Vorwahlen in Iowa

Gestern fanden die ersten Vorwahlen in Iowa zur US-Präsidentenwahl im November statt. Das Hauptergebnis kann man so zusammenfassen: „Mr Trump tastes defeat in Iowa, Mrs Clinton avoids disaster“. Hillary Clinton errang nur einen hauchdünnen Vorsprung von 0,2 Prozentpunkten vor Bernie Sanders, dem selbsterklärten demokratischen Sozialisten, was in den USA eher Wähler verschreckt als in Deutschland. 2008 hatte sie allerdings in Iowa überraschend gegen den seinerzeit fast unbekannten Barack Obama verloren. Wahrscheinlich wird sie jetzt die Kandidatin der Demokraten und dann die erste Präsidentin der USA. Bei den Republikanern wurde Donald Trump trotz zuvor guter Umfragewerte entzaubert. Es gewann der noch extremere Ted Cruz, was etwas an die AfD erinnert, wo die Populisten immer lauter werden, um dann doch gegen die überzeugten Radikalen zu verlieren. Bei den eigentlichen US-Wahlen dürfte das Frau Clinton trotz ihrer Schwächen den Weg ebnen. Hoffnung für die gemäßigten Republikaner macht allerdings der dritte Platz von Marco Rubio direkt hinter Herrn Trump. Auf ihn dürften sich jetzt die Stimmen und Gelder der gemäßigten Konservativen und Liberalen konzentrieren, während ihr früherer Favorit Jeb Bush mit unter drei Prozent fast keine Rolle mehr spielt und vermutlich demnächst seine Kandidatur beendet.

15 Gedanken zu „Vorwahlen in Iowa

      • „Ted Cruz und Donald Trump haben hingegen gegen sie kaum Chancen, was wohl auch besser so ist.“

        Und warum? Hillary Clinton wäre ja der absolute Super-GAU. Ted Cruz wäre ein toller Präsident, der die USA endlich wieder an die Verfassung erinnert. Ich kann auch nicht ganz nachvollziehen, warum Cruz „radikaler“ als Trump sein soll? Nachdem Rand Paul nicht mehr dabei ist, ist Cruz als Constiutionalist der wohl libertärste Kandidat im Rennen. Ein Hardliner ist eher nun eher dahingehend, dass er sich konsequent auf die Verfassung beruft und standhaft danach handelt.

      • Warum schreiben Sie nicht, dass Ted Cruz ein Fundamentalist ist? Das schließt nicht aus, dass einzelne Positionen für sich genommen ganz vernünftig sind.

      • „…der noch extremere Ted Cruz…“

        Lesen Sie zu viel in der linken deutschen Presse, Herr Dilger?

        Das Kernthema von Ted Cruz ist die Verteidigung der föderalen amerikanischen Verfassung, gegen das zentralistische „Big Gouvernement“ des „Washingtoner Establishment„. Das sollte gerade ihnen als Liberaler gut gefallen (im amerikanischen Englisch steht der Begriff „liberal“ allerdings nicht für „liberal“ im deutschen Sinne, sondern für „links“). Außerdem will Cruz Steuersenkungen und gesicherte Grenzen. Er hat sich aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet und als Generalstaatsanwalt von Texas bereits unter Beweis gestellt, dass er nicht nur redet, sondern handelt.

        Der Krawallmacher Donald Trump und die biestige Hillary Clinton dagegen gehören beide zu einer abgehobenen Kaste, die sich gegenseitig die Sahnehäppchen zuschieben und sich gar nicht mehr dafür interessieren, was die Leute auf der Straße denken, genau wie bei uns in der EU: https://www.youtube.com/watch?v=OOJrYxHQO-E

      • Über amerikanische Politik informiert man sich besser direkt bei den Amerikanern oder auch den Briten. Dann stellt man fest, dass Herr Cruz ein Fundamentalist ist, der die US-Verfassung ähnlich naiv und ahistorisch auslegt wie Islamisten und Islamhasser den Koran. Außerdem ist er ein großer Fan der Todesstrafe und des Herumballers (aber nicht unbedingt wie die AfD auf Flüchtlinge).

        Liberal hat in den USA tatsächlich eine andere Bedeutung als in Europa. Das gilt allerdings auch für die Einordnung als links. Herr Sanders würde hierzulande vielleicht als Sozialdemokrat durchgehen, doch Frau Clinton steht viel weiter rechts als Frau Merkel (was wohl auch keine Kunst mehr ist).

      • Ja, auch ich informiere mich gerne direkt in den USA, zumal ein Teil meiner Familie dort lebt. Inzwischen gibt es aber auch im Gegensatz zur linken deutschen Presse einen recht objektiven deutschsprachigen Blog zur US-Präsidentschaftswahl: http://us-wahl2016.blogspot.de/ .

        Wenn Sie Ted Cruz als „Fundamentalist“ bezeichnen, dann müssten Sie auch die Verteidiger des Deutschen Grundgesetzes als „Fundamentalisten“ bezeichnen. Die 50 (zumindest innenpolitisch) selbständigen Staaten der USA wollen keine Kompetenzausweitung der Bundesregierung in Washington, wie Obama das immer wieder versucht hat, weil die US-Verfassung das auch nicht vorsieht. Die Amerikaner kämpfen den ähnlichen Kampf gegen Zentralismus, wie wir in der EU gegen Brüssel!

        Wenn Sie die USA wie ich von innen kennen würden, hätten Sie einen differenzierteren Blick. Das Thema „Besitz und Tragen von Schusswaffen“ ist zu vielschichtig, um es hier in einem Kommentar zu erklären. Über die „Todesstrafe“ entscheiden die Bundesstaaten basisdemokratisch, also in „direkter Demokratie“, die Sie zumindest zu ihren AfD-Zeiten noch unterstützt haben.

        Für mich war Ronald Reagan der beste US-Präsident, seit ich Politik wahrnehmen kann. Ted Cruz hat Inhalte und ein Auftreten die Reagan ganz ähnlich sind. Nach 8 Obama-Jahren ist in einer klassischen Demokratie wie den USA ein Wechsel fällig. Hillary Clinton ist alt, verbraucht und zählt zumindest in der Provinz zum verhassten „Washingtoner Establishment“. Diese Polit-Hexe wäre der Horror, weswegen ich mit Marco Rubio nur als Kompromiss leben könnte.

      • Die Verfassung bzw. das Grundgesetz zu verteidigen, ist kein Fundamentalismus, so wie auch nicht jeder gläubige Christ oder Moslem ein Fundamentalist ist. Kennzeichennd für Fundamentalisten ist es, auf einen Ursprungstext unmittelbar zugreifen zu wollen, als gäbe es keine Interpretationsmöglichkeiten und keine historische Entwicklung seit seiner Entstehung. In Wirklichkeit ist das natürlich auch nur eine Interpretation, die gerade nicht der Überzeugung von Religionsgründern oder Verfassungsvätern entspricht, die Neues schaffen wollten.

        Die USA kann man schlecht mit der EU vergleichen. Passender wäre ein Vergleich mit der Bundesrepublik Deutschland, deren Föderalismus ebenfalls schon stark entwertet wurde. In den US-Staaten gibt es natürlich auch repräsentative Demokratie, die allerdings durch Volksentscheide ergänzt wird. Gegen demokratische Entscheide sage ich auch nichts, sie nehmen Politikern aber nicht die inhaltliche Positionierung und deren Begründung ab (dasselbe gilt auch für die Auslegung einfacher Gesetze, zu deren möglicher Änderung Politiker gewählt werden). Entsprechend ist die Todesstrafe in einigen US-Bundesstaaten demokratisch legitimiert, doch kann das vehemente Eintreten für sie Politikern wie Ted Cruz trotzdem zum Vorwurf gemacht werden. Seine Basis findet das natürlich gut und reicht vielleicht für eine Nominierung bei den Republikanern aus, sehr wahrscheinlich aber nicht für den Wahlsieg insgesamt. Wer Hillary Clinton verhindern will, sollte deshalb auf Marco Rubio (oder Bernie Sanders) setzen.

      • An Marco Rubio gefällt mir seine Vita. Er hat sich von ganz unten hochgearbeitet und ist damit ein perfektes Beispiel für den „American Dream„, ähnlich wie mein Onkel in den USA.

        An seinen Inhalten stört mich aber, dass er nach der Theorie der „Neocons“ weltweit US-Militär zum „Demokratieexport“ einsetzen will. Ich bin kein Isolationist, aber Ronald Reagan hat gezeigt, dass man auch mit kurzen Militärschlägen viel bewegen kann. Aufzehrende, jahrelange Kriege wie in Vietnam oder Afghanistan gegen Guerilla-Kämpfer führen nicht zum Erfolg. Mit dem Irak und in Nordafrika haben die USA zudem eine Region destabilisiert und nirgendwo Frieden und Freiheit geschaffen. Die aktuellen Völkerwanderungen sind ein Ergebnis davon. Leider befürwortet Rubio ein direktes militärisches Eingreifen der USA in Syrien. Und er ist ein „Ziehsohn“ von Jeb Bush, was wiederum einiges erklärt.

        In jedem Fall muss Hillary Clinton verhindert werden, sonst bekommen die Amerikaner noch mehr „Big Gouvernement“ und das will ich weder in den USA noch in Europa!

  1. Die Interessante Frage ist doch: Wie unabhängig ist ein US- Präsident in seiner Amtsführung? Und daraus ergibt sich des weiteren: Was macht den Unterschied zwischen Demokraten und Republikanern aus? Anmerkung: Es geht mir in diesen Fragestellungen nicht um „Verschwörungstheorien“, sondern um Realitäten.

    • Verschwörungstheorien für Realität zu halten, macht die Sache nicht besser, sowohl wenn sie nicht stimmen als auch insbesondere falls im Einzelfall doch einmal. US-Präsidenten unterliegen ganz offensichtlichen Zwängen. Die US-Demokratie beruht viel mehr als die deutsche auf Gewaltenteilung. Trotzdem könnte ein wahnsinniger Präsident z. B. einen Weltkrieg auslösen. Herrn Trump halte ich nicht für wahnsinnig, manche seiner Äußerungen hingegen schon.

  2. Günter Grimm

    Eine recht interessante Entwicklung in den Staaten.

    Nach unserer ANGIE könnte – ? – also bald ein neuer
    “ weiblicher Stern “
    auf der internationalen Bühne in Erscheinung treten ! ! !

    Ob dieser “ Stern “ dann ein GUTES LICHT verbreiten wird, das
    wird die Zukunft zeigen müssen.

    Der “ Donald Duck “ – Dollar in den Augen – TRUMP – ist für mich
    eine Figur, die man eigentlich hätte erst erfinden müssen.
    Geldleute in Amerika sind eine ganz besondere Spezies, die ich zum
    Teil, bei meinen geschäftlichen Aktivitäten, kennen lernen konnte.
    Große Freude haben die meisten Kontakte nicht – nicht – gemacht.

    Abwarten … Tee trinken …
    und immer noch lustig bleiben …

    Günter Grimm

  3. Zunächst: Ein wahnsinniger Präsident könnte wohl nicht ohne weiteres einen Weltkrieg auslösen, da der mächtigste Mann der vereinigten Staaten der Surgeon General ist. Der Surgeon General kann alleine den Präsidenten für verrückt erklären und seine Amtsbefugnisse beenden.
    Ein derartiger Surgeon General fehlt bedauerlicherweise in Deutschland, er könnte Frau Merkel wirksam stoppen.
    Darüber hinaus ist in der Endzeit von Richard Nixon das Gerücht aufgekommen, dass Nixon, um seiner Absetzung zuvorzukommen, einen Putsch plane. Daraufhin hat der damalige Verteidigungsminister im Pentagon die Anweisung gegeben, dies ohne eigentliche Rechtsgrundlage, dass Befehle des Präsidenten durch ihn gegengezeichnet werden müssen.
    Das System der „Checks and Balances“ hat also nachweislich funktioniert.
    Die Problematik besteht aus meiner Sicht darin, dass die beiden Sieger, sowohl Cruz als Clinton, die weiße Mittelschicht verlieren. Nun ist die weiße Mittelschicht seit Jahrzehnten im Abstieg begriffen, es genügt die Angabe, dass das Realeinkommen pro Kopf in den USA seit fast 25 Jahren nicht gestiegen ist. Dies ist in einer Nation fatal, die auf zunehmendem wirtschaftlichem Erfolg der Generationen beruht, the American Dream. Hinzu kommt eine Abstammungsproblematik, die schwarze Bevölkerung wächst kaum, dafür aber die Hispanics sehr.
    2050 werden Wähler der Hispanischen Volksgruppe, also Lateinamerikanische Nachkommen, die Mehrheit der Wähler stellen.
    Sowohl Trump als auch Clinton sind wohl mit die letzten Mitglieder der WASPs, wenn auch ihre politischen Positionen getrennt sind. Ich gehe davon aus, dass die Präsidenten ab 2050 die Töchter (!) der Drogenbarone a la Pablo Escobar sind, die alle dafür gesorgt haben, dass alle ihre Kinder in den USA geboren wurden, und die natürlich über inzwischen weiß gewaschene Dollar Milliarden verfügen.
    Das letzte Beispiel für einen sehr beliebten derartigen Präsidenten war ja besonders für uns Deutsche John F. Kennedy, dessen Vater als Alkoholschmuggler ein entsprechendes Vermögen in der Prohibition erworben hatte.
    Die sozialen Probleme des Abstiegs der weißen Mittelschicht sind ein getrenntes Kapitel, werden aber sicherlich in naher Zukunft sehr erheblich sein. Es genügt der Hinweis, dass die weiße Mittelschicht bis vor kurzem mit ihrem erheblichen Konsum für einen Wirtschaftsboom gesorgt hat, allerdings keine ausreichenden Rücklagen für ihre verlängerte Altersphase getroffen hat.

    • Ein US-Präsident kann doch nicht völlig willkürlich für verrückt erklärt werden. Wenn er sich auf einmal ganz anders und seltsam verhält, ist das ein Hinweis, aber doch nicht, wenn er nach der Wahl denselben Mist erzählt wie davor.

      Die Realeinkommen in den USA sind durchaus gestiegen. Es gibt dort ein Problem bei den mittleren und unteren Einkommen, die stagnieren. Die Mittelschicht hatte größtenteils auch fürs Alter vorgesorgt, hat dann aber Teile ihres Vermögens in der Finanzkrise verloren.

      Bei vielen Lateinamerikanern in den USA ist das größte Problem, dass ihre Integration schlechter gelingt als zuvor. Das liegt an ihrer großen Zahl und Nähe zur Heimat.

  4. Pingback: Folterbefürworter in New Hampshire erfolgreich | Alexander Dilger

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