Wenig politische Debatten bei Facebook und Twitter

Laut einer neuen Studie sind „Soziale Medien selten Ort für politische Debatten“. Zwar wurden ältere Bewegungen wie Occupy zur Finanzkrise in 2011 und 2012 untersucht, doch ein Blick bei Facebook genügt, um dies auch jetzt noch für z. B. die Flüchtlingskrise zu bestätigen. Ebenso findet der Austausch vor allem von Links zu Berichten in Massenmedien kaum global oder auch nur europäisch statt, sondern größtenteils national bzw. im gleichen Kultur- und Sprachraum. Dass soziale Medien auch von Autokraten genutzt werden können, überrascht ebenfalls nicht. Schließlich sind es Medien, die erst mit Inhalten gefüllt werden müssen. Dabei eignen sich Facebook und Twitter wohl grundsätzlich weniger für intensive Debatten als z. B. Blogs wie dieser, die nicht untersucht wurden. Doch auch hier scheint das Interesse an parteipolitischen Tratsch größer zu sein als an Inhalten.

4 Gedanken zu „Wenig politische Debatten bei Facebook und Twitter

  1. Facebook ist der Stammtisch unter Gleichgesinnten. Wie früher in den Newsgroups werden Andersdenkenden weg gemobbt. Selbst wenn die Diskussionskultur noch stimmt, ist festzustellen, dass die meisten Mitbürger mit der Teilnahme an intensiven sachlichen Diskussionen überfordert sind.

    Wie auf den früheren Stammtischen verstärken sich Trends und Ausrichtungen emotional, was z.B. auch zu Radikalisierungen führen kann. ( Das war früher – als es noch echte Stammtische gab – ebenso. ).

    Trotzdem ist Facebook ein gutes Instrument, um sich gute Informationen und Meinungen von dritter Seite zu beschaffen. Man abonniert eben nur einschlägig geeignete „Zuträger“. Außerdem kann man über Facebook Meinungen beeinflussen.

    Facebook trägt zu Kollektivbildungen und zur „Parteibildung“ bei.

    Den Medien und der Politik sind die sog. sozialen Gruppen ein Dorn im Auge. Sie geben ihre Meinungsbildungsmacht und Deutungshoheit zunehmend an Facebook ab. Ohne die sozialen Plattformen wären Die Piraten, AfD, ALFA, Arabischer Frühling, Flüchtlingswellen, pp. nicht denkbar.

    • Facebook und Twitter begünstigen wohl tatsächlich neue Parteien und Bewegungen am Anfang, aber die Selbstradikalisierung ist auch gefährlich und darf nicht zu weit getrieben werden. Um nachhaltig erfolgreich zu sein, muss man auch zu anderen wieder anschlussfähig werden und kompromissbereit sein. So ist es wohl kein Zufall, dass die von Ihnen genannten Beispiele wieder gescheitert sind (AfD und Flüchtlingswelle noch nicht, aber auch sie können beide so nicht weitergehen).

  2. Pingback: Eiertanz der SPD um Diskussionen mit der AfD | Alexander Dilger

  3. Pingback: Niveau bei Facebook sinkt | Alexander Dilger

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