Ukraine gewinnt den Eurovision Song Contest

Gestern bzw. bis heute morgen lief der Eurovision Song Contest 2016 in Stockholm. „Ein Sieg auch für die Krim“ war das spannende Ergebnis dieses inzwischen sechzigjährigen Wettbewerbs. Eine wesentliche Neuerung war, dass es erstmals eine getrennte Bewertung von jedem Land durch eine Jury und vom anrufenden Publikum gegeben hat. In der Jurywertung führte das äußerst europäische Land Australien, wohin die meisten Juroren nächstes Jahr wohl gerne gereist wären, da stets das Siegerland den nächsten Wettbewerb bei sich abhält. Hätten sich auch die zuschauenden USA in der Konkurrenz befunden, wäre allerdings wohl Justin Timberlake mit seinem professionellen Gastauftritt der Gewinner geworden. So führte Russland in der Zuschauergunst, was zum Gesamtsieg der Ukraine führte, die in beiden Teilrankings den zweiten Platz belegte. Jamala, eigentlich Susana Dschamaladinowa, siegte mit ihrem Song „1944“ über das Schicksal ihrer Urgroßmutter bei der stalinistischen Zwangsumsiedlung der Krimtataren, die auch jetzt wieder von Russland unterdrückt werden.

Insgesamt ist die Punktevergabe mehr politisch als musikalisch motiviert. Das Ergebnis zeigt damit europäische Unterstützung für die Ukraine und auch die annektierte Krim. Zugleich hat aber auch Russland großen Rückhalt, insbesondere da es in etlichen osteuroäischen Ländern einen großen Anteil an Russen gibt, die dann alle mitstimmen dürfen. Der Glaube, Deutschland sei ungemein beliebt in Europa, wird dagegen nicht bestätigt. Deutschland erreichte wie letztes Jahr den letzten Platz. Das Lied „Ghost“ und vor allem die Show dazu waren nicht überragend, aber auch nicht am schlechtesten. Unsere besten Freunde sitzen demnach in Georgien, dessen Jury Deutschland wenigstens einen Punkt gab nach insgesamt null Punkten 2015 (die aber nach den diesjährigen Regeln 29 Punkte und der drittletzte Platz gewesen wären, siehe „Elf Punkte sind schlimmer als null Punkte“).

19 Gedanken zu „Ukraine gewinnt den Eurovision Song Contest

  1. Dass auch dieser aus Rundfunkgebühren finanzierte „Eurovision Song Contest“ inzwischen zur lausigen Polit-Propaganda für Dumme verkommen ist, empfinde ich als einzige Verhöhnung selbst denkender Zuschauer, insbesondere in den dieses fragwürdige Spektakel finanzierenden „Eurovision“-Ländern.

    Zuschauer-Zwangsabgaben für plumpe politische Propaganda. Das soll „Demokratie“ sein?

      • Die jetzt „Haushaltsabgabe“ heißende GEZ ist faktisch eine Sondersteuer, da sie von jedem, also auch den Nicht-Nutzern bezahlt werden muss. Steuern müssen aber in einem Rechtsstaat in einen Haushalt einfließen, der parlamentarischer Kontrolle untersteht. Da das bei der Haushaltsabgabe nicht so ist, zweifele ich an ihrer Rechtmäßigkeit. Die Abschaffung der Haushaltsabgabe sollte eines unserer ganz wichtigen Ziele sein!

  2. Der Artikel bei tichy bringt die Chancen der deutschen Interpreten auf den punkt:

    „Mein Vorschlag: Künftig wird die Rechnung des European Song Contests anschließend auf die Endrundenteilnehmer umgelegt. Anteilig nach Erfolg bei der Endausscheidung. Das Endstand-Punktekonto könnte problemlos prozentual auf die Teilnehmer umgerechnet werden. Erst dann – da bin ich mir absolut sicher – wird es wieder erste Plätze für die Deutschen geben.“

    • Hinsichtlich des Siegerlandes ist es doch schon so, dass dieses den nächsten Wettbewerb ausrichten muss. Bei anderen Wettbewerben bekommt der Sieger etwas und muss nicht für den Sieg zahlen. Wie wäre es auch hier mit „One man, one vote“ statt Länderquoten?

  3. Solange ich zurückdenken kann, war dieser europäische Sängerwettstreit von zweifelhaftem Ruf. Schon die Teilnahme außereuropäischer Staaten macht die Veranstaltung zu einem Witz.

  4. Der Sinn dieses Wettbewerbes liegt ja darin, dass die Interpreten durch ihr Lied ihr eigenes Land darstellen, gestützt durch die Erscheinungsweise der Mentalität in symbolischer Form. Wenn ich dann da als Miezekätzchen auf der Bühne stehe mit Hasenohren, und singe etwas vom „Ghost“. Ohje. Der Manga Auftritt aus Deutschland musste dann dem entsprechend in die Hose gehen. In einem Wettbewerb Letzter zu werden ist keine Schmach. Ich verstehe nicht, dass man nichts lernt. Lena und Raab haben es doch vorgemacht. Da hat man das ganze Jahr über Zeit, ein schönes deutsches Lied zu komponieren. Warum hat man nicht die „Randfichten“ auftreten lassen? Der „Holzmichl“ hätte uns nach oben geschossen.

  5. Diese Veranstaltung ist so dämlich und überflüssig. Wir sollten über die interessanten und relevanten Themen diskutieren, zb wie es mit der cdu weitergeht oder was man Schulz und Scholz bieten müsste, damit sie sich für die Kanzlerkandidatur bewerben.

      • Einen interessanten Aspekt hat die K-Frage der SPD allerdings schon: Sowohl Olaf Scholz als auch Frank-Walter Steinmeier betonten bei ihrer Absage, dass der „natürliche“ Kanzlerkandidat der SPD deren Vorsitzender sei und die SPD eine „solidarische Partei“, was eine klare Absage an Sigmar Gabriels Vorschlag war, den Kanzlerkandidaten von den Parteimitgliedern wählen zu lassen und in Sachen innerparteilicher Demokratie bei den „Sozialdemokraten“ (eigentlich Solidar-Despoten) tief blicken lässt …

    • Eine Partei, die vielleicht Aussichten auf 15% +/- „x“ hat, braucht doch keinen Kanzlerkandidaten!

      Das sehen die potentiellen SPD-„Kanzlerkandidaten“ offenbar selbst so – niemand will in die Bütt, obwohl der fettleibige Lehrer aus Goslar gerne jedem seiner „Mitbewerber“ den Vortritt lassen möchte.

      Wozu soll man darüber also auch noch außerhalb der SPD diskutieren?

      • Ok die Frage der Kanzlerkandidatur mag nicht relevant sein. Amüsant finde ich sie dennoch. Gabriel bettelt darum es nicht machen zu müssen. Scholz windet sich und faselt irgendwas von Solidarität an der Parteispitze um den mitgliederentscheid abzuwenden, der ihm die Kandidatur bescheren und damit einen karrieredämpfer mit sich bringen könnte. Wer weiss, vielleicht denkt er sich noch etwas aus, was ihn kurzfristig beliebtheit kostet nur um sich aus dem schussfeld zu ziehen. In anderen Zeiten würden die sich die Messer gegenseitig in den Rücken rammen um kandidieren zu können und jetzt plötzlich will man sich „die Posten nicht streitig machen“. Das ist doch Kabarett…

      • Wer Kanzlerkandidat der SPD wird, finde ich tatsächlich unspannend, weil er (oder sie) ohnehin nicht Kanzler wird. Die SPD kann ernsthaft nur entscheiden, ob sie lieber einen Vizekanzlerkandidaten oder einen Spitzenkandidaten als zukünftigen Oppositionsführer aufstellen will. Diese Form der Merkel-Alternativlosigkeit ist allerdings für unsere Demokratie sehr problematisch.

      • Eine erbärmliche Posse eben, die mehr über den Zustand unserer „Demokratie“ und unsere ach so „demokratischen“ Parteien an sich aussagt, als über ihre unsäglichen Protagonisten.

  6. Es ist ein riesenproblem, dass die stärkste Fraktion typischerweise den Kanzler stellt. Trotz aller Fehler und katastrophalen Entscheidungen macht das die Union momentan alternativlos. Vielleicht sollte die SPD darüber nachdenken ob sie die linkspartei nicht schlucken sollte um dieser Falle zu entkommen. Wie es scheint hat die cdu mit der programmatischen Flexibilität sowohl mit SPD, Grünen als auch fdp koalieren zu können alle Trümpfe auf der Hand.

    • In Deutschland ist es üblich, dass zuerst eine Koalition gebildet wird und innerhalb dieser dann die stärkste Fraktion den Kanzler oder Ministerpräsidenten auf Landesebene stellt. Zwingend ist das nicht. Spieltheoretisch könnte eine kleinere Fraktion mächtiger sein, wenn sie mehr Koalitionsmöglichkeiten hat. Diese Legislaturperiode hätte die SPD durchaus auch mit Grünen und Linken koalieren können. 2017 wird dafür aller Voraussicht nach keine Mehrheit mehr vorhanden sein, wodurch die AfD faktisch Frau Merkel noch mächtiger macht. Außer mit den Linken kann sie mit jedem koalieren, selbst mit der AfD.

    • @Stefan
      „Vielleicht sollte die SPD darüber nachdenken ob sie die linkspartei nicht schlucken sollte um dieser Falle zu entkommen.“

      Eher schluckt in ein paar Jahren die Linkspartei die SPD, wenn Letztere weiter an ihrer Politik aus der Mitte des 19. Jahrhunderts feshält … :-)))))))

  7. Hätte Australien den Wettbewerb gewonnen, wäre der nächste ESC in Kooperation mit dem australischen Sender in einer europäischen Stadt veranstaltet worden. Das war 2015 auch schon so geregelt. Ob das den Juroren bewusst war ist natürlich eine andere Frage.

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