Bundeswehr wird in Afghanistan aufgestockt statt abgezogen

Es gibt einen „Kurswechsel in Afghanistan: Bundestag stoppt Bundeswehr-Abzug“ und stockt die Truppen dort sogar wieder auf. Ein wirkliches Konzept gibt es jedoch nicht. Es sind nicht einmal die Ziele dieses Militäreinsatzes klar, geschweige denn realistische Möglichkeiten zur Zielerreichung. Offensichtlich wird die Bundesregierung aus Schaden (siehe ‚Kundus fällt und teurer Bundeswehreinsatz war sinnlos‘) nicht klug, sondern will immer mehr davon (wie auch bei der Euro- und Flüchtlingskrise). Aus meiner Sicht war die Entmachtung der Taliban durch die USA gerechtfertigt, weil sie Al Kaida nach den Anschlägen vom 11. September 2001 weiter unterstützten. Dabei hätte man es aber auch bewenden lassen sollen. Der Dauereinsatz in Afghanistan durch die USA hat mehr geschadet als genutzt, während Deutschland dort gar nichts verloren hat. Dasselbe gilt für Syrien (siehe ‚Merkel verwickelt Deutschland in den Syrienkrieg‘) und Mali.

15 Gedanken zu „Bundeswehr wird in Afghanistan aufgestockt statt abgezogen

  1. Ich muss zugeben, dass ich den Afghanistan-Einsatz lange für richtig gehalten habe.
    Die aktuelle Sicherheitslage dort zeigt uns aber, dass dieser Einsatz keine Verbesserung gebracht hat, denn die Taliban stehen fast wieder kurz vor der Machtübernahme. Unser Soldaten dort sind sinnlos gestorben, die Kosten des Einsatzes im zweistelligen Milliardenbereich waren Geldverschwendung.

    Heute befürworte ich nur noch Militäreinsätze aus der Luft, zur See, bzw. bei Bodentruppen mit ganz kleinem Zeitfenster. Genau so lief das als „Lehre aus Vietnam“ sehr effektiv in der Ära Reagan ab („fast in, fast out“).

    Auch war ich lange ein Fan der Idee des „Demokratie-Exports“. Leider werden damit aber mehr Konflikte geschaffen, als gelöst. Die Wirklichkeit hat gezeigt, dass jedes Volk, jede Kultur ihren eigenen Weg gehen muss. Es berührt mich heute nicht mehr, wenn in Saudi-Arabien Dieben die Hände abgehackt werden und in der Türkei die Verwandtenehe, bzw. die Zwangsheirat üblich ist. ABER wir müssen auch ganz klar darauf bestehen, dass in Deutschland die Deutschen das Sagen haben und niemand sonst! Vor ca. 15 Jahren sprach Friedrich Merz noch von der „Deutschen Leitkultur“. Ist der heute etwa bei der NPD 😉 ???

    • Es ist nicht schlimm, seine Meinung zu ändern, wenn es neue Evidenz gibt. Rein theoretisch mag es eine gute Idee sein, für Demokratie und Menschenrechte gegen Diktatoren oder gar Terrorregime zu kämpfen. Rein praktisch funktioniert das aber nicht, jedenfalls nicht so einfach und nicht ohne Folgen, die oft noch schlimmer sind als der anfangs bekämpfe Zustand. Deshalb muss man nicht Pazifist werden, sich aber viel besser überlegen, wann man wo und wie militärisch kämpft und welche Alternativen es dazu gibt.

  2. Was bei solchen Einsaetzen irrefuehrend ist sind die Intransparenz und Aeusserungen ueber Soldaten als Ausbilder, „Brunnenbauer“ etc. Auch diese ueberholte Politik, Kriegseinsaetze zu verschleiern und kleinzureden stiftet nur Verwirrung. Ein souveraener Staat kann heute nicht auf Gewalt verzichten, natuerlich intelligent und begruendet, innerhalb Allianzen und wenn moeglich mit Mandat. Wir muessen schnellstens lernen , dass US nicht fuer uns immer voll da sein wird , waehrend Gefahren immer groesser werden.

    Besonders ist Syrien ein Kriesengebiet wo wir uns nicht mehr ausreden koennen. Die Krise in Syrien hat sich vor unseren Augen entwickelt und wir waren feige, mit Obama zusammen. Vor 2 Jahren fehlten in Deutschland nur noch Lichterketten mit veraengstigten Schulkindern. Gestern wurde im Radio ausfuehrlich berichtet wie eine deutsche Maschine 5 Stunden im Einsatz war und Kampfflugzeuge anderer Nationen betankten! Natuerlich kann Vova Putin wenig Respekt zeigen fuer so eine Macht obwohl die Sanktionen, Oelpreis und LKW-Fahrer in Russland schmerzen!

    • Militärische Gewalt ist doch kein Selbstzweck. Welche Kriegsziele verfolgt denn die Bundeswehr bzw. Bundesregierung in Syrien? Will man vor allem den IS bekämpfen oder doch auch das Assad-Regime? Was soll an die jeweilige Stelle treten und vor allem wie?

  3. Keiner redet hier ueber Selbstzweckt! Einsatz ist in Syrien unbedingt erforderlich. Was die Ziele der deutschen Regierung betrifft, vielleicht schreiben Sie Frau vdL an.
    Ich kann Ihnen nur sagen was ich denke.

    Wir koennen uns nicht leisten Instabilitaet in der Golf Region und Strasse v. Hormuz, am wenigsten in S.A.
    Wir koennen uns einen Kontrollverlust ueber GoSuez nich leisten. Weder durch iranische Marinebasen in Eritrea noch shiitische Destabilisierung in Jemen. Das gilt auch fuer den von Sinai ausgehenden Terror.
    Wir koennen uns eine Gefaehrdung Israels, Jordaniens, Libanons, Zyperns oder Tuerkei durch Assad, Russland, Hizballah, Iran ebensowenig leisten. Russisches S-400 Raketenschild, elektronische Stoeranlagen, Assads Terror, Kriegshandlungen an der israelischen Grenze sind Alarmsignalle die man nicht ueberhoeren darf.
    Wir duerfen uns nicht blind auf IS fokusieren sonst werden wir eines Tages Iran am Mittelmeerkuesten haben. In Iraq duerfen wir nicht alles auf shiitische Karte setzen. Das nutzen nur Russland und Iran aus!

    Mit anderen Worten wir muessen Assad, Iran, und dann IS und Hizballah bekaempfen. Harte und kurze Schlage mit allen Waffengattungen und immer wieder bis sie erledigt sind. Sonst bleiben wir immer erpressbarer und unfaehiger uns zu verteidigen. Und mit Russland kann man immer mit Respekt aus einer Staerke Position reden. So wie Vova Putin muss auch Westen zeigen das man entschlossen ist und stark ist. Vor Ort!

    • Wissen Sie noch, wie es zur jetzigen Situation gekommen ist? Die USA haben unter Bush Jr. ohne Not den Irak ins Chaos gestürzt. Das bisherige Vorgehen in Syrien hat die Situation doch auch nur verschlimmert statt verbessert. Warum stürzt sich Deutschland ohne Not auch noch in diesen Konflikt?

      • Iraq Krieg ist nicht die Ursache des Bürgerkrieges in Syrien. Fehlen einer rechtzeitigen Intervention (direkt oder indirekt) gegen Assad hat die Situation verschlimmert und erlaubt ISIS/IS und jetzt Putin viel Spielraum.

      • Ohne den Irakkrieg mit vielen nachfolgenden Fehlern gäbe es den IS nicht. Ob es den arabischen Frühling gegeben hätte, wissen wir nicht.

      • Es ist interessant, dass Obama Applaus bekommt, für die gleiche Politik, für die sein Vorgänger George W. Bush gescholten wurde!
        Bei Linken wie Obama ist die linke Presse weniger kritisch, zumal Obama schwarz ist (eigentlich ist der ja ein Mulatte, denn er hat eine weiße Mutter und einen schwarzen Vater!). Schwarze zu kritisieren ist ja „rassistisch“….:)

      • Die Politik ist doch überhaupt nicht gleich, insbesondere nicht hinsichtlich ausländischer Militäreinsätze. Man kann Herrn Obama eher vorwerfen, dass er zu sehr ins Gegenteil verfallen ist. Mit seiner Hautfarbe hat das überhaupt nichts zu tun.

      • Die Politik von Obama ist ebenso interventionistisch wie die von Bush! Beim gewaltsamen Regime-Wechsel in Libyen war Obama federführend, ebenso beim Bürgerkrieg in Syrien. Dort haben die USA sogar Al-Kaida nahe Gruppen gegen Assad unterstützt.

        Zeitweise waren es eher die Republikaner, die auf das Militär gesetzt haben, während die Demokraten zurückhaltender waren. Die republikanischen Basis ist aber inzwischen kriegsmüde und hat auch erkannt, dass weltweites Militärengagement einfach zu teuer ist. Es wird interessant sein, ob sich bei den GOP-Vorwahlen ein Kandidat des Parteiestablishments, bzw. der Neocons durchsetzen wird, die auf Militärinterventionen setzen, oder aber ein Wertkonservativer, ein Vertreter der TEA-Party-Bewegung, bzw. gar ein Libertärer gewinnt, die den weltweiten Einsatz von US-Soldaten einschränken wollen. Ich bin und bleibe ein Ronald Reagan-Fan! Er hat die Verteidigung der USA und ihrer Verbündeten gestärkt, Militärinterventionen effektiv, ABER immer zeitlich kurz befristet. Und Guerilla-Kriege kann man mit konventionellen Militäreinsätzen NICHT gewinnen (Vietnam, Afghanistan, Irak, …).

        Die gesamte Politik des Sozialisten Obama ist schauderhaft! Das Schlimmste ist, dass er verfassungswidrig versucht, den Föderalismus auszuhebeln und Macht in Washington zu zentralisieren (genau wie die EU in Brüssel!!!). Ich bin froh wenn er endlich weg ist!!!

      • Die USA können sich nicht wirklich aus der Weltpolitik heraushalten. Die Militäraktionen von Präsident Obama sind vollkommen anders als von seinem Vorgänger, sowohl hinsichtlich der Wahl der Einsätze als auch deren Durchführung, die gerade nicht konventionell ist. Donald Trump ist immer noch der führende Kandidat der Republikaner. Sollte er tatsächlich Präsident werden, macht er sicher nicht, was er jetzt behauptet (nicht nur, aber auch weil es widersprüchlich ist).

  4. Man verfolgt eine offensichtlich fehlerhafte Strategie dann weiter, wenn man mit dieser Strategie schon einmal einen Erfolg hatte. Dies wird im neurolinguistischen Programmieren recht eindrucksvoll begründet, wo man Experimente zum menschlichen Lernverhalten im Vergleich zu Ratten durchführte.
    Wenn man bei Ratten, die den Weg durch ein Labyrinth mit Futteranreiz gelernt haben den Käse entfernt, gehen die Ratten noch zwei, drei Mal ins Labyrinth und dann nicht mehr. Bei einem Vergleichsversuch mit Studenten und 10-Dollar-Scheinen gingen die Studenten weiter in das Labyrinth, auch wenn die Dollar-Scheine verschwunden waren; selbst die Erklärung des Experimentendes erbrachte Einbruchsversuche und Untertunnelung des Umgebungszauns. Der Mensch lernt schnell und irreversibel (fast). Dies ist der Grund für das Scheitern von Industrieunternehmen wie z.B. Grundig, militärisch für das Scheitern von Blitzkriegstrategien an unpassender Stelle (Russlandfeldzug).
    Bevor man seine Strategie ändert erhöht man im Gegenteil den Einsatz, klassisch: Vietnam.
    In zwei asymmetrischen Kriegen haben wir Briten dagegen obsiegt, in Malaya durch die Überzeugung der Dorfhauptleute und dem Angebot einer langsamen, demokratisch-rechtstaatlichen Machtübergabe.
    Im MauMau-Aufstand siegte man indem man die reichen und einflussreichen Kikuyus gewann indem man eine langsame Machtübergabe versprach und den MauMau-Aufstand an sich mit Hilfe der bedauerlicherweise überlegenen Brutalität der weißen Siedler bekämpfte.
    Diese Strategien gingen letztendlich vom Gouverneur vor Ort aus, Whitehall schickte ähnlich wie die Sauce Hollandaise ein Schlachtschiff nach Mombasa; wenig hilfreich.
    In diesen beiden Fällen hat man sein Kriegsziel so modifiziert, dass eine Katastrophe wie in Vietnam oder Irak vermieden wurde und ein doch erstaunliches relativ rechtsstaatliches demokratisches Ergebnis herauskam.
    Heute wird gemeldet, dass Herr Lech Valensa einen Bürgerkrieg in Polen befürchtet.
    Herr Putin steht zur Hilfeleistung bereit, die EU finanzierten Landstraßen und Autobahnen durch die Baltenstaaten werden es den Russen ermöglichen, unverzüglich in Warschau zur Hilfe zu eilen.
    Vielleicht müssen sich Frau Merkel und Frau von der Layen demnächst keine Gedanken mehr um die Verteidigung der Bundesrepublik am Hindukusch machen; vielleicht können sie auf ein Wunder an der Weichsel hoffen.
    Ach ja, vor einer Woche wurden vier russische Raketenkreuzer nach Königsberg verlegt.

  5. Die deutschen Truppen sollen jetzt die von der Bundesrepublik und Prof. Dilger in Afghanistan gewünschten Sicherheitszonen sichern 🙂
    Aber ernsthaft: Die USA und Verbündete sind davon ausgegangen, die Warlords würden die Intervention als eine Art Anstoß zur Herstellung eines geordneten Staatswesens begreifen und lassen damit außenpollitische Expertise vermissen. Man macht die Erfahrung in vielen Entwicklungsländern (und derzeit bei etlichen unserer Refugees), dass die Hilfen der Industrie-Nationen für selbstverständlich und auch für eigennützig gehalten werden und man gern nicht nur Finger, sondern vielmehr die ganze Hand ergreift und der Eigennutz vor Gemeinsinn geht. Die Geschichte der US-Intervention in Afghanistan ist tatsächlich auch begleitet von unvorstellbaren Gewinnen von Firmen und Beratern, die sich dort im US- oder UN-Auftrag bewegten. Und wenn die UN mal knapp bei Budget waren, hat man nicht zuerst die teueren Berater, sondern das einheimische Fußvolk entfernt. Das Klima war innerhalb von zwei Jahren gestört.

  6. Alles was man in Afghanistan machen sollte,das ist die Rauschgiftplantagen des größten Opiumprduzenten der Welt zu zerstören.

    Helfen kann man denen weder mit Brunnen noch mit Soldaten.
    Weil sie diese Hilfe in ihrer Lebensart gar nicht wollen,was auch ihr Recht ist.

    Wir sollten da schleunigst raus und nie wieder rein.
    Was sollen wir da und mit welchem Recht für keinerlei Ergebnis werden dort unsere Soldaten verheizt und Milliarden Euro gleich mit.

    Nur um im Klub der Big Global Player mitzumachen – welch Blösinn.

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