„Wer oder was bestimmt die Personalpolitik von Unternehmen?“

Heute habe ich bei der 13. Jahrestagung des Arbeitskreises Empirische Personal- und Organisationsforschung (AKempor) in Lüneburg an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wer oder was bestimmt die Personalpolitik von Unternehmen?“ teilgenommen (siehe S. 2 vom Programm). Dabei habe ich die Position vertreten, dass vor allem die relevanten, durchaus regulierten Märkte den Rahmen für die Personalpolitik vorgeben. Sie wird dadurch nicht determiniert, aber maßgeblich bestimmt, wobei nicht nur eine richtige Personalpolitik für alle existiert, sondern es auch hier immer Alternativen gibt. Die Auswahl trifft in der Regel die Unternehmensleitung, während die Personalabteilung eher ausführende oder sogar nur verwaltende Funktion hat. Schließlich hat jede Führungskraft Personalverantwortung, denn sonst handelt es sich nicht um eine Führungskraft. Diese Verantwortung ist wichtig für die operative Umsetzung der Personalpolitik bzw. prägt diese bei den einzelnen Mitarbeitern.

Erstaunlicherweise war das alles nicht wirklich kontrovers. Insbesondere die große Bedeutung der Märkte oder vereinfachend des Marktes wurde eigentlich von allen Diskussionsteilnehmern anerkannt, aber z. T. wohl unterschiedlich verstanden. Für mich ist der Markt kein Abstraktum oder eine anonyme Macht, die die Freiheit der Menschen beschränkt, sondern die Summe der individuellen freien Entscheidungen im wirtschaftlichen Bereich. Märkte entstehen spontan, können jedoch reguliert werden, wobei sie bei Überregulierung degenerieren oder als Schwarzmarkt jenseits der Legalität fortbestehen. Die (nicht nur personal)politischen Streitfragen gehen dann vor allem darum, was wie und wie stark reguliert werden sollte, aber auch welche Ziele die Unternehmensleitung eigentlich verfolgen sollte.

8 Gedanken zu „„Wer oder was bestimmt die Personalpolitik von Unternehmen?“

  1. Meines Erachtens greift der Staat viel zu stark in die Personalpolitik ein. Das fängt mit den sehr hohen Zwangsabgaben an und hört beim Kündigungsschutz noch lange nicht auf. Von einem freien Markt kann da überhaupt keine Rede sein.

  2. Where is the message?
    Die Personalpolitik großer Unternehmen ist immer eingebettet in die Unternehmensstrategie. Sie wird determiniert durch die mittel- und langfristigen Unternehmensziele und natürlich durch die Personalbedarfsstrategie eines Unternehmens und ist daher immer weitsichtig und eher mittel- oder langfristig (zumindest wenn sie gut ist..) ausgerichtet. Übrigens lässt sich die Arbeit der Personalabteilung bei der Betreuung von Mitarbeitern und bei ihrer Rekrutierung nicht nur auf Verwaltungsaufgaben reduzieren. Bei der psychologischen Beurteilung der Leistungsfähigkeit und der charakterlichen Eignung von Bewerbern erfüllen Personalabteilung eine wichtige Aufgabe. Unternehmen, die ihre Personalpolitik ausschließlich am „Markt“ ausrichten, betreiben daher eher eine schlechte und wenig zukunftsweisende Personalpolitik.

    • Die ganze Unternehmensstrategie sollte am relevanten Markt ausgerichtet sein, welcher meistens nicht der Arbeitsmarkt ist. Die von Ihnen genannten Aufgaben der Personalabteilung werden zunehmend von externen Spezialisten erbracht.

      • Personalpolitik in einem Unternehmen ist zu wichtig um es externen „Spezialisten“ zu ueberlassen. Z.B Dipl. Psychologen etc. wissen viel koennen aber meistens aus Mangel an Industrie- und Menschenfuehrungs-Erfahrungen nicht liefern. In-house Personalabteilungen sind wichtige Serviceabteilungen koennen nur in engem Zusammenarbeit mit Fachabteilungen und Management funktionieren. Und Personalpolitik verlangt viel Fingerspitzengefuehl und noch mehr Zeit und Kommunikation! Rekrutierungsfehler und auch Personalfuehrungsfehler sind meistens sehr teuer.

      • Die Personalpolitik wird in der Regel weder von der Personalabteilung noch externen Personaldienstleistern gemacht, sondern wie ausgeführt von der Unternehmensleitung und den Führungskräften nach Maßgabe der marktlichen und sonstigen Gegebenheiten.

    • Bitte bedenken Sie, dass die meisten Arbeitsplätze immer noch von KMUs (kleine und mittlere Unternehmen) geschaffen werden und nicht von den Großkonzernen.

      Bei Konzernen gibt es sowohl größere Personalabteilungen mit Psychologen und anderen Spezialisten, als auch (zumindest für die Personalsuche) das inzwischen in der Tat weit verbreitete Outsourcing an Headhunter.

      Im kleinen Unternehmen hingegen ist die Personalpolitik meist Chefsache.

      • Auch in Großorganisationen kann die Rekrutierung an die einzelnen Vorgesetzen delegiert werden, wie das z. B. an Universitäten der Fall ist. Die konkrete Personalführung ist ohnehin immer Sache der jeweiligen Vorgesetzten.

      • @AD

        Das stimmt natürlich. Aber KMUs nehmen viel seltener die Dienste sogenannter Personalagenturen oder Headhunter in Anspruch. Kleine Unternehmen so gut wie gar nicht.

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