Verlage haben kein Recht auf Ausschüttungen der VG Wort

Gestern kippte das Bundesverfassungsgericht Teile des Bundeskriminalamtgesetzes, denn die ‚Überwachung zur Terrorabwehr muss verhältnismäßig sein‘. Heute kippt der Bundesgerichtshof Teile der jahrzehntelangen Praxis der VG Wort, weil es dafür keine gesetzliche Grundlage gibt. Es gibt ab sofort bzw. rückwirkend seit 2013 „Keine pauschale Beteiligung von Verlagen an den Einnahmen der VG Wort“, weil ihnen dafür die entsprechenden Rechte fehlen. Damit stehen vielen Verlage „Existenzbedrohende Jahre“ bevor. Trotzdem finde ich es erstaunlich, dass es niemandem vorher aufgefallen ist, dass die Verlage die Hälfte der millionenschweren Ausschüttungen ohne Berechtigung erhalten haben. ‚Google darf Bücher ins Netz stellen‘, ohne etwas zu bezahlen, während ich nicht nur auf zukünftig höhere Ausschüttungen für meine Aufsätze hoffe, sondern auch auf etwas Geld für meine ‚Zählmarken von VG Wort‘ bzw. für diesen Blog.

10 Gedanken zu „Verlage haben kein Recht auf Ausschüttungen der VG Wort

  1. Wieso schüttet VG Wort nur die Hälfte aus? Brauchen sie die andere Hälfte etwa für Ihren Verwaltungsaufwand, bzw. Selbstzweck, wie ihre Schwester Gema???

    • Zuerst kommt der Verwaltungsaufwand, dessen Höhe ich nicht kenne. Dann wurde der Rest hälftig an Verlage und Autoren ausgeschüttet, obwohl eigentlich nur die Autoren ein Anrecht darauf haben.

      • Die Höhe des Verwaltungsaufwandes ist die spannendste Frage! Daraus kann man ableiten, ob es sich bei VG Wort ggf. um einen reinen Selbstzweck handelt.

      • Die Verwaltungskosten plus Abschreibungen lagen laut Geschäftsbericht 2014, S. 10, bei 10 Millionen Euro, die Nettoaufwendungen (abzüglich Verwaltungserträge) bei 8,4 Millionen Euro bzw. 6,4 % der Inlandserlöse. Das ist nicht nichts, aber wohl noch vertretbar (vergleichen Sie das einmal mit der AfD).

      • Was das jetzt mit der AfD zu tun hat, kann ich nicht nachvollziehen. Ich kenne den aktuellen Finanzbericht der AfD nicht, kann mir aber auch nicht vorstellen, dass die Ausgaben für Verwaltung, d. h. wohl Bundesgeschäftsstelle, exorbitant hoch wären, zumal kein Bundesgeschäftsführer mehr eingestellt wurde.

        Ohne effizierte Verwaltung geht es nicht. Aber sie darf nicht aufgebläht werden, um treuen Vasallen Jobs zu verschaffen! Ich erinnere immer gerne an Konrad Adenauer, der zu seinem Abschied aus dem Kanzleramt, seinen künftigen Nachfolgern den Satz „und haltet mir bitte den Apparat klein“ mit auf den Weg gegeben hat. Leider hat sich keiner daran gehalten…..

      • Wenn ich mich richtig erinnere, war die Bundesgeschäftsstelle 2013 der größte Ausgabenblock überhaupt. Das Geld hätte man besser in den Wahlkampf gesteckt. Jetzt gibt es noch viel mehr Geschäftsstellen, aber auch mehr Einnahmen.

      • Ich bin, wie bereits ausgeführt, ein großer Freund schlanker, aber effizienter Verwaltung! Aber man darf nicht vergessen, dass die junge AfD vielerorts noch gar nicht über einen Apparat verfügt hat. Somit musste anfangs manches in der Bundesgeschäftsstelle erledigt werden, was dort nicht dauerhaft hingehört, sondern dezentralisiert werden muss. Daher ging es auch nicht ohne einen hauptamtlichen Bundesgeschäftsführer, denn die Mitglieder im Bundesvorstand hatten noch keine Mandate und mussten mit ihren bürgerlichen Berufen ihr Einkommen bestreiten. Das darf man bei der Beurteilung alles nicht vergessen.

      • Frau Petry und Herr Lucke haben sich von der Partei bezahlen lassen, obwohl das rechtlich höchst fragwürdig war. Auch die zentralistische Finanzverteilung entsprach weder Satzung noch Gesetz. Eigentlich ist es erstaunlich, wie problemlos der Rechenschaftsbericht trotzdem durchging.

      • Ich will hier weder Herrn Lucke noch Frau Petry verteidigen. Aber um sich dem Aufbau der AfD zu widmen, hatte Herr Lucke seine Lehrtätigkeit an der Uni um 50% reduziert und wurde dafür auch entsprechend beim Gehalt gekürzt. Obwohl ich heute stinksauer auf ihn bin, erkenne ich trotzdem an, dass er für die Parteiarbeit seine Familie erheblich vernachlässigte und einen hohen persönlichen Preis bezahlt hat. Er hat nicht das dicke Fell und das feine Fingerspitzengefühl, was man in der Politik unbedingt braucht und wurde zudem sehr schlecht beraten. Ich habe einmal versucht, ihm einen gutgemeinten Tipp zu geben, den er eiskalt abgebügelt hat.

        Frau Petry hat wohl wegen ihrem politischen Engagement ihre Firma vernachlässigt und somit den Konkurs zumindest begünstigt. Ich bin ihr nur einmal kurz begegnet. Sie ist eine profilierte Chemie-Wissenschaftlerin, aber vom Vertrieb hat sie bestimmt keine Ahnung. Das beste Produkt ist chancenlos, wenn man nicht weiß, wie man es an den Markt bringt.

        Aus meiner 20-jährigen CDU-Zeit könnte ich stundenlang Geschichten davon erzählen, wie fürstlich bezahlte Politiker sich von der Partei zusätzlich aushalten lassen, während das einfache Mitglied noch den Leim zum Kleben von deren Wahlkampfplakaten aus eigener Tasche bezahlt.

      • Es geht hier nicht darum, ob Frau Petry und Herr Lucke viel für die AfD getan haben, was auf sehr viele Personen zutrifft, sondern dass ihre Bezahlung gegen § 27 Abs. 3 Satz 2 BGB verstieß: „Die Mitglieder des Vorstands sind unentgeltlich tätig.“ Nach § 40 BGB kann davon abgewichen werden, aber nur durch eine Satzungsbestimmung, die es nicht gab.

        Es wollte seinerzeit wirklich jeder Herrn Lucke irgendwelche Tipps geben. Häufig sollte ich den Boten spielen. Er konnte gar nicht alle berücksichtigen oder auch nur auf Brauchbarkeit prüfen. Er hätte sich jedoch mehr auf vertraute Berater stützen müssen. Man kann nicht alles allein wissen und hat gerade in Bezug auf sich selbst gewisse blinde Flecken.

        Die Krise der Firma von Frau Petry bestand schon vorher. Mit der AfD wollte sie dieser vermutlich entfliehen. Das zentrale Patent war nicht von ihr selbst und sie war vor allem für den kaufmännischen, nicht chemischen Bereich zuständig.

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