Ablehnung eines zu niedrigen Gebots

Heute habe ich selbst praktiziert, was ich sonst meine Studenten lehre. Bei öffentlichen Ausschreibungen ist grundsätzlich das niedrigste Gebot zu wählen, zuvor sind jedoch offensichtlich zu niedrige Gebote auszusortieren. Auf den ersten Blick ist das seltsam. Wenn ein genau spezifizierter Auftrag zu vergeben ist, sollte sich der Auftraggeber doch eigentlich freuen, wenn dies besonders billig gemacht wird.

Es könnte aber zu billig sein. Bei einer solchen Auktion gewinnt derjenige mit dem niedrigsten Gebot. Wenn sich jemand verkalkuliert, bekommt er bei einem zu niedrigen Ansatz mit hoher Wahrscheinlichkeit den Zuschlag. Dabei kann das Verkalkulieren allein darin bestehen, die Auktionssituation nicht richtig zu würdigen. Wer einfach naiv seine Kosten kalkuliert, erliegt bereits dem „Fluch des Gewinners“ (Winner’s Curse), da zufälliges Unterschätzen eher zum Zuschlag führt. Zumindest die öffentliche Hand sollte dann die Unternehmen ihres eigenen Landes nicht reinreiten.

Doch auch ich möchte niemanden übervorteilen, zumal noch eine zweite Überlegung greift. Ein hoher Preis ist nicht unbedingt ein Qualitätssignal, da auch ein Anbieter mit schlechter Qualität einfach einen hohen Preis verlangen könnte. Ein niedriger Preis kann jedoch ein Signal für schlechte Qualität sein, weil hohe Qualität ihren Preis hat bzw. mit gewissen Kosten verbunden ist. Auch wenn ein Auftrag recht genau spezifiziert ist, kann es natürlich trotzdem große Qualitätsunterschiede geben, gerade bei handwerklichen Leistungen.

Jedenfalls hatte ich den niedrigsten Bieter für eine handwerkliche Dienstleistung für unser neues Haus bei MyHammer erst darauf hingewiesen, dass er sich vielleicht verkalkuliert hat. Er hat dann tatsächlich seinen Preis erhöht, war damit immer noch der billigste Bieter und wurde dann heute trotzdem von mir abgelehnt. Ob er nicht vielleicht dennoch gut gewesen wäre, werde ich nun nie erfahren, dafür aber demnächst die Qualität des ausgewählten Handwerkers mit einem immer noch ziemlich guten Preis beurteilen können.

3 Gedanken zu „Ablehnung eines zu niedrigen Gebots

  1. Three contractors are bidding to fix a broken fence at the White House. One is from New Jersey, another is from Tennessee and another from Minnesota. All three go with a White House official to examine the fence.

    The Minnesota contractor takes out a tape measure and does some measuring, then works some figures with a pencil. „Well”, he says, “I figure the job will run about $900: $400 for materials, $400 for my crew and $100 profit for me.”

    The Tennessee contractor also does some measuring and figuring, then says, “I can do this job for $700: $300 for materials, $300 for my crew and $100 profit for me.”

    The New Jersey contractor doesn’t measure or figure, but leans over to the White House official and whispers, “$2,700.”

    The official, incredulous, says, “You didn’t even measure like the other guys! How did you come up with such a high figure?” The New Jersey contractor whispers back, “$1000 for me, $1000 for you, and we hire the guy from Tennessee to fix the fence.”

    “Done!” replies the government official.

  2. Ja das ist nicht so einfach. Wer billig kauft, sollte sich nicht wundern wenn er billig bekommt. Dagegen setzt „preiswert“ eine gewisse Sachkenntnis und die Würdigung menschlicher Leistung voraus. Leider hapert es da oftmals gerade bei besser betuchten Mitbürgern.

  3. Pingback: Rampe zum Haus | Alexander Dilger

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