Imboden-Bericht zur Exzellenzinitiative

Heute hat die Internationale Expertenkommission zur Evaluation der Exzellenzinitiative ihren „Endbericht“ vorgelegt, den sogenannten Imboden-Bericht, benannt nach dem Kommissionsvorsitzenden Dieter Imboden. Der Bericht lobt die Exzellenzinitiative überschwenglich, da sie insbesondere zur Differenzierung des deutschen Universitätssystems beigetragen hätte. Einen harten Nachweis für eine stärkere Differenzierung der Universitäten, daraus resultierende bessere Spitzenforschung und die Exzellenzinitiative als Ursache davon enthält der Bericht jedoch nicht. Feststellen lässt sich nur „eine beeindruckende qualitative Leistung der im Rahmen von Exzellenzclustern entstandenen Publikationen. Es ist allerdings unklar, inwieweit diese universitären Forschungsschwerpunkte durch die Exzellenzförderung ’neu‘ geschaffen oder durch Bündelung bereits vorhandener Forschungskapazitäten sichtbar gemacht wurden.“

Dass sich mit 500 Millionen Euro im Jahr vorhandene Forschungsleistungen herausstellen lassen, ist allerdings nicht sonderlich überraschend. Eine einzige internationale Spitzenuniversität würde jedoch höhere Extramittel erfordern, während die Bündelung aller (besseren bzw. größeren) deutschen Universitäten möglichst noch mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen insgesamt selbst Harvard in den Schatten stellen könnte. Die eigentlich relevante Frage ist jedoch, ob durch die Exzellenzinitiative oder allgemein eine stärkere Ausdifferenzierung tatsächlich besser geforscht (und gelehrt) wird oder nur bestehende Forschung anders dargestellt und gegebenenfalls verlagert wird. Es ist sogar ein insgesamt negativer Effekt denkbar, wenn die aufwendigen Anträge wertvolle Zeit und Kreativität von Spitzenforschern binden, während viele am Ende nicht erfolgreiche oder gar nicht erst antretende Wissenschaftler demotiviert werden.

Wenn man die Spitzenuniversitäten der USA als (so gar nicht erreichbares) Vorbild betrachtet, sollte man darüber die vielen durchschnittlichen und unterdurschnittlichen Universitäten dort nicht vergessen, die z. T. weit schlechter sind als die deutschen Hochschulen. Hier scheint mir weder Gleichheit noch Ungleichheit ein sinnvoller Wert an sich zu sein, sondern ist das Ergebnis insgesamt entscheidend.

Wenn bzw. da die Exzellenzinitiative aller Voraussicht nach fortgesetzt wird, erscheinen mir zwei Empfehlungen dafür allerdings besonders sinnvoll zu sein. Erstens sollte man die nächste Runde nicht übers Knie brechen. Die Politik will im Sommer darüber entscheiden und vermutlich die nächste Bewerbungsrunde dann gleich starten, um noch vor der Bundestagswahl 2017 Ergebnisse verkünden zu können. Besser wäre es, die laufenden Projekte noch über 2017 hinaus zu verlängern, um der Vorbereitung und wissenschaftlichen Begutachtung der nächsten Runde mehr Zeit zu lassen. Zweitens ist es eine gute Idee, „Exzellenzprämien“ nicht mehr für blumige Anträge, sondern einfach für vergangene Spitzenleistungen zu vergeben. Ob ganze Universitäten und vor allem deren Leitungen wirklich der richtige Adressat dafür sind, ist eine andere Frage. Die eigentliche Forschung wird immer von einzelnen Forschern bzw. konkreten Forschungsteams erbracht. Hochschulleitungen und -politikern können diese dabei bestenfalls unterstützen, aber schlimmstenfalls auch erheblich stören.

6 Gedanken zu „Imboden-Bericht zur Exzellenzinitiative

  1. Die Spitzenunis in der USA als Vorbild halte ich ebenfalls nicht für ideal. Es wird sich viel zu sehr auf sie konzentriert und die anderen us-univrsitäten sind wirklich teilweise unter aller Sau. Hinzu kommt noch, dass extrem wenige, die dort studiert haben, dann in der Wissenschaft und Forschung landen – zu viel geld wurde inestiert für einen Studienplatz, zu große Angebote aus der Wirtschaft und es lässt sich in der Foschung (relativ) zu wenig Geld verdienen. Das mit einer Prämierung für ‚Spitzenforschung‘ ist eine sehr gute Idee – es müsste aber von vorn herein ein Kriterienkatalog aufgestellt werden, der in einer Korrelation mit den jeweiligen Forschungsanträgen stehen müsste, nach denen über Zeit- & Geld-/Resourceneinsparungen die jeweiligen Forschungsziele erreicht oder gar überschritten wurden. Denn Belohnungen/Auszeichnungen für spektakuläre Ergebnisse als ‚Entdeckungen‘ oder weil sich eine bestimmte Forschung als besonders ergiebig herausgestellt hat (was ja meist nur im Nachhinein feststellbar ist), gibt es ja schon sehr viele.
    Ein weiterer Punkt wäre, dass die Forschungsausrichtungen in ihren Bündelungen und Fokusierungen stärker auf ‚Anti-Trend-Forschungen‘ fokusieren würde. Das Problem ist, dass Deutschland als Meta-Forschungsinstitution und als international ein ’nur‘ mittelstarker Player dann, wenn es jedesmals seine Forschungsleistung primär auf Forschungsrichtungen und eben aktuellen forschungs-trends fokusiert, meist diese Ressourcen verschwendet. Den Deutschland ist selbst meist gar nicht stark genug, um auf solch einem Gebiet Spitzenleistung zu liefern. Zudem steigt Deutschland meist zu spät ein und hinkt dann quasi um einige Jahre hinterher. Langfristig besser für Deutschland wäre es, wenn es verstärkt deshalb sich entsprechende Forschungsnischen oder Bereiche und Forschungsrichtungen, die international weniger ‚aktuell‘ sind suchen würde und dort hinein verstärkt Ressourcen investieren würde, um eben dort dann zur internationalen Spitze gehören zu können. Man sollte aber dabei bedenken, dass dies primär von oben bestimmt werden müsste, da es den Eigeninteressen der meisten Wissenschaftler entgegensteht, da es erst einmal ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz im Ausland mindert.

    • Die Exzellenzinitiative und andere äußere Anreize sind natürlich auf aktuelle Forschungstrends und -themen ausgerichtet statt antizyklisch. Wer auch in Deutschland zu den USA statt deutschen und europäischen Fragen forscht (das ist nicht nur in den Wirtschaft- und Sozialwissenschaften relevant, sondern z. B. auch der Medizin), kann dort viel leichter publizieren und wird häufiger zitiert, erscheint also als besser. Dem müsste die hiesige Hochschulpolitik entgegenwirken, statt es noch zu verstärken.

      • Das und halt auch (als teilweise konsequenz daraus): man findet leichter eine Stelle, weil einfach die Summe der potentiellen Stellen größer ist – und das zum Vorteil von Leuten nunmal ist, die eine relativ gute Ausbildung genossen haben (was deutsche Unis bieten). Nicht umsonst müssen die USA seit jahrzehnten Wissenschaftler importieren, unter denen nicht wenige Deutsche auch sind.
        Aber nicht nur das. Ich will meinen Punkt an einem Beispiel verdeutlichen:
        Ich habe in berlin an der HU studiert – u. a. Philosophie. Berlin hat nun 3 Unis, die alle drei Philosophie anbieten: TU, FU und HU.
        FU und TU, die beiden ‚West-Unis‘, ist ‚traditionell‘ auf Analytische Philosophie und ‚Frankfurter Schule‘ ausgerichtet. Die HU war um 2000 herum aber noch primär auf traditionelle Philosophie (Antike, deutschen Idealismus) inc. politischer Philosophe, und dann Anthropologie und Erkenntnistheorie (also z. b. Cassirer, aber auch Richtung Pierce und Bildtheorie) ausgerichtet. Das hat sich von Berufung zu Berufung mittlerweilen geändert – auch an der HU sind mittlerweilen fast alle lehrstühle von Sprachanalytikern oder ihnen nahestehenden Professoren besetzt. Die sog. ‚Kontinental-Philosophie‘ weitgehend verdrängt. Wir haben also eine ‚Angleichung‘ der drei Unis – und die Forschungen sind quasi in der Hand von Sprachanalytikern. So weit so gut. Sorachanalytik ist nun ein Sammelbegriff für diverse Philosophien, die sich einer bestimmten Methodik unterordnen, die mal von den deutsprachigen Wurzeln vor allem in der USA einen Sigeszug hingelegt haben und dort zur alles beherrschenden Philosophierichtung wurde. D. h. aber auch: seit Jahrzehnten wird dort massiv entsprechende Forschungen betrieben – und zwar gerade an den Spitzenunis – und auch alle bedeutenden Sprachanalytiker entstammen den englischsprachigen raum bzw. haben an us-Unis gelernt und gelehrt. Mittlerweile gibt es in der US absetzbewegungen zu Sprachanalytik – z. .b Semotik oder Metapherntheorien kommen als Alternativen auf, da es in der Sprachanalytik ein paar Probleme gibt, die diese nicht bewältigen kann und zudem – wie es ja oft bei einem fach lange beherrschenden Lehrmeinungen geschieht (man denke nur an den Behaviourismus) es zu massiven Verflachungen kommt.
        Nun zurück zu Berlin. In Berlin musste nun die HU, obwohl doch die Sprachanalytik gut an zwei Unis vertreten war, auch noch auf diesen Zug aufspringen, der ja nicht nur mittlerweilen in der USA anscheinen dseinen Höhepunkt überschritten hat. Sondern nun muss die HU als dritte in ein Feld ihre relativ geringen Ressourcen investieren, bei dem es gegen sämtliche angelsächsischen (also auch GB wie Oxfort) Spitzenunis steht, die auf diesen Feld schon viel länger tätig sind, die besseren Leute auch haben und wo die ganze Spitzenforschung auch stattfindet. Das man schaut, dass man den Anschluss nicht verliert, ist ja eine, durchaus sinnvolle Investition. Aber ansonst würde es doch einem Foschungsverbund wie ‚Deutschland‘ – oder hier ‚Berlin‘ – viel besser anstehen seine eh schon geringen Ressourcen in Bereiche zu investieren, in denen auch eine echte Chance besteht an die Weltspitze der Forschung zu kommen, anstatt dort noch weiter zu investieren, wo man sowieso schon hoffnungslos abgeschlagen ist.

      • An der FU Berlin habe ich auch Philosophie studiert, und zwar ein Magisterstudium (mit mehr Scheinen als nötig) bis auf die Magisterarbeit. Der Ansatz der analytischen Philosophie erscheint mir weiterhin sinnvoller als die neuzeitlichen Alternativen, insbesondere wenn man ihn nicht dogmatisch sieht. Es ist natürlich nicht sinnvoll, wenn alle Philsophen weltweit dasselbe erforschen, doch ein grundlegender Ansatz kann auf verschiedene Fragen und auf verschiedene Weise angewandt werden. Bei einer lange vorherrschenden Lehrmeinung kommt es auch eher nicht zu Verflachungen, sondern im Gegenteil zu immer ausgefeilteren Überlegungen, deren zusätzlicher Erkenntniswert dann marginal werden kann.

        Die traditionelle Universitätsidee war übrigens, alle Fächer und Teilfächer in einer Universität zu vereinen. Die Alternative ist die Konzentration auf bestimmte Fächer und Fragen darin, was sonst universitätsübergreifend zu leisten ist. Dass sich alle auf dasselbe konzentrieren, ist natürlich nicht sinnvoll.

  2. Na, da haben sie dann wohl Tetens und Bieri genossen, ja? Ich war da mehr bei Horstmann, Schwemmer und Krois.

    „Bei einer lange vorherrschenden Lehrmeinung kommt es auch eher nicht zu Verflachungen, sondern im Gegenteil zu immer ausgefeilteren Überlegungen, deren zusätzlicher Erkenntniswert dann marginal werden kann.“

    Ja, es kommt zu immer ausgefeilteren Überlegungen, aber leider auch eben zu Verflachungen. Dann nämlich, wenn eben diese Lehrmeinung über alles drüber gestülpt wird und vor lauter Lehrmeinung wichtige Aspekte außen vor gelassen werden.
    Die traditionelle Universität – wenn man einmal von Bologna absieht – war vor allem ein ‚Herrschaftsinstrument‘ insofern, als an ihn die für den jeweiligen Herrscher (Kaiser/König – Landesfürst) primär benötigte Fachpersonal ausgebildet wurde – wie eben Juristen und mediziner – und dann halt die lange alles beherrschende Fakultät der Theologen. Aber die Traditionelle Universität hat ja herzlich wenig mit der ‚modernen‘ Fochungsuniversität zu tun wie sie mit Humboldt initiiert wurde. Hier erst war das Suchen nach neuem Wissen, das Forschen, der zentrale Ausrichtungspunkt. Und diese Forschungsunivesität war ja auch die zentrale Forschungsstelle, bis sie aufgrund der Problematiken von Großlaboren und der durch Konzerne geförderten Forschungswünsche langsam ausgelagert wurde. Wohl gab es vorher ja schon paralell zu den universitäten verlaufende Forschungseinrichtungen wie diverse Akademien, aber erst mit dem Aufkommen con Forschungsgesellschaften wie dem Kaiser-Wilhelm-Institut und ab 1920 der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaften (später DFG) haben wir ja eine Verlagerung der Forschung weg von den Universitäten. Heutzutage gibt es ja eine ganze Reihe weiterer bedeutender Forschungsgemeinschaften und -gesellschaften wie der Max-Planck-Gesellschaft und der Frauenhofen-Gesellschaft. Sehr viel Forschung und somit auch Finanzielle Zuwendung hat sich von den Universitäten verlagert auf diese Gesellschaften, die spezielle Forschungsinstitute betreiben. Das problem ist leider nun, dass Deutschland als ja eine durchaus wichtige Industrienation schlicht und ergreifend einfach schon des Längerem nicht mehr die Mittel hat, um wie Ende des 19., Anfang des 20 Jh. die Weltspitze der Wissenschaften einzunehmen oder wenigstens dort seinen Platz zu verteilen. Von daher würde einerseits eine Fokussierung auf ausgewählte zentrale Forschungsrichtungen, und andererseits auch auf spezielle, vielversprechende Nischenbereiche Sinn ergeben, um mit unseren Mitteln trotzdem in einigen Bereichen internationale Spitzenforschung zu stellen und somit auch – möglicherweise/hoffendlich – in einigen neueren Technologiebereichen (Nano-Technik z. b. ?) wieder an die Spitze zu kommen. Auto- und Motorenbau wird auf Dauer einfach nicht ausreichen…..
    Und dazu spielt halt die Verteilung der Ressourcen inc. Geld eine zentrale Rolle – inc. möglicherweise eines ‚Belohnungssystems‘ wie die ‚Exzellenz-Initiative‘.
    Ich denke, dass wir uns da einig sind.

  3. Wer nicht mit Uni und Forschung direkt beschaeftigt ist soll Herrn Imbodens Interview in FAZ v. 3.2.16 lesen.
    Mir fallen auf Stichworte: schlechte Betreunsverhaeltnisse, Fehlen von starken Rektoren sowie Steuerung und Profilbildung. Haengen an “ Vollunis“ ist auch ein Weg sich lebenslang abzusichern. Vorteil von Unis in US scheint mir Finanzierung, Flexibilitaet und Austausch von Profs zwischen Industrie und Forschung.

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