Falsche Kritik im Alltag

Die letzten Tage war ich gleich zweimal ungerechtfertigter Kritik ausgesetzt. Damit meine ich weder diesen Blog noch meinen Beruf, zu denen jeweils Kritik dazugehört, die dann eben leider nicht immer gerechtfertigt ist. Hier geht es um zwei Alltagssituationen. Erstens wurde ich des Falschparkens bezichtigt. Sonst rege ich mich über Falschparker auf, die dann aber auch wirklich falsch auf dem Bürgersteig oder an Einmündungen vor dem Fußweg stehen. Nun sprach mich ein Anwohner nahe der Kita an, dass es sich um eine Spielstraße handele, in der ich nicht parken dürfe. Beides ist richtig, doch ich konnte dem Mann nicht begreiflich machen, dass ich gar nicht parke, sondern meinem Sohn beim Einsteigen helfe. Das ist nach der Straßenverkehrsordnung explizit erlaubt und umfasst bei kleinen Kindern auch das Abholen aus der Kita. Beim nächsten Mal will er mich dafür anzeigen.

Dann wurde ich bei Chessmail dafür kritisiert, dass ich in meinem „Statement“, welches bei Aufruf meiner Seite dort angezeigt wird, u. a. schreibe: „Bei Zeitablauf reklamiere ich hingegen inzwischen sofort den Sieg.“ Dabei war es keine inhaltliche Kritik, dass ich nicht großzügiger wäre, sondern eine sprachliche. Reklamieren bedeute beanstanden, weshalb man einen Sieg nicht reklamieren könne, zumal einem dieser nach Zeitablauf ohnehin zustehe, während der falsche Gebrauch von Fremdwörtern peinlich sei. Stimmt, das gilt aber auch für falsche Kritik am richtigen Sprachgebrauch. Laut Duden gibt es nämlich noch die zweite Bedeutung, etwas zu beanspruchen, was ich hinsichtlich des Sieges bei Zeitablauf tue, weil einem dieser gerade nicht automatisch gutgeschrieben wird. Den Verweis auf den Duden tat mein Mitspieler jedoch mit Geschimpfe auf die schlechte neue Rechtschreibung als irrelevant ab. Er griff lieber noch zu etwas platteren Beleidigungen, während ich mit subtileren antwortete (z. B. dass es nicht schlimm sei, bildungssprachliche Wortbedeutungen nicht zu kennen), um mich schließlich durch das Programm zu ignorieren. Darüber bin ich nicht traurig, wundere mich aber doch, wie gering die Kritikfähigkeit mancher Kritiker ist. Wer austeilt, muss auch einstecken können. Vor dem Austeilen würde ich mich auch immer vergewissern, dass ich nicht ungerechtfertigt den Falschen treffe.

10 Gedanken zu „Falsche Kritik im Alltag

  1. Reklamieren kommt vom lateinischen „reclamare“ = entgegenschreien, zurufen.
    Die heutige Bedeutung steht vor allem für beanspruchen, also keineswegs nur für beanstanden. Ich bin sogar der Auffassung, dass „reklamieren“ häufiger gebraucht wird, um etwas für sich zu beanspruchen, als um etwas zu beanstanden. Aber das ist natürlich mein ganz subjektiver Eindruck.

  2. Was (neue, alte, richtige, falsche,…) Orthographie denn mit Semantik zu tun haben soll, hätten Sie den Mitspieler auch fragen können.

      • Das zeigt nur, dass der Mitspieler nicht nur keine Ahnung hat, sondern auch des Googelns oder Nachschlagens bei Wikipedia nicht mächtig ist. Es gibt nicht den Duden, sondern (unter diesem Label) viele verschiedene, jeweils von anerkannten Fachwissenschaftern erarbeitete Werke, die die gesamte (germanistische) Sprachwissenschaft aktuell und umfassend widerspiegeln. Unter anderem ein Bedeutungswörterbuch, oder das große Wörterbuch der Deutschen Sprache. Und aus diesen werden natürlich auch die Bedeutungen entnommen, die (neben grammatikalischen und anderen Zusatzinformationen) der online-Version des (klassischen) Orthographiewörterbuch beibegeben sind.

        Ein weiteres, ausführlich(er)es Onlinewörterbuch des Deutschen findet sich unter dwds.de (und gibt Ihnen im konkreten Fall natürlich ebenso recht).

    • Ich erachte solch erbaulichen weil lehrreichen Disput wie hier als Reklame für einen wohlmeinenden, bewußten und sensiblen Umgang mit der eigenen Muttersprache, inkl. aller fremdsprachlichen Anleihen und Bereicherungen.

      Natürlich ohne ständiges, kleinliches Reklamieren vernachlässigbarer Fehler. Und auch ohne überambitionierte Reklamierung einer letztlich nicht zu realisierenden Tiefe und Breite des Spracherwerbs in Schule und Lehre.

      Eine kleine Reklamation an den Zeitgeist dann doch: ein bißchen mehr als der derzeit auf Schulhöfen, im TV-Vorabendprogramm und vielen Internet-Foren kultivierte, minimalistische und unästhetische „Türk-Arab-Deutsch-Sprech“ sollte schon im täglichen Umgang miteinander reklamiert werden.

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