Niveau bei Facebook sinkt

Kürzlich hat ein Freund von mir seine Aktivitäten bei Facebook eingestellt, weil sich dort keine sinnvollen politischen Debatten führen ließen. Das würde ich aber auch gar nicht von Facebook erwarten (siehe ‚Wenig politische Debatten bei Facebook und Twitter‘). Dazu eignen sich eher Blogs wie dieser (während die Bürgerliche Alternative leider nicht so richtig gut funktioniert) oder besser noch reale Treffen jenseits von rein parteipolitischen Veranstaltungen. Ich kann dafür z. B. den Hayek-Club Ruhrgebiet empfehlen. Mein politisches Engagement bei Facebook beschränkt sich deshalb darauf, auf meinem persönlichen Profil und auf meiner Seite auf meine Blogbeiträge hinzuweisen bzw. auf der Seite Euro-Kritiker aktuelle Zeitungsartikel zum Thema zu verlinken (sowie in der Gruppe vom Hayek-Club Ruhrgebiet Veranstaltungen anzukündigen). Wenn es dort Kommentare gibt, antworte ich meist darauf, aber echte und tiefe Diskussionen ergeben sich eigentlich nicht.

Dafür gibt es in letzter Zeit ein zumindest für mich neues Problem bei Facebook, nämlich Freundschaftsanfragen von angeblich hübschen Frauen, die dann nur entsprechend bebilderte Links auf harte Pornoseiten posten. Bislang habe ich nur Fans der NPD und anderer offiziell vom Verfassungsschutz beobachteter Organisationen aussortiert (siehe ‚Ausmisten bei Facebook‘), aber diese neue Aufdringlichkeit (während Facebook bislang vielleicht eher zu prüde war) finde ich auch nicht in Ordnung und entfreunde sofort. Wenn es mir schon bei der Anfrage auffällt, lehne ich diese ab und melde sie als Spam. Es ist schon ironisch, dass Facebook einmal als besonders exklusiv und attraktiv angefangen hat und so den damaligen Marktführer MySpace verdrängen konnte. Es kommt eben auch bei Netzwerken nicht allein auf die Größe an, sondern auch dessen Qualität. Von daher könnte Facebook demnächst kippen und betreibt vielleicht jetzt schon seinen Ausverkauf.

16 Gedanken zu „Niveau bei Facebook sinkt

  1. Facebook hat bereits in der Vergangenheit irrsinnige antisemitische Hetze und Todesdrohungen als unverfänglich befunden, dafür aber stillende Mütter und anderes harmloses Zeug verboten und gesperrt. Mittlerweile wird auch politisch zensiert mit ähnlich krassen Doppelstandards. Die Seite ist nicht seriös und war es auch nie.

    Niveau ist freilich dieser Tage ein kostbares Gut.

  2. Der Erfolg von facebook ist mir ein Rätsel. Ich kenne kaum ein web-basiertes Produkt, das weniger benutzerfreundlich ist als dieses Tool.

  3. Habe eine Frage bezuglich den Hayek-Club Ruhrgebiet. Was ist die Anschrift und adress der Internet seite
    Rechtherzlichen dank

  4. Mir persönlich ist die Verwaltung einer Facebook-Seite zu aufwendig. Ich überlasse das meiner Frau, die sehr hart aussortiert, wer als „Freund“ angenommen wird, bzw. genau selektiert, welche „Freunde“ was anschauen dürfen („Freunde“ erster Klasse = Familie und ganz enge Freunde, „Freunde“ zweiter Klasse = oberflächliche Bekanntschaften).

    Problematisch ist, dass viele Leute, insbesondere Jugendliche sehr unvorsichtig mit Facebook umgehen. Wenn Einbrecher erfahren, dass jemand in Urlaub ist, haben sie freie Bahn. Auch Arbeitgeber durchforsten inzwischen soziale Netzwerke bei Einstellungen. Wenn dann Bilder von halbnackten oder zugekifften Bewerbern auftauchen, stehen die Chancen auf den Job bei Null. Sogar die Polizei sucht inzwischen Verbrecher mittels Facebook.

    Ein Bekannter der aus der früheren „DDR“ stammt, sagte einmal „Wenn es damals schon Facebook gegeben hätte, hätten wir die Stasi nicht gebraucht….“.

  5. Ich habe meine Aktivität bei Facebook (möglicherweise nur vorübergehend) eingestellt, aber nicht einfach deswegen, weil „weil sich dort keine sinnvollen politischen Debatten führen“ lassen. Nein, die Schwierigkeiten mit Facebook sind wesentlich komplexer und betreffen vor allem auch den privaten Bereich und die Art und Weise, wie sich hier soziale Gruppen bilden. Selbstverständlich kann man bei normalen Facebook-Seiten keine besonders hochwertigen wissenschaftlichen, philosophischen oder politischen Debatten erwarten. Das hatte ich auch nicht erwartet.

    Ich gebe hier die Erklärung wieder, die ich zum Abschied gepostet habe. Entschuldige bitte die Länge. Aber erstens schreibe ich eh immer zu viel 😉 und außerdem denke ich, dass das hier OK ist, weil es ja anscheinend um mich geht.

    Liebe Freunde, liebe Familie, liebe Bekannte und Unbekannte,

    ich verlasse Facebook. Ob nur vorübergehend oder auf Dauer weiß ich selber noch nicht.

    Auf der privaten Ebene ist dieses Medium oder zumindest die Art und Weise, wie ich es bisher verwendet habe, nichts für mich. Ich komm nicht klar mit der Art der sozialen Gruppen, die hier entstehen. Einige Mitglieder interagieren fast täglich und andere schauen nur zu und bringen sich noch nicht einmal ein oder zweimal im Jahr ein. Andere schauen wohl noch nicht einmal zu, aber das kann ich nicht wissen. All das führt zu merkwürdigen Situationen.

    Vielleicht sollte ich so damit umgehen, dass ich ‚Nur-Voyeure‘ konsequent ‚entfreunde‘, aber das erscheint mir nicht passend. Ich könnte auch darauf achten jeden Beitrag immer für ganz bestimmte Leute zu sperren und für andere nicht, aber das macht das Ganze dann doch eher mühsam. Da erscheint es mir einfacher zu sein Emails an bestimmte Gruppen zu schicken.

    Ich hatte Facebook zuletzt fast nur noch für politische Beiträge genutzt. Social media bietet jedem einzelnen Menschen die früher noch nicht mal als Utopie vorstellbare Möglichkeit jederzeit beliebige Grenzen zu überwinden. Hier könnte man über ideologische, nationale, religiöse und politische Barrieren hinweg mit einander in Kontakt treten; von einander lernen, streiten und sich versöhnen.

    Nach wie vor bin ich fasziniert von dieser Utopie. Die jetzige Realität sieht leider ganz anders aus. Wir haben gerade zurzeit in Deutschland das paradoxe Ergebnis, dass die neue Technik keinen Beitrag leistet Grenzen zu überwinden, sondern Gräben vertieft. Obwohl man mittels Internet die Denkweisen der jeweiligen Gegner besser kennenlernen könnte und somit zumindest ein gewisses Verstehen möglich wäre, zieht man Mauern hoch und schottet sich ab in seinem eigenen politischen Universum. Unverständnis und Missverständnisse werden maximiert und sogar Hass geschürt. Auf allen Seiten.

    Lieber Ekhart, lieber Karl, lieber Alexander und lieber Stephan!

    Es war toll mit euch zu diskutieren! Vielleicht finden wir mal eine Form und ein Forum, in dem das besser funktionieren kann. Ich wäre für jeden Vorschlag dankbar! Gibt es Foren, die ich noch nicht kenne? Ich vermute, dass es am besten wäre, wenn es eine (von einem Team?) moderierte Plattform gäbe, die nach ganz bestimmten Regeln funktioniert. Am meisten wäre ich daran interessiert ein Forum zu finden, in dem es gelingt interessante, offene, harte und faire Diskussionen zwischen verschiedenen politischen und/oder philosophisch-ideologischen Lagern zu führen.

    Liebe Familie!

    Ich werde ja alle Familien-Beiträge weiterhin über die Seiten meiner Kinder und über geschlossene oder geheime Gruppen sehen können.

    Liebe Facebook-Freunde!

    Ich weiß, dass viele Leute von meinen langen Beiträgen auf meiner und anderen Facebook-Seiten eher genervt sind. Gerade bei Philosophie und Politik finden mich viele zu nüchtern, pedantisch, ausschweifend, arrogant und auch verletzend. Das tut mir Leid. Vielleicht kehre ich ja irgendwann wieder zurück und lerne Facebook auf eine distanzierte, lockere Art und Weise zu verwenden. Vielleicht bin ich aber auch einfach nicht der richtige Typ dafür.

    Meine Seite lösche ich zunächst noch nicht. Über Privatnachrichten freue ich mich!

    Bis dann!

    Euer Karsten

  6. Wann werden Gesinnungspruefungen fuer deutsche Buerger eingefuehrt? Vielleicht ein Gutmensch -Ausweiss? Konsequenterweise waere es unmoralisch von Menschen ohne solche Pruefungen Steuern zu verlangen!

  7. Die Überschrift „Niveau bei Facebook sinkt“ ist ja putzig.
    Welches Niveau und wohin soll es denn noch sinken??

  8. Sehr geehrter Prof. Dr. Alexander Dilger,

    sie scheinen ja ein echter Internetprofi zu sein! Keine sinnvollen politischen Debatten bei Facebook? Wäre ich so nicht drauf gekommen! Auch die Freundschaftsanfragen von hübschen Frauen habe ich bisher immer für bare Münze genommen! Last but not least ihre Analyse, was die Zukunft des Facebooks betrifft: messerscharf, anders kann man es nicht nennen! Bleiben Sie weiterhin so ein ausgekochter Internetfuchs!

      • Nun, so überheblich finde ich den Beitrag von Herrn Thomsen nicht. Facebook ist – jedenfalls wenn man sich die meisten Beiträge dort so ansieht – ein Müllplatz für geistigen Schreibdurchfall und seelische Ergüsse, mehr nicht. Hinzu kommt, dass sich dort immer ein und dieselben Schreiber gegenseitig mit Schmutz bewerfen. In meinen Augen pure Zeitverschwendung.

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