Kein Symbol gegen Terror aus Angst vor Terror

Es sollte ein Symbol für die Freiheit und gegen den Terror nach der ‚Neue[n] Anschlagsserie in Paris‘ sein, doch dann wurde kurzfristig das „Länderspiel Deutschland gegen Niederlande abgesagt“. In gewisser Weise ist das ein Sieg des Terrors, zumal der reine Schrecken ganz ohne reale Gewalt wirkt. Angesichts einer konkreten Gefährdungssituation ist es natürlich trotzdem richtig, lieber auf ein Fußballspiel zu verzichten, als zahlreiche Menschenleben zu riskieren. Bundesinnenminister Thomas „[d]e Maizière wehrt Fragen zum weiteren Bestehen von Bedrohung ab“ und äußert sich paradox, nämlich verunsichernd so: „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.“ Zuvor war übrigens schon das „Länderspiel Belgien gegen Spanien abgesagt“ worden. Andere sind hingegen mutiger: „Frankreich verliert Länderspiel in England mit 0:2“.

13 Gedanken zu „Kein Symbol gegen Terror aus Angst vor Terror

  1. Sie sind ein großartiger Autor. Ich lese Ihre Beiträge wirklich gern und kann Ihnen fast immer zustimmen.

  2. Dass Massenveranstaltungen treffliche Zielscheiben des Terrors sind, liegt leider auf der Hand. Wäre unser Staatensystem kleinräumiger (Regionalprinzip), hätten Terroristen keine großen Ziele mehr und auch kriegstreibende Supermächte wüssten nicht, wohin sie ihre Bomben werfen sollen. Die Sicherheit ist neben direkterer Demokratie, Autonomie und gesünderem Leben ein weiterer triftiger Grund für ein echtes Europa der Regionen und nicht der großen Nationalstaaten oder gar eines Mega-Zentralstaats „Vereinigte Staaten von Europa“. Ich bin bereits sehr gespannt, wer die ersten sind, die der EU den Rücken kehren.

    • Glauben Sie, dass sich ohne Nationalstaaten weniger für Fußball interessieren, z. B. weil die Regionalmannschaften viel schlechter wären? Außerdem hatten wir schon diskutiert, dass nicht nur im sportlichen, sondern auch im militärischen Bereich Größe ein Vorteil ist. Deshalb nimmt in friedlichen Zeiten die Zahl der Staaten zu (auch wenn das selbst nicht immer ganz friedlich geschieht) und in gewalttätigen Zeiten nimmt sie ab.

      Wenn jemand demnächst die EU verlässt, wird es Großbritannien sein. Das wäre weder für die Briten noch für uns gut.

      • @Alexander Dilger

        Dass größere Staaten von Vorteil seien, ist Ihre Auffassung, nicht meine.

        Meines Erachtens bedürfte es der ganzen irrwitzigen Militarisierung und Rüstung in diesem Ausmaß überhaupt nicht, wenn es viele Kleinstaaten gäbe. Denn wer soll dann noch die Bedrohung sein?

        Dieser ganze Rüstungsirrsinn ist doch überhaupt erst mit den Groß- bzw. ‚Supermächten‘ aufgekommen. Je größer die Staaten wurden, desto mehr wurde aufgerüstet.

        Fußball ist im Übrigen nicht uninteressanter, wenn die Mannschaften kleinerer Staaten aufeinander treffen. Es werden immer zwei Mannschaften mit jeweils elf Spielern aufeinander treffen. Und ob Stadien für bis zu 100.000 Zuschauer tatsächlich so ein großer Segen sind, sollten wir uns gerade in der heutigen Zeit ernsthaft fragen.

      • Sie haben eben keine Ahnung von Geschichte und Militärstrategie. Wenn Deutschland wieder zur Kleinstaaterei zurückkehren würde, gäbe es doch noch immer Groß- und Supermächte. Kleinstaaten können sich hingegen wirklich die Rüstung sparen, da sie ohnehin vom Wohlwollen der Großen abhängen.

        Schlechtere Mannschaften sind in der Regel langweiliger, insbesondere wenn sie grundsätzlich gegen bessere verlieren. Eine andere Frage ist, ob Millionen Fernsehzuschauer inzwischen nicht viel wichtiger sind als Zehntausende im Stadion. Ihre Sicherheitslage ist auf jeden Fall besser.

      • @Alexander Dilger

        Ich habe zwar eine andere Auffassung als Sie, das bedeutet aber nicht, dass ich keine Ahnung hätte. Natürlich werden nicht alle Großstaaten und Supermächte gleichzeitig koordiniert zerfallen (das wäre zu schön!), jedoch gibt es genügend Beispiele dafür, dass kleiner besser ist. Sehen Sie sich doch nur einmal Staaten wie die Schweiz, Österreich oder Norwegen an.

        Fußball ist im Grunde schnurzpiep. Es gibt tausende wichtigere Themen. Aber in einer Welt der scheindemokratischen Zentralstaaten müssen dem Volk natürlich Brot und Spiele geboten werden …

      • Niemand bestreitet, dass kleinere Staaten wirtschaftlich pro Kopf besser und individuell lebenswerter sein können. Es ist aber offensichtlich, dass größere Staaten militärische Vorteile haben. Sie haben weder Argumente dagegen noch Gegenbeispiele (wobei gelegentlich eine kleinere oder heute billigere Armee gewinnt, das dann aber überraschende Ausnahmen sind).

      • @AD

        Als Pazifist bin ich generell gegen Kriege und ich glaube auch nicht an die vermeintliche „Sicherheit“ militärischer Abschreckung. Das kann sehr gründlich in die Hose gehen.

        Zudem gibt es genügend Beispiele in der Geschichte, dass Staaten an ihren Kriegs- und Militärausgaben wirtschaftlich zu Grunde gegangen sind. Ausgenommen USA natürlich, die sich ihre Kriege von ihren „Verbündeten“ bezahlen lassen und als erfolgreiches Geschäftsmodell betreiben, was ich als den Gipfel der Perversion empfinde.

      • Gerade bei den Militärausgaben ist Größe ein Vorteil. In den Bankrott gerüstet werden doch eher die wirtschaftlich schwächeren Mächte, zuletzt die Sowjetunion von den USA. Was spricht dagegen, dass sich in einer arbeitsteiligen Welt nicht alle aufs Militärische spezialisieren? Das überlassen Sie als Pazifist doch auch anderen.

      • @AD

        Nun, ein Zwergstaat war die Sowjetunion nicht. Arm auch nicht. Die Kommunisten waren allerdings zu dämlich, den wahren Reichtum der UdSSR, nämlich ihre Bodenschätze, richtig zu vermarkten und haben sich lieber in den Ruin gerüstet.

        Gegen Ihren Vorschlag der Arbeitsteilung spricht die Abhängigkeit.

        ‚Weniger‘ wäre m.E. beim Thema Rüstung aber ohnehin ‚mehr‘, weil dann u.a. auch mehr zum Leben bliebe.

      • Deutschland gibt nur noch 1,2 % vom BIP fürs Militär aus. Das ist im internationalen und historischen Vergleich sehr wenig. Dabei sind die realen Bedrohungen zumindest momentan gar keine militärischen.

      • @AD

        Da stimme ich Ihnen völlig zu: Die realen Bedrohungen sind keine militärischen. Daher ist eigentlich jeder Euro für das Militär ein Euro zu viel. Aber 1,2% des BIP sind im Gegensatz zu früheren Zeiten schon mal ein großer Fortschritt in die richtige Richtung.

  3. Vielleicht war es ja doch so, dass das Risiko von weiteren Menschenopfer zu groß war. Als ein Einknicken gegenüber dem Terrorismus sehe ich es nicht. Die Grundtendenz ist ja, solche Veranstaltungen durchzuführen, in diesem Fall vielleicht eine Ausnahme als Einzelfall, die genauen Umstände sind uns ja auch bislang nicht bekannt geworden. Es wird sich aber jetzt ein militärisches Zusammenwirken der Russen und Franzosen ergeben, weil gestern die Russen offiziell bestätigten, dass der Flugzeugabsturz der russischen Machine über dem Sinai ein Terrorakt war. Dies ergab sich aus der Analyse der Sprengstoffspuren bei den Wrackteilen der Maschine. Es ist der gleiche Sprengstoff, den die IS benutzt. Man wird den IS vernichten müssen, die Rolle der Deutschen ist noch nicht offiziell definiert, aber es ist klar, dass dies ein Gemeinschaftsprojekt der Europäischen Union geben muss.

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