Mangelnde Kenntnis und Einhaltung der Verkehrsregeln

In der aktuellen ADAC Motorwelt, dem Clubmagazin, und auch im Internet (siehe „ADAC-Umfrage: Das wissen die Autofahrer“ mit Verlinkungen) gibt es einen kleinen Test zur Kenntnis der Verkehrsregeln. Ich muss zugeben, dass ich selbst zwei kleine Fehler hatte. So war ich für das „Aufstellen des Warndreiecks gut sichtbar in ausreichender Distanz hinter dem stehenden Fahrzeug“, statt diese Distanz exakt zu beziffern. Ich wollte auch nicht „So früh wir möglich hochschalten“, um Kraftstoff zu sparen (vermutlich wusste der Gesetzgeber nicht, was mit einem modernen Diesel alles möglich ist).

Schlimmer ist, dass die Mehrheit der repräsentativ befragten deutschsprachigen Autofahrer (fremdsprachige wurden erst gar nicht befragt) selbst für Standardsituationen wie die Bildung einer Rettungsgasse auf einer dreispurigen Autobahn oder das Reißverschlussverfahren beim Verschwinden einer Spur nicht die richtige Antwort kennt. Es ist kein Wunder, dass das dann in der Praxis auch oft nicht funktioniert, weshalb es sich übrigens lohnt, auf die verschwindende Spur zu wechseln, dann ganz vorne aber nicht absolut auf sein Fahrtrecht im Wechsel zu beharren. Zugleich beschweren sich 88 Prozent darüber, „Wenn jemand andere nicht einordnen lässt“, wobei sie das vielleicht fälschlich „spätestens 200 Meter vor Ende der“ Spur begehren.

Immerhin noch 27 Prozent regen sich auf über „Leute, die sich streng an die Verkehrsregeln halten“. Das Einhalten der Gesetze ist jedoch völlig in Ordnung, selbst wenn ich zugeben muss, mich nicht immer ganz strikt an die vorgeschriebene Geschwindigkeit zu halten, wenn die Situation gefahrlos etwas mehr zulässt (z. B. auf mehrspurig ausgebauten Straßen innerorts ohne Radfahrer und Fußgänger). Als Autofahrer stört mich am meisten die häufige Missachtung des Rechtsfahrgebots und als Fußgänger sowie Jogger, vor allem wenn ich mit dem Babyjogger unterwegs bin, das wilde Parken auf Bürgersteigen. In beiden Fällen fürchte ich, dass viele gar nicht wissen, dass sie die Verkehrsregeln missachten und andere Menschen behindern.

7 Gedanken zu „Mangelnde Kenntnis und Einhaltung der Verkehrsregeln

  1. Ich besitze seit über 5o Jahren den Führerschein, jährliche Fahrleistung bis vor ca. 3-4 Jahren noch 40000 km, jezt noch 22000 pro Jahr. Unfallfrei seit ca. 45 Jahren. Einen Test zu Verkehrsregeln gehe ich bewusst aus dem Weg. Ich befürchte schlimmes. Nicht so einem Gesundheitstest. Da weiss ich das ich mehr als fit bin.
    Was ich aber glaube was mir aufgefallen ist, ist die schlechtere Fahrweise von Jugendlichen und jungen Menschen. (am Steuer introvertiert und mit sich beschäftigt).
    Einige werden erst wach/aufmerksam wenn sie überholt (ordnungsgemäß) werden und
    neben sich einen Schatten bemerken.
    Die wirklich fitten Jugendlichen sind dann mit Handy oder umfangreichen technischen
    Verführungen im Cokpit beschäftigt. (Fahren dann eher rücksichtslos).
    Die überregulierten Vorschriften produzieren ängstliche Fahrweisen bei vielen Verkehrsteilnehmer. Hinzu kommt das uns mit der Zeit Fähigkeiten aberzogen wurden, durch allerlei technischen Hilfsmittel.
    Auch ist es ein Unterschied ob man in der Woche oder an Sonn- und Feiertagen auf der Autobahn unterwegs ist. An Sonn- und Feiertagen käme man auf der rechten Fahrspur am zügigsten vorbei (die Leute schrecken vor Spurwechsel zurück)und das auch bei einhalten der vorgegebenen Geschwindigkeit, wenn man dann aufmerksam genug ist und alle paar km (oftmals auch nur einige 100 Meter) die Änderungen mitbekommt.
    Geschwidigkeiten werden oftmals dadurch nicht eingehalten, da man sich dem Verkehrsfluss angepasst hat, willentlich oder nicht. Bewusst sollte man, auch bei freier
    Strecke nicht zu schnell fahren, da vermutlich zunehmend aus ökonomischen Zwecken, heute mehrfach auch an völlig unbedeuteten Stellen und unfallfreien Stellen verdeckte Verkehrsüberwachung durchgeführt wird.
    Man könnte unendlich weiter ausführen, aber das Thema ist zu komplex. Daher zum Schluss nur noch folgendes:
    Ich bin viele Tausende Kilometer im außereuropäischen Ausland gefahren. Keine
    Überegulierung. Devise, kommt „Einer“ halte ich, kommt „Keiner“ fahre ich und nachts
    stehe ich nicht mutterseelen alleine vor einer grünen Fußgängerampel.

    • Die meisten solchen Tests werden aus Führerscheinfragen zusammengestellt, von denen die meisten aber gar nicht so wichtig für die Sicherheit oder die typischen Alltagssituationen sind. Aber es ist doch erschreckend, wenn die Mehrheit nicht weiß, wie man eine Rettungsgasse bildet oder richtig mit dem Reißverschlussverfahren auf eine verschwindende Spur reagiert. Ich vermute auch aus täglicher Anschauung, dass die Mehrheit oder zumindest eine sehr große Minderheit nicht weiß, wer wann rechts fahren muss und dass man ohne besondere Beschilderung oder Markierung nicht einfach auf dem Bürgersteig parken darf, auch nicht mit zwei Rädern.

      Sie dürfen übrigens auf Autobahnen grundsätzlich nicht rechts überholen, selbst wenn dort alles frei ist, außer wenn sich links eine stehende oder langsam fahrende Schlange gebildet hat, die Sie geringfügig schneller überholen dürfen, oder wenn Sie auf einem Beschleunigungsstreifen auf die Autobahn auffahren.

      Es wird eigentlich nur dort geblitzt, wo man völlig problemlos schneller fahren könnte als erlaubt oder sogar die Beschilderung unklar ist. An unübersichtlichen Stellen oder z. B. vor Schulen mit anwesenden Schülern muss man sich wenigstens um Blitzer keine Sorgen machen, sondern kann sich allein auf die Situation konzentrieren. Außerhalb der Schulzeiten habe ich hingegen schon Blitzer vor Schulen gesehen.

      Insgesamt wird übrigens recht selten geblitzt. Schauen Sie sich einmal die größeren Lastwagen auf der Autobahn an. Die dürfen alle nur 80 km/h fahren, sind aber meist mit ca. 98 km/h unterwegs. Warum? Erstens warnen sie sich gegenseitig vor Blitzern, aber zweitens bekommen sie dann selbst bei einer Kontrolle keinen Punkt in Flensburg, während häufig der Chef das Verwarnungsgeld übernimmt.

      In anderen Ländern hat man ein anderes Regelverständnis. Das hat Vorteile, aber auch Nachteile. So kracht es in südlichen Ländern viel häufiger als bei uns, was nur wegen der oft niedrigeren Geschwindigkeiten nicht so schlimme Folgen hat. Außerdem sind dort alle auf die anderen faktischen Regeln eingestellt. So rechnet dort jeder mit Fußgängern auf der Fahrbahn. In Deutschland parkt mir jedoch der eine Autofahrer den Fußweg zu, während der andere mich dann anhupt oder sogar noch extra draufhält (was selbst illegal ist), wenn ich auf die Straße ausweiche.

      Noch krasser habe ich das als Radfahrer erlebt: Ein Autofahrer kommt aus einer einmündenden Straße und nimmt mir als Radfahrer die Vorfahrt, indem er über den Radweg direkt bis zur Straße vorfährt. Ich weiche deshalb auf die Straße aus, weshalb er hupt und schimpft. Statistisch gesehen ist es schließlich für Radfahrer sicherer, immer auf der Straße zu fahren, weil die Autofahrer sich dort zwar über sie ärgern, aber wenigstens nicht übersehen.

    • Ich schließe mich Ihrer Meinung mit meinen 1,95 Mio unfallfreien Kilometern auf 4 Kontinenten an. Ich denke, ich weiß für den Verkehr in Deutschland die wesentlichsten Dinge. Ob das für eine theoretische Führerscheinprüfung genügen würde – da habe ich meine Zweifel. So lange ich immer wieder die neuronale Koordinatentransformation für den Linksverkehr in den ehemaligen Kolonien der Briten schaffe, ist mir um meine geistige Fitness nicht bange.
      Natürlich machen junge Leute trotz absolut gesehen, total guter Reflexe viele Fehler, die einfach der Mangel an Erfahrung und somit der fehlende 6. Sinn sind. Bei jungen Männern kommt noch das typische Gehabe wegen Testosteron-Überschuss hinzu. Aggressionen gibt es auch und besonders bei einigen jungen männlichen Typen mit Migrationshintergrund. Bei Frauen ist es erst die pausenlose Quatscherei mit dem Handy im Auto und dann die Ablenkung der Aufmerksamkeit durch die quengelnden lieben Kleinen auf dem Rücksitz. Beides wird sicher durch die Versicherungen irgendwann statistisch genau erfasst. Bezogen auf die Verkehrsdichte in Deutschland und angesichts der Tatsache, dass wir auf einigen Autobahnteilstücken noch richtig schnell fahren dürfen, ist die allgemeine Fähigkeit Fahrzeuge unfallfrei zu führen, in Deutschland als sehr gut zu bezeichnen. Den entspanntesten Verkehr habe ich in Neuseeland und den stressigsten in Rom erlebt. In Neuseeland braucht man kaum Regeln und in Rom nützen sie nichts!

      • Das persönliche Fehlverhalten ist sehr unterschiedlich und auch die jeweiligen Fähigkeiten. Reaktion usw. Und ein alter Aufkleber mit dem Vermerk, „es fahren ja nicht alle so gut wie du“, drückt es schon richtig aus. Aber was in den letzten Jahren durch unnötige Technik, so mein Eindruck, uns an Fähigkeiten aberzogen wurde, ist schon zu bemerken. Kaum einer kann noch rückwärts über die Schulter sehen. Oder beobachtet den Verkehr vor- wie rückwärts und das permanent. Manchmal gewinnt man den Eindruck die Leute wähnen sich jetzt schon in einem selbst fahrenden autarken PKW.
        Das, aus meiner Sicht, gerade in einer Universitätsstadt unmögliche Verhalten von Radfahrern ist für viele Fußgänger ein großes Ärgernis. Hier fehlen Kontrollen. Aber auch die falsche manchmal überzogenen Forderungen des Bürgers, verführt Behörden, unnötige Verkehrsregelungen einführen. So z.B. bei mir im Ort. Eine ältere Frau ging im Dunkeln über eine Landstraße vor einem Bus, aus dem sie zuvor ausgestiegen ist, und wurde von einem Autofahrer der mit normaler angepasster Geschwindigkeit fuhr, im dunkeln völlig übersehen und kam dadurch zu Tode. Sicherlich mehr als unglücklich und tragisch. Nicht nur für die Angehörigen, auch für den PKW Fahrer. Aber jetzt dort eine Änderung zu fordern, wie geschehen, ist unnötig an einer Stelle wo noch nie, in den letzten Jahrzehnten, nur der kleinste Unfall passiert ist. Diese Unverhältnismäßigkeit findet man in zahlreichen Fällen vor und ist nicht hilfreich.

  2. Ich habe vor Jahren einmal ein Bußgeld bekommen, weil mein geparkter PKW 20 cm über die hintere Begrenzungslinie ragte. Oder zahlen Sie einmal Ihre Steuern ein paar Tage verspätet, die Zinsen werden umgehend in Rechnung gestellt. Unsere Staatslenker erwarten von uns 100%ige Gesetzestreue. Sie selber halten sich aber sehr oft nicht an ihre eigenen Gesetze, statt eine Vorbildfunktion einzunehmen! Und das merken inzwischen auch die Dümmsten…..

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