Front National wird stärkste Partei in Frankreich

In der ersten Runde der Regionalwahlen in Frankreich ist der Front National laut Hochrechnungen stärkste Kraft“. Der FN kommt demnach landesweit auf rund 30 Prozent der Stimmen. Die bürgerlichen Parteien um die Republikaner (zuvor UMP) erhalten rund 27 Prozent und die regierende Sozialistische Partei zusammen mit einer linken Partnerpartei 23 Prozent. In sechs der dreizehn Regionen liegt der FN vorn, in zwei Regionen mit Parteichefin Marine Le Pen und ihrer Nichte Marion Maréchal-Le Pen als Kandidatinnen sogar mit 41 Prozent. Ihr Wahlsieg ließe sich noch verhindern, wenn alle anderen Parteien im zweiten Wahlgang zusammenarbeiten, wonach es jedoch größtenteils nicht aussieht.

Auch bei der Präsidentschaftswahl 2017 könnte Marine Le Pen im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten. Zumindest dürfte sie in die Stichwahl kommen, diese dann aber verlieren. Idealerweise greifen Regierung und Republikaner ihre besseren Ideen wie den Euroausstieg und die Begrenzung der Zuwanderung auf. Ansonsten wird sie irgendwann doch gewinnen, was nicht nur den Euro, sondern die ganze EU beenden dürfte. Die ohnehin inzwischen fragwürdige deutsch-französische Freundschaft wäre dann definitiv Geschichte. Auch wenn die AfD jubelt, vertritt der FN keine deutschen Interessen, sondern seine eigenen sowie ganz direkt französische. Dabei könnten alle Länder und Völker von Zusammenarbeit in einem Europa der Vaterländer profitieren, während die aktuelle Politik von Merkel, Schulz, Juncker und Draghi die europäische Idee leider völlig diskreditiert.

19 Gedanken zu „Front National wird stärkste Partei in Frankreich

  1. Ich kann in Ihrem heutige Post kaum eine Wertung erkennen. Halten Sie das für eine positive Entwicklung?
    In meinem tiefsten Innern verabscheue ich die rechten. Allerdings kann ich ein kleines bisschen klammheimlich Freude doch nicht leugnen. Europa muss eine Reihe von fatalen Entwicklungen stoppen. Deutschland sollte auch seine hündische Gefolgschaft mal ablegen und das deutsch-französische Verhältnis zu einem echten gleichberechtigten freundschaftlichen Verhältnis ausbauen. Ja, Deutschland hat schreckliche Kriege geführt. Aber das heisst nicht , dass zb eine unentwegte rettung griechenlands irgendwem hilft oder dass fiskalische Disziplin grundsätzlich des Teufels ist.

    Vielleicht helfen uns rechte Parteien kurzfristig für ein bisschen mehr Realismus in der Debatte zu sorgen und Fehlentwicklungen wie den Euro und die ganzen massnahmen im Namen der „Solidarität “ mal herunterzufahren. Wird Zeit, dass in brüssel unD Berlin einige Leute von ihrem Trip runterkommen.

    • „Idealerweise greifen Regierung und Republikaner ihre besseren Ideen wie den Euroausstieg und die Begrenzung der Zuwanderung auf. Ansonsten wird sie irgendwann doch gewinnen“. Ist das keine Wertung? So sehe ich auch die Rolle der AfD: Die Angst vor ihr bringt hoffentlich die etablierten Parteien zurück zur Vernunft.

  2. „Parteichefin Marion Le Pen“

    Die Dame heisst Marine Le Pen. Ein Name, den man sich merken muss und kann.
    Und keine Angst, sie wird nicht so radikal sein, wie sie sich jetzt gibt. Falls allerdings die wirtschaftlichen Probleme nach einem allfälligen Euro-Ausstieg, dramatische Dimensionen annehmen, kann alles Mögliche geschehen.

    • Danke für den Hinweis! Ich hatte die Namen einfach aus dem ZEIT-Online-Artikel kopiert und habe es jetzt korrigiert.

      Frau Marine Le Pen gibt sich doch gerade nicht radikal und hat deshalb sogar ihren Vater aus der von ihm gegründeten Partei geworfen. Wie sie als Präsidentin tatsächlich wäre, weiß niemand. Es ist durchaus möglich, dass sie sogar den Euro behält, wenn Deutschland nur genug dafür zahlt.

      • Die Arbeitslosenversicherung ist meines Wissens die einzige Sozialversicherung, in der zuletzt keine massiven leistungsausweitungen beschlossen wurden. Da geht was. Insofern könnte man hier ja mal mit einem deutsch-französischen nukleus Modell starten als Startschuss für die europäische alo-versicherung 😉

  3. Die Europäische Arbeitslosenversicherung steht ja bereits seit Längerem auf dem Wunschzettel der EU-Kommission: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/europaeische-arbeitslosenversicherung-die-automatisierte-transferunion-13103136.html
    und http://www.welt.de/wirtschaft/article131550994/Bruessel-plant-europaeische-Arbeitslosenversicherung.html
    Da Frankreich mit 10,7% die höchste Arbeitslosenquote seit 18 Jahren und mit 3,7% den stärksten Anstieg seit 2013 hat, besteht sicher auch hier Bedarf, die Kosten dafür abzuwälzen.
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/3-59-millionen-arbeitslose-rekordarbeitslosigkeit-in-frankreich-13935106.html
    Da Hollande seine erneute Kandidatur 2017 vom Rückgang der Arbeitslosigkeit abhängig gemacht hat, dürfte er eigentlich nicht mehr antreten.

  4. Vielleicht ist dieser radikale Wechsel in der Politik Frankreichs der Auftakt für mehr Offenheit in Deutschland und mehr Respekt gegenüber den Wählern. Schließlich werden auch in Deutschland politische Entscheidungen gegen das Volk durchgesetzt. Wir werden an den französischen Wegen schnell erkennen, ob sie gut, gerecht und des Volkes Willen entspechen. Nur so kann Politik langfristig gewinnen.

  5. Wenn jemand eine neue Position in der Realpolitik bekleidet sieht sehen seine Taten dann schlussendlich anders aus als noch „vor den Wahlen“. Ob dies nun an der Realpolitik oder an den begrenzten Möglichkeiten seines Posten liegt ist für mich einerlei.

    Aber ich sehe den demokratischen Gedanken genau so wie es hier passiert. Ich mag keine Extreme. Das Zentrum bzw. die Mitte erweist sich immer als vernünftig und stellt für mich das natürliche Gleichgewicht dar (politisch wie universell).

    Wie korrigiere ich also auf die Mitte?
    Das geht nur indem ich links und rechts von der Mitte wähle in politischer Sicht bzw. wenn das Zentrum erreicht ist die Mitte.
    Das größere Problem ist ja eher die persönliche Wahrnehmung wo sich die Mitte befindet.

    Ich habe auch schon die Grünen gewählt weil mir vor 2 Jahrzehnten das Thema Umweltschutz zu wenig vorkam bei den anderen Parteien. Niemals hätte ich die Grünen allerdings bei 30% sehen wollen.

    Mein demokratisches Verständnis sagt mir, dass ich mich sogar verpflichtet fühle eine Partei zu wählen wenn ein Thema von der Regierung nicht oder zu wenig vertreten ist. Und ob das links, rechts, oben oder unten ist – ist zweitrangig, solange es nicht extrem ist.

    • So kann man es auch sehen als Wechselwähler. Mitte ist aber weder Optimum noch das Beste. Mitte ist Mittelmäßigkeit, kein Schritt nach vorne und kann zur Stagnation führen. Man kann sich dadurch immer wieder selbst paralysieren. Ist unsere Staatskrise kein Ergebnis von Kompromissen und Suche nach „Gerechtigkeit“ in allen Lebenslagen? Links, grün, rot, rechts, braun, hier Salz da Pfeffer, noch ein wenig Essig und alle jubeln?

      Pflicht ist für seine Überzeugungen zu stehen, links und rechts kann man nicht gleichzeitig abbiegen!

      • Inhaltlich ist die Mitte in der Regel schon besser als die Extreme, wie bereits die alten Griechen erkannten. Das muss nicht in jeder Einzelfrage so sein (ich bin z. B. für nationale Währungen, was inzwischen in Deutschland als Extremposition gilt, obwohl es eigentlich selbstverständlich sein sollte), doch hier geht es um die politische Verortung insgesamt. Extremist ist man nicht, wenn man einzelne extreme oder auch nur sehr ungewöhnliche Meinungen vertritt, sondern weil man ein geschlossenes Weltbild hat mit einem ganz bestimmten Bündel vieler solcher Meinungen.

    • Die Wechselwähler bestimmen, wer regiert und wonach sich alle Parteien orientieren. Denn wer eine Partei ganz sicher (nicht) wählt, muss von ihr nicht weiter umworben werden. Eine Ausnahme sind nur Parteimitglieder, die innerhalb der Partei Gewicht haben, auch wenn sie diese immer wählen.

  6. Rechts oder links – es gibt die Stimmung nicht nur in Frankreich,auch in ganz Europa wieder.
    In diesem Fall wird sie immer weiter rechter.
    Und Merkel steuert mit trotzigem Vollgas noch weiter nach links.
    Auch hier kommt die Quittung.

    • Wird die Stimmung wirklich immer rechter? Wenn die politische Elite versagt, wird nach Alternativen gesucht. Der allgemeine Trend geht langfristig nach links (ursprünglich waren absolute Monarchisten rechts und konstitutionelle links, die heute als ganz rechts gelten), doch alle etablierten Parteien haben sich jetzt zu weit von weiten Teilen der Bevölkerung entfernt.

  7. Man muss nicht alle Inhalte beim Front National gut finden.
    Ich entdecke sogar teilweise sozialistische Vorstellungen, die ich ablehne.
    ABER die Strategie von Marine Le Pen wirkt.
    Sie treibt Bürgerliche und Sozialisten thematisch vor sich her.
    Genau davon können wir lernen!!!

  8. Waehrend in Deutschland die AfD finanziell unter Druck kommt (Goldhandel) wird FN mit grosszuegigen Krediten der Kreml Vertrauten in Kampf um die Macht unterstuetzt. Nach Presseberichten in 2014 wurden rund 9 Millionen von 40 Mil. Euro bereits ausbezahlt! Diese Tatsache wurde in aktuellen Presseberichten m.E.n. nicht thematisiert. Auch hier finden wir die Finger Herrn Putins im Spiel.

    P.S. Erinnern wir uns an „Pilgerfahrten“ und Gespraeche der Herren Gauland und Hampel zum russischem Botschafter in Berlin. Bei den Konsultationen ging es auch um Beratung (Hilfe?). AfD ist noch immer eine Partei der Putinversteher, nur Ideologie oder auch praktischere Gruende?

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