugegeben hat, im Ernstfall, wozu sicher die Brexit-Entscheidung zählte, zu lügen.

    • Vielleicht sollten wir hr. Farage bitten nach Deutschland zu kommen um für den dexit zu werben. Er hätte wieder eine sinnvolle Aufgabe und wir eine Bereicherung unseres politischen Spektrums.

  7. „Trotzdem geht er eigentlich zu früh. Denn der Brexit ist noch nicht vollzogen und das Referendum nur ein (wichtiger) Zwischenschritt. Der Brexit kann noch ganz ausfallen (siehe ‚Fällt der Brexit aus?‘) oder zu einem Status wie dem von Norwegen führen, also zu quasi allen Pflichten der EU-Mitgliedschaft ohne Stimmrecht. Es bleibt also wichtig, Ideen für die Ausgestaltung des Brexit zu entwickeln und zu verbreiten.“ Interessant… Man könnte vermuten, dass Sie in Wirklichkeit für den Brexit sind? Ist Ihr Hass auf Juncker und Co. so groß, dass Sie Ihre Meinung geändert haben? Warum waren Sie dagegen, dass die AfD in einer Fraktion mit Ukip ist?
    GB hat den Brexit erklärt. Der Status von Norwegen ist somit genau das, was GB maximal bekommen sollte. Keine Extrawurst für GB…

    • Im Gegensatz zu Ihnen bin ich für Volksentscheide. Damit bin ich jetzt für den mehrheitlich gewünschten Brexit, auch wenn ich vorher dagegen war. Jetzt ist wichtig, wie der Brexit ausgestaltet wird, aber auch wie sich die EU entwickelt. Die von Ihnen geforderte harte Linie spräche gegen die EU. Warum verlangt die EU alles oder nichts statt ein reziprokes Verhalten?

      • @Dilger
        Warum fangen Sie wie andere Foristen an, mir etwas zu unterstellen, was überhaupt nicht stimmt? Ich habe mehrmals geschrieben, dass ich für Volksentscheide bin. Im Gegensatz zu Ihnen fordere ich lediglich, dass bei wichtigen Themen wie einem EU Verbleib strengere Regeln erforderlich sind. Meine Sichtweise ist nun mal, dass es deshalb bspw. eine absolute Mehrheit in Bezug auf alle Wahlberechtigten geben müsste. Mag sein, dass Sie anderer Meinung sind. Damit bin ich aber nicht gegen Volksentscheide!
        „harte Linie“? Ich bin lediglich für Gleichbehandlung. GB möchte aus der EU austreten. Damit sollte es nicht besser als Norwegen, Island und Co. dastehen. Warum sollte GB besser behandelt werden, „Extrawürste“ bekommen? Weil es mal Mitglied war?

      • Einerseits wollen Sie sehr hohe bis prohibitive Anforderungen für Volksentscheide, andererseits soll Ihrer Ansicht nach immer wieder abgestimmt werden. Tatsächlich gab es in Großbritannien kein Quorum, aber auch keinen echten Volksentscheid, sondern ein Referendum, an dem sich die nächste Regierung orientieren sollte, aber nicht muss.

        Ich bin auch für Gleichbehandlung. Aber warum sollen nicht alle gleich gut statt gleich schlecht behandelt werden? Warum schottet sich die EU so stark ab und will alle knebeln? Ich bin für mehr Freihandel, nicht weniger.

  8. Sie verkürzen den Status von Norwegen doch etwas ohne eventuelle Vorteile zu nennen. Als EWR- Mitglied scheinen sie ganz gut zurecht zu kommen und könnten somit auch ein Beispiel für die Zukunft der Briten sein (?).

    • Norwegen hat den (fast) vollständigen Zugang zum Binnenmarkt. Von daher ist es quasi ein EU-Mitglieder nur ohne Stimmrecht. Die Brexit-Befürworter wollten aber nicht einfach nur das Stimmrecht verlieren, sondern die Personenfreizügigkeit beschränken, keinen EU-Beitrag mehr bezahlen und viele Regelungen nicht mehr umsetzen müssen. Sie dürften also einen Status wie Norwegen ablehnen. Trotzdme könnte er am Ende ein Kompromiss sein zwischen einem formalen Brexit und einem realen Verbleib im Binnenmarkt.

  9. Zwar am Thema vorbei, aber trotzdem auffällig:
    Es überrascht, das sie den LPT der AfD in Werl nicht kommentieren. In dem Zusammenhang fällt mir ihr damaliger Kommentar zum LPT Bottrop ein („Renners rechte Partei“). Über ihre Feststellung das die AfD die Landtagswahl in NRW aufgegeben hat, haben wir damals herzlich gelacht.
    In Werl hat Herr Renner die kommende Landtagswahl auch nicht ausführlich erwähnt, so das ihrer Logik folgend, diese abgeschenkt würde.
    Ein neuer Bewertungsversuch wäre bestimmt interessant!

    • Ich war nicht in Werl. Die Presseberichte waren eher dürftig, auch wenn die Presse nicht wie vom Vorstand geplant ausgeschlossen wurde. Das verabschiedete Programm liegt noch nicht vor. Ich könnte es dann kommentieren, muss aber zugeben, das mit dem Bundesprogramm auch noch nicht gemacht zu haben. Echte Ereignisse wie der Brexit sind einfach spannender als unverbindliche Programmlyrik.

  10. Wir brauchen mehr Querdenker wie Nigel Farage und weniger Berufspolitiker.
    Wenn die EU zerbricht, dann wegen der Arroganz und der Ignoranz von Politjunkies wie dem Lügner Juncker und dem Versager Schulz!

  11. Pingback: AfD-Austritt vor gut einem Jahr und Ausblick | Alexander Dilger

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