ALFA-Regionsverband Dortmund/Hellweg und Junge Reformer NRW gegründet

Erst heute habe ich gelesen: „‚ALFA‘ gründet Regionalverband“ in Dortmund. Dabei erfolgte die Gründung bereits vor zwei Wochen am 13. März als siebter von neun Regionsverbänden der Allianz für Fortschritt und Aufbruch (siehe hier, wobei ich nach den Erfahrungen in der AfD eher direkt Kreis- und Stadtverbände gegründet hätte). Der Vorstand vom Regionsverband 1 – Dortmund / Hellweg“, der neben Dortmund den Ennepe-Ruhr-Kreis, Unna, Soest, Hagen und Hamm umfasst, wird von fünf Ex-AfD-Mitgliedern gebildet (siehe auch diesen Bericht), die ich alle noch kenne und schätze. Vorsitzender ist Herr Dr. Karl-Dieter Petri, früherer Sprecher der AfD Dortmund. Eine Woche später wurde die „ALFA Jugendorganisation in NRW gegründet“, der Landesverband der Jungen Reformer mit Herrn Alexander da Silva als Vorsitzendem. Ich gratuliere jeweils zur Gründung und Wahl und wünsche viel Glück.

Denn viel Glück wird ALFA benötigen. Die ‚Wahlergebnisse in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt‘ waren recht eindeutig. Mit einem Prozent die stärkste der sonstigen Parteien in Baden-Württemberg zu werden, mag für eine ganz neue Partei nicht so schlecht erscheinen, doch wirklich ganz neu ist ALFA nicht, sondern eine Abspaltung der AfD, die dort 15 % erzielte und in Sachsen-Anhalt sogar 24 %. Auch durch das Wiedererstarken der FDP sehe ich nicht, wie ALFA bei Landtags- und Bundestagwahlen die Fünf-Prozent-Hürde überschreiten will bzw. kann, während bei Kommunal- und Europawahlen ohne Prozenthürde vielleicht jeweils ein Mandat erreichbar ist.

ALFA hat ansonsten höchstens einen Optionswert, falls die AfD oder die CDU zerfallen sollte. Erfahrungsgemäß kommt nach dem Niedergang einer neuen Partei jedoch etwas ganz Neues, so wie die Erfolge der AfD denen der ganz anders ausgerichteten Piraten folgten. Was nach der CDU oder auch nur Frau Merkel kommt, weiß wohl niemand.

26 Gedanken zu „ALFA-Regionsverband Dortmund/Hellweg und Junge Reformer NRW gegründet

  1. Diese Leute von ALFA sind bestimmt integere Menschen. Auch ihre politischen Inhalte sind nicht falsch. Aber ihr Oberguru Lucke wird sie aufs Abstellgleis führen, denn er hat nicht die Fähigkeit zu integrieren. Daran ist er leider schon in der AfD gescheitert. Schade um die vertane Energie.

    Politische Parteien sind keine Liebesheirat. 100% Zustimmung gibt es nur in Diktaturen. Man muss einfach den größten gemeinsamen Nenner suchen. Außerdem braucht man viel Geduld. Politik ist das Bohren dicker Bretter. Wer alles will und das sofort, bekommt am Ende gar nichts!

    Erfolg in Parteien erreicht man durch Kader- und Netzwerkbildung, Kompromisse und Bündnisse. Diplomatie, Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl sind gefragt. Damit wird man leider nicht geboren, aber man kann das lernen.

    Mein verstorbener Mentor, promovierter Sprachwissenschaftler und erfolgreicher Kommunikationstrainer, hatte Kontakt zum früheren polnischen Präsidenten Lech Walessa. Er wollte ihn für TV-Auftritte und Reden coachen. Walessa lehnte ab. Von einem Deutschen wolle er schon gar keine Hilfe annehmen, sagte er. Ein paar Monate später hat Walessa die Wahlen für eine zweite Amtszeit verloren.

    • „Aber ihr Oberguru Lucke wird sie aufs Abstellgleis führen, denn er hat nicht die Fähigkeit zu integrieren.
      … Erfolg in Parteien erreicht man durch Kader- und Netzwerkbildung, Kompromisse und Bündnisse. Diplomatie, Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl sind gefragt. Damit wird man leider nicht geboren, aber man kann das lernen.“ Aber Petry hat dagegen die Fähigkeiten zu integrieren? Rivalen und unerwünschte Mitglieder weg zu mobben, ist für mich keine Integration…in Sachsen konnte sie nur mit einer „Säuberungswelle“ mit Hilfe ihres Gehilfen Wurlitz ihre Macht festigen. Bei ihrer Aufzählung haben sie die wichtigste Eigenschaft vergessen: Intrigen schmieden können! Netzwerke, die darauf aufbauen, halten nicht lang…wird Petry bald schon merken. Viele Parteien sind in der Vergangenheit untergegangen, sobald die Machtkämpfe eskalieren, weil gegenseitige Intrigen Unruhen und negative Kurswechsel hervorrufen, die Wähler überhaupt nicht mögen. Wer weiß, wie lang Sie noch in der AfD sind, wenn in Zukunft der weit verbreitete Antiamerikanismus den Kurs immer mehr bestimmt. Es ist schon lustig, dass AfDler Alfa und Herrn Lucke immer Dinge vorwerfen, die man bei der AfD ebenso oder sogar noch darüber vorfindet… Ich habe das Gefühl, dass die letzten Erfolge viele AfDler über die Realitäten in ihrer Partei blind machen. Herr Lucke würde heute unumschränkter Alleinherrscher in der AfD sein, wenn man schon vor 2 Jahren die Flüchtlingskrise und dadurch die heutigen Wahlergebnisse gehabt hätte, da alle Kritiker damit beschäftigt wären, ihn in den … zu kriechen, um auch ein Mandat zu bekommen. Die AfD hätte sich bis heute schon längst zerfleischt, wenn man nicht die seit letzten Jahr vorhersehbaren Wahlerfolge vorm Auge gehabt hätte, wegen denen man sich nach Außen ruhig verhalten musste, um sie nicht zu gefährden.

  2. Das Alfa einen Optionswert bei einem Zerfall der CDU darstellen könnte, ist nicht einmal ansatzweise eine ernsthafte Betrachtung wert. Denn, wer aus dem Machtsystem Merkel aussteigt, wird dieses nicht gegen das ähnlich strukturierte Lucke- System tauschen.

    • Entweder sind Sie blind oder verdrängen bewusst die Tatsache, dass gerade die jetzige AfD wie das „Machtsystem Merkel“ aufgebaut ist. Petry häuft Ämter…Bundes-, Landes-, Fraktionsvorsitzende…sie ist mit ihrer Machtgier sogar Merkel so ähnlich, dass die Partei mehr den je eine Führerstruktur hat, als es bei Herr Lucke je der Fall war oder sein wird. Bspw. war der Umstand, dass Herr Lucke nicht einmal einen eigenen Landesverband hinter sich hatte, ein wichtiger Grund, warum er so schnell gestürzt werden konnte…er hatte keine strukturierte Machtbasis, lediglich vereinzelt in jeden Landesverband mal mehr und mal weniger Anhänger oder eben „untreue“ Mitläufer, die die eigene Karriere im Blick hatten, Posten bekommen wollten, so dass sie ihre Meinung schnell geändert hatten, sobald ihre eigenen Chancen sanken. Objektiv gesehen war Herr Lucke schwach und kein Diktator, wie er von jetzigen AfDlern gern dargestellt wird…vielleicht hatte Herr Lucke den Anspruch, das Merkelsystem teilweise zu kopieren. Aber tatsächlich gibt es zwischen den „Machtsystem Merkel“ und einen angeblich „struktuierten Lucke-System“ wenig Gemeinsamkeiten, das Petry System ist dagegen den „Machtsystem Merkel“ deutlich ähnlicher…eine braune Merkel, aber scheinbar geht das für viele Mitglieder in Ordnung, da sie ja braun (also konservativ bis reaktionär genug) ist und die richtigen Ansichten verbreitet. So wie in den neuen Bundesländern die AfD eine braune Linkspartei ist, was ebenfalls scheinbar kein Problem ist, obwohl gleichzeitig noch jetzt die Linkspartei als SED Nachfolgepartei bei großen Teilen der AfD verhasst ist. Viele Menschen kämpfen doch in Wirklichkeit nur für Meinungsfreiheit und Co., solange das aktuelle System nicht ihre Ansichten vertritt oder sie unterdrückt, sie mit ihren Ansichten eine Minderheit sind…ist der richtige Diktator an der Macht, hat der deutsche Michel kein Problem mit der Diktatur. Die DDR ist auch nur untergegangen, weil die BRD so erfolgreich war und die Menschen auf den Konsum im Westen neidisch waren. Ein Großteil der Menschen hatte nicht mit dem politischen System der DDR ein Problem, sondern allein das marode wirtschaftliche System hat sie auf die Straßen getrieben.

      • Im Gegensatz zu Frau Petry häuft Frau Merkel doch gar keine Ämter an. Sie ist Bundeskanzlerin und CDU-Bundesvorsitzende, daneben noch Mitglied des Bundestages. Sie herrscht mittels Personen, denen sie Macht und Ämter verleiht oder auch entzieht. Herr Lucke hat es genau umgekehrt versucht, sich seine Macht in der Satzung festschreiben zu lassen, was nicht funktioniert hat. Er hätte nicht die meisten seiner anfänglichen Verbündeten vor den Kopf stoßen dürfen, während er umgekehrt seine Gegner gewähren ließ. Häufig hat er wohl noch nicht einmal erkannt, wer seine Gegner und umgekehrt wirklichen Freunde waren. Nachträglich hat er sogar zugegeben, nicht über genug Menschenkenntnis zu verfügen, was entscheidend für einen Politiker ist.

      • Natürlich hat Frau Merkel nicht so viele Ämter. Ich habe die Ähnlichkeiten eher auf die Machtgier, Machtfülle und Skrupellosigkeit bezogen…und auch Ihre Beschreibung der Herrschaft von Frau Merkel (Herrschaft mittels anderer Personen, denen sie Macht und Ämter verleiht, wieder entzieht) ist ein weiterer Grundpfeiler von der Machtbasis Petrys. Herr Lucke hat einige Fehler begangen, aber mit den teilweise hasserfüllten Vergleichen zu Merkel tut man ihm unrecht.

    • Generell haben Parteien in Deutschland zu viel Macht.Ich hoffe, dass die AfD in ihrem neuen Grundsatzprogramm Ämterhäufungen verbietet. In den USA wäre es undenkbar, dass ein Präsident nebenher noch Vorsitzender seiner Partei und Parlamentsabgeordneter ist. Wie kann jemand gleichzeitig der Exekutive und der Legislative angehören? Sieht so Gewaltenteilung aus?!?

      • Die USA haben eine andere Verfassung. In anderen parlamentarischen Demokratien ist es z. T. sogar vorgeschrieben, dass der Regierungschef im Parlament sein muss. Mein Punkt war aber gerade, dass Frau Merkel im Gegensatz zu Frau Petry gar nicht die Ämter anhäuft, die AfD hier also gar keinen Fortschritt, sondern Rückschritt darstellt.

  3. Gerade der integeren Menschen/Protagonisten und der richtigen politischen Inhalte wegen, sollte die ALFA unterstützt werden. Auch Lucke wird dazulernen und den möglichen Fehler nicht widerholen wollen. Vielleicht verwechselt man aber auch den Wunsch nach Optimierung von Arbeitsabläufen und Entscheidungsfindungen mit fehlender Integrationsfähigkeit. Ich bin kein Insider, aber hatte immer den Eindruck das es in den wichtigsten Fragen demokratisch zuging, unter der Zeit Lucke in der AfD. Und hat u.a. nicht der ständige Streit im LV NRW vor der BW den Einzug in den Bundestag verhindert? Aber
    hierzu mehr auszuführen ist müßig.

    • Herr Lucke hat seine Fehler doch noch nicht einmal eigesehen, geschweige denn korrigiert. ALFA ist zentralistisch als reine Lucke-Partei aufgebaut. Im Juli 2015 gab es vielleicht eine kleine Chance, dass ALFA der erfolgreichere oder zumindest ein erfolgreicher Teil der AfD-Spaltung wird, aber jetzt ist klar erkennbar, dass das nicht der Fall war und ist.

      Die Rolle von NRW bei der Bundestagswahl 2013 ist hier schon ausgiebig diskutiert worden. Aus strukturellen Gründen war und ist das Wählerpotential für die AfD in NRW niedriger als im Bundesdurchschnitt. Für den Einzug in den Bundestag hätte aber selbst ein durchschnittliches Ergebnis nicht ausgereicht. 2014 war Herr Pretzell relativ zum Bundesergebnis noch schlechter. Finanziell wurde NRW besonders kurz gehalten mit zwar absolut am meisten Geld, aber am wenigsten pro Mitglied und Wahlberechtigtem (für die tatsächlich AfD-Wähler habe ich es noch nicht ausgerechnet). Wären wir den Vorschlägen von Frau Petry und Herrn Lucke gefolgt, wäre der Wahlantritt vermutlich gar nicht gelungen. Außerdem kochte der Streit im NRW-Vorstand erst nach der Bundestagswahl richtig hoch. Aus heutiger Sicht vermute ich sogar, dass Herr Lucke daran seinen Anteil hatte, um den größten Landesverband kleinzuhalten. Auf jeden Fall hat er danach Herrn Pretzell nicht verhindert, sondern stark gemacht, was schließlich zu seinem Sturz wesentlich beitrug.

  4. Wer gibt seine Fehler schon gerne zu? Die Presse vor der BW war meiner Erinnerung nach schon sehr negativ und bezog sich u.a. stark auf NRW. Was ihre Vermutung bezogen auf das „Kleinhalten“ des LV NRW betrifft, so wäre doch eine Aufarbeitung hierzu sicherlich möglich? Aber ich will Ihnen gerne glauben, so wie sie ausführen, zumal ich nie aktiv involviert war und sie schon die Kenntnisse aus eigenem Erleben haben.

    • Das Problem war eher, dass wir kaum Presse und Fernsehberichte vor der Bundestagswahl hatten. Mit der Bekanntheit vom Wahlabend selbst hätte die AfD eine Woche später die 5 % locker genommen.

      Wer hat denn ein ernsthaftes Interesse an einer Aufarbeitung? Herr Lucke und Frau Petry sicher nicht. Ich habe meine eigenen Schlüsse daraus gezogen, z. B. keine ALFA unter Herrn Lucke, keine AfD unter Frau Petry und erst recht keine AfD NRW unter Herrn Pretzell.

  5. Da kann ich Ihnen zustimmen. Eine Partei solll nie unter nur einer Person stehen. Aber der ALFA würde ich trotz unglücklichen Namen und geringem Bekanntheitsgrad noch eine Unterstützung geben wollen. Eben wegen der schon erwähnten integeren Persönlichkeiten und richtigen politischen Inhalten. Herr Dilger, man sollte auch nie nie sagen.

    • Wo habe ich „nie“ gesagt? Der Vorwurf von Herrn van Suntum war auch eher umgekehrt, dass ich mir alle Möglichkeiten offenhalten würde. Aber man wechselt Parteimitgliedschaften nicht wie das Hemd (obwohl es schön wäre, Parteien wie Hemden waschen zu können).

  6. Lucke war einer von mehreren Parteisprechern – Vorsitzenden der AFD und wurde erst gestürtzt,als er für sich beanspruchte,alleiniger Vorsitzender zu werden und die Partei auf sich alleine ausrichten zu wollen.Das misslang demokratisch bei seiner Abwahl.

    Jetzt hat er eine auf sich alleine ausgerichtete Partei gegründet,das scheint ihm besonders wichtig.
    Wichtigere als alles andere und selbst Optimisten wissen,das er damit nicht den Hauch einer Chance hat,was ihm aber egal zu sein scheint,hauptsache Chef von irgendwas.

    Das Problem haben viele kleine Parteien.

    Es ist egal was die bringen hauptsache „ICH“ bin Ortsvorsitzender der Violetten oder der Reps oder sonst was.

    Damit gehört Lucke dorthin,wo er jetzt ist.

    Ich freue mich aber,wenn Alfa der FDP und der CDU ein Promille %-te wegnimmt.
    Das hilft und somit sind die auch nicht überflüssig.

    Überflüssig ist Henkel,der seine Fehler wie beim Euro immer erst hinterher erkennt,aber dann wenigstens zugibt.

    Das wird er auch erkennen,wenn er im Altenheim auf sein Schnitzel verzichten muß und seine Enkelin sofern er eine hat,kulturell bereichert wurde und der Bundeshaushalt dann tatsächlich Probleme hat die Renten zu bezahlen,weil der ganze unproduktive M **** einfach zuviel Geld kostet,statt Geld zu erwirtschaften,wie erhofft.

    Produktiv nicht,ist ein Secondhand Handyladen,der zwar Steuern bezahlt,deren Kundschaft die Kohle aber über Sozialleistungen erwirtschaftet zu ihm bringt.
    Und ein Jobmotor für das Sicherheitsgewerbe und Sozialbetreuer und ähnlichem sind X Millionen Flüchtlinge oberflächlich zwar schon,nur tatsächlich sind sie das,wie Autobahnbauen für den nächsten Krieg,also nicht.

    Arbeitsplätze die entstehen,aber nicht produktiv sind,sondern nur durch Kostenverursachung entstehen,das sind keine richtigen geschaffenen Arbeitsplätze.Der vorher woanders geschaffene Wert wird damit ersteinmal vernichtet,es sei denn langfristig rentiert sich das als sinnvolle Investition.

    Ich hab im Moment aber sehr starke Zweifel,ob wir richtig investieren !!

  7. Zwei wunde Punkte
    Man hat sich wohl für die Gründung von Regionalverbänden im ersten Schritt entschieden, weil im Einzelfall der Bestand aktiver Mitglieder zur Besetzung eines Kreis-Vorstandes nicht ausreicht.
    Der große Nachteil: Bis heute wissen viele Parteimitglieder – z. B. in NRW- nicht, wer nun auf Kreisebene „dazu gehört“, was gemeinschaftliche Aktionen verhindert. Der Anfangsschwung einer Parteigründung ist damit schon verspielt.
    Unverständlich ist für mich vor diesem Hintergund die Kräfte-Bündelung zur Entwicklung von Parteiprogrammen, deren Marktdifferenz von Ihnen, Prof. Dilger, schon zutreffend beschrieben worden ist, und deren Aussagen von vielen Parteimitgliedern auch nicht umfänglich gestützt werden (z. B. zum Mindestlohn).
    Bitteres Facit: Diese Partei erstickt an ihrer Bürokratie und am Mangel von Führungskräften.

    • ALFA hat aus meiner Sicht viele Probleme. Das größte ist wohl die mangelnde Bereitschaft, sich diese Probleme überhaupt einzugestehen, weshalb man sie auch nicht lösen kann. Dabei verstehe ich sogar, dass man diese nicht öffentlich behandeln will, selbst wenn es nur in einem Blog mit begrenzter Leserschaft ist. Doch auch nach vertraulichem Rat ist die Nachfrage eher gering.

      Die Gründung von Regionsverbänden gehört sicher nicht zu den Hauptproblemen. Doch nach meinen Erfahrungen mit den Bezirksverbänden in der AfD hatte ich davon abgeraten. Es wäre besser, schnell Kreisverbände zu gründen, selbst wenn diese klein sind. Die Amtszeit der Vorstände sollte dort nur ein Jahr betragen oder ganz am Anfang sogar noch kürzer sein. Wo die kritische Masse fehlt, könnte bis zu deren Erreichen ein Kreisbeauftragter vom Landesvorstand eingesetzt werden. Auch danach macht es Sinn, vom Landesvorstand jeweils einen ortsnahen Ansprechpartner zu benennen. Wo es jetzt schon Regionsverbände gibt, sollten diese schnell Kreisverbände gründen und sich dann zurückziehen bzw. auf die Kreise konzentrieren, wo es noch nicht genug Aktive für einen Kreisverband gibt.

      • Die Regionsverbände der ALFA verstehen sich als Geburtshelfer der Kreisverbände. Vor der Gründung der Regionen gab es schon die Regionsbeauftragten, die die gleiche Funktion inne hatten. In den Städten und Kreisen gibt es Mitglieder die sich dankswerter Weise sehr aktiv um die Mitgliedergewinnung und -betreuung kümmern. Dies sind die Nuklei für die Kreisverbände. Wie wir alle, die wir schon einmal aktiv in einer Partei waren, wissen, gibt es für unerfahrene Leute eine Menge Probleme im formalen und praktischen Bereich, bei denen eine Hilfestellung nützlich sein kann. Insofern haben die Regionen – zumindest vorübergehend – eine Berechtigung.
        Was die „zentrale Führung“ angeht: Der Landesverband NRW hat durch intensive Arbeit diverser Landesfachausschüsse und abschließender Abstimmung auf dem Parteitag in Erkrath Ende Februar sechs Tage vor dem Bundesprogrammparteitag in Rekordzeit ein Landesparteiprogramm verabschiedet. Die AfD hat immer noch keins. Die Parteitage zeichneten sich wohltuend durch intensive sachliche und produktive Diskussionen aus. Dies habe ich zu AfD-Zeiten anders kennengelernt. Eine zentrale Einflußnahme habe ich nicht feststellen können – aber vielleicht bin ich da ja zu blauäugig.
        Ein zentraler Punkt ist sicherlich, dass die Pressearbeit schwierig ist, wie zu AfD-Anfangszeiten. So hat es knapp zwei Wochen gedauert, eine kurze Meldung über die Regionsgründung in die Presse zu bekommen. Die ALFA hat noch keinen großen Nachrichtenwert, da es über keine Skandale zu berichten gibt.

      • Ich war Anfang der 80er Jahre stellvertretender Landesvorsitzender der Schüler Union Rheinland-Pfalz. Im Landesvorstand hatten wir die Kreisverbände so aufgeteilt, dass jedes Landesvorstandsmitglied 5 bis 6 Kreisverbänden zu betreuen hatte. Das hat hervorragend funktioniert und eine große Basisnähe geschaffen.

  8. Die Gründung einer Partei, aus einem Impuls der erlittenen innerparteilichen Niederlage heraus, konnte absehbar nicht gutgehen. ALFA hatte daher nie eine ernsthafte Erfolgsaussicht und wird diese auch nicht haben. Interessanter als die Fragen rund um ALFA ist, ob 1.) die AfD sich dauerhaft etablieren wird (wovon ich ausgehe) und 2.) ob im politischen Spektrum zwischen CDU und AfD dann noch Raum genug ist für eine weitere Partei. Das Zweite würde ich nicht ausschließen, wenn der Kurs der Sozialdemokratisierung der CDU fortgesetzt wird und die Akzeptanz der AfD in bürgerlichen Kreisen überschaubar bleibt. Eine solche Parteigründung müsste aber strategisch viel gründlicher vorbereitet werden als ALFA dies gemacht hat.

    • Ich halte es inzwischen wieder für möglich (nicht nur denkmöglich, das war es immer, sondern mit einer gewissen relevanten Wahrscheinlichkeit), dass die AfD sich dauerhaft oder zumindest für mehrere Legislaturperioden etabliert. Aber sicher ist das noch keineswegs. Es hängt davon ab, wie sich die AfD zukünftig aufstellt, wer bei ihr mitmacht und etwas zu sagen hat, aber auch wie sich die politischen Probleme entwickeln und die anderen Parteien positionieren. Allerdings halte ich es nicht für plausibel, dass sich noch eine weitere Partei zwischen AfD und CDU etablieren kann. Für den Erfolg einer weiteren Partei muss entweder die AfD wie die Piraten in die Bedeutungslosigkeit zurücksinken oder die CDU zerfallen. Doch selbst dann ist eine viel gründlichere Vorbereitung nötig.

      • Gelingt der AfD die auch von mir für eher wahrscheinlich gehaltene dauerhafte Etablierung, wäre es nach den Grünen überhaupt erst die zweite nachhaltig erfolgreiche Parteineugründung nach der Anfangsphase der Bundesrepublik. – Dies könnte die Statik insgesamt verändern – etwa nach dem österreichischen Modell (starke FPÖ) oder dem niederländischen (2 liberale Parteien von nachhaltiger parlamentarischer Relevanz) oder sogar in Richtung Weimar mit mehreren demokratischen Parteien zwischen Zentrumspartei und DNVP.

  9. Ich vermute,das die AFD sich als Vorbild nach der FPÖ und der SVP ausrichten wird.
    Damit wär das Parteienspektrum in Deutschland ähnlich der deutschsprachigen Nachbarländer.

    Das ist nichts weiter als eine Entwicklung,die so aufgrund der Situation überall in Europa stattfindet.

    Mehr ist das nicht und irgendwie müssen die Leute ja ihren Unmut politisch zum Ausdruck bringen.

    • Die AfD wird sich mit Höcke und Co. kaum zu einer SVP entwickeln… Die AfD ist noch weit von der FPÖ und SVP, vor allem den Wahlergebnissen, entfernt. Mag sein, dass AfDler davon träumen, weil die AfD zuletzt erfolgreicher war…Piraten, Republikaner und Co. hatten schon die gleichen Höhenflüge und Träume. Wo findet man diese Parteien heute? Aktuell lebt die AfD vom Merkel Protest…mal sehen, wie viele Wähler nach Merkel bzw. bei gering bleibenden Flüchtlingszahlen die AfD noch wählen. Natürlich kann die AfD ihr Schicksal beeinflussen: bspw. müsste der Bundesvorstand eigentlich nur konsequenterweise die Landesverbände in den neuen Bundesländern wie den Landesverband Saarland auflösen, damit die Glaubwürdigkeit erhöht wird, dass man tatsächlich eine bürgerliche Partei sein will. Scheinbar macht man aber bei der AfD den Unterschied: mit NPDler reden, Verband auflösen; mit Vordenkern und Anhängern der Neuen Rechten sogar kooperieren, obwohl sie so radikal wie die NPD sind, geht in Ordnung…

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