Genscher gestorben

Hans-Dietrich Genscher ist tot“. Gestern ist er im Alter von 89 Jahren (und zehn Tagen) an Herzversagen gestorben. Von 1946 bis 1952 war er Mitglieder der LDP in Sachsen-Anhalt und seither FDP-Mitglied. Von 1974 bis 1985 war er Bundesvorsitzender der FDP und seit 1992 Ehrenvorsitzender. Von 1969 bis 1974 war er Bundesinnenminister und stellte sich 1972 bei der Geiselnahme israelischer Sportler durch palästinensische Terroristen vergeblich als Austauschgeisel zur Verfügung. Von 1974 bis 1992 war er Bundesaußenminister mit einer 17-tägigen Unterbrechung im Jahr 1982, als er zusammen mit Otto Graf Lambsdorff „die Wende“ von der SPD zur Union einleitete, weil die SPD nicht mehr hinter dem NATO-Doppelbeschluss stand und wirtschaftlich immer unliberaler wurde. 1989 erreichte er Ausreisegenehmigungen für Botschaftsflüchtlinge aus der DDR. Nach dem Mauerfall führte er die 2+4-Verhandlungen, die zur Wiedervereinigung führten. Er war ein großer deutscher Staatsmann und Liberaler.

22 Gedanken zu „Genscher gestorben

  1. Mit seinen Verlust ist die FDP in nächster Zeit erstmal eher nicht wählbar…es gibt kein Gewissen mehr, dass Lindner jetzt noch aufhalten könnte, wenn er die FDP wie in Rheinland-Pfalz zum Steigbügelhalter von Rot-Grün macht.

    • Ich halte eine Unterstützung der rot-grünen Politik in Rheinland-Pfalz für ausgeschlossen”, sagte der FDP-Landesparteivorsitzende Volker Wissing dem Bonner “General-Anzeiger” am 16.02.2016

      Nach SPD und Grünen hat auch der Landesvorstand der FDP grünes Licht für Gespräche über eine Ampelkoalition gegeben” schreibt er am 29.03.2016

      Wer mit der FDP ins Bett geht, wacht mit Rot/Grün auf. Zu feucht sind die Träume von den Ministersesseln mit prunkvollem Hofstaat und lebenslanger Versorgung.

      Sie lügen durch bis nach der Wahl und machen Um-fallera, Um-fallera, Um-fallera….

      • —„Umfallerpartei““ begann doch schon 1961 unter Mende. Aber trotzdem
        wir brauchen eine starke liberale Partei/Fraktion.—– Und Politiker wie Genscher wird Deutschland fehlen.——

    • Auch für mich war Hans-Dietrich Genscher einer der größten Politiker die Deutschland je gesehen hat.

      Nichtsdestotrotz meine ich, dass sich die Trauer auf den Menschen Hans-Dietrich Genscher konzentrieren sollte und nicht auf eine FDP, die es versäumt hat, eine wettbewerbsfähige Nachfolgeregelung zu finden. Man kann doch nicht ernsthaft erwarten, dass bald 90-jährige noch die Tagespolitik und den Kurs einer Partei mit aktiven Politikern, die ihre Enkel sein könnten, bestimmen.

      • Er hat so große Schuhe hinterlassen, dass diese niemand füllen konnte. Als Politiker hat er alles erreicht, was er erreichen konnte, und zwar nicht einfach für sich selbst, sondern für Deutschland und Europa. Enoch Powell schrieb: „All political lives, unless they are cut off in midstream at a happy juncture, end in failure, because that is the nature of politics and of human affairs.“ Herr Genscher war eine glückliche Ausnahme von dieser Regel.

      • Haben Sie den Artikel gelesen? Zudem ist sie lediglich die Frau von Herrn Scheel…sie ist eine unbedeutende Person.

      • Mein Kommentar war an francomacorisano gerichtet, der scheinbar glaubt, dass es für die AfD und Frau Petry eine Ehre ist, von so einer Frau gelobt zu werden. Entschuldigung…ich vergesse manchmal den Empfänger, weil ich meine Gedanken so schnell niederschreiben will 🙂

      • @ nationalliberal

        Es geht gar nicht um „Ehre„, sondern darum, dass auch eingefleischte Angehörige manchmal die Seiten wechseln. Brigitte Seebacher-Brandt ist ja auch bei der CDU gelandet.

        Die heutige FDP ist überflüssig. Linke Parteien gibt es schon genug. Eine linksliberale Partei braucht also niemand. Ihre angebliche Erneuerung ist Etikettenschwindel. Mehrheitsbeschaffer war die FDP schon immer, aber sie hat die Chance verpasst, die offene bürgerliche Flanke der CDU zu besetzen.

      • Woher wollen Sie wissen, dass Frau Scheel jemals „eingefleischte Angehörige“ der FDP war? Sie war die Ehefrau einer wichtigen FDP Persönlichkeit… Zudem hat die FDP wie alle Parteien auch einige Opportunisten, bspw. sind nach der Wende in den neuen Bundesländern überall auch Postenjäger eingetreten, die nur bei der CDU, SPD, Grüne und Co. gelandet sind, weil sie in ihren Kreis- und Landesverband dort die besten Aufstiegschancen sahen; Merkel ist nicht die einzige Politikerin, die bei der SPD oder Grüne (und umgedreht) besser aufgehoben gewesen wäre; bei den Grünen haben bspw. in Sachsen in den letzten Jahren einige Politiker (u.a. die Parteivorsitzende) die Partei verlassen, die inhaltlich bei der CDU sein könnten und sich deswegen bei den Grünen, die immer mehr Zulauf von Studenten bekommen, im Laufe der Zeit Unwohl gefühlt hatten, so dass sie mit ihren Austritten die entsprechenden Konsequenzen zogen. Bei Ihrer Einschätzung zur FDP bin ich bei Ihnen: habe schon öfters hier geschrieben, dass ich vom aktuellen sozialliberalen Kurs der FDP nicht begeistert bin, da eine nationalliberal, bürgerlich, konservativ-liberale Partei gebraucht wird. Allerdings ist die aktuelle AfD ebenso wie die FDP weit davon entfernt…inhaltlich und vor allem personell. Leider haben die alten Parteien selbst für ihren schlechten Zustand gesorgt: die heutigen Politiker haben sich in verkrusteten Parteisystemen hochgearbeitet, weshalb es keine Persönlichkeiten wie Herrn Genscher und Co. mehr gibt. Neugründungen wie Piraten oder jetzt AfD haben dagegen zwar noch keine verkrusteten Strukturen, aber leider haben dubiose, intrigante Persönlichkeiten mangels gefestigter Strukturen die größten Chancen. Hinzu kommen viele Pleitegeier, Karrieristen, Opportunisten, Verschwörungstheoretiker und Co., die selbst zu den erwähnten Persönlichkeiten gehören bzw. aus eigener Machtgier bei deren Aufstieg behilflich sind …die ehemalige Professorenpartei ist daran gescheitert, dass Professoren und andere kompetente Mitglieder oft keinen Machtinstinkt, keine Menschenkenntnis und keinen „Boxerinstinkt“ haben.

  2. Her Genscher war ein bedeutender Politiker, eine Art Aushaengeschild Deutschlands ueber viele Jahre. Mir ist er durch drei Themen in Erinnerung geblieben:
    -s.g. Scheckbuch-Diplomatie
    -Wiedervereinigung mit Kanzler Kohl und vielen anderen
    -vorzeitige Anerkennung Sloweniens und Kroatiens

    Irgendwan werden Historiker ueber seine Leistungen urteilen. Es gibt dabei viel Licht und Schatten!

    • Die sogenannte Scheckbuchdiplomatie war viel günstiger und klüger als die nachfolgende Großmannssucht, Deutschland direkt in fremde Krisen und sogar Kriege zu verwickeln. Die Wiedervereinigung war ein außenpolitisches Meisterwerk. Für die verfehlte Wirtschafts- und Währungspolitik war Herr Genscher nicht verantwortlich, sondern vor allem Herr Schäuble. Die Anerkennung von Slowenien und Kroatien war unvermeidlich, hätte aber wohl wirklich besser koordiniert werden können. Insgesamt sehe ich viel mehr Licht als Schatten, insbesondere im Vergleich zu seinen Nachfolgern (nur Otto Graf Lambsdorff fand ich als FDP-Bundesvorsitzenden noch wirklich überzeugend).

      • Zu Otto Graf Lambsdorff fallen mir zuallererst die Flick-Affäre und Steuerhinterziehung ein. Und dann kommt erst mal lange nichts …

        Und was fällt Ihnen zu Otto Graf Lambsdorff ein?

      • Er hat nicht für sich Steuern hinterzogen, sondern für die FDP Spenden angenommen, was auch auf Politiker von SPD und Union zutraf. Seine Wirtschaftskompetenz war größer als vermutlich all seiner Nachfolger zusammen. Er und seine liberale Ausrichtung fehlen der FDP ungemein.

      • Nun gut. Wenn Sie ihn (Lambsdorff) an seinen Nachfolgern in der FDP oder an Kohl und Schäuble messen oder an den ganzen anderen Berufspolitikern der sozialistischen Parteien, die in ihrem Leben nie etwas außerhalb der Politik oder des öffentlichen Dienstes geleistet haben, dann stimmt das natürlich. Aber nur dann.

        In meinen Augen wäre Jürgen W. Möllemann ein besserer Nachfolger als FDP-Vorsitzender gewesen. Der war mutig und hatte auch den Schneid wirklich Neues durchzusetzen. Aber auch er ist viel zu früh aus dem Leben geschieden.

      • Herr Möllemann war Bundeswirtschaftsminister nach Herrn Lambsdorff und als solcher viel schlechter. Als FDP-Politiker hatte er Stärken, aber auch sehr deutliche Schwächen. Wahrscheinlich wäre er in der heutigen AfD ein Star.

      • Jürgen W. Möllemann wäre mir in der AfD jedenfalls lieber als einst Gottspieler Bernd Lucke oder heute so komische Figuren wie dieser vom Aussterben bedrohte (weil kinderlose) und scheinadelige Schreitvogel, der sich zur Familienpolitikerin berufen fühlt …

  3. Günter Grimm
    Ich war etwas mehr als 20 Jahre im Dienste des Auswärtigen Amts tätig.
    Als sog. Fernmelder und “ Krypto-Mann “ war ich an sehr vielen Botschaften eingesetzt.
    Bei Delegationsreisen, die immer von hauptamtlichen Fernmeldebeamten begleitet werden, hatte ich die Gelegenheit, den besten Außenminister, den ich je als Chef akzeptieren konnte, persönlich kennen zu lernen und wir ( unser Team ) waren … so sagte Genscher immer … : waren seine Ohren – weltweit – !!!
    Genscher war für mich ein mehr als guter und sehr cleverer – als – auch integrer Politiker. Letztmalig hatte ich 2015 Gelegenheit, ihn in Wachtberg ( Privatwohnsitz ) kurz zu sprechen.
    Der Außenminister Genscher verstand es auch, mit den ihm zugeordneten Personenschutzkräften von der SG-Gruppe Meckenheim, sehr gut zu kommunizieren. Nie gab es Ärger und er akzeptierte die Tatsache, daß Sicherheit nur dann gegeben werden kann, wenn sich – auch – die Schutzperson, gewissen Erfordernissen unterwirft.
    Lange Jahre begleitete Dr. Segadlo ( Leiter des Gesundheitsdienstes des Auswärtigen Amt – damals noch Bonn – ) den Außenminister auf Delegationsreisen, als sein “ Leibarzt “ – mehr oder weniger – rund um die Uhr.
    Genscher war gesundheitlich oft am Rande des Zusammenbruchs, wie mir Dr. Segadlo, da ich ihn auch persönlich kennen lernen durfte, in privaten Gesprächen ( damals ) erzählt hat.
    Meine Dienstzeit im Auswärtigen Amt endete unter dem kürzlich gestorbenen Guido Westerwelle. Blicke ich zurück, so kann ich berichten, daß ich während der Periode – GRÜN – mehr als Bauchgrummeln hatte.
    Genscher verdient es, daß man diesen Mann niemals vergißt.
    Günter Grimm

  4. Die Rede von Herrn Genscher vom Balkon der Prager Botschaft, welche im Beifall endete, ist unvergesslich!

  5. Pingback: Walter Scheel gestorben | Alexander Dilger

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