Alternative zur Zinspolitik der EZB

Gestern habe ich mich negativ über die Politik der Null- und Negativzinsen der EZB geäußert (siehe ‚EZB senkt Leitzins auf null und Strafzinsen auf minus vier Promille‘). Sie erreicht das erklärte Ziel der erwünschten Inflationsrate von knapp zwei Prozent nicht und hat schädliche Auswirkungen auf Banken, Finanz- und Immobilienmärkte. Aber was wäre die Alternative? Völlig wirkungslos ist diese Zinspolitik nämlich nicht. Sie wirkt nur nicht direkt, sondern lenkt die Finanzströme aus der Eurozone heraus, was den Außenwert des Euro senkt, und erleichtert die Zinslast für Staatsschulden, was auch für die Anleihenkäufe gilt und etwas höheren Staatskonsum erlaubt. Beides wirkt jedoch nur beschränkt, weil die meisten anderen Wirtschaftsräume auch verschwindend niedrige Zinsen haben und ihr Außenwert häufig noch stärker gefallen ist, während die Staatsverschuldung der meisten Euroländer restringiert wird und auch die Löhne kaum steigen.

Am ehesten gibt es Inflation bei ungehemmter Staatsverschuldung und/oder stark steigenden Löhnen. Beides ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, doch zumindest könnten die Fiskal- und Lohnpolitik insbesondere in Deutschland mehr tun, während die Geldpolitik an ihre Grenzen gestoßen ist. Es ist z. B. nicht einzusehen, dass es keine staatlichen Investitionsprojekte geben soll, die mehr bringen als nichts oder z. T. sogar einen negativen Zinssatz. Die Infrastruktur könnte verbessert oder müsste zumindest erhalten werden, während im Bildungsbereich noch immer hohe private und gesamtgesellschaftliche Renditen möglich sind.

7 Gedanken zu „Alternative zur Zinspolitik der EZB

  1. Das obsterste Ziel einer Zentralbank muss Währungsstabilität sein. Wie kann man sich Inflation wünschen? Auch 2% Inflation sind für den Normalbürger schädlich und daher nicht wünschenswert. Nur für Schuldner ist Inflation günstig! Und da ist der Italiener Draghi auf Seiten des leichtlebigen Club Med…..

  2. In Deutschland verzeichnen wir einen relativ stabilen, ab Mitte 2015 sogar leicht steigenden Konsumklima-Index (bei leider rückläufiger Sparquote) – und zwar trotz der internationalen Verwerfungen und Anschläge. Die Nominallöhne stiegen in den letzten Jahren um etwa 2,5 % p.a., Auswirkungen des Mindestlohn noch nicht gemessen, und führten zu einer Reallohnsteigerung von mindestens 1,6 % – je nach Art des Verbraucherpreis-Index.
    Die EZB sollte den Auftrag der Geldpolitik nicht willkürlich dehnen, durch Beschränkung Vertrauen herstellen und die Politik zum Handeln zwingen. Und da gäbe es in Deutschland mehr zu tun als im Thema angedeutet. Z.B. haben in den letzten Jahren energieintensive Unternehmen angeblich nur noch 80 bis 85 % der Abschreibungen in Deutschland reinvestiert- die ganze „Energiewende“ ist ein Fiasko. Gen-Forschung wird von Ethik-Kommissionen und ähnlich obskuren Einrichtungen ins Ausland verdrängt. Die Regularien in der Wirtschaft nehmen zu.
    Die EZB-Politik hat bisher die Deindustrialisierungs-Tendenzen in Frankreich und Italien nicht aufhalten können und ein schwacher Euro greift dort mindestens auf mittlere Sicht nicht. Sie führt beim Sparer nicht nur zu Zinsverlusten, sondern vielmehr zur Kapitalvernichtung bei der Suche nach Anlage-Alternativen (German Pellets ist das jüngste Beispiel- aber es gibt deren viele).
    Die Verkürzung der fiskalischen und wirtschaftlichen Probleme in der EURO-Zone auf ein imaginäres Inflationsziel von 2 % ist erstaunlich verbreitet und wurde hinsichtlich der Rolle der Inflation vom Blogbetreiber zumindest in der Tendenz schon damit begründet, dass deflationäre Tendenzen zu Konsumzurückhaltung führten- was man bei den heutigen Innovationsschüben sowohl im Konsum- wie im wirtschaftlichen Bereich bestreiten kann. Für Deutschland hat DESTAT für die letzten Jahre solche deflationären Tendenzen ausdrücklich verneint.

  3. Die Frage ist, ob die EZB nicht auf eine Entwicklung antwortet, die bislang nicht ausreichend offen gelegt wird.

    Deutschland hat in Europa laut Statistik die meisten Arbeitsplätze anzubieten. Tatsächlich haben die Arbeitsplätze seit 1970 um ca. 10 Prozentpunkte zugenommen ( ca. 8 Mio ). Allerdings hat auch die Lohnsubventionierung Einzug gehalten. 1,3 Mio Personen bekommen einen Lohnzuschuss.

    http://www.hartziv.org/news/20150512-arbeitslosenquote-tricks-der-agentur-fuer-arbeit-mit-der-statistik.html

    Der öffentliche Dienst ist statistisch seit 1970 geringfügig gewachsen. Allerdings berücksichtigt die Statistik nicht, dass viele Aufgabenbereiche privatisiert worden sind. Die Arbeitnehmer gehören dann zwar heute nicht mehr dem öffentlichen Dienst an, aber die Aufgaben und Ausgabenposten sind trotzdem nicht weggefallen. Man müsste also die früheren Werte z.B. um die Angestellten oder Beamte aus dem Postdienst oder Eisenbahnverkehr rausrechnen, um beurteilen zu können, wie sich die Belegschaft im öffentlichen Dienst entwickelt hat. Alleine bei der Deutschen Bundespost waren zuletzt 544.000 Personen, bei der Deutschen Bundesbahn 322.000 Personen beschäftigt. Aber es kommen ja noch viele Hospitäler, sogar Universitäten hinzu, die früher rein öffentlich-rechtlich betrieben worden waren und heute privat betrieben werden.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Bundespost

    Wenn man die Statistiken bereinigen würde, dann wäre das Ergebnis, dass sich der „natürliche“ Arbeitsmarkt, ohne staatliche Eingriffe längst nicht so rosig aussieht wie er erscheint.

    Wenn man die Erwerbslage in ganz Europa berücksichtigt, dann dürfte die Bilanz sogar ganz betrüblich aussehen. Gerade Frankreich ist berücksichtigt für einen extrem ausgeprägten öffentlichen Dienst.

    Die Frage ist schlicht, ob das bisherige Modell, dass die Liquidität über Arbeit verteilt wird, noch funktioniert. Die andere Frage ist, ob wir die Konsequenzen von unzureichender Liquiditätsverteilung hinnehmen wollen. Das wäre ggf. die bisherige oder sogar reduzierte Sozialversorgung ( pro Kopf ) gesehen, ggf. Stillstand in der wissenschaftlichen Entwicklung ( Wenn den Absatzmärkten die Liquidität fehlt, fehlt der Anreiz, Produkte zu entwickeln. ) .

    In Anbetracht der zunehmenden Computerisierung und der KI stellt sich grds. die Frage, ob ein Weg an staatlicher Beschäftigung oder Alternativ einem allg. Sozialgeld ( negative Einkommenssteuer, Bürgergeld, ALG-II ohne oder geringerer Anrechnung ) vorbeigeht.

    Sollte es keine Alternative geben, dann erhöhen sich die Staatsschulden. Die Einnahmeseite erscheint mir ausgeschöpft, einerseits weil die Finanzwelt längst global ist, andererseits weil die Möglichkeit der Besteuerung der Erwerbstätigen ausgeschöpft ist.

    Wie sollen Staatschulden abgebaut werden, wenn nicht durch Negativzinsen oder Zinsraten unterhalb von Inflationsraten ?

    Der Wunsch oder die Illusion, Arbeitskräfte würden doch irgendwie noch benötigt werden, ist zwar schön, aber Realitäten können ggf. nicht ausgeblendet werden.

  4. Jedenfalls wollen die das Wirtschaftswachstum sehr ungesund zwangsweise mit privaten Konsum auf Pump ankurbeln

    .Das geht in der Regel in die Hose.

  5. Erhöhung der Verbrauchssteuern wie MwSt bei gleichzeitiger Senkung der direkten Steuern und sozialem Ausgleich durch höheres Kindergeld, Hartz4 und Renten, wirkt auch preistreibend.
    Möglichkeiten gäbe es viele.

    Das Problem im Euroraum ist, dass solche wirtschaftspolitischen Massnahmen nicht mit der Geldpolitik der EZB koordniert werden können, weil es keine EU-Regierung gibt, die solche verfügen könnte.

    Die Absicht hinter dem Euro war wohl, mit der einheitlichen Währung die staatliche Einheit zu erzwingen. Aber dazu sind die Völker Europas weniger denn je bereit, so stolpern wir von einer Euro-Krise in die nächste.

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