Gravitationswellen 100 Jahre nach Einsteins Vorhersage gemessen

Nun gibt es schon ‚Hundert Jahre [die] allgemeine Relativitätstheorie‘, doch erst jetzt wurde ihre letzte große Vorhersage empirisch bestätigt (nicht mit absoluter Sicherheit, die in der Physik nicht möglich ist, aber doch mit hinreichender Wahrscheinlichkeit): Endlich – Gravitationswellen nach 100 Jahren gemessen“. Gravitationswellen entstehen bei gravierenden Änderungen in der Krümmung der Raumzeit wie dem Verschmelzen von zwei Schwarzen Löchern. Ihre Messung ist extrem schwierig, aber gelang bereits am 14. September 2015 u. a. auch Forschern in Deutschland, was heute nach zahlreichen Überprüfungen der Daten und Messgeräte offiziell bekanntgegeben wurde.

Wissenschaftlich ist das ein großer Durchbruch. Allerdings glaube ich nicht, was der Tagesspiegel schreibt (siehe Spannend, was nun möglich wird“): „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Gravitationswellenforschung unseren Alltag bereichert.“ Dafür sind die Wellen dann doch zu schwach und die sie (in überhaupt irgendwie nachweisbarer Größe) auslösenden Ereignisse zu selten und exotisch. Aber es gibt rein wissenschaftlich mindestens 6 Fragen, die uns Gravitationswellen beantworten könnten“. Es bleibt also spannend.

8 Gedanken zu „Gravitationswellen 100 Jahre nach Einsteins Vorhersage gemessen

  1. Mir gefällt der Gedanke, dass 100 Jahre am Nachweis hart und konsequent und nun auch erfolgreich gearbeitet wurde. – Ich wünschte mir auch in der Politik eine derartige Beharrlichkeit im Anstreben und Verfolgen solch langfristiger Ziele – und die damit verbundene Bereitschaft, zwischenzeitliche Misserfolge wegzustecken. Aber dazu gehören schon auch langlebige Werte und Ziele – fehlen die uns?

    • Politisch und vor allem wirtschaftlich wurde in den letzten 100 Jahren doch auch sehr viel erreicht. Gerade in Deutschland, aber auch der ganzen EU droht das Erreichte jetzt wieder verspielt zu werden.

      • Sind diese Erfolge langlebigen Werten und Zielen geschuldet? Ich denke eher nicht. – Will aber vielleicht bedeuten, wir brauchen diese langlebigen Werte und Ziele gar nicht – in der Politik?

      • Die Erfolge hängen an sehr langlebigen bzw. zeitlosen liberalen und demokratischen Werten wie Rechtsstaatlichkeit, Schutz der individuellen Freiheit einschließlich Eigentum, Freihandel, Gewaltenteilung und Demokratie selbst. Das sind aber keine Selbstverständlichkeiten, die nur in Sonntagsreden erwähnt werden müssen, sondern sie gilt es zu leben und zu verteidigen.

    • „Unter den 500 hier anwesenden Studenten sind höchstens zwei, welche die Physik voranbringen werden.“ prognostizierte Rudolf Mößbauer, Physik-Nobelpreisträger, 1970 bei einer Vorlesung an der TU München. Hart und konsequent hat vermutlich die große Mehrheit der im Hörsaal Anwesenden im Laufe ihres Lebens gearbeitet. Um zu einer wissenschaftlichen Spitzenleistung zu kommen, ist neben Fleiß und Klasse noch ein gewisser Riecher notwendig.
      Mit der sehr hohen Messgenauigkeit, die die Lasertechnik ermöglicht, wurden nun innerhalb einer kurzen Zeitspanne zwei „Schallmauern“ durchbrochen. Stefan Hell hat die Lichtmikroskopie revolutioniert, die nun bessere Einblicke in lebende Zellen erlaubt als bisher. Und mit Laser-Interferometern wurden nun offensichtlich Gravitationswellen beobachtet.

      • Spitzenleistungen sind per Definition selten. Interessant ist, ob die Physik inzwischen so schwierig und komplex ist, dass individuelle Geniestreiche wie von Albert Einstein gar nicht mehr möglich sind und, falls ja, ob sie durch Kollektivleistungen ersetzt werden könnten. Es ist auch möglich, dass schon bald eine Grenze der menschlichen Erkenntnismöglichkeiten erreicht ist, die dann höchstens noch künstliche oder gezüchtete Intelligenzen überschreiten könnten. Allerdings glaubte man Ende des 19. Jahrhunderts auch, in der Physik wäre alles Wesentliche schon erforscht, obwohl die großen Umbrüche der Relativitätstheorie und Quantenphysik gerade dann folgten.

        In weniger exakten Wissenschaften wie z. B. den Wirtschaftswissenschaften ist es noch schwieriger zu erkennen, ob überhaupt ein wesentlicher Erkenntnisfortschrit erzielt wurde. Die Vorstellung, es handele sich einfach um angewandte Mathematik, ist jedenfalls noch weniger richtig als in der Physik. Mathematik ist ein wichtiges Werkzeug, aber dieses muss richtig eingesetzt und darf nicht mit der Sache selbst verwechselt werden.

  2. Ja, die Mathematik ist ein sehr wichtiges Werkzeug. Aber das Werkzeug muss auch beherrscht werden. In der Physik habe ich in der Regel da weniger Sorgen – aber in den Sozialwissenschaften und noch mehr in der Politik. – Ja, wirtschafts- und noch mehr gesellschaftspolitische Probleme sind nicht so einfach oder auch weniger sicher mit naturwissenschaftlichen Methoden zu packen. – Aber – und damit bin ich wieder bei der bewundernswerten Hartnäckigkeit, wie hier ein bestimmtes Problem in der Physik verfolgt wurde – mit fehlt die Offenheit und der Wille zu selbst der Definition, wohin wir in wichtigen Fragen der Gesellschaft und Politik wollen. Ohne das versinken wir im Strom der täglich wechselnden Anforderungen. – Oder hilft da nur der britische Pragmatismus? – Um Nachwuchs und Lösungsfähigkeit in den Naturwissenschaften mache ich mir weltweit keine Sorgen.

    • Die Mathematik selbst (einschließlich Statistik) ist meist nicht das Problem, zumal man heutzutage Rechner rechnen lassen kann. Doch der richtige Ansatz bereitet häufig Schwierigkeiten (siehe z. B. ‚Fehlschluss beim Spielerfehlschluss‘). Politiker müssen übrigens auch das nicht können, sollten aber gute Berater auswählen, die nicht einfach nur ihre Meinung spiegeln, und überblicksartig zu begreifen versuchen, worum es in ihrem Politikbereich überhaupt sachlich geht. Nur dann können sie sich auch begründet dagegen entscheiden, wenn ihnen z. B. wahltaktische Vorteile doch wichtiger erscheinen.

      Der Vergleich von den Naturwissenschaften mit der Politik und Gesellschaft ist ohnehin schief. Natur- und Sozialwissenschaften können sinnvoll miteinander verglichen werden, wobei es wesentliche Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten gibt. Der entsprechende Vergleich auf Ebene der Gegenstände wäre von Natur mit Politik und Gesellschaft. Die Natur selbst hat keine Ziele. Individuelle Menschen haben Ziele, aber verschiedene. Aus liberaler Sicht sollte die Politik den Menschen keine (inhaltlichen statt formalen) Gemeinschaftsziele vorgeben, sondern den Individuen Raum zur Verwirklichung je ihrer Ziele geben und zur friedlichen Lösung von Konflikten beitragen. Der britische Pragmatismus hilft dabei, während Kollektivisten anderen ihre Ziele aufzwingen wollen.

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