18. Workshop Hochschulmanagement in Hamburg

Gestern hielt ich beim 18. Workshop Hochschulmanagement in Hamburg einen Vortrag zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz (siehe das Programm und fürs letzte Jahr ‚Vortrag zum Hochschulzukunftsgesetz beim Workshop Hochschulmanagement‘). Inhaltlich ging es um die ganz aktuelle Novelle des entsprechenden Gesetzes von 2007 (sie ist bereits durch den Bundestag und Bundesrat, aber noch nicht in Kraft). Damals wurden die Befristungsgründe und -höchstdauern insbesondere für Nachwuchswissenschaftler festgeschrieben. Hauptgegenstand der Gesetzesänderung ist es, zusätzlich Mindestdauern für Zeitverträge von wissenschaftlichen Mitarbeitern gesetzlich vorzuschreiben, nämlich die zur Qualifizierung nötige Zeit (ohne exakte Vorgabe) bzw. die Dauer einer Drittmittelbefristung. Ich halte das für ineffizient, weil die Risiken insbesondere für Hochschullehrer als Arbeitgeber steigen, während die Mitarbeiter nicht wirklich dadurch gewinnen.Wahrscheinlich verschriftliche ich den Vortrag demnächst.

Andere Vorträge waren ebenfalls interessant, da sie plausible Ansichten empirisch bestätigten, z. B. dass studentische Praktika eher schädlich sind, wenn sie nicht bei Top-Arbeitgebern gemacht werden, oder dass Artikel in Top-Zeitschriften im Schnitt innovativer und interdisziplinärer (statt einfach angepasster) sind als in normalen wissenschaftlichen Journals, während Overconfidence (Selbstüberschätzung) zumindest in der Wissenschaft schädlich ist bzw. mit geringerer Forschungsleistung verbunden ist als eine realistische Selbsteinschätzung. Überraschender war der empirische Befund, dass die Studentenzahlen dort steigen, wo der lokale Fußballverein von der 3. in die 2. Bundesliga aufsteigt, während ein entsprechender Abstieg zu signifikant weniger Studenten führt (und ein Auf- oder Abstieg in bzw. aus der 1. Liga statistisch insignifikant ist hinsichtlich der Studentenzahl vor Ort). Schließlich war ich mit meiner Rückfahrt mit der Deutschen Bahn nicht zufrieden, worüber ich demnächst berichte.

6 Gedanken zu „18. Workshop Hochschulmanagement in Hamburg

  1. Sehr geehrter Herr Dilger,
    da sie ja vor Ort waren, meine Frage:
    Kann man einen Zusammenhang zwischen dem Aufstieg einer Fussballmanschaft und der Entwicklung von Studentenzahlen ernst nehmen, oder fällt so etwas ehr in die Bereiche statistische Akrobatik oder Zufall?

    • Gute Frage. Ich habe den Autoren ein paar Robustheitschecks vorgeschlagen, z. B. auf alle Tabellenplätze zu testen und nicht nur Auf- und Abstiege. Die Interpretation, dass der Hochschulstandort durch bessere Freizeitmöglichkeiten in Form von Stadionbesuchen attraktiver würde, fand ich auch nicht überzeugend. Eher ist von einer stärkeren Bindung der heimischen Jugend auszugehen, die dann lieber in der Region studiert. Es ging auch nicht um sehr hohe Zahlen. Der Aufstieg in die 1. Liga war schließlich nicht signifikant, vielleicht weil die Orte größer oder die Universitäten dort ohnehin schon ausgelastet sind.

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