Schlechter Börsenstart 2016 wegen China

Der „Dax legt größten Wochenverlust seit August 2011 hin“ mit minus 8,32 Prozent auf 9849 Punkte. Das war zugleich einer der schlechtesten Jahresstarts überhaupt. Aber auch andere Börsen brachen ein, so sanken der amerikanische Dow Jones um 6,19 Prozent und der japanische Nikkei Index um 7,02 Prozent diese Woche bzw. dieses Jahr. Auslöser war jeweils China. Der Hang Seng Index in Hongkong fiel zwar nur um 6,19 Prozent seit Jahresbeginn, doch in Shanghai und Shenzhen sanken die Kurse über die Woche um jeweils rund 10 Prozent und an zwei Tagen sogar um je 7 Prozent, weshalb der Handel für den Rest dieser Tage ausgesetzt wurde. Die chinesische Währung Renminbi (mit der Einheit Yuan) fiel diese Woche ebenfalls um über ein Prozent gegenüber Euro und Dollar. Interessanterweise kam es am Freitag zu Kurserholungen in China, während der DAX weiter fiel.

Konkreter Anlass für die Börsenturbulenzen sind wohl ungünstige Finanzmarktregulierungen in China wie das Unterbrechen des Handels für ganze Tage, was jetzt selbst ausgesetzt wurde, oder das Auslaufen eines Verkaufsverbots von großen Aktienpakete durch chinesische Großaktionäre, dem kleinere Aktionäre durch ihre Verkäufe zuvorkommen wollten. Dahinter steht allerdings die Angst, dass die chinesische Wirtschaft insgesamt weiter an Fahrt verlieren könnte. Noch 2010 lag das chinesische Wirtschaftswachstum bei über 10 Prozent, 2015 offiziell bei unter 7 Prozent und 2016 wird es voraussichtlich weiter fallen. Dass China die USA bei der Größe der Volkswirtschaft in Marktwerten überholt, rückt damit in weite Ferne, während es dies bei Bewertung nach Kaufkraftparität bereits 2014 schaffte. Es ist eben leichter, industrielle Massenproduktion mit dem autoritären politischen System in China zu vereinbaren als moderne Finanzmärkte und andere komplexe Dienstleistungen. Dabei treffen Probleme in China nicht nur die Weltwirtschaft und Börsen allgemein, sondern die deutsche Exportwirtschaft ganz besonders.

6 Gedanken zu „Schlechter Börsenstart 2016 wegen China

  1. Gut dass es hier auch mal ein anderes Thema gibt.
    Eine interessante Frage ist, inwieweit der chinesische Staat verdeckt z.B. über Manipulationen direkt bei den Händlern an der Börse, in den chinesischen Aktienmarkt eingreift. Eine Diktatur oder ein autoritärer Staat mit kontrollierter Berichterstattung hat da mehr Möglichkeiten.

    Auf welt.de las ich im Zusamnehang mit der Euro-Krise mal den Satz:
    „Eine Demokratie kann wirtschaftliche Fakten jahrelang ignorieren, eine Diktatur jahrezehntelang.“

    Was aber macht die Demokratie wenn die jahrelange First vorbei ist? Ein bisschen Diktatur, um noch weiter machen zu können?

    • China reguliert insbesondere den innerchinesischen Markt sehr stark. Außerdem sind die meisten großen Unternehmen ohnehin Staatsunternehmen, von denen nur Minderheitsbeteiligungen gehandelt werden und selbst das häufig von anderen Staatsunternehmen einschließlich Banken.

      Wenn es in einer Demokratie wirtschaftlich schlecht läuft, reagieren die Wähler. Die Wahl eines Diktators ist möglich, doch häufiger werden Populisten gewählt, die alles nur noch schlimmer machen. Nur wenn das nicht mehr geht, gibt man wirtschaftlichen Reformern eine Chance. Davon ist Deutschland noch weit entfernt, zumal es hier wirtschaftlich relativ gut läuft und die meisten Menschen übersehen, dass es ihnen noch deutlich besser gehen könnte.

  2. Da ich nur Sparpläne von zwei Aktienfonds bediene, tut es mir gar nicht wehr, wenn die Börse mal abstürzt. Ich kaufe dann billiger. Geld was man in Aktien steckt, muss man übrig haben und darf es kurzfristig nicht brauchen. Da die Börse ihre Zyklen hat, muss man Zeit haben und erst verkaufen, wenn die Kurse gut stehen.

    Dem Börsenmarkt in China habe ich nie vertraut, auch wenn man zu gewissen Zeiten dort sehr gute Gewinne machen konnte. Das Wachstum in Indien habe ich immer für nachhaltiger gehalten. Und ich möchte wetten, dass Lateinamerika (nicht nur Brasilien alleine) seine glänzende Zukunft noch vor sich hat, einzelne Rückschläge nie ausgeschlossen.

    • Brasilien steckt gerade in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise. Es ist auch interessant, dass Wirtschafts- und Börsenkurswachstum nur sehr schwach miteinander zusammenhängen. Langfristig sind Aktien eine gute Investition, die lange Frist kann allerdings durchaus 30 Jahre betragen.

  3. Ist die chinesische Wirtschaft nicht wegen der relativen Wachstumsschwäche der anderen Industriestaaten zu hoch eingeschätzt worden (Lokomotive der Weltwirtschaft)?
    Die Zahlen aus China waren immer hochgradig fragwürdig, insbesondere die Wachstumsangaben.
    Ob der jetzige Mini-Crash der „schwarze Schwan“ für einen weltumspannenden Börsencrash oder gar eine Weltwirtschaftskrise im Sinne einer Depression ist, erscheint mir eher unwahrscheinlich.
    Wie Kostolany sagte: Wenn man nicht weiß, was man tun soll, soll man nichts tun, also weder kaufen noch verkaufen.
    Am günstigsten ist es wohl, in qualitätsvollen Dividendenwerten zu bleiben und daran zu denken, dass man mit Ölwerten und Goldminen am besten durch die letzte Depression kam.

    • Die konkreten Wachstumszahlen aus China waren tatsächlich fragwürdig, doch die globale Nachfrage insbesondere nach Rohstoffen war real, so wie jetzt auch deren Nachlassen zu spüren ist, nicht zuletzt an der Tankstelle. Ob Ölmultis dauerhaft eine gute Anlage sind, wird sich zeigen. Dass Saudi-Arabien jetzt über den Verkauf von Anteilen seines nationalen Ölkonzerns Saudi Aramco, des vermutlich wertvollsten Unternehmens der Welt, nachdenkt, ist jedenfalls interessant.

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