Subventionen für noch mehr Milch

Heute gab es einen „Milchgipfel“ wegen der niedrigen Milchpreise. Bundeslandwirtschaftsminister Christian „Schmidt verspricht Milchbauern ‚100 Millionen Euro plus x'“. Das ist gleich in mehrfacher Hinsicht verfehlt. Warum mischt sich der Staat überhaupt mit (weiteren) Subventionen ein? Dabei sind niedrige Preise insgesamt von Vorteil, zwar nicht für die Produzenten, dafür umso mehr für die Konsumenten. Außerdem führen Subventionen für die Produzenten nicht zu einem Produktionsrückgang, so dass die Preise eher noch stärker sinken würden, wenn das x groß genug wäre. Der Markt tendiert hingegen von sich aus zum Gleichgewicht. Wenn Politiker die Härten von Betriebsaufgaben abmildern wollen, sollten sie direkt dafür das Geld der Steuerzahler ausgeben und nicht für die weitere Produktion. Schließlich könnten kleinere Betriebe von Kennzeichnung und Bioprodukten profitieren, wenn sie tatsächlich ökologischer produzieren sollten. Ansonsten sind aber Großbetriebe viel effizienter, wogegen selbst 100 Milliarden Euro nichts ausrichten könnten.

17 Gedanken zu „Subventionen für noch mehr Milch

  1. Bei Nahrungsmitteln sollte m.E. nicht am falschen Ende gespart werden. Die Situation der Milchbauern ist ein echtes Dilemma. Wahrscheinlich gibt es zumindest in Deutschland wohl tatsächlich ein Überangebot. Das drückt auf den Preis und damit im Falle der Milch automatisch auf die Qualität, zumindest hinsichtlich der Haltungsbedingungen für Milchkühe. Ein Teufelskreis.

    • Die Qualität der Milch wird bei den niedrigen Preisen kaum leiden, denn an jedem Hof wird vor dem Umfüllen in den Tankwagen eine Probe entnommen. Werden Medikamente in der Probe nachgewiesen, muss der Bauer für die ganze Tankladung aufkommen.
      Mit den derzeitigen Milchpreisen dürfte ein neues Prekariat entstehen. Selbst mit den Subventionen werden die kleinen Milchbauern kaum auf 8,50 Euro Stundenlohn kommen und den Wechsel in andere Berufe trauen sich viele wahrscheinlich nicht zu. Betreuer für Flüchtlinge werden händeringend gesucht. Ob sich genügend Milchbauern dafür entscheiden, wird sich zeigen.
      Bei Hofaufgaben dürften die Flächen, die bislang zur Lebensmittelproduktion benutzt werden, Biogaslieferanten werden. Wenn man bedenkt, dass eine schnell wachsende Weltbevölkerung ernährt werden muss, dürfte sich diese Umstellung zur Energieproduktion wahrscheinlich als der falsche Weg erweisen.

  2. @MM:
    Von „sparen“ kann angesichts der absurden Subventionen insb. Auf europäischer Ebene wohl kaum gesprochen werden. Bei der Landwirtschaft halten wir uns gerne den dringend nötigen strukturwandel vom Leib, der für viele andere Branchen ebenfalls schmerzhaft aber notwendig war.

    • Ich beschäftige mich intensiv mit möglichem Optimierungspotential in der bayerischen Landespolitik und weiß daher, dass man die Bauern und ihre Betriebe nicht nur unter rein betriebswirtschaftlichen Kriterien betrachten darf. Insbesondere in Bayern, wie im gesamten Alpenraum spielt die Milchwirtschaft auch eine tragende Rolle für die Landschaftspflege, welche wiederum nicht nur für Tourismus und Naherholung, sondern für das gesamte Ökosystem der Alpen wichtig ist.

      So losgelöst vom Rest der welt kann man also zumindest in den Alpen und Voralpen den Milchpreis nicht sehen.

  3. Ein wirklich schöner Vorschlag meinerseits wäre,kostenlose Schulmilch oder Kakao in Kindergärten und Grundschulen in der Frühstückspause.

    Ich fand das immer Klasse,den Tuffi Kakaobecher in der Grundschule.

    Macht es doch kostenlos,das hilft allen,erhöht den Milchverbrauch und den Kindern wird es sicher auch gefallen – so manche Eltern mit knappem Buget werden es sicher auch danken,ohne vorher einen für alle anderen Kindern sichtbaren Kostenbefreiungsantrag stellen zu müssen !!

    • Das ist eine Form von Sozialpolitik, die ich auch als Liberaler voll unterstützen würde.

      Genauso wie die kostenlose Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, deren Verluste ohnehin vom Steuerzahler getragen werden müssen. Neulich erzählte mir ein Kommunalpolitiker, dass in seinem Landkreis der öffentliche Personennahverkehr zu 2/3 aus Steuermitteln subventioniert wird. Rechnet man da mal die Kosten für den Verkauf, die Verwaltung und Kontrolle von Fahrscheinen dagegen, könnten diese öffentlichen Verkehrsmittel sicher gleich kostenlos fahren, ohne dass eine zusätzliche Belastung für die öffentlichen Haushalte entstünde. Würde ein Opferstock für einen freiwilligen Obulus an den Haltestellen oder in den Verkehrsmitteln angebracht, könnten sie vielleicht sogar einen bescheidenen Gewinn einfahren. Aber so clever und vor allem sozial sind deutsche Staatsbetriebe eben leider nicht. Schade eigentlich.

  4. Subventionen sind fast immer eine Wettbewerbsverzerrung und sollten möglichst vermieden werden, zumindest aber immer von vornherein zeitlich eng begrenzt werden!

  5. Warum muss es überhaupt Subventionen geben?

    80% der Milch gehen als Milch und Milchpulver in den Export.
    Die größten Importeure sind China und Russland.

    Nur 20% der Milch und Milchprodukte finden den Weg in den hiesigen Handel.
    Der Verbraucher hat ergo nur einen sehr geringen Einfluss auf die Erzeugerpreise.

    Tragen die Erzeuger durch Überproduktion nicht selbst zum Preisverfall bei?

      • Treffend beschrieben. Jedenfalls unter rein marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten.

        Durch Vorschriften für eine artgerechtere Haltung der Tiere würde die Milchschwemme vielleicht automatisch zurückgehen und das Preisniveau damit wieder steigen.

      • Immer wenn der Staat seine Finger in die Wirtschaft steckt, geht etwas schief. Beamte haben KEINE Ahnung von Wirtschaft, viele Politiker, da meistens Beamte, Rechtanwälte oder Funktionäre erst recht nicht!

      • @francomacorisano

        Das ist leider so. Und trotzdem wird alles von diesen Berufsdilettanten reguliert. Dagegen müssten die Bürger endlich einmal aufbegehren.

      • Ja, eigentlich bräuchten wir eine Quote, um die Anzahl der Beamten unter den Parlamentariern zu begrenzen……!?!

      • @francomacorisano

        Warum nur begrenzen?
        Bereits F.A. Hayek hat richtig erkannt, dass das Wahlrecht für Beamte und den öffentlichen Dienst abgeschafft werden muss, wenn man seinen Folgen vorbeugen will. Das gilt heute mehr denn je!

      • Es ist rechtsstaatlich bedenklich, wenn die Administrative zur Legislativen wird…..!

    • Das eigentliche Problem ist ein Verteilungsproblem. Trotz unserer Milch-Überproduktion müssen in Indien mehr Kinder verhungern als im Mittelmeer Menschen bei der Flucht ertrinken.

      • @Josef Huber

        Wohl wahr. Wobei kein Erwachsener dazu gezwungen wird, in ein überfülltes Schlauchboot oder einen steuerlosen Seelenverkäufer zu steigen um damit zu versuchen ins vermeintliche Schlaraffenland zu gelangen. Die Kinder hingegen können sich nicht wehren.

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