Google darf Bücher ins Netz stellen

Es wurden „Zehn Jahre Rechtsstreit beendet: Google darf millionenfach Bücher scannen“. So entschied der Oberste Gerichtshof der USA, indem er gegen das Urteil einer unteren Instanz keine Revision zuließ. Rechtlich finde ich das sehr zweifelhaft, obgleich ich mich mit dem amerikanischen Urheberrecht nicht auskenne. Doch die Praxis von Google betrifft auch Deutschland, (von) wo viele Bücher fast vollständig bei Google Books zu finden sind. Andere gibt es nur schnipselweise, was vielleicht der ursprünglichen Idee einer Suchmaschine am ehesten enspricht, wieder andere gar nicht.

Nach welchen Kriterien die Bücher und anderen Werke öffentlich zugänglich gemacht werden, ist unklar. Als Autor wird man jedenfalls nicht gefragt und es sind auch viele Verlage dagegen. Nun könnte man darüber diskutieren, ob nicht das Urheberrecht für alle geändert werden sollte. Doch Google macht millionenfach, wofür andere bei nur einem einzigen Werk richtig blechen müssten.

Selbst als Autor darf ich meine eigenen Texte nicht einfach so offen ins Netz stellen, wenn sich ein Verlag die Rechte gesichert hat. Das fällt zwar unter die Vertragsfreiheit, doch diese Verträge werden oft einseitig von den Verlagen diktiert, während inzwischen umgekehrt Google ganz einseitig ohne Vertrag oder gar Gegenleistung die größte Onlinebibliothek der Welt angelegt hat. Vielleicht lässt es sich demnächst sogar dafür bezahlen, einzelne Werke nicht frei zugänglich zu machen.

23 Gedanken zu „Google darf Bücher ins Netz stellen

  1. Es wäre hier günstig in Zeiten des Internets, wenn die Buchrechte eine etwas engere Laufzeit hätten wie z. B. die von 10 oder 15 Jahren. Insoweit wäre es gut, wenn es eine internationale behördliche Instanz gäbe, bei der ein Autor eines Textes/Buches diesen zu einem Stichtag registrieren lassen müsste, und von diesem dann ausgehend Goggle eine bestimmte Zeit nicht ohne Erlaubnis dieses Autors/Verlags(Rechteinhabers) das Buch veröffentlichen dürfte.

    • Die Laufzeit des Urheberrechts ist eigentlich viel zu lang für die heutige Zeit, nämlich bis 70 Jahre nach dem Tod des Autors in Deutschland. Google braucht das aber nicht mehr zu kümmern, was eine völlig absurde Situation ist.

      • Welche Gesetze gelten eigentlich für Google?
        Gilt für diese Datenkrake grundsätzlich kalifornisches Recht bzw. US-Recht, weil Google dort ansässig ist?
        Oder muss Google nicht die Gesetze aller Länder in denen es aktiv ist achten?

      • Dass man gegenüber Google-Earth selbst aktiv werden muss, verdanken wir Ilse Aigner als seinerzeitige Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

  2. Was sich Google alles heraus nimmt, ist unfassbar.
    In was für einer Welt leben wir eigentlich, dass ein Rechteinhaber sich sein Recht erst „zurück erstreiten“ muss?
    Ich habe mich schon sehr geärgert, als „Google Earth“ den ganzen Globus abgescannt hat und man bei Google widersprechen musste, wenn man nicht mit der Abbildung seiner Immobilie und davor geparkter Autos etc. einverstanden ist. Eigentlich müsste es doch umgekehrt laufen – wenn Google mein Haus und meine privaten Gegenstände abbilden möchte, müsste Google hierfür meine Bewilligung einholen.

    • Nein, das müßte man nicht. In Deutschland gilt Panoramafreiheit, das heißt, von einer öffentlichen Straße aus kann man x-beliebig knipsen und darf die Bilder auch veröffentlichen. Anders wären Ansichtskarten oder Bildbände von Städten oder Landschaften nicht möglich, wenn man jeden Besitzer jedes abgebildeten Hauses fragen müßte. Auch wenn eine erkennbare Person durchs Bild läuft, muß die – wenn sie nur „Beiwerk“ ist – nicht verpixelt werden. Was man nicht darf: z. B. auf ’ne Leiter steigen und über eine Gartenhecke in den Garten reinknipsen.

      Verlagsverträge gelten i. d. R. nur 5 bis 10 Jahre, doch das Urheberrecht läuft tatsächlich bis 70 Jahre nach dem Tod. Es waren mal 50 Jahre, doch meines Wissens war es ausgerechnet die Hollywood-Filmindustrie (also aus demselben Land wie Google), die eine Anhebung auf 70 Jahre betrieb, weil die Rechte irgendwelcher alter Hollywoodschinken auszulaufen drohten, und jetzt will Google das Urheberrecht aushöhlen – und jedesmal scheren sich die US-Giganten wenig um die Rechte und Interessen des Rests der Welt. – Die Verkürzung der post-mortem-Schutzfrist auf die früher üblichen 50 Jahre halte ich für diskutabel – aber wenn sowieso alles den Bach runtergeht in den Zeiten der Raubkopiererei im Internet und sonstwo, dann wird so eine Diskussion um Fristen müßig …

      Insgesamt empörend, das Verhalten von Google. Schon 2010 war das ein Thema, hier ein Link zu meinem Blog:
      http://marterpfahlverlag.blogspot.de/2010/02/mit-fremdem-eigentum-millionen-machen.html

      • Das mit der Panoramafreiheit ist mir schon bewusst. Aber es ist doch ein großer Unterschied, ob ein Gebäude, das in einer historischen Altstadt liegt, auf einer Postkarte oder in einem Bildband über diese Stadt abgebildet ist, oder ob sich bei „Google Earth“ jeder anschauen kann, wie ich lebe. Wenn Google seine Luftbilder auch noch über Satellitentechnik laufend aktualisiert, können Panzerknackerbanden genau beobachten, welches Haus bzw. welche Villa wann bewohnt ist und wann leer steht. Wie geil ist das denn?

  3. Eigentlich müsste es doch umgekehrt laufen – wenn Google mein Haus und meine privaten Gegenstände abbilden möchte, müsste Google hierfür meine Bewilligung einholen.

    In Deutschland gilt die Panoramafreiheit (mitunter auch Straßenbildfreiheit genannt). Dabei handelt es sich um ein Bürgerrecht, welches von Liberalen doch eigentlich verteidigt und nicht in Frage gestellt werden sollte.

  4. Was Google, Amazon, Apple uva. geschaffen haben soll man in Europa nachmachen! Ich benutze diese Moeglichkeiten und freue mich ueber viele Anwendungen und kostenlose Infos im Netz. Wer sich darueber aufregt soll diese Dienste nicht benutzen, Leben geht sicherlich auch ohne weiter.

    • Bitte erklären Sie mir, wieso Google fremde Text einfach so offen ins Netz stellen darf, ich aber nicht. Es gibt Argumente für und gegen ein sehr offenes Internet, aber ich kenne kein einziges Argument für so eine Form der Ungleichbehandlung. Höchstens umgekehrt wäre es doch noch verständlich, wenn Einzelpersonen einzelne Texte, vor allem ihre eigenen, offen ins Netz stellen dürften, milliardenschwere Konzerne aber nicht Millionen Texte.

      • Prof. Dilger, beschweren Sie sich bei unserem Gesetzgeber falls Sie es als so wichtig bewerten.
        Soll in D. Internet wie in China ueberwacht werden um theoretische Gleichbehandlung zu erreichen?

      • Ich sehe für das Verhalten von Google gar keine gesetzliche Grundlage. Die Bundesregierung könnte etwas tun, kümmert sich aber lieber darum, die Strafverfolgung deutscher Staatsbürger zu ermächtigen. Das Verhalten von Google ist doch für jeden offensichtlich und nicht vergleichbar mit der Internetüberwachung von Millionen Bürgern (die vermutlich trotzdem stattfindet, nicht zuletzt durch Google).

    • @Grisogono 19.04. 17:18

      Sie sind also dafür, dass Autoren gratis arbeiten?
      Das wäre die logische Konsequenz, wenn alle Menschen Ihrem Beispiel folgen und sich Bücher nicht mehr kaufen, sondern nur noch elektronisch lesen.

      • Viele Menschen finden Google und Amazon als grosse Errungenschaften! Mit recht! Fuer Sie wahrscheinlich nicht.

        P.S. Es gibt viel zu viele Autoren/Buecher die es nicht verdienen verlegt zu werden. Und glauben Sie nicht, dass Autoren ohne Honorar arbeiten!

  5. Onlinebibliothek„, das ist die richtige Erklärung! Früher hat man sich Bücher in Bibliotheken ausgeliehen, meistens gratis oder gegen ganz kleine Gebühr. Da haben Autoren und Verlage auch kein Geld bekommen. Dass Google heute Bücher kostenlos ins Internet stellt, ist nichts anderes als eine technische Weiterentwicklung davon. Kein Grund zur Aufregung!

    • Richtig! Auch bei Amazon kann man sich eine Reihe Buecher kostenlos aufs Kindle herunterladen. Ich habe den Eindruck, dass Differenzen zwischen Papier und Kindle fuer deutsche Ausgaben gering sind im Vergleich zu englischen Ausgaben.

      • Meines Wissens nach erwirbt Amazon die Rechte für seine E-Books, was Google nicht tut. In dem US-Verfahren ging es aber wohl nur um die Recherche nach Kurzzitaten, die ich weitaus unproblematischer finde als das unabgesprochene Veröffentlichen fast kompletter Bücher.

      • Bei kostenlosen Kindle Buecher bei Amazon sind die Rechte schon abgelaufen.

    • »Früher hat man sich Bücher in Bibliotheken ausgeliehen, meistens gratis oder gegen ganz kleine Gebühr. Da haben Autoren und Verlage auch kein Geld bekommen.«

      Doch – von der VG Wort, anscheinend gestaffelt nach der Häufigkeit des Entleihens. Das kann sich auf einige hundert Euro pro Jahr summieren.

  6. Für mich ist das Google Urteil eine Wohltat. Ich bin Hobby Heimatforscher und auf Bücher angewiesen, die oft über 150 Jahre alt sind. Dort gab es immer wieder Bücher im Snippleformat. Google hat diese Bücher ja bereits vor Jahren alle kopiert, und somit kann man erwarten, dass zumindest die antiken Ausgaben schnell zur Verfügung stehen.

  7. Pingback: Verlage haben kein Recht auf Ausschüttungen der VG Wort | Alexander Dilger

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