Stelle zu besetzen

An meinem Institut ist wieder einmal eine Stelle mit Promotionsmöglichkeit zu besetzen. Dieser Blog ist vielleicht nicht der beste Kommunikationskanal dafür, doch Sie können gerne diese „Stellenausschreibung“ weiterverbreiten, wenn Sie sich nicht gar selbst bewerben wollen. Der Arbeitsmarkt für Akademiker ist weiterhin sehr schlecht – aus Arbeitgebersicht. Vielleicht findet sich trotzdem jemand, der wissenschaftlich arbeiten und dafür auch noch bezahlt und promoviert werden will.

11 Gedanken zu „Stelle zu besetzen

  1. Die Stelle würde mich durchaus interessieren, ABER

    1. mit über 50 ist man in der deutschen Arbeitswelt so gut wie abgeschrieben;
    2. als Nicht-Akademiker hat man gar keine Chancen mehr auf bessere Jobs. Praxiserfahrung wird gegenüber dem Hochschulstudium leider nicht adäquat behandelt. Die „Ochsentour“, die ich in einem großen Vertriebsunternehmen gemacht habe, ist heute nicht mehr möglich;
    3. Männer haben bei gleicher Eignung schlechte Karten gegenüber Frauen, was eindeutig eine Diskriminierung ist;
    4. Münster ist eine schöne Stadt, aber NRW ist viel zu vollgestopft mit Eindringlingen aus rückständigen Kulturen, in deren Nähe ich nicht leben wollte;
    5. für einen Job an einer linken Uni bin ich bestimmt „zu rechts“!?!

    Vielleicht finden Sie einen unter den vielen „Fachkräften“, die gerade nach Deutschland einwandern…….

    • Ad 1.: Es gibt keine Altersdiskriminierung. Die Stelle ist tatsächlich eher für jüngere Bewerber direkt nach dem Studium oder einigen Jahren Berufserfahrung gedacht, zumal sie noch länger etwas von der Promotion hätten. Doch wenn ein älterer Bewerber besser ist, wird er genommen. Promovieren kann man schließlich völlig unabhängig vom Alter.

      Ad 2.: In der Praxis sind praktische Erfahrungen besonders wichtig, in akademischen Einrichtungen akademische. Für die Promotion ist ein Hochschulabschluss Voraussetzung, für die Stelle im höheren Dienst sogar ein Masterabschluss (o. ä. wie Diplom oder Staatsexamen).

      Ad 3.: Bei mir gibt es keine Diskriminierung, weder von Frauen noch Männern, was ich für grundgesetzlich und ethisch geboten halte. Echte Geschlechtergerechtigkeit ist eine gute Sache, die Formulierung ist vorgeschrieben.

      Ad 4.: Flüchtlinge werden recht gleichmäßig über das gesamte Bundesgebiet verteilt. Später clustern sie sich selbst an bestimmten Orten, z. B. Dortmund, aber eher nicht in Münster oder gar im Münsterland.

      Ad 5.: Die Universität Münster ist nicht links, wobei es vermutlich keine im absoluten Sinne rechte Hochschule in Deutschland gibt. Idealerweise sind Hochschulen gar nicht politisch ausgerichtet.

      • Zu Nr. 3: Ich bin FÜR die Gleichberechtigung von Mann und Frau! UND ich bin dafür, dass Frauen selbst entscheiden, ob sie Hausfrau und Mutter, Karierefrau oder von allem etwas sein wollen. OHNE ideologische Kampfbegriffe! „Geschlechtergerechtigkeit“ dagegen ist auch wieder so ein neudeutsches Wort aus dem rot/grünen Sprachschatz, den ich mir niemals zu eigen machen werde.

        ABER die Tatsache, dass die Formulierung,“ bei gleicher Eignung Frauen zu bevorzugen“, VORGESCHRIEBEN ist, zeigt eindeutig die Männer-Diskriminierung. Das muss beseitigt werden!

      • Frauen sollen selbst entscheiden dürfen, ob sie Karriere machen wollen und, wenn ja, in welchem Bereich. Das gilt aber auch für Männer. Die Vaterrolle ist wichtig und es spricht auch nichts gegen Hausmänner.

        Hinter der Vorstellung, dass Gleichberechtigung identisch mit Frauenförderung wäre, stehen zwei Fehleinschätzungen, nämlich erstens dass ungleiche Geschlechterverteilung zwangsläufig auf Diskriminierung beruhen müsse und dass zweitens diese Ungleichheit stets zu Lasten der Frauen ginge. Beides ist nicht der Fall. Die Mehrheit der Abiturienten und Absolventen ist inzwischen weiblich, in meinem Fach auch der Doktoranden. Der Anteil der Männer nimmt erst danach zu, weil Frauen vielleicht zu klug oder einfach zu risikoavers sind, um eine Hochschulkarriere zu versuchen.

  2. Nun, dann würde ich mich ja fast dafür bewerben!
    Ich habe mein Studium mit 1,2 (M.A.) abgeschlossen an einer der renommiertesten Universitäten Deutschlands und Empfehlungsschreiben mehrerer meiner Professoren… der einzige Nachteil ist, dass ich den Abschluss in Neuerer und Neuster Geschichte und in Philosophie habe. Und statt Kenntnisse in ‚Allgemeiner Betriebswirtschaftslehre‘ bringe ich neben dem Latinum das Graecum mit – und fundierte Kenntnisse der angewandte Ökonomie besitze ich, da ich seit Jahren selbständig einen Singel-Haushalt führe (Ökonomie = die Gesetze des Haushaltes – und angewandt? Aber ja doch, immerhin kann ich mein Geschirr abwaschen^^)! Wie wäre es mit einer Promotionsstelle zumThema: „Der Einfluss der Evolutionstheorie auf des Werk Gustav von Schmoller“? – Na, ich sehe schon, sie sind total in Versuchung mir sofort eine persönliche Einladung zukommen zu lassen…. 🙂

    • Sie müssen sich schon selbst bewerben. Grundsätzlich können auch fachfremde Bewerbungen berücksichtigt werden. Für die Promotion könnte es dann Auflagen geben. Allerdings haben wir nicht nur den Dr. rer. pol., sondern auch den Dr. phil. im Angebot.

      Geschirrspülen ist übrigens im Gemeinschaftsraum ein ganz reales praktisches Problem. Dass jeder Kollektivgutprobleme analysieren kann, muss nämlich nicht unbedingt bei deren Lösung helfen.

  3. Das ist nicht verwunderlich, schließlich sind die Bedingungen für Forscher an deutschen Universitäten auch sehr schlecht und das aus vielerlei Gründen:

    1) Meist nur befristete Teilzeitstellen. Das schafft Unsicherheit, vor allem auch für die Zeit nach der Promotion. Nur wenige Forscher schaffen es zur Professur oder zumindest zum Akademischen Rat. Langt man mit dem Promotionsthema daneben, kommen harte (auch psychisch) Jahre auf einen zu.

    2) Finanzielle Gründe. Die Promotion lohnt ernsthaft sich nur für jene, die es auch zu einer „echten“ Professur schaffen oder für jene, die danach wirklich an Spitzenjobs kommen, für die eine Promotion Voraussetzung ist (irgendwelche Aufschneider, die hauptsächlich Signalling betreiben, mal ausgenommen). Man hat in den 5 Jahren (schneller werden ja nur wenige Forscher fertig) ja doch einen gewissen Verdienstverlust auszugleichen. Das schafft nur, wer in einem wirklich gutbezahlten Job landet. Für nicht ganz ausgezeichnete Leute ist das mit Fragezeichen versehen.

    3) Die Unredlichkeiten. Veröffentlichungen der Veröffentlichung wegen. Häufig steht doch gar nicht ernsthaft das Forschungsinteresse im Vordergrund, sondern nur der Drang, Punkte für Rankings zu sammeln, wobei die Qualität (stimmt natürlich nicht ganz, in den A-Journals, die mehr Punkte geben, bräuchte man natürlich schon eine gewisse Relevanz) haufig zweitrangig ist. Für „nüchterne“ Zeitgenossen ist das nicht immer befriedigend.

    Ansonsten ist die Arbeit an der Uni natürlich toll. Man ist flexibel, ziemlich frei und hat das Privileg mit unzähligen jungen Menschen zu arbeiten und verlängert zweifellos nochmal seine Jugend.

    Zu ihrem Stellenangebot:

    Organisation ist jetzt nicht mein vorwiegendes Interesse, ihr Diskussionspapier zur optimalen Währung für Unternehmen kleiner Länder schon eher. Diese Schnittstelle zwischen VWL und BWL entspräche genau meinem Forschungsinteresse. Ihre Ausschreibung kommt für mich allerdings noch zu früh. Ich bin mir aber sicher, dass sie einen guten Bewerber finden und das trotz ihrer Klage über den Markt aus Arbeitgebersicht.

    • In den meisten Fächern inklusive den Wirtschaftswissenschaften dient in Deutschland (im Gegensatz zu den USA) die Promotion nicht nur der wissenschaftlichen Karriere, sondern eröffnet auch außerhalb der Hochschulen langfristige Karrierechancen. Gerade die Besten können sich so noch auszeichnen angesichts von ganz vielen Absolventen. In gewisser Weise ist die Promotion heute das, was früher ein normales Studium war. Die Festlegung auf eine Hochschulkarriere mit allen Risiken erfolgt erst nach der Promotion durch ein Habilitationsverfahren oder eine Juniorprofessur.

      Trotzdem führt der aus Absolventensicht sehr gute Arbeitsmarkt natürlich dazu, dass die relativen Vorteile der Promotion und vor allem einer universitären Mitarbeiterstelle abnehmen. Zugleich gibt es durch allerlei Programme und Alternativangebote viel mehr Promotionsmöglichkeiten als früher. Auf einem transparenten Markt würde ich wohl trotzdem mehr Bewerbungen bekommen, aber nur wenige bemerken überhaupt meine Ausschreibung oder die damit verbundenen Vorteile.

  4. Gut, dass Sie Frauen und Schwerbehinderte bevorzugt einstellen. Doch echt gut.. 🙂

    Ich weiß, dass Sie diese Textbausteine übernehmen müssen. Aber immer wieder gut:
    Frauen und Behinderte werden bevorzugt.
    Demnächst auch Migranten.

    • Es gibt Schlimmeres als diese Formulierungen, nämlich z. B. starre Quoten (siehe ‚Starre Frauenquote kommt‘). Sie können davon ausgehen, dass ich immer den besten Bewerber unabhängig von Geschlecht und Behinderung auswählen werde. Das halte ich für fachlich, ethisch und auch rechtlich für geboten, selbst wenn es nicht den politischen Vorgaben entspricht.

  5. Pingback: Neue Ausschreibung mit noch besseren Bedingungen | Alexander Dilger

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