Martinszug in Aplerbeck

Heute veranstaltete die „Kolpingsfamilie Dortmund-Aplerbeck“ einen „Martinszug m. Martinsspiel auf dem Marktplatz“, woran wir mit unseren beiden Kindern teilgenommen haben. Fabian hat viel gestaunt, während Sophia alles verschlief. Wir hatten eine Eulenlaterne gebastelt, wobei elektrische Birnen besser brennen und sicherer sind als die Kerzen von früher. Es gab gleich zwei Spielmannszüge, doch leider hat niemand Martinslieder gesungen, die mir auch nicht mehr geläufig waren. Sankt Martin war heute eine Martina, die ihren Mantel nicht teilte, sondern ein separates Tuch an den Bettler überreichte. So lernen Kinder Hilfsbereitschaft, aber auch, dass selbst Heilige Fremde nicht für immer bei sich aufnehmen, sondern nach der Hilfe wieder ihrer Wege gehen bzw. reiten.

25 Gedanken zu „Martinszug in Aplerbeck

  1. Schade, dass niemand Skt. Martinslieder gesungen hat. Das sollte doch dazugehören und ist Teil unserer lebendigen Kultur und erhöht den Wert des Festes für die Kinder. Ich hoffe nicht, dass das mit Rücksicht auf andere Gruppen gemacht worden ist. Ich werde das nächste Woche bei uns beobachten und ggf. nachfragen. Wir dürfen nicht fremde Kulturen als Bereicherung ansehen und unsere eigenen dafür kappen.

    • Da wurde auf niemanden falsche Rücksicht genommen, sondern es kann halt kaum jemand singen oder kennt auch nur die Texte. Die Lieder wurden gespielt. Vielleicht drucke ich mir nächstes Mal Texte aus, aber alleine bringt es dann auch wenig bei einem doch recht großen Umzug.

      • Ist denn nicht der Kindergarten dazu da, den Kindern die entsprechenden Texte beizubringen und vielleicht auch eine Seite Lieder jedem mitzugeben ?

      • Das ist sehr traurig. An Sankt Martin habe ich als Kind wundervolle Erinnerungen. Ich betone allerdings, dass ich an Sankt Martin wundervolle Erinnerungen habe und nicht an ein Lichterfest. Ein wunderbarer Brauch, den es zu erhalten gilt, vor allem zu Zeiten, in denen sich unsere Gesellschaft gerade selbst abschafft.

      • Die Umbenennung in „Lichterfest“ wurde aber aus Rücksicht auf andere Kulturen (vermutlich Muslime) gemacht. Und das, obwohl selbst Muslime, wie ich gelesen habe, den alten Namen gerne behalten wollen. Man glaubt aber, dies sei besser für die Integration. Integrieren tun sich damit aber auch die Einheimischen. Hier würde ich mir eine Leitkultur wünsche. Stattdessen handelt man in vorauseilendem Gehorsam. Wer das auch so sieht, sollte hier protestieren, was durchaus erfolgreich sein kann, wie man anhand des Protestes gegen eben diese Pläne einer Düsseldorfer Kita sehen kann.

      • Mir scheint, dass es hier weniger um Muslime geht als um politische Korrektheit, die von Linken betrieben wird. Auch bei den offenen Grenzen sind doch weniger die hier lebenden Ausländer dafür als linke Ideologen, zu denen jetzt leider auch Frau Merkel und große Teile der Union gehören.

    • Wie sagte doch die Kanzlerin der DDR vor Kurzem: Angst sei kein guter Berater und die Menschen in der DDR sollten lieber selbst wieder öfter in die Kirche gehen, als sich vor anderen Religionen zu fürchten … 😉

      • Ähnliches habe ich im eigentlich ja tief katholischen Münsterland auch schon erlebt.Solche Beispiele zeigen m.E. sehr schön einen Aspekt der neben der falschen Rücksicht vor möglicherweise pikierten Minderheiten eine viel grössere Rolle spielt: Eine immer grösser werdende Mehrheit der Einheimischen pflegt Traditionen kaum noch, ist dazu oftmals auch gar nicht mehr im Stande (Stichwort Lieder singen) und kennt die eigentlichen Inhalte auch sont kaum. Von christlicher Tradition ist bei den meisten doch außer Geschenken an Weihnachten und Eiern an Ostern nichts mehr übrig.

        Das liegt m.E. weder an linken Ideologen noch an Muslimen oder anderen Minderheiten sondern schlicht und ergreifend an Desinteresse und Ignoranz.

  2. „ … Kindergartens. Dieser hat am 11. November noch sein “Lichterfest”.“
    Hier mein scharfer Protest:

    „Liebe Kindergärtnerin, Sie sind vielleicht nicht so gut informiert, mangels guter Ausbildung und Kinderstube. Dies ist und bleibt ein christliches Fest zur Erinnerung an einen barmherzigen Mann, ein römischer Soldat übrigens, der uns allen ein Beispiel ist, liebe Kinder.
    Im Christentum wie im Islam, liebe Laura, liebe Fatima, gibt es dieses Gebot der Barmherzigkeit (4. Pfeiler des Islam). Der Soldat hieß Martin. Deshalb nennen wir das christliche Fest St.-Martins-Fest. Alle können mitfeiern.
    Und dazu singen wir das Lied, das wir hier in Bonn alle Kinder auswendig kennen.
    Nach dem Martinszug, geht ihr liebe Laura, liebe Fatima mit Eurer Laterne zu den Nachbarn, die ein Licht im Haus haben und singt das Lied. Alle werden gut zuhören und dann werdet ihr mit Süßigkeiten beschenkt.“
    D’r hellije Zinter Mätes, dat wor ne jode Mann,
    dä jof de Kinder Kääzcher un stoch se selver an.
    Butz, butz wieder butz, dat wor ne jode Mann.
    Hier wohnt ein reicher Mann, der uns was geben kann.
    Viel soll er geben, lange soll er leben,
    selig soll er sterben, das Himmelreich erwerben.
    Lass uns nicht so lange, lange steh’n, denn wir müssen weiter geh’n, weiter geh’n.

    Ich habe schon viele kleine Beutelchen mit Haribo und Plätzchen-Mix vorbereitet.
    Am 11.11. stelle ich Terrassenkerzenlaterne vor die Tür. Ohne ordentlichen Gesang, mindestens 1 Strophe aussingen, gibt’s nichts. Ich habe großen Spaß und einen Riesenerfolg bei den Kindern, die sehr ernsthaft bei der Sache sind.
    Wir brauchen keine Sterne- oder Mond- oder Lichterfeste generieren.

  3. Frau Konorza, das gleiche Lied habe ich beim St. Martinsfest als Kind und Jugendlicher auch immer gesungen. Das ging dann schon eine Woche vor dem Fest los mit dem Brennmaterial sammeln. Das obige Lied von Ihnen war das Dotzlied. Dotz, dotz dill´je dotz, d´r heilije Santer Mätes …..Mein Dorf war Kripp bei Remagen, bis Bonn sind es 20 Km. Wenn dann der Martinsumzug durchs Dorf ging, waren alle Schul- und Kindergartenkinder dabei, die Feuerwehr und alle Vereine des Ortes. Wir älteren Kinder hatten immer angeschwärzte Weinkorken dabei, um die Gesichter der Mädchen anzuschwärzen, jedenfalls die, die wir mochten. Nach der Prämierung der Fackeln gab es dann für jedes Kind einen Hirzenmann mit Tonpfeife. Dann gab es im ganzen Dorf den berühmten Kripper Uhles, der in jedem Ort einen anderen Namen hatte. Es war Reibekuchenteig in einer Kasserolle, Speck und Mettwurst. In Sinzig heißt der unvergleichlich schmackhafte Kartoffelkuchen, „Döppcheskooche“. Doch nur sechs Straßenkilometer weiter, in Remagen, wird er „Kesselskooche“ genannt. „Dippelaabes“, wie man ihn in der Eifel kennt und nennt – übrigens auch im Tierer Raum und im Saarland – läßt sich ja noch in die artverwandte Wortfamilie einordnen. Aber ihn „Kühles“ zu nennen, wie etwa in Godesberg, das mag verstehen wer will. Lokale Eigenwilligkeit? Muß wohl, denn auch in anderen rheinischen Orten sind für den „Döppekooche“ Bezeichnungen geläufig, die mit der eigentlich naheliegenden Etymologie – „Döppe“ = Topf und „Kooche“ = Kuchen – nun wirklich nichts zu tun haben. Welchen Namen haben denn die Bonner, nehme an, das ist ihre Heimat, die nur 5 Km von Godesberg wohnen? Jetzt hat mich die Heimat etwas mitgerissen, aber ich wollte eigentlich etwas zu den Martinsliedern sagen, die fast kaum noch gesungen werden, weil man die Texte nicht mehr weiß. Das hat meist folgenden Grund: Sie dürfen die Liedertexte von St. Martin in Handschrift auf ein Blatt Papier schreiben, kopieren, verteilen und singen. Sie dürfen aber keine gedruckten Texte ablesen und singen, wegen der GEMA. Bei uns gehen die schlauen Eltern hin, kopieren den Text aus dem Internet und bauen einige Rechtschreibefehler ein zum Beweis, dass man die Texte nicht kopiert hat. So geht heute leider Tradition, irgendwann ist das alles weg

  4. Ihre lebhafte Schilderung und die schönen dialektalen Ausdrücke sind köstlich. Als Germanistik-Studenten und HiWi‘s lieferten wir der Uni Bonn Einiges zur Erforschung der Regionalsprachen und zum Rheinischen Sprachatlas. Hier zur Illustration aus einem Wortatlas – Thema „Hirzemann“. Meine Eltern, beide Flüchtlinge aus Hinterpommern und aus Oberschlesien, nannten ihn „Weckmann“:
    http://www.rheinische-landeskunde.lvr.de/de/sprache/sprachatlas/regiolektkarten/weckmann/detailseite_71.html
    Aber unser eigentliches Thema ist hier ja die gelingende Integration, eine Aufgabe für uns alle. Hier kann diese Pflege der regionalen Tradition einen positiven Einfluss auf junge zugewanderte Menschen haben, ich meine einen entscheidenden. Schreibt die Texte ab, mit der Hand!
    Lieber Herr Prof. Dilger, gibt es nicht auch eine Dortmunder St. Martins-Tradition, vielleicht mit dem Stutenmann?

    • Die Dortmunder Traditionen kenne ich (noch) nicht. Zum Kennenlernen muss man wohl selbst Kind sein oder Kinder haben. Nächstes Jahr werde ich mich auf den Umzug besser vorbereiten. Allerdings komme ich aus Bochum, welches nicht so weit weg liegt. Von Tür zu Tür zogen dort nur die Sternsinger, jetzt auch noch Kinder zu Halloween. Dafür gibt es die Umzüge mit Laternen und einem berittenen Martin, Stutenkerle und Martinsbrezeln.

      • Ist ‚Halloween‘ etwa auch abendländische Tradition?

        Fragt verwundert
        Michael Meister

      • Halloween geht auf vorchristliche keltische Bräuche zurück, kam über Irland in die USA, von wo viele Deutsche es jetzt wieder übernehmen.

      • Schon klar. Stellt sich nur die Frage, ob Irland und das Keltentum die Wiege des Abendlands sind … (?) 😉

      • Stimmt. Aber erklären Sie das mal unseren „Patriotischen Europäern (und insbesondere mitteldeutschen ‚Landsleuten‘) gegen die Islamisierung des Abendlands“ …

      • Die meisten Konservativen in Deutschland sind christlich, doch echte Rechtsradikale verachten meist diese jüdische Religion der Schwäche, die doch tatsächlich Hilfe für Menschen in Not einschließlich Flüchtlingen befürwortet, und versuchen stattdessen, vermeintlich germanisches Brauchtum wiederzubeleben.

      • Die meisten völkischen Brauchtumsfanatiker betonen aber auch, eine „christlich-abendländische“ oder gar „christlich-jüdische Leitkultur“ erhalten zu wollen Bildungsnotstand im „Land der Dichter und Denker“?

  5. Respekt, dass Sie als Liberaler kein Problem mit guten christlichen Traditionen haben!

    Ich stimme Ihnen zu, dass Hilfsbereitschaft (im christlichen Sinne „“Barmherzigkeit“ genannt) niemals Daueralimentation sein kann, sondern nur vorübergehend als Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden sollte. Unbegrenzte Unterstützung führt zu Unmündigkeit, zu Trägheit und zu Abhängigkeit (was von Sozialisten wohl so gewünscht ist…..).

    • @francomacorisano
      „Unbegrenzte Unterstützung führt zu Unmündigkeit, zu Trägheit und zu Abhängigkeit (was von Sozialisten wohl so gewünscht ist…..).“

      Genau das ist das Problem an dem unser gesamter sogenannter „Sozialstaat“ spätestens seit dem heutigen Tag vor 26 Jahren (9.11.1989) krankt.

      Schon die Ausgabe des „Begrüßungsgelds“ wurde von einem Großteil der seinerzeit nur 16 Mio. Armutsflüchtlinge völlig missverstanden. Mit der Fortführung dieser Politik werden aber immer mehr Menschen angelockt, die unrealistischerweise glauben, sie erwarte in Deutschland das Schlaraffenland.

  6. Auch wenn die Kirche in vielerlei Hinsicht keine gute Rolle spielt, kann ich Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft nach wie vor nur empfehlen. Auf so etwas wie „Lichterfest“ käme dort wohl niemand. Und liederfest wird man dort auch. Meine Kinder singen jedenfalls die ersten 4 Strophen des St. Martinsliedes problemlos auswendig, und haben auch noch einige andere im Repertoire.

    Daß Hilfe nur vorübergehend und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten erfolgen kann, ist klar, und sollte den Kindern in der Tat durch die Martinsgeschichte einleuchten. Hier werden dann die Verlautbarungen der Kirche aber problematisch, so daß man selbst gegensteuern muss.

    • Zu einem denkwürdigen Phänomen wächst sich derzeit auch das sogenannte „Kirchenasyl“ als „letztes Mittel der Barmherzigkeit“ aus.

      Ein mir persönlich gut bekanntes Gemeinderatsmitglied einer betroffenen oberbayerischen Gemeinde schrieb hierzu vor wenigen Tagen in einem Leserbrief:

      „Kirchenasyl ist verfassungswidrig und darf in unserem demokratisch verfaßten Rechtsstaat nicht geduldet werden. Leider traut sich fast niemand die erforderlichen Konsequenzen daraus zu ziehen. Immerhin hat mir Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am 07.11.2014 unter dem Aktenzeichen IA2-2080-2-8 wörtlich mitgeteilt “Kirchenasyl findet im geltenden Recht keine Grundlage. Die im Rechtsstaat vom demokratischen Gesetzgeber erlassenen Gesetze gelten für alle, auch für die Kirchen”. Allerdings habe er “mit Rücksicht auf die besondere Stellung der Kirchen in unserem Staat” die Polizei gebeten, “in Fällen von Kirchenasyl von Vollzugsmaßnahmen der Polizei abzusehen”, ohne jedoch damit “Kirchenasyl legitimieren zu wollen”. Offensichtlich ist die Amtskirche in Deutschland mächtig, vielleicht sogar übermächtig, zum Glück aber nicht allmächtig, das ist einzig und allein unser Herrgott. Etwaige moralische Gründe scheiden ebenfalls aus, da – wie Minister Herrmann weiter schreibt – unser Recht “in vielfältiger Weise humanitäre Belange berücksichtigt, besteht für Kirchenasyl auch kein Bedarf”. Dieser allerdings hätte unter der fürchterlichen Nazi-Tyrannei dringend bestanden, aber da waren “unsere” beiden Amtskirchen zu feige sowie zu opportunistisch und haben lieber z.B. Pater Adolf Delp und Pfarrer Dietrich Bonhoeffer schutzlos den Nazi-Schergen überlassen. Heute hingegen ist es wohlfeil, ja geradezu image-fördernd, angesichts einer willkommens-euphorischen Presse publikumswirksam Kirchenasyl außerhalb der Legalität für rechtskräftig abgelehnte Asylbewerber zu praktizieren. Das ist ein unerträglicher Zustand, erheben sich die beiden Amtskirchen doch damit verfassungswidrig über die staatliche Autorität.“

      Was sich die Kirchen da herausnehmen, ist in der Tat skandalös und eine einzige Verhöhnung tausender in ihrer Existenz bedrohter Kirchensteuerpflichtiger, die von den Amtskirchen der Kirchensteuer wegen sogar mit Pfändungsmaßnahmen schikaniert werden, für die sich die Amtskirchen selbstredend staatlicher Hilfe bedienen, nämlich den Vollstreckern der Finanzämter. Was für eine Scheinheiligkeit!

  7. Pingback: Laternenumzüge | Alexander Dilger

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