Wahlberechtigte sehen CDU erstmals links der Mitte und AfD weit rechts

Was viele einschließlich mir schon lange behauptet haben, bestätigt nun eine „Infratest-Umfrage: Die CDU rückt unter Merkel immer weiter nach links“. Zumindest ist das die durchschnittliche Meinung der Deutschen. Danach wird die CDU erstmals links der Mitte verortet mit einem Wert von 5,8 auf einer Skala von 1 (ganz links) bis 11 (ganz rechts). Allerdings liegt die durchschnittliche Selbsteinschätzung der Befragten noch links davon bei gut 5. Wenn man die Mitte rein relativ als diesen Durchschnitt versteht, dann liegt die CDU also noch rechts davon und verschiebt sich das ganze Spektrum nach links. Ich sehe mich selbst übrigens inhaltlich genau in der Mitte bei 6, damit aber inzwischen etwas rechts von den meisten Parteien und dem Bevölkerungsdurchschnitt (interessant wäre noch der nicht angegebene Median).

Eine Linksverschiebung trifft auf die meisten Parteien zu, nicht aber auf die AfD, die deutlich nach rechts gerückt ist. Im Oktober 2014 wurde sie noch bei 7,5 gesehen, was dem Wert der Union von 2001 entsprach. Nun liegt die AfD-Einschätzung bei 8,3, wo 2001 noch die NPD verortet wurde, die jetzt bei 9,7 liegt. Interessant sind außerdem die Einschätzungen der AfD-Anhänger (siehe „AfD rückt nach rechts, CDU nach links: Die Positionierung der politischen Parteien im Links-Rechts-Kontinuum“, worauf auch der zuvor verlinkte Presseartikel zurückgeht). Diese sehen nun die AfD bei 7,2 gegenüber 6,7 in 2014 und sich selbst unverändert bei ca. 6,4. Der Rechtsruck der AfD befriedigt also nicht einmal die eigenen Anhänger (vermutlich weil die Mitglieder und Funktionäre radikaler sind, siehe ‚Etablierte Parteien rücken in die Mitte und neue an den Rand‘).

29 Gedanken zu „Wahlberechtigte sehen CDU erstmals links der Mitte und AfD weit rechts

  1. Es ist ueberraschend, dass FDP und NPD ueberhaupt positioniert werden konnten. Ich finde beide Parteien fast unsichtbar! In Deutschland rutschen meiste Parteien seit Jahren nach links. Gibt es aehnliche Umfragen fuer EU Parteien?

    • Es genügt, wenn ein Teil der Befragten eine Partei bewertet. Außerdem kann man doch eine allgemeine Einschätzung abgeben, selbst wenn man nicht alle Details kennt. Die NPD würde ich z. B. noch weiter rechts verorten, die Lindner-FDP weiter links.

      Es gibt keine EU-Parteien, aber vermutlich vergleichbare Umfragen in einigen weiteren europäischen Ländern.

    • “ Gibt es aehnliche Umfragen fuer EU Parteien?“

      Naja die Nationale Front und FPÖ machen es doch immer gerne die Sozialdemokraten weit links zu überholen.
      Wird mal Zeit dass sich die AfD etwas ändert.
      Petry:“ Wir sich für 19 Euro Mindestlohn“
      Die Linkspartei würde sich ärgern.

      • Das kommt sicher noch, denn die Hauptklientel wird es freuen und die Extreme sind sich in vielem ähnlich (ein Kreis würde das besser darstellen als eine Gerade).

      • Ja ein Kreis kann aber niemanden rechts oder links überholen.

        Da gibst eine Geheimtipp- Partei in Deutschland die UAP. Deren Hochburg scheint scheinbar in NRW zu liegen.

        „……….Die UAP – nicht zu verwechseln mit der linkssozialistischen, von 1950 bis 1952 bestehenden Unabhängigen Arbeiterpartei Deutschlands (UAPD) – versteht sich selbst als „nationalistische und sozialistische Arbeiterpartei“, sie wird in der politischen Wissenschaft allgemein als eine Partei des „Neuen Nationalismus“ angesehen. Sie kritisiert die übrigen Rechtsaußenparteien als „national-kapitalistisch“ und beruft sich in ihrer Programmatik auf die Brüder Gregor und Otto Strasser. Die UAP sieht die SPD als CDU-Kopie an…………….Die UAP hat mehrfach an Bundestagswahlen teilgenommen, wobei sie bei der Bundestagswahl 1969 mit 5.309 Stimmen und 0,0 Prozent ihr bestes Ergebnis erzielte. Seit ihrer Gründung beteiligte sich die Partei regelmäßig an den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen, erreichte jedoch stets weniger als 0,1 Prozent der Stimmen. Zuletzt trat sie bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2010 mit nur noch einem Direktkandidaten an und erreichte 108 Stimmen (0,0 Prozent).“
        https://de.wikipedia.org/wiki/Unabh%C3%A4ngige_Arbeiter-Partei

        Wie viele Unterschriften braucht man eigentlich in NRW um Direktkandidat zu sein ?, na immerhin 108 Stimmen erreicht.

  2. Das sind doch bei der AfD alles nur Einschätzungen aufgrund ununterbrochener medialer Dauerberieselung. Die AfD hat ein Programm der Mitte!

    • Das Programm der AfD ist immer noch das von Anfang 2013. Die Partei steht jetzt jedoch viel weiter rechts oder jedenfalls weit weg von der liberalen Mitte (Putinfreundschaft findet sich z. B. auch bei Die Linke), wie die Anhänger (erklärten Wähler) selbst einräumen.

      • Denke die Wahrnehmung der afd als „rechte“ partei dürfte der Prominenz der flüchtlingspolitik geschuldet sein. Der Kontrast in der Frage zu allen anderen Parteien spiegelt sich in der Skala nieder.
        Merkels Politik scheint hingegen goldrichtig zu sein. Sie maximiert ihren stimmanteil wenn sie die Rechteste aller linken positionen vertritt. Für eine Koalition mit irgendeiner linken partei wird es dann immer reichen.

        Die frage, die mich am meisten untreibt ist warum Merkels desaströse Politik immer noch diesen enormen Rückhalt in der Bevölkerung genießt. Warum also unsere Bevölkerung so weit links ist.

    • Wer Gedanken, Parolen und Vorschlaege/ Antraege der AfD Mitglieder kennt weiss, dass AfD von Mitte redet abet von Rechtsnational traeumt! Nein, AfD wird nie liberal-konservative Mitte werden. Und fuer diese Beurteilung ist nicht die Presse verantwortlich sondern die populistischen Funktionaere und „Denker“ aber auch einfache verirrte Mitglieder die an einem Opfer–Minderwertigkeits-komplex leiden.

      • Die AfD ist konservativ-liberal gestartet und dann immer weiter nach rechts gerückt. Der Trend ist ungebrochen. Eine Trendumkehr ist nicht völlig ausgeschlossen, aber zumindest ich sehe sie nicht und auch niemanden, der sie noch einleiten könnte.

  3. Hr. Höcke bekommt viel mediale Aufmerksamkeit, mehr wohl als dies seine Wichtigkeit in der Partei rechtfertigen würde. Seine schrillen töne sind offenbar immer für ein bisschen Empörung gut. Gestern im freitäglichen afd bashing in der Heute Show wurde wieder ein alter auftritt von ihm aufgewärmt.

    Was halten Sie eigentlich von der Reform der parteienfinanzierung zulasten des afd goldhandels? Betrifft das auch die Geschäfte der anderen Parteien (zb Zeitungen der spd)?

    • Den Goldhandel habe ich von Anfang an abgelehnt (siehe hier mit nachfolgender Diskussion). Da wurde ganz eindeutig eine Rechtslücke ausgenutzt (da „Einnahmen“ statt „Überschuss“ o. ä. im Gesetz steht), die dem Sinn des Gesetzes widerspricht. Von daher befürworte ich die rechtliche Klarstellung, nicht aber den gleichzeitigen Versuch, den großen Parteien noch mehr öffentliche Gelder zuzuschieben. Das hat mit den politischen Positionen der AfD nichts zu tun, eher schon mit einem tricksenden Verhältnis zum Recht (übrigens seinerzeit noch durch Herrn Lucke).

      • Wenn ich die Sache richtig verstehe, gilt die Änderung rückwirkend. Also für das gesamte Jahr 2015, o der sogar 2014. Der AfD brechen also nicht nur zukünftige Einnahmen weg, was ja angesichts des fragwürdigen Goldhandels, noch nachvollziehbar gerechtfertigt wäre, sondern die AfD muss erhaltenes und bereits ausgegebenes Geld zurückzahlen. Sehe ich das richtig? Ein Gesetz, das rückwirkend gilt und eien Oppositionspartei in den Bankrott treibt, das wäre ein gewaltiger Schritt in Richtung türkischer oder russischer Demokratie.

      • Man sollte nicht alles glauben, was in der Zeitung steht, sondern auch einmal selbst ins Gesetz bzw. den „Gesetzentwurf“ schauen. Die Ergänzung von § 19 Abs. 4 Parteiengesetz um folgenden Satz 2 finde ich inhaltlich vernünftig: „Dabei sind Einnahmen aus Unternehmenstätigkeit (§ 24 Absatz 4 Nummer 5) nur in Höhe des nach Abzug der Ausgaben (§ 24 Absatz 5 Nummer 2 Buch stabe f) verbleibenden Betrages zu berücksichtigen.“ Problematisch ist höchstens, dass dies bereits ab dem Rechenschaftsbericht 2015 gelten soll. Diese Berichte gibt es noch nicht, so dass es sich zumindest formal nicht um eine Rückwirkung handelt. Allerdings ist die Berichtsperiode schon fast vorbei, was Anpassungen an eine geänderte Rechtslage schwierig macht.

      • Die Bemessung der eigen erwirtschafteten Gelder in 2015 gilt m.W. für Gelder aus der Parteienteilfinanzierung für 2017.

        Also genau dann wenn in NRW und im Bund Wahlen anstehen.

  4. der Beitrag klang eigentlich viel versprechend, wenn ich mir auch wenig unter einer Scala vorstellen kann, dessen Zwischenschritte nicht mit Zuordnungen versehen sind.

    Welche Positionen vertritt denn eine Partei mit 7,2? oder 4,1?

    Die AfD hat viele ihrer Mitglieder aus dem eher liberaleren Lager verloren – und das legt es nahe, dass durch die stärkere Wichtung eher konservativer Mitglieder, die Gesamtpartei sich auf einer gedachten Scala nach rechts verschiebt.

    Auch zu meinem Ärger verfügt die AfD noch über kein (neues) Parteiprogramm, so dass man aus dieser Richtung auf Vermutungen angewiesen ist, was die letztliche Ausrichtung ausmachen wird.

    Wir können jetzt und hier über Parteien trefflich streiten – aber – welche Partei hat überhaupt noch die Chance nachhaltig etwas zu ändern? Werden sich die anderen Parteien besinnen und nicht nur an bestimmten Symptomen herumdoktern, sondern sich in Problemlösungen versuchen und wenn ja – welche?

    Und hier geht es längst nicht mehr um rein nationale Probleme – zumindest die gesamte EU ist involviert. Und man sollte Eines nicht vergessen: Zuverlässig haben alle sozialistischen Systeme immer alle gleich arm gemacht, selbst in Industrieländern.

    Die AfD ist sicherlich noch weit vom Optimum entfernt – aber ich sehe keine andere Alternative. Vielleicht schafft die AfD es nicht ihren Ansprüchen gerecht zu werden, aber wenn eine Partei Lösungen herbeiführt wird es die AfD sein.

    Ich habe Alles Verständnis für die Exmitglieder, die nun ihre Chips auf Alfa setzen – zumal ein Parteiaufbau ja viel Raum für das eigene Wunschdenken lässt. Genauso wie ich viel Verständnis für Ausgetretene haben, die sich meist enttäuscht vom politischen Engagement abwenden.

    Unterm Strich aber bin ich der festen Überzeugung: Wenn man denn die Lage in Deutschland und Europa als ernst ansieht, dann bleibt nichts Anderes als in der AfD aktiv zu werden.

    • Warum soll man seine politische Ausrichtung nicht auf einem Kontinuum angeben können? Allerdings vermute ich, dass tatsächlich ganzzahlige Werte abgefragt wurden und sich die Nachkommastellen durch die Durchschnittsbildung ergeben. Problematischer ist die Verengung auf eine einzige Dimension mit der Folge, dass sich die Extreme in ihrem jeweiligen Kollektivismus ähnlicher sind als der liberalen Mitte.

      Welche konstruktiven Problemlösungen bietet die AfD denn noch an? Letztlich ist das aber auch egal, weil sie ohnehin auf absehbare Zeit keine Regierungsverantwortung übernehmen wird. Ihre Rolle ist die einer grundsätzlichen Opposition, die die Regierung zum Handeln zwingt. Dabei bewegt sie sich hoffentlich in die richtige Richtung. Ansonsten muss man die Regierung kritisieren, nicht die Opposition.

    • Die Logik erschließt sich mir nicht: natürlich bleibt die Alternative, sich für ALFA zu engagieren, wenn man etwas ändern will. Die AfD scheint mehr denn je eine 1-Themen Partei zu werden. Aber sind Asylbewerber unser einziges Problem?

      • Deutschland hat viele, vor allem politische Probleme, aber sas ändern Sie denn mit dem Engagement für eine Drei-Promille-Partei, die auf Goldhandel und rechtswidrige Lotterien bei der Unterschriftensammlung setzt? Mal sehen, ob der CDU-Parteitag etwas bringt.

  5. Während man sich noch über die Positionierung der AfD Gedanken macht, gibt es bereits eine Partei, die programmatisch den von breiten Teilen der Bevölkerung gewünschten Platz in der Mitte bereits besetzt hat: ALFA.

    • ALFA ist zu klein für die Befragung, doch persönlich würde ich sie rechts der Mitte platzieren, ungefähr dort, wo die AfD letztes Jahr stand. Wenn es allein um diese Platzierung ginge, müsste ALFA also bessere Chancen haben als die AfD, doch offensichtlich spielen noch andere Faktoren eine Rolle, z. B. die Bekanntheit und Größe.

  6. Der Linkstrend in der CDU begann schrittweise schon unter Helmut Kohl. Ich war 20 Jahre Mitglied in der als besonders „progressiv“ geltenden rheinland-pfälzischen CDU, war in verschiedenen leitenden Funktionen der Schüler Union und der Jungen Union tätig und könnte ein enthüllendes Buch über die Entwicklungen schreiben. Merkel hat den Linkstrend noch einmal beschleunigt und grundsätzliche CDU-Positionen gegen rot/grüne Inhalte ausgetauscht.

    In manchen anderen Staaten, vor allem in Lateinamerika, sind christdemokratische Parteien sowieso eher linkslastig. Der einzige Fehler meines großen Idols Franz-Josef Strauß war es, die bundesweite Ausdehnung der CSU als (damals) „Vierte Partei“ nicht konsequent durchzuziehen. Die Pläne von Strauß wurden aber von Max Streibel an Kohl verraten (wie Kohl in seinem Buch „Erinnerungen“ selbst zugibt).

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