Königsmord zeigt Willen zur Macht

Boris „Johnson ist zu feige für das Endspiel“. Erst im Februar hatte er sich an die Spitze der Brexit-Bewegung gesetzt und galt nach deren Erfolg als Favorit für die Nachfolge von David Cameron als britischer Premierminister. Doch heute kurz vor dem Ende der Bewerbungsfrist bei den Tories erklärte er, für diese große Aufgabe nicht die richtige Person zu sein. Diese Feigheit dürfte das Ende seiner politischen Karriere bedeuten. Warum hat er sich überhaupt für den Brexit engagiert, wenn er weder diesen noch das Amt des Premierministers ernsthaft wollte?

Kurz zuvor war ihm sein bisheriger Brexit-Mitstreiter und britische Justizminister Michael Gove in den Rücken gefallen, indem er ihn als nicht fähig für das Amt des Premierministers bezeichnete und seine eigene Kandidatur ankündigte. Aber eigentlich wäre das kein Grund für einen Kandidaturverzicht von Herrn Johnson gewesen, sondern fürs eigene Kämpfen. Doch wer die Macht nicht wirklich will, gewinnt keinen Machtkampf bzw. verzichtet kampflos. Der (größere) Wille zur Macht erklärt meistens (auch in Deutschland), wer das mächtigste Amt im Staat bekommt.

Aufgefallen ist mir heute, dass der „Königsmord“ kein großes Hindernis beim Machtgewinn zu sein scheint. Bei Michael Gove handelt es sich jetzt sogar um einen „doppelten Brutus“ (siehe „Das ist das große Rennen um die Macht auf der Insel“), da er erst David Cameron mit Unterstützung der Brexit-Kampagne in den Rücken fiel und jetzt Boris Johnson, seinem bisherigen Verbündeten dabei. Doch das zeigt zumindest seinen Willen zur Macht und macht ihn zum neuen Favoriten der Brexit-Befürworter bei den Tories. Deutsche Beispiele für erfolgreiche „Königsmörder“ zum Glück nur im übertragenen, unblutigen Sinne sind Oskar Lafontaine, Angela Merkel oder auch Frauke Petry.

Allerdings hat der Justizminister in der Innenministerin Theresa May eine starke Gegenspielerin. Sie war gegen den Brexit, hielt sich aber in der Kampagne zurück und kündigte bereits an, das Ergebnis des Referendums umsetzen zu wollen. Sie könnte am ehesten die widerstreitenden Flügel der Tories und darüber hinaus in der britischen Gesellschaft zusammenführen. Die drei übrigen Kandidaten haben wenig Chancen, von den Abgeordneten nominiert zu werden. Zwischen den zwei nominierten Kandidaten, also vermutlich Frau May und Herrn Gove, dürfen die Mitglieder dann abstimmen. So funktioniert Demokratie.

49 Gedanken zu „Königsmord zeigt Willen zur Macht

  1. Die wesentliche Aufgabe des neuen britischen Premiers wird es sein, die Verhandlungen mit der EU zu führen und das Vereinigte Königreich zusammenzuhalten. Ich weiß nicht, ob Johnson hier aus Feigheit oder aus Vernunft handelte. Er wird weder in Schottland noch in Brüssel oder Berlin gerne gesehen sein; auch Großbritanniens internationale Partner sowie die britische Wirtschaft würden ihn zu sehr mit der Brexit-Kampagne identifizieren. Die Umfragen legten ebenfalls nicht nahe, dass Johnson gute Aussichten hatte.

    Frau May hat sich eher wie Angela Merkel verhalten und wollte es allen Recht machen. Das kommt ihr jetzt zu Gute. Ob es der Tory-Partei nützen wird, steht allerdings im Zweifel. Wenn May sich in Brüssel dafür einsetzen sollte, den Brexit nur dem Namen nach zu vollziehen (also Migration etc nicht anzupacken), dann könnten die Tories das bitter bereuen. Es gibt bereits Bestrebungen, die UKIP durch eine auch für linke Wähler interessante Partei zu ersetzen. Diese könnte dann die Schwäche der Tories und von Labour ausnutzen und nach der Macht greifen.

    • Warum hat sich Herr Johnson im Februar für den Brexit entschieden, wenn er gar nicht Premierminister werden wollte? Dass man sich mit so einer Kampagne nicht nur Freunde macht, war doch ohnehin klar. Trotzdem hatte er in den Umfragen bei den Tory-Mitgliedern die besten Chancen (vielleicht hätten ihn aber die Abgeordneten nicht nominiert).

      Frau May hat sich nicht wie Frau Merkel, sondern vernüntig verhalten. Der Brexit ist ein Problem, aber jetzt ist das Referendum umzusetzen. Sie wird dafür eher Akzeptanz finden als Herr Gove. UKIP hatte vor einer Woche ihren größten Triumph, doch mit dem Brexit entfällt eigentlich der Daseinszweck dieser Partei.

      • Vielleicht ging es Johnson ja „nur“ um den Brexit und nicht um seine persönliche Karriere? Es wäre doch schön, wenn es noch Politiker gibt, deren vorrangiges Ziel nicht der Freßtrog ist. Davon würde ich mir mehr wünschen.

      • Der politische Druck von UKIP ist zur Umsetzung des Brexit unerläßlich. Ich hoffe, daß die Partei dabei in die Rolle der Interessenvertretung der einheimischen Briten, insbesondere der Arbeiterklasse und Kleinverdiener hineinwächst, was eine natürliche und logische Evolution wäre.

        Als Bremsklotz könnte sich dabei allerdings ausgerechnet Farage, der größte Aktivposten der Partei entpuppen, der ernsthaft zu glauben scheint, daß Britannien mehr Gemeinsamkeiten mit dem Commonwealth als mit Kontinentaleuropa besitzt.

      • @Eurokanadier

        „… der ernsthaft zu glauben scheint, daß Britannien mehr Gemeinsamkeiten mit dem Commonwealth als mit Kontinentaleuropa besitzt.“

        Glauben Sie, dass das wirklich so eine Fehleinschätzung ist?
        Zumindest für GB´s Exportwirtschaft ist der Commonwealth of Nations mit Mitgliedsstaaten wie Australien, Neuseeland, Kanada, Indien, Pakistan, Nigeria oder Südafrika und insgesamt 2,2 Mrd. Einwohnern ein riesengroßer und äußerst luktativer Markt. Viele Staaten, die sehr interessante Rohstoffe besitzen, befinden sich außerdem auch darunter. Der Commonwealth of Nations hat GB unterm Strich sicher weit mehr zu bieten als die EU (noch dazu mit ihrem derzeitigen Geschäftsgebaren).

      • @ Maerchen-Alfa R.

        Endlich einmal was schlaues! Commonwealth ist fuer GB wichtiger und naeher als EU! Mit recht.

      • @Alexander Dilger
        Die Betonung dürfte dabei auf dem in Klammern gesetzten „noch“ liegen, das ich um ein „gerade“ ergänzen würde …

  2. Boris erinnert mich an Alkibiades. Ein charismatischer und begabter, aber extrem egozentrischer Politiker, der mühelos zwischen den Lagern hin- und herwechselt, dem das Volk aber alles verzeiht, weil es einen Narren an ihm gefressen hat.

    Persönlich hoffe ich auf einen Erfolg des Brexit. Nicht nur für Britannien selbst, sondern vor allem auch, weil er die EU erheblich unter Druck setzen wird, den Nationalstaat und das Subsidiaritätsprinzip wieder zu stärken.

  3. Boris Johnson hat uns ein Gefallen getan mit Brexit. Motive sind jetzt unerheblich. Es ist vernuenftig ohne Unterstuetzung in der Partei sich nicht weiter nach vorne zu draengen. In Deutschland versucht man ihm zu diffamieren, wie auch ganze Brexit und UK.

    • Eben. Motive sind im Rückblick egal, nur das Ergebnis zählt. Merkel hat 1,5 Mio. Menschen eingeladen, weil sie ein palästinensisches Mädchen zum Weinen gebracht hat und deshalb eine Imagekorrektur bei den Bunten brauchte. Daran erinnert sich jetzt schon keiner mehr.

      Jede Revolution braucht Opportunisten, die sich einen persönlichen Macht- oder Prestigegewinn davon versprechen, sich auf die stärkere Seite zu schlagen. Die sind oft ein sehr guter Indikator für die sich verändernden Machtverhältnisse. Ohne Talleyrands keine Revolution.

  4. Boris Johnson hat nicht mit einem Erfolg gerechnet. Er wollte Cameron mit einem Achtungserfolg anschießen und übernehmen. Nach der Wahl ist er abgetaucht und hat sich versteckt. Gerade im Moment des Erfolgs und der spürbaren Verunsicherung in GB hat er keine Führerschaft gezeigt, sondern sich feige versteckt. Er war nicht vorbereitet. Dieses Verstecken haben ihm viele übelgenommen und hat sein Image angekratzt. Damit war er wirklich nicht geeignet zum Premierminister. Wahrscheinlich hat er wenig Chancen für sich gesehen.
    Mit Frau May dürfte die EU ihren Spaß haben. Sie hat sich nicht umsonst sehr lange als Innenministerin gehalten und gilt sehr durchsetzungsstark. Vielleicht hätten wir mit ihr eine Maggie Thatcher II.

    • Stellen Sie sich vor, das Referendum wäre andersherum ausgegangen, also mit 52 % für den Verbleib in der EU. Dann wäre Boris Johnson doch auch erledigt gewesen. Es macht keinen Sinn, auf Sieg zu setzen und sich dann beim Sieg in die Büsche zu schlagen. Es beweist allerdings, dass er als Premierminister völlig ungeeignet ist.

      • Boris hat auf etwas gesetzt und es erreicht! Sein begruendeter Verzicht ist ein Pluspunkt und kein Minuspunkt. Viele koennen es nicht verstehen!😄

      • Das stimmt gleich dreifach nicht. Seinen Verzicht hat er nicht wirklich begründet, bis gestern Morgen wollte er auch gar nicht verzichten und schließlich ist der Brexit noch keineswegs erreicht.

  5. Jetzt wird der Weg für GB frei gemacht, ihre eigenen Vorstellungen mit den Amerikanern und Kanadier auszuhandeln. Das wird einen gewaltigen Schub für die Wirtschaft GB geben. Die EU wird dann bittstellend an der Tür zu GB stehen. Schulz und Juncker werden dann als Negativsymbol in die Geschichtsbücher kommen.

    • Mt was für hochdotierten Pöstchen Schulz und Juncker „entsorgt“ werden, kann man sich an drei Fingern abzähllen. Scheinprivatisierte Staatskonzerne gibt es ja zur Genüge.

      Ihre These was GB und TTIP/CETA angeht, teile ich.

    • Die Frage ist, wieviel Verhandlungsmacht hat GB. Im Vergleich zu den USA sind sie doch eine kleine Nummer. Damit hat die USA vielmehr Verhandlungsmacht. Für die Briten ist eine offener USA-Markt attraktiver als für die Amis ein offener britischer Markt. Andererseits müssen die Briten nicht Rücksicht auf die Empfindlichkeiten von Franzosen, Deutschen etc. setzen. Es gibt Vor- und Nachteile. Es wird sich in Zukunft zeigen, wie attraktiv es sein wird, eigene Abkommen auszuhandeln.
      Die britische Börse hängt zumindest ihrer Meinung an. Sie hat mittlerweile ihre Kursverluste seit dem Brexit nicht nur egalisiert, sondern steht höher als vor dem Brexit. Die deutsche Börse befindet sich immer noch im Minus.

      • Die britische Börse mag in Pfund höher notieren als vor dem Referendum, in Euro oder Dollar aber nicht. Umgekehrt ist der DAX in Euro gefallen, aber in Pfund gestiegen.

      • @Ein Rheinländer

        ‚Commonwealth of Nations‘ sag ich dazu nur. Darin steckt das Potential für Großbritanniens Wirtschaft und nicht in GB alleine.

  6. Soviele Königsmörder in UK und wir haben keinen einzigen. Obgleich unser leidensdruck hier mindestens so hoch ist. Da kann man richtig neidisch werden…

  7. Zu einen Königsmord gehören immer zwei Seiten. Mag sein, dass Merkel einige lokale Fürsten gestürzt hat. Deren Inkompetenz bzw. Arroganz mit einhergehender Siegesgewissheit und Überheblichkeit hat es ihr aber auch immer leicht gemacht. Cameron, Johnson und Co. haben es ebenso selbst zu verantworten, dass man ihnen in den Rücken gefallen ist…vielleicht fehlt ihnen die weibliches Intuition? 😉

    • Warum sind sie eigentlich bei Alfa? Sie passen doch ziemlich perfekt in die Merkel-CDU, die sie ohnehin heimlich bewundern. Wenn sie etwas marktwirtschaftlicher mögen, dann gibt es für Sie immer noch die Lindner-FDP. Das ist nicht als Kritik gemeint, jeder soll ja seine politische Einstellung leben. Bei Alfa verschwenden Sie aber nicht nur Ihre Zeit, sondern nehmen auch anderen Menschen die Hoffnung, dass es abseits der AfD noch eine weitere Partei gibt, die eine echte Alternative zum Einheitsbrei darstellt.

      • Falls Sie es noch immer nicht mitbekommen haben, obwohl ich es schon oft geschrieben habe: Ich bin nicht bei ALFA, aber ich beobachte die Partei wohlwollend, weil ich die reaktionäre und populistische AfD mittlerweile ablehne. Die aktuelle AfD mit Höcke, Petry und Co. sorgt bestimmt nicht für Veränderungen. Man hat keine Lösungen, pöbelt vielfach und ist zum Großteil ein kruder Mix aus NPD, Linkspartei und Grüne…lediglich ein kleiner Teil ist (noch) wirklich konservativ-liberal und an echter Oppositionsarbeit interessiert. Ihre Sichtweise ist bezeichnend für einen typischen AfDler: ich muss Frau Merkel gleich heimlich bewundern, weil ich Tatsachen schildere. Sie ist nun mal heute allein deshalb so stark, weil ihre innerparteilichen Konkurrenten zu schwach waren. Die Männer haben sich immer „verzockt“, Merkel unterschätzt…so wie auch bspw. Cameron beim Brexit, Lucke mit Petry, usw. Koch, Wulf, Guttenberg, Merz und Co. haben ihre Niederlagen in der Union selbst verschuldet…vor allem Guttenberg mit seinem Plagiat. Wer nicht ständig „Merkel muss weg“ schreibt, scheint gleich Merkel-Fan zu sein…sehr einfache Sichtweise! Es ist schon etwas seltsam, dass gerade immer AfDler über den Stil von Frau Merkel meckern, wo sie selbst eine kleine rot-braune Merkel als Parteivorsitzende haben..

      • @nat-lib

        Jetzt kann ich aufatmen! Mit Ihren Rechenkuensten passen Sie nicht zu ALFA. Und wenn Sie ueber Merz und Co. „Niederlagen“schreiben verdrehen Sie die Tatsachen, das sind Merkels Opfer. V. Guttenberg und Wulff sind keine Opfer sondern aufgeflogene Betrueger.

      • @Old Grisogono:

        Welchen „Betrug“ hat Christian Wulff begangen?
        Ehebruch?
        Den Spesenskandal seines Mitarbeiters?
        … oder meinen Sie seinen Satz „Der Islam gehört zu Deutschland.“ ?

      • Liebe nationalliberal,

        wenn Sie aufmerksam lesen würden, dann wüssten Sie, dass ich ebenfalls kein AfD-Parteimitglied bin. Ich bin lediglich Stammwähler. Ich habe mich von der ersten Sekunde (noch vor der offiziellen Gründung) für die AfD begeistert und bringe ihr auch immer noch Sympathien entgegen, auch wenn ich nicht mit jeder Entwicklung einverstanden bin. Ehrlich gesagt, bin ich gespalten. Ich teile nicht den Hass vieler jetzigen Afdler über die im letzten Sommer Ausgetretenen. Das waren viele sehr gute Leute (wie Prof. Dilger), die die Partei jetzt zwingend gebrauchen könnte. Besonders als Wirtschaftswissenschaftler stehe ich diesen Menschen inhaltlich naturgemäß sehr nahe. Ich möchte jedoch auch eine klare Alternative, die sich auch traut eine Alternative zu sein. Bei Lucke kann man das spätestens im Nachhinein (jetzt wo man sieht, was er so alles bei Alfa macht) sagen, dass er das nicht gewesen wäre. Es gibt auch noch andere Bereiche als die „Wirtschaft“, wo Opposition ebenfalls notwendig ist. Das sind größtenteils schwierige Themen, wo es schwierig ist sich zu positionieren. Die AfD schießt hier und dort über das Ziel hinaus, aber sie geht genau dort hin, wo es unbequem wird. Aber alleine diese Opposition ist für diese Gesellschaft viel wichtiger, als der tiefste ökonomische Sachverstand, der aber letztendlich trotzdem nur politisch-korrekt daherkommt. Mitglied bin ich in dieser AfD nicht, da ist mir mein Ruf und mein soziales Leben zu wichtig. Aber trotzdem ist sie die einzige Möglichkeit, in diesem Land etwas zu verändern und die guten Mitglieder verdienen meine Stimme und Unterstützung, um für die Interessen der sonst zurückgelassenen Menschen zu kämpfen.

        Man kann Höcke oder Petry mögen oder nicht (ich mag beide nicht), aber sie sorgen sehr wohl für Veränderungen. Sie sorgen weit mehr für Veränderung, als es ein Bernd Lucke jemals hätte tun können. Die AfD treibt die anderen Parteien vor sich her und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie wie die FPÖ in Österreich oder Ukip in GB für reale Veränderungen sorgt. Dafür braucht sie auch gar nicht deren Zustimmungsraten. Stoppen kann sie sich lediglich selbst.

      • Wenn wir übrigens bei den Lebensleistungen von Frau Merkel sind:

        Frau Merkel hat „Europa“ zerstört. Zuerst hat sie Südeuropa verarmen lassen, indem sie Südeuropa eine Austeritätspolitik in der falschen Währung aufgezwungen und einen echten Schuldenschnitt verweigert hat und damit Millionen junge Menschen in Armut und Perspektivlosigkeit gestürzt. Und als ob das noch nicht genug wäre, hat sie im Alleingang Europa Millionen von ungewollten Migranten aufgezwungen und damit vermutlich den Brexit-Befürwortern das letzte Etwas zur Mehrheit verschafft. Angela Merkel hat einen Scherbenhaufen hinterlassen. In der CDU, die personell nicht mehr existiert und in Europa, das völlig am Boden liegt. Und das als fast notorische Wahlverliererin, den „gewonnen“ hat sie nur ein einziges Mal und das war 2013. Der Absturz danach kam dann aber schnell. Wirklich eine grandiose Lebensleistung, darauf kann die ehemalige FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda wahrlich stolz sein.

  8. Brexit-Befürworter und Gegner gibt es bei Tories und Labour gleichermaßen. Eine von oben verordnete Parteimeinung wie in Deutschland mag es auch geben, aber dort hält sich niemand daran.

    Wenn Politiker in einer Sachfrage Allianzen bilden, heißt das noch lange nicht, dass sie grundsätzlich dem gleichem Lager angehören oder gut miteinander können. Das Spiel der Macht ist vielschichtig. Schachspieler sind eindeutig im Vorteil! Und zum unbedingten Willen zur Macht, ohne den es leider nicht geht, gehört leider auch ein Stückchen Skrupellosigkeit.

    Man sollte diese Steigerungsformen kennen: Feind, Erzfeind, Parteifreund!
    Meine Großeltern haben mich immer gewarnt, Politik verderbe den Charakter……

    • Da ist leider etwas dran. Der Hauptgrund ist wohl, dass in der Politik kaum Regeln gelten, weil hier die Regeln gemacht werden. Außerdem sind die Eintrittsbarrieren sehr niedrig (nicht für neue Parteien, aber für eine zumindest kleine Karriere in der Politik), was zusammen mit den mangelnden Regeln besonders problematische Menschen magisch anzieht. Andere verdienen lieber anderswo anständig (im doppelten Sinne) Geld. Dummerweise machen dann die Politiker die Regeln für uns.

      • Ich war 20 Jahre leitender Angestellter in einem großen Vertriebsunternehmen. Unser Verkaufsdirektor, ein sehr gebildeter Mann, weltgewandt und rhetorisch brillant, war mein Mentor. Wir hatten auch politisch die gleiche Wellenlänge. Einmal habe ich ihn gefragt, warum er nicht in die Politik ginge und z.Bsp. für den Bundestag kandidiere. Ob ich wollte, dass er künftig weniger verdiene, aber viel mehr Ärger habe, hat er geantwortet.

        Auch Sie haben sich zu Ihrer FDP-Zeit nicht dazu entschlossen, ein öffentliches Amt anzustreben. Aus meiner persönlichen Erfahrung in der CDU kann ich sagen, dass Querdenker dort besonders wenig Chancen haben…..

      • Einmal habe ich für die Bürgerschaft in Greifswald kandidiert. Nach dem heutigen Wahlrecht wäre ich gewählt worden, doch damals galt noch die Fünf-Prozent-Hürde. In Münster waren die Verhältnisse in der FDP zementiert und verschenkt werden wohl in keiner Partei die höheren Mandate.

  9. Mit ein wenig Lebenserfahrung und politischem Instinkt muss klar sein, dass bei einer knappen Entscheidung kein Exponent eines Lagers die Führung über das Gesamte übernehmen kann.

    Ich halte grundsätzlich nicht viel von Frauen in der Politik, aber nach Lage der Dinge ist wohl diese Theresa May die ideale Nachfolgerin für Cameron. Sie war eine gemäßigte Brexit-Gegnerin, will nun aber das Votum umsetzen. Sie ist wohl geeignet, das gespaltene Land wieder zu versöhnen.

    Boris Johnson war es sicher von Anfang an klar, dass er nach dem Brexit-Votum abtreten muss. Aber er wollte sich nicht als Feigling, der sich vor der Verantwortung drückt, von der Bühne stehlen. Also brauchte es einen Königsmörder. Michael Gove übernahm diese undankbare Rolle.
    Er rammte Boris Johnson den Theaterdolch in den Rücken. Und Boris Johnson sank zu Boden, In der finalen Pressekonferenz Shakespeares „Julius Cäsar“ zitierend. Ich wollte wir hätten Politk-Darsteller mit solch subtilem Humor.
    Wie das Stück weitergehen wird?
    Wenn Theresa May der EU zuviel Zugeständnisse macht, oder es den Briten aus anderen Gründen wirtschaftlich schlechter geht, wird Boris Johnson als Rachegeist aus der Unterwelt wieder die Bühne betreten und Rechenschaft fordern. Er wird dabei aus Hamlet zitiieren.

    • „Boris Johnson war es sicher von Anfang an klar, dass er nach dem Brexit-Votum abtreten muss.“ Nein, warum hat er sich denn dann erst recht spät an die Spitze der Bewegung gestellt? Er hätte doch einfach die Klappe halten oder sogar für einen Verbleib in der EU Werbung machen können. Ich denke, er wollte Premierminister werden, doch am Ende fehlte ihm ein Plan und verließ ihn auch noch der Mut. Es ist auch ein großer Unterschied, ob man einfach gegen etwas ist oder dann eine konstruktive Alternative anbieten muss, was auch die AfD noch merken könnte.

      • Boris Johnson hatte eine historische Mission, die er mehr intuitiv als intellekuell erkannt hat. Er hat nicht das Zeug zum leader, aber war und ist ein genialer Zertrümmerer verlogener Strukturen.

        „Und wer ein Schöpfer sein muß im Guten und Bösen: wahrlich, der muß ein Vernichter erst sein und Werte zerbrechen.“
        (Nietzsche)
        Ganz fremd sollte Ihnen, Herr Prof. Dilger, der Gedanke nicht sein:

        Die Schöpferische Zerstörung (auch kreative Zerstörung, engl. creative destruction) ist ein Begriff aus der Makroökonomie. siehe auch:

        https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6pferische_Zerst%C3%B6rung

      • Der schöpferische Zerstörer ist allerdings auch und gerade ein Schöpfer. Noch ist nicht zu sehen, wer diese Rolle in Großbritannien oder ganz Europa übernimmt.

      • Bei Joseph Schumpeter kommt die kreative Schöpfung zuerst, die dann alte Strukturen zerstört. In der Politik müssen vielleicht zuerst die alten Strukturen zerschlagen werden, aber es ist noch nicht zu sehen, wer dann etwas Neues und vor allem Besseres schafft.

    • Zum Schluß unserer kleinen Diskussion möchte ich auf die Ereignisse in Österreich hinweisen. Dort zerbricht nun wohl das rot-schwarze-grüne Kartell. Es tut sich was in Europa.
      In Ihrem nächsten Beitrag werden sie auf Österreich eingehen?

    • Deutsche Politiker haben weder Humor noch kennen Shakespeare! Sie sind auch als Darsteller unglaubwuerdig weil sie die Rollen vergessen oder verwechseln!

      • Seit langem endlich mal ein origineller Kommentar von Old Grisogono. Weiter so!

  10. es geht ja auch um sehr viel Geld bei der Sache. Herr Soros soll mehr als 100 Mio Dollar Gewinn gemacht haben, Rupert Murdoch hat massiv für den Brexit getrommelt, lässt sich auf Partys mit Nigel Farage fotografieren
    https://www.theguardian.com/music/2016/jul/03/farage-murdoch-lebedev-and-fox-break-bread-as-told-by-lily-allen
    und ist bekannt dafür, Boris Johnson zu hassen.

    Sicher werden sowohl Farage als auch Johnson ihren Bonus bekommen.

    Grove hat wiederum eine Ehefrau, die mit vielen Chefredakteuren bestens vernetzt ist und Grove scheint der Favorit von Murdoch zu sein.

    Massenmedien und Geld machen eben Politik, in USA und UK viel mehr als in Deutschland.

    Am Ende wird UK zerfallen und England noch mehr Anhängsel der USA sein. Eine Entwicklung die unter Blair (Stichwort Irak-Krieg) ja schon begonnen hat….

    • Ja, es geht zunehmend nur noch um Geld oder um die „Macht des Geldes“, also sehr, sehr vermögender Clans oder Einzelpersonen. Ist aber alles keine Frage der Nationalität. Letztere wird ebenso vorgeschoben wie Religion, wenn es um den Ausbau der Macht dieses ziemlich kleinen und für die Öffentlichkeit weitestgehend unsichtbaren Personenkreises geht.

      • Ja, mit der Globalisierung machen einige wenige, wie George Soros, Goldman Sachs oder Morgan Stanley das große Geld und stellen sich hin, als wären sie die „sozialen Wohltäter“. Dass die Mittelschicht dabei „baden geht“, nehmen diese „kapitalistischen Sozialisten“ dabei gerne in Kauf und schimpfen uns dann „Reaktionäre“. Aufpassen Deutschland!

      • @francomacorisano

        So ist es. Nur kein Schaf tut etwas dagegen …

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