Neue Milliarden für Griechenland und antizipierte Verluste

Diese Woche hat die Eurogruppe mal wieder „Zehn Milliarden Euro für Griechenland“ beschlossen. Eigentlich hat das keinen wirklichen Neuigkeitswert, weil es immer wieder passiert und konkret in diesem Fall Teil der bereits letztes Jahr beschlossenen 86 Milliarden Euro ist (siehe ‚Drittes Schadenspaket beschlossen‘), wobei auch diese nicht reichen werden, weil man ein Fass ohne Boden nicht füllen kann. Doch immerhin macht sich langsam die Erkenntnis breit: Der „Griechenland-Deal wird für Deutschland teuer“. Nur Herr Schäuble eiert noch herum:

„Wir haben die ganzen Jahre verantwortlich gehandelt und wir werden weiter verantwortlich handeln“, sagt er mit Blick darauf, dass im Jahr 2018 erneut die Tragfähigkeit der griechischen Schulden auf den Prüfstand gestellt werden soll. Widerstand im Haushaltsausschuss des Bundestags gegen die Auszahlung einer neuen Kredittranche an Griechenland im Umfang von 10,3 Milliarden Euro erwartet er nicht. Es sei immerhin nicht abschließend entschieden, Griechenland die Schuldenlast auch wirklich zu erleichtern.

Aber natürlich wird das passieren, gegebenenfalls ganz ohne Beschluss.

„Ich musste vermeiden, dass irgendjemand behauptet, wir hätten das entschieden“, sagt Schäuble. „Das haben wir nicht. Die Entscheidung treffen wir am Ende des Programms.“ Das ist im Jahr 2018.

Er warnt allerdings schon jetzt davor, Griechenland mit Maßnahmen entgegenzukommen, die einem Schuldenverzicht gleichkämen. Konkret nennt er eine Streckung der Schuldentilgung über zusätzliche 20 Jahre. „Dann können die Le Pens dieser Welt sagen: Diese Politiker wollen uns für dumm verkaufen“, sagt er mit Blick auf Marine Le Pen, die Chefin des rechtsnationalen Front National in Frankreich. „Wir verkaufen niemanden für dumm. Wir erklären, warum diese Politik der Stabilisierung der Euro-Zone im Interesse von uns allen ist.“

Herr Schäuble will uns weiterhin für dumm verkaufen. Seine Politik ist nur in seinem eigenen Interesse, während alle europäischen Völker darunter leiden, vorneweg das griechische, welches nichts von den ganzen Kreditverschiebungen hat, sowie das deutsche, welches die Rechnung am Ende bezahlen muss, mit der die Banken rausgekauft und Politikern wie Herrn Schäuble und Frau Merkel die Zeit bis zum Karriereende gekauft wurde.

Für den Ökonomen Clemens Fuest ist nun klar, dass Deutschland einen Teil seiner Rettungshilfen abschreiben muss. Der IWF hatte gefordert, Griechenland Schulden in Höhe von 90 Milliarden Euro zu erlassen, Deutschland müsste so 25 Milliarden abschreiben. „Das ist nicht so beschlossen, aber darauf wird es wohl hinauslaufen“, sagte Fuest.

25 Milliarden Euro sind immerhin eine Zahl, die die Lüge von Herrn Schäuble und seinen Fans aufdecken, dass Deutschland an den griechischen Zinsen auch noch verdienen würde. Doch dabei wird es nicht bleiben, sondern Griechenland wird netto gar nichts zurückzahlen (können). Deutschland kann froh sein, wenn sich die Verluste durch Griechenland, andere Eurokrisenländer und die EZB „nur“ auf eine dreistellige Milliardensumme begrenzen lassen und nicht in die Billionen steigen.

20 Gedanken zu „Neue Milliarden für Griechenland und antizipierte Verluste

  1. Ein Vorteil hat diese endlose Agonie ja: die Italiens und Frankreichs dieser Welt wissen jetzt dass ein gerrettetwerden über die europäischen Institutionen kein gangbarer weg für Ihre Länder wäre. Das gäbe wohl bürgerkriegsähnlicheher Zustände nicht nur in den nehmerländern. Das kleine Griechenland ist ein Modell, ein Test, der offenbart, dass die rettungspolitik zum scheitern verurteilt ist.

    • Das halte ich für eine sehr optimistische Sichtweise. Es wurden doch bislang alle Krisenländer „gerettet“. Bei Griechenland geht es deshalb endlos weiter, weil es ein besonders hoffnungsloser Fall ist, der überhaupt nicht fähig und willens ist, sich ordentlich an einer Gemeinschaftswährung zu beteiligen, aber trotzdem durchgeschleppt wird.

  2. Derzeit können wir noch großzügig die Banken, Griechenland, ein bisschen das Weltklima und die Weltkonjunktur retten. Doch irgendwann werden wir feststellen, dass das Geld für die eigenen Rentner nicht reicht, unsere Automobilindustrie mit den strengen Abgasnormen nicht überleben kann, die aufgenommenen Flüchtlinge uns nicht wirklich voranbringen, der Fusionsreaktor nicht zum Laufen kommt und die akkubasierte Stromversorgung Murks ist. Vermutlich werden die Altparteien dann immer noch das hohe Lied der EU singen. Die Internationale vielleicht gelegentlich dazu.

  3. Sparpakete oder Rettungspakete sind doch der falsche mediale Weg. Trotzdem kommt die Mahlzeit ständig auf den Tisch, das kopfschüttelnde deutsche Volk hat aber nur noch wenig Interesse. Es macht aber auch niemand mal Vorschläge, wie man die Dinge langfristig lösen könnte, ohne Einwirkung des Euros. Mein Vorschlag wäre, die Worte Sparpakete und/oder Rettungspakete nicht mehr zu benutzen. Allen Ernstes bin ich dafür, Griechenland Entwicklungshilfe anzubieten. Entwicklungshilfe leisten heißt, Fachkräfte entsenden, damit der Prozess national gesteuert wird. Zur Steigerung des Bruttosozialproduktes ist es erforderlich, die Wirtschaftsleistung, die bislang noch keine 10% erreicht hat, zu steigern. Warum können in Griechenland keine Autos gebaut werden, warum werden die Energiefelder nicht genutzt? Tourismus muss ein Nebengeschäft werden, darf nie eine wirtschaftstragende Rolle spielen. Politisch sollte man ein Handelsabkommen mit der Türkei erreichen und die eigenen Ressourcen sollten, wie die Landwirtschaft, mit Russland wieder in Gang kommen. Wenn man sich mal den größten Wert an der Athener Börse anschaut sieht man, dass es ein Getränkeabfüller ist. Dies alleine spiegelt die Industriearmut dieses Landes wider. Europa hat doch das Potenzial, Griechenland zu einem blühenden Staat zu machen.

    • Der Euro ist das Hauptproblem, wobei die von Ihnen empfohlene Industriepolitik die Sache wohl nicht besser machen würde. Griechenland hat keine komparativen Vorteile im Automobilbau und anderen Industrien, die ohnehin mit immer weniger Arbeitsplätze verbunden sind. Was spricht gegen Tourismus, wenn Qualität und Preis stimmen?

  4. Ich bin für einen Schuldenschnitt,also Schuldenerlass für Griechenland und damit verbunden keine weiteren Kredite oder Hilfszahlungen.

    Aber dem reicht es so nicht.

    Die EU – Fördergelder von reichen nach ärmeren Ländern haben einen Sinn.
    Und zwar,das ärmere Länder mit diesen EU Zahlungen investieren in Agrar,Straßenbau,Bildung,Gesundheitswesen,….. um damit irgendwann selbstständig ein höheres Niveau zu erlangen – annähernd so wie die Geberländer.

    Das hat in Polen und anderen Ländern gut funktioniert.
    In Griechenland wurden diese Gelder nicht investiert,sondern einfach nur verbraucht.
    Und sie schreien dauerhaft nach mehr davon.

    Es ist nicht Aufgabe der EU ( und der Fördergelder ) andere nicht leistungsbereite Länder dauerhaft zu alementieren,nur so für Nüsse,ohne das diese irgendwann auch mal ein Ergebnis dieser Milliardenspenden aufweisen müssten.

    Können sie das nicht in Form von geleister Infrastruktur,Bildungswesen u.s.w. vorweisen,( das ist der Sinn der Fördergelder ),sollte über eine Streichung von Fördergelden an nichtwillige EU Staaten zwingend und bindend nachgedacht und auch umgesetzt gehandelt werden.

    Zeit wirds langsam.

  5. Herr MT, einen Schuldenschnitt ohne weitere Maßnahmen verändern doch das Problem nicht. Es geht dann von Null wieder zurück in den Keller. 2040 sagen wir dann wieder Schuldenschnitt. Wir können die Schulden vielleicht verkraften, aber das griechische Volk bleibt für immer und ewig abhängig und ohne Perspektiven. Die Rücknahme des Euros ist vielleicht komplizierter, als wir das hier behandeln. Kommt der Brexit wird Finnland auch aussteigen.

    • Ein Schuldenschnitt ohne weitere Maßnahmen führt in der Tat nur zu neuen Schulden.

      Niemand hat behauptet, dass die Auflösung der Eurozone einfach oder gar billig würde. Doch die Fortsetzung ist noch schwieriger und teurer, insbesondere da es irgendwann ohnehin zur Auflösung kommen wird. Es ist ausgeschlossen, dass Griechenland und Deutschland dauerhaft dieselbe Währung behalten, aber mit viel Geld kann man das noch ein paar Jahre ignorieren.

      Der Brexit betritt nicht die Eurozone, sondern die EU. Finnland wird diese auf absehbare Zeit nicht verlassen.

    • Herr Kebs.

      Natürlich braucht Griechenland wieder eine eigene Währung.
      Und auch Verantwortung für sich selber.

      Die EU ist kein Geldspender auf Dauer,weil dem einfach so ist.
      Griechenland muß sich entweder mit Fördergeldern der EU wirtschaftlich verbessern oder aber nicht und dann wieder mit Eseln statt PKW ins 21. Jahrhundert zurückkehren.

  6. Es wäre dem Deutschen auch egal wenn es 100 oder 1000 Milliarden wären. Genauso bei der Flüchtlingspolitik. 94 Milliarden oder 940, oder waren es 94 Billionen? Wen interessiert das noch?
    Es macht sich eine Stimmung breit, dass diese Ausgaben nichts mit dem eigenen Alltag zu tun haben.
    „Geld ist doch ohne Ende da. Dei EZB schöpft es aus dem Nichts. Kauft für Staatsanleihen und Unternehmensanleihen massenhaft. Doch Zinsen und Inflation bleiben immer bei Null. Wo liegt das Problem?“

    So oder ähnlich argumentieren Merkel-Fans und andere Linke mit denen ich versuche in’s Gespräch zu kommen.

    • In der öffentlichen Wahrnehmungen mögen diese hohen Zahlen alle gleich wirken. Faktisch ist es jedoch ein riesiger Unterschied (nämlich um den Faktor 10 bzw. 100), ob es um 100 Milliarden, eine Billionen oder zehn Billionen Euro geht. Die erstgenannte Summe ist viel Geld, aber für Deutschland kein ernsthaftes Problem, die zweite lässt sich auch noch verkraften, die dritte nicht mehr.

      Viele Linke und Grüne glauben tatsächlich, dass der Strom aus der Steckdose und das Geld aus dem Automaten kommt. Warum bucht die EZB nicht jedem mehr Geld aufs Konto, wo das Buchen doch so leicht möglich ist? Bucht man nur genug, bekommt man auch die gewünschte Inflation von zwei Prozent. Dummerweise lässt sich das Geld dann nicht mehr zurückholen. Da z. B. der Ölpreis wieder steigt, könnte es demnächst deshalb zu mehr Inflation kommen. Was machen dann die ganzen Staaten, die sich auf dauerhafte Null- und Negativzinsen eingerichtet haben?

      • Nicht nur klassische Linke und Grüne. Dieser CDU-Laschet bracht es doch fertig in einer talk show zu sagen:
        „Die Eurokrise haben wir gelöst, in der Flüchtlingskrise machen wir gute Fortschritte. Die AfD sucht sich deshalb nun ein neues Thema: Den Islam.“

        Was soll man da noch sagen?

        „Was machen dann die ganzen Staaten, die sich auf dauerhafte Null- und Negativzinsen eingerichtet haben?“
        Na was denn wohl? Einen Schuldigen suchen. Sie werden schon einen finden, z..B. den aufkeimenden Nationalismus in Europa, der den Weg zu den notwendigen gesamteuropäischen Lösungen verbaut.

      • . „Dummerweise lässt sich das Geld dann nicht mehr zurückholen. “
        Lässt sich das Geld für die Staatsanleihen zurückholen? Theoretisch ja. Wenn die Staatsanleihen auslaufen, könnten die Staaten für die Refinanzierung auf den Kapitalmarkt verwiesen werden. Aber wird dies je durchsetzbar sein? Ich kann es mir nicht vorstellen.

      • Die gegenwärtigen Griechenlandkredite dienen doch fast vollständig zur Ablösung alter Kredite und für die ohnehin schon herabgesetzten Zinsen. Eine echte Refinanzierung auf dem offenen Kapitalmarkt halte ich für ausgeschlossen, es ginge nur durch Käufe bzw. mit Garantien von anderen Staaten oder der EZB.

  7. Viele lange kann das aus Sicht eines Ökonomen noch gutgehen? Kann man da einen seriösen Zeitrahmen ausspannen oder ist das „Glaskugel“
    Das die poltischen Fliehkräfte immer größer werden, ist ja offensichtlich , siehe Österreich.

    • Rein ökonomisch ist Griechenland längst pleite und wäre ohne die Rettungsmaßnahmen auch schon längst aus dem Euro ausgeschieden. Wie lange man diesen Unsinn noch macht, ist eine rein politische Frage. Da Griechenland klein ist im Verhältnis zur Eurozone, könnte man das noch lange fortsetzen. Es steht auch zu befürchten, dass andere Länder sich gar nicht mehr beteiligen wollen, Frau Merkel und Herr Schäuble aber trotzdem zusammen mit Herrn Draghi weitermachen.

  8. Griechenland ist ein Staat auf Drittwelt-Niveau. Es passt nicht zur EU, ähnlich wie Zypern, Rumänien und Bulgarien, die man hätte auch nicht aufnehmen dürfen. Den Beitritt zur Euro-Währungsunion hat sich Griechenland auch mit Hilfe der deutschen SPD-Genossen, allen voran ex-Finanzminister Hans Eichel, und der dubiosen Investmentbank Goldman Sachs (bzw. Goldman Sucks!) regelwidrig erschlichen. Mit dem antiken Griechenland, das uns immer als „Wiege der Demokratie“ verkauft wird, hat das heutige Griechenland nichts gemeinsam! Die Griechen wurden fast 500 Jahre vom Osmanischen Reich beherrscht und dabei von ihren moslemischen Eroberern mit der im Koran für „Ungläubige“ vorgeschriebene Beutesteuer „Dschizya“ ausgeplündert. Bürgerkrieg, Militärdiktatur und Sozialisten haben einen gescheiterten Staat hinterlassen.

    Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!
    Griechenland sollte die EU und den Euro verlassen!!!

    • Welche Perspektive hat Griechenland denn außerhalb der EU? Die Eurasische Wirtschaftsunion mit Russland an der Spitze? Aus meiner Sicht sollte Griechenland im eigenen Interesse die Eurozone verlassen, aber Mitglied der EU bleiben, die sich auf ihre Stärke als Gemeinsamer Markt zurückbesinnen sollte. Die Währungsunion und das Anstreben einer politischen Union sind dagegen schwere Fehler, die Europa schon viel geschadet haben und zukünftig noch mehr zu schaden drohen.

      • Ich will doch auch ein Rückbau der EU! ABER wer soll das machen? David Cameron hat in seinen Verhandlungen leider keine große Reform der EU erreicht. Erst wenn Le Pen, Wilders, Strache und die anderen bösen Rechten in Europa noch stärker werden, wird sich etwas ändern! Oder haben sie eine bessere Idee….???

      • Herr Cameron hätte mehr herausholen müssen, zumal seine EU-kritische, aber nicht EU-feindliche Haltung genau richtig ist. Warum gibt es nicht mehr davon, warum sind fast alle EU-besoffen oder völlig dagegen?

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