Faymann gibt mangels Rückhalt in der SPÖ auf

„Österreichs Bundeskanzler Faymann tritt zurück“, weil ihm der Rückhalt in seiner eigenen Partei, der SPÖ, fehlt. Das scheint ein generelles Problem der Sozialdemokraten zu sein, dass sie ihre Spitzenleute nicht hinreichend unterstützen (während die Union als Kanzlerwahlverein Frau Merkel bei jedem Unsinn blind folgt). Helmut Schmidt wurde nur vordergründig von der FDP gestürzt und in Wirklichkeit von den eigenen Genossen. Unvergessen ist, wie ein späterer Überläufer zur SED-Nachfolgepartei Rudolf Scharping als Parteichef wegputschte. Erst gestern wurde Rücktrittsgerüchte über Sigmar Gabriel gestreut („Markwort befeuert Rücktrittsgerüchte“), wobei Martin Schulz ein noch viel schlimmerer Kanzlerkandidat wäre.

In beiden Ländern spielen schlechte Umfragewerte eine Rolle, wobei in Österreich noch das desaströse SPÖ-Ergebnis bei der Bundespräsidentenwahl hinzukommt (siehe ‚FPÖ gewinnt erste Runde der Präsidentenwahl in Österreich‘). Der tiefere Grund dafür dürfte das inzwischen mangelnde Profil der Sozialdemokratie sein. Die meisten anderen Parteien haben sich ebenfalls sozialdemokratisiert, insbesondere die CDU unter Frau Merkel, so dass eine starke Konkurrenz um dieselben Wähler herrscht. Zugleich werden andere Wähler und Themen vernachlässigt, was Links- und inzwischen vor allem Rechtspopulisten begünstigt. Es ist weder sonderlich sozial noch demokratisch, die eigenen Arbeiter, Rentner und Kinder zu vernachlässigen.

33 Gedanken zu „Faymann gibt mangels Rückhalt in der SPÖ auf

  1. Die SPD hat die schädliche Rente mit 63 und den Mindestlohn beschlossen…lediglich die Kinder wurden vernachlässigt, benachteiligt und ihren Familien die gesamten zukünftigen Kosten für diese Wahlgeschenke überlassen. Verwunderlich ist doch, dass die SPD ihre Wähler an die AfD und Linkspartei verliert, obwohl sie ihre Wahlversprechen eingelöst hat.

    • Von der Rente mit 63 profitiert doch kaum jemand. Dagegen will die SPD ihren Wählern nicht erklären, dass eine immer längere Lebensdauer nicht unsozial ist, aber Anpassungen erfordert. Auch der Mindestlohn ist nicht so sozial, wie er vielleicht scheint. Der Euro ist gleich mehrfach schlecht für normale Arbeitnehmer in Deutschland, die auch für die Energiewende und Flüchtlingspolitik aufkommen müssen.

      • Eine höhere Lebenserwartung geht nicht zwingend mit einer längeren Arbeitsfähigkeit einher. Dazu ist die individuelle Disposition und die berufliche Belastung der einzelnen Menschen zu unterschiedlich

        Es gibt Arbeitnehmer, die mit Anfang 60 physisch/psychisch nicht mehr arbeitsfähig sind, während andere mit 75 Jahren noch durchaus fit sind.

        Auch macht es einen Unterschied, ob tag täglich gearbeitet werden muss, oder ob es sich um freiwillige, temporäre Tätigkeiten handelt.

        Hans-Peter Dürr hat im Alter von über 80 Jahren als Professor noch voll besetzte Auditorien zu Beifallsstürmen hingerissen während z.B. mein Nachbar, Kleinunternehmer als Fliesenleger, im Alter von 58 Jahren nicht mehr arbeitsfähig ist.

        IMHO ist eine Altersgrenze von 65 Jahren zum Bezug des vollen Altersruhegeldes durchaus berechtigt. Wer freiwillig länger arbeiten möchte, kann dieses tun. Es ist nicht verboten.

      • Durchschnittlich haben sowohl die Lebenserwartung als auch die Fitness und Arbeitsfähigkeit erheblich zugenommen. Als Otto von Bismarck die Rentenversicherung 1891 einführte, betrug das Renteneintrittsalter 70 Jahre und lag die durchschnittliche Lebenserwartung deutlich darunter, d. h. die meisten Menschen starben, bevor sie Rente bekamen.

        „Wer freiwillig länger arbeiten möchte, kann dieses tun. Es ist nicht verboten.“ Das ist so nicht ganz richtig. Ein Normalarbeitsverhältnis darf man nicht fortsetzen. Man kann sich eine andere, oft deutlich schlechter bezahlte Art der Beschäftigung suchen, (schein)selbständig arbeiten oder Politiker werden.

      • @Dilger
        Natürlich sind Rente mit 63, Mindestlohn und Co. nicht so sozial, wie es Sozialisten und Sozialdemokraten gern darstellen. Immerhin hat die SPD diese absurden Wahlversprechen eingehalten, wogegen die Unionsparteien ihr inhaltliches Profil fast komplett verloren und lediglich Frau Merkel als wichtigstes Wahlversprechen hatten bzw. auch zukünftig haben. Dennoch straft der Wähler größtenteils die SPD ab, die Union bekommt trotz der sozialdemokratische Politik der Merkel Regierung weiterhin halbwegs stabile Umfrageergebnisse von knapp 35 % (ohne Flüchtlingskrise wahrscheinlich um die 40 %). Das Problem der SPD würde ich im personellen Bereich sehen. Man kann doch versprechen, was man will, der Wähler wird bei einer neuen inhaltlichen Ausrichtung lieber CDU, AfD oder Linkspartei wählen, da es keine glaubwürdigen Persönlichkeiten in der Führung gibt. Die SPD wird vielleicht höchstens die 30 % irgendwann mal wieder bundesweit schaffen, wenn man mit der Linkspartei fusioniert. Allerdings dürfte so eine zweite SED für jeden Liberalen und Konservativen eine Horrorvorstellung sein!

      • Die anderen Parteien haben doch auch wenig vorzeigbare Persönlichkeiten. Die SPD hat das Problem, dass Frau Merkel ihr auf die Pelle gerückt ist, während links von ihr Die Linke und Grünen immer noch mehr Forderungen stellen können.

      • @Kunze
        Man macht es sich zu einfach, wenn man immer zum Thema „längere Arbeitsfähigkeit“ das Klischee von „Professor vs. Handwerker“ anbringt. Es gibt genügend Professoren, Ärzte, Rechtsanwälte usw., die ebenso schon mit 60 Jahren enorme gesundheitliche Probleme haben, weil sie trotz geringerer körperlicher Arbeit (beruflich verursacht) einen ungesunden Lebensstil geführt haben (ständig Überstunden etc.). Es hält sich nicht jeder Akademiker so fit wie Herr Dilger. Die Menschen können nicht „lediglich“ 40 Jahre arbeiten und danach noch 30 Jahre eine hohe Rente beziehen wollen, wenn in ein paar Jahrzehnten ein Arbeitnehmer auf ein Rentner kommen könnte. Man wird das Renteneintrittsalter auf (mindestens) 70 Jahre erhöhen müssen…oder es muss viel mehr Zuwanderung geben, was viele Menschen auch nicht wollen. Bei Handwerkern könnte man bspw. darüber nachdenken, dass sie in den letzten Arbeitsjahren (ab 63) nur halbtags arbeiten müssen, wobei ihr Schwerpunkt auf der Theorie- und Praxisvermittlung liegt.

      • Die „Sozialdemokratie“ hat sich seit ihren Gründerjahren nicht weiterentwickelt und betrteibt im Grunde immer noch dieselbe Phrasenpolitik, mt der sie zu Zeiten des Manchester-Liberalismus beim Proletariat gepunktet hat.

        Wenn Martin Schulz Kanzlerkandidat wird, kann die SPD zeigen, ob sie die 5%-Hürde noch lupft. Ich finde diesen Kandidaten ideal. 😉

        Ein abgefahrener Sommerreifen muss bei 1,6 mm Profiltiefe ausgewechselt werden. Das, obwohl er dann immer noch deutlich mehr Profil hat, als alle derzeitigen SPÖ-SPD-CDU-ÖVP-Grüne – Granden zusammen.

      • @Alexander Dilger 11:06
        „Als Otto von Bismarck die Rentenversicherung 1891 einführte, betrug das Renteneintrittsalter 70 Jahre und lag die durchschnittliche Lebenserwartung deutlich darunter, d. h. die meisten Menschen starben, bevor sie Rente bekamen.“

        Das ist genau der springende Punkt. Zudem traten die Menschen damals generell viel früher in das Berufsleben ein. Daher musste nicht ein Sechstel der erwerbsfähigen Bevölkerung die anderen fünf Sechstel plus Rentner, Pensionäre und nicht integrierbare Migranten mitversorgen, sondern jeder sorgte im Wesentlichen für sich und seine eigene Familie.

        Der „Sozialstaat“ ist völlig überreizt, der Crash unvermeidlich.
        „Sozialdemokratie“ und „Sozialstaat“ haben fertig!

      • Prof. Dilger sagt wie es ist. Menschen die frei weiter arbeiten moechten werden durch staatliche Restriktionen vom Markt ferngehalten!
        Arbeitsverhaeltnis endet mit 65. Z.B. Aerzte muessen Praxen abgeben etc.weil sie von GKV gezwungen werden. Obwohl viele noch 5-10 Jahre gerne arbeiten koennten.
        Zu Arbeiten als Rentner unterliegt allen moeglichen Restriktionen, beginnend mit Verdienstgrenzen etc. Das ist Sozialismus und Diktatur der Gewerkschaften. Normal waere es nach Rentenbeginn frei zu entscheiden ob man weiter arbeiten moechte. Rente wird durch eigene Beitraege verdient und ist keine staatliche Nothilfe und Geschaenk!

      • @Dilger
        Ja, das Dilemma der SPD ist, dass eine Kursänderung kein Erfolg haben wird, da sie auf der linken Seite von Linkspartei, Grüne, teilweise sogar AfD einfach überboten wird, während auf der rechten Seite eine sozialdemokratische Union unter Merkel eine weitere Ausrichtung in die Mitte verhindert. Der Politikwissenschaftler Prof. Patzelt hat es sehr gut festgestellt: es ist eigentlich im Interesse aller Parteien (außer AfD), wenn man zulässt, dass die Union wieder den rechten (demokratischen) Rand abdeckt, indem man zukünftig nicht sofort die rechte Keule (wie bspw. gern Herr Stegner) herausholt, sobald konservative Positionen vertreten werden.

        Ja, und deshalb müsste es (wie in den USA oder Kanada) eine dauerhafte Zuwanderung junger Menschen geben, was eher unwahrscheinlich ist, weil man bspw. gar nicht so viel Arbeitsplätze in Deutschland anbieten können wird. Davon abgesehen, dass die Mehrheit der Menschen kaum irgendwann die Minderheit im eigenen Land sein will, was bei dauerhaft hoher Zuwanderung der Fall wäre. Ich plädiere für ein höheres Renteneintrittsalter…es ist unumgänglich, wenn man verhindern will, dass unsere Sozialsysteme in naher Zukunft zusammenbrechen. Ich verstehe nicht, warum so viele ältere Menschen scheinbar nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“ leben., obwohl sie Kinder, Enkel, Urenkel haben, die die Rechnung zahlen müssen.

      • Union und SPD kommen kaum noch über 50%. Es ist nicht völlig auszuschließen, dass 2017 eine GK nicht für eine Regierung reicht, so wie das momentan bereits in Österreich der Fall wäre. Aus Sicht der Demokratie ist das nur zu begrüßen.

        Werner Faymann geht den Schritt, der Angela Merkel noch bevorsteht. Wenn die Union schlau wäre, dann hört Merkel 2017 auf und tritt mit einem Politiker der CSU zur Bundestagswahl an. Nur so traue ich ihr noch 35%+ zu.

        Die AfD wird weiter wachsen, der Damm ist gebrochen. Die Menschen wollen neue Leute sehen und sie werden sie auf kurz oder lang auch bekommen. Die AfD ist keine Partei, sie ist vielmehr Teil einer Bewegung, die weltweit für Veränderungen kämpft. Die exakten Inhalte sind dabei nicht so wichtig.

      • @Old Grisogono 11:46
        „Rente wird durch eigene Beitraege verdient und ist keine staatliche Nothilfe und Geschaenk!“

        Wenn das tatsächlich so wäre, würde ich ihrem ganzen Beitrag zustimmen. Ist aber nicht so!

        Millionen von Rentnern beziehen in Deutschland Rente, ohne jemals einen Beitrag dafür entrichtet zu haben. Dafür dürfen aber alle Autofahrer, insbesondere selbständige Vielfahrer, die damit selbst keinen Anspruch auf Rente erwerben, jährlich hohe vier- bis fünfstellige Beträge über die an der Tankstelle erhobene Lügensteuer „Energiesteuer“ für die Renten dieser Sozialschmarotzer bezahlen.

    • Die CDU soll mal ehrlich sein und einen Vereinigungsparteitag mit den Grünen machen, große Unterschiede gibst ja bei diesen Parteien nicht mehr.

      Es braucht natürlich eine Doppelspitze Angela und Klautschi Roth.

      Bezüglich SPD und Ö-BP Wahl. Da machen sich SPD die Giganten wichtig, Gabriel und Schulz, die SPÖ soll bei der Stichwahl eine Wahlempfehlung für den Grünen abgeben. So deppert ist aber die SPÖ nicht, die sind da liberal, jeder Wähler soll frei entscheiden.
      Dem Norbert Hofer kann eh nix mehr schaden, die Angriffe von den Grünen gehen ja ins Nichts, von der Burschenschaft wo er Mitglied ist , die schreiben „…lehnt die Burschenschaft die geschichtswidrige Fiktion einer ‚österreichischen Nation‘ ab“, …

  2. Wenn man es historisch sieht, war ja die SPÖ die einzige sozialdemokratische Partei in Europa, die es dreimal hintereinander geschafft hat bei Parlamentswahlen die absolute Mehrheit der Stimmen zu bekommen. 1971, 1975, 1979.

    • Sie wollen jetzt aber nicht Faymann oder ‚den hässlichen Mann aus Ybbs‘ (seinen richtigen Namen habe ich schon wieder vergessen) mit Bruno Kreisky auf ein Schild heben?

      • Gusenbauer hieß der, na über Nachnamen sich lustig zu machen war für Jörg
        Haider kein Problem, der bezeichnete den immer als Gruselbauer.

  3. Mit so Nachnamentricks kann man immer auftrumpfen, da wurde der Faymann als Feigmann von der FPÖ bezeichnet.

    Da es relativ unwahrscheinlich, dass der Herr Meister neuer SPÖ-Chef wird, wird die FPÖ nicht bringen können Bademeister.

  4. Martin Schulz wird wohl kaum so doof sein und sein extrem gut versorgtes und bequemes Pöstchen in brüssel aufgeben für eine Kanzlerkandidatur der spd. Nach der sicheren wahlniederlage stünde er mit leeren Händen und als loser da…
    Die anderen naheliegenden Kandidaten (Kraft, Scholzomat) haben auch etwas zu verlieren.
    Nein, keiner wird Gabriel die bittere pille abnehmen wollen…

    • Na vielleicht opfert sich ja der hässliche Mensch aus Ybbs. So unter Genossen. Deutschland ermöglicht Österreichern die doppelte Staatsbürgerschaft ja, umgekehrt geht es (leider) immer noch nicht … (sonst hätte ich sie längst)

  5. Früher war die SPD die Partei der Arbeiter – heute nur noch der Sozial-Arbeiter.

    Hätte die SPD Sarrazin ernst genommen und nicht an den Rand gedrängt, könnte sie heute viel besser dastehen (und die AfD wäre vielleicht gar nicht entstanden….).

    • Der Hugenotten-Nachfahr (Achtung! Migrationshintergrund) Thilo Sarrazin ist auch nur ein lebenslanger Berufspolitiker und egozentrischer Opportunist. Von solchen Leuten sollten Sie sich keine Wunder zur Rettung des angezählten „Sozialstaats“ versprechen …

      • Das tue ich auch nicht! In der Tat hat Sarrazin in seiner Zeit als aktiver Politiker in den Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und Berlin nichts von dem umgesetzt, was er heute propagiert! Er hätte für seine Inhalte innerhalb der SPD kämpfen müssen oder mit einer neuen Partei lange vor der AfD-Gründung. Es scheint mir so, dass es ihm heute leider nur noch um gute Verkaufszahlen für seine Bücher geht……

      • Von wem sollten wir uns dessen rettung denn versprechen?

      • Wie gesagt – Sarrazin ist ein Opportunist, der zumindest in der SPD keine Karriere mehr machen wird und daher jetzt möglichst viele Bücher verkaufen will. Ich will nicht hoffen, dass er eines Tages in der AfD aufschlägt, wie es ihm einst Bernd Lucke angeboten hatte …

  6. Man kann sarazin sicherlich viel vorwerfen. Ich habe in seinen Büchern allerdings mehr überzeugendes gelesen als ich von führenden spd köpfen in den letzten 5 Jahren zusammen gehört habe. Insb. Zu Themen wie bildungspolitik, einwanderungspolitik, Sozialpolitik und Europapolitik finde ich ihn überzeugender als die gabriels‘ und nahles‘ dieser Welt. Wie gesagt das exkulpiert ihn nicht von anderen fehlgeleiteten Aussagen.

    Ich versuchte Ihnen mal ein positives statement zu entlocken. An wen knüpfen Sie denn politische Hoffnungen?

    • Außer Jörg Meuthen (AfD), Alice Weidel (AfD), Wolfgang Kubicki (FDP) und Sarah Wagenknecht (LINKE) sehe ich der derzeitigen deutschen Politiklandschaft leider überhaupt keinen aktiven Politiker, dem ich überhaupt wirklich etwas zutraue.

      • Da gibst doch noch die frühere Weinkönigin von der CDU aus RLP.

      • Na klasse!
        Und einen verbitterten alten Tablettenjunkie mit Rollstuhl hätte die CDU auch noch anzubieten …

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